Mittwoch, 3. Dezember 2008

L´attrape-coeurs von J.D.Salinger


Durch Zufall (oder Vorsehung??) bin ich nun zum vierten Mal über dieses Buch gestolpert. Diesmal in einem französischen Second-Hand Buchladen. Da der französische Titel keinerlei Assoziationen mit dem mir schon bekannten Buch hervor rief,. las ich also den Fänger im Roggen, Salingers berüchtigtes Buch zum vieren Mal.

Und wie der wundervoll verlorene Protagonist Holden Caufield bemerkt, ist man bei der zum wiederholten mal scheinbar gleichen Tätigkeit ein anderer Mensch und somit ist auch die Tätigkeit an sich eine andere. Denn man wächst und verändert sich aus seinen Erfahrungen hinaus.

Und so ist auch dieses mal das von allen vieren schönste mal gewesen, die Lektüre dieses Buches hat mir noch nie so gut gefallen. Vermutlich war ich bei den ersten malen noch zu sehr wie Holden Caulfield selber in seiner Orientierungslosigkeit gefangen.

Genau wie er befand ich mich in der Phase die ich als vielleicht schwerste in unserer Entwicklung erachte, die Zeit in der man glaubt sein zukünftiges Leben festlegen zu müssen, indem man sich für einen Studien und Berufsweg entscheidet.
Und erst jetzt im Rückblick sehe ih wie treffend seine Ängste und Befürchtungen beschrieben sind, damals hab ich wohl noch zu sehr zu ähnlich gefühlt.
angst dass man das wird was man nicht möchte, denn oft erschien das Leben der "Erwachsenen" als zu trist und murmeltierartig gleichförmig. Man stiess sich an Konventionen und Einstellungen, an Haltungen und Umgangsformen.
Und vor allem litt man an den vermeindlichen Erwartungen der Eltern, die man auf der einen Seite erfüllen wollte, aber auf der anderen Seite nicht erfüllen konnte, wichen sie doch zu der Zeit von den eigenen Vorstellungen vom Leben ab.

Die Zeit damals war die schlimmste Zeit in meinem Leben und genauso wie Holden auch hab ich sie nur mit Hilfe und liebevoller Sorge von anderen gemeistert. Die eigenen Fragen und Sorgen, die ungewisse Zukunft und die Orientierungslosigkeit und die vielen Möglichkeiten und Perspektiven haben so große Ängste in mir ausgelöst, dass ich wie er krank wurde.

Aber er hat sich helfen lassen und erzählt uns seine Geschichte, die Geschichte von der Zeit des Rauswurfs aus seiner Schule bis zum Nach Hause kommen ein paar Tage später und die Odyssee die dazwischen liegt. Ein Zeitraum von wenigen Tagen der aber so voller Fragen und Eindrücken ist, dass es einem Abenteuer gleich kommt.
An dessen Ende vertraut sich Holden der Hilfe anderer an und redet.
So wie ich damals.

Und heute kann ich wie Holden zurück blicken auf diese schreckliche Zeit und sehen, dass die Ängste die man vor Ungewissen Dingen hat das Schlimmste sind und das niemals etwas geschieht, wie das was man sich ausmalt.

Darum war das Buch diesmal so wundervoll zu lesen für mich:
Ich hab so gut nachvollziehen können wovor Holden Angst hat und warum aber gleichzeitig hatte ich dieses mal die selben Ängste nicht.
Nicht mehr. Wie Holden, wie man auf den letzten Seiten erfährt, habe ich diesen Nebel der Orientierungslosigkeit hinter mir gelassen.
Und sehe jetzt im Rückblick wie gefährlich diese Zeit war und wie sehr sie mich geprägt hat.
Aber auch positiv. Ich hab keine Angst mehr. Weil ich eben erkannt habe dass die Angst schlimmer ist als alles was tatsächlich eintritt.
Und dass das Leben nie an einem Punkt für immer fest gelegt wird. Jeder Tag ist neu. Und man kann mit seiner eigenen Geisteshaltung so viel verändern und beeinflussen. Sein eigenes Glück bestimmen.
Ich habe mein Glück gefunden und das ist unabhängig von der Berufswahl die ich damals getroffen hab. Oder von den Menschen um mich herum.
Das Glück liegt in mir drin und das ist auch das Buch der Fänger im Roggen:
die Suche eines jungen Menschen nach sich selbst.

Jetzt hab ich kaum etwas über den Inhalt erzählt aber ich glaube das brauche ich auch nicht. Das Buch ist nicht besonders dick oder komplex, auch wenn es wunderbar reichhaltig und spannend zu lesen ist.
Es besticht durch Holdens lockere aber nicht vulgäre Sprache, durch seine wie mir erst jetzt bewusst wurde grandios liebenswerte aber auch kritische Art und vor allem: auf die Echtheit.
Holden Caulfield ist ein so echter Charakter wie es ihn in der Literatur wohl nicht so sonderlich oft gibt. Und das ist mir eben erst jetzt mit meinen Erfahrungen bewusst geworden, Früher hab ich das Buch von Salinger gemocht, aber nie ganz verstanden warum so ein riesen Bohei um dieses mysteriösen Autor gemacht wurde der wie ein phantomhafter Eremit lebt und auf dessen neues Meisterstück jahrelang gewartet wurde.
Jetzt erkenne ich die Genialität an diesem Klassiker der modernen Literatur.
Es ist ein Buch das exemplarisch und fast schon universell die wichtigste Station im Heranwachsen beschreibt und das auf eine so einzigartige und persönliche Art und Weise das man sich fragt ob Salinger Holden Caulfield ist denn er ist so echt dass man es sich schwer ausdenken kann.
Und seine Art sich auszudrücken, bzw. seine hilflosen Versuche seinen Gefühlen verbalen Ausdruck zu verleihen sind teilweise so wunderbar dass man ihn lieben MUSS. So wie er seine kleine Schwester Phoebe liebt und bewundert und seinen geliebten Bruder DB dafür verurteilt, dass er, der Schriftsteller, sich in Hollywood als Drehbuchschreiber prostituiert muss man einfach Sympathien für diesen schlaksigen erwachsenen kleinen Jungen mit den partiell weissen Haaren haben, seine Einstellung zu Frauen und Sexualität ist rührend und seine Höflichkeit ergreifend.

Ich glaube, ich war ein bisschen in Holden Caulfield verliebt.
Irgendwie hat er auch glaube ich in menschlicher Form zu mir gefunden, aber das ist eine andere, zu persönliche Geschichte.. jedenfalls gebe ich mir jetzt in meinem Leben viel Mühe, diesem Holden Caulfield seine Ängste vor der Zukunft zu nehmen. Weil ich selbst ein Holden Caulfield war und groß geworden bin ohne "erwachsen" zu werden.

Ein ganz ganz tolles Buch.
Und ich bin wieder einmal voller Dankbarkeit dass ich aus der Zeit raus bin, die mich damals fast kaputt aber für heute ungemein stark gemacht hat.
Und wenn ich könnte würde ich allen Holden Caulfields gerne zurufen:
Habt keine Angst!!!
Nicht vor dem Leben.
Denn das ist großartig und bietet so wahnsinnig viel mehr als es uns androht.

Détails sur le produit

* Broché: 252 pages
* Editeur : Pocket (24 mai 2002)
* Collection : Best
* Langue : Français
* ISBN-10: 2266125354
* ISBN-13: 978-2266125352

Donnerstag, 20. November 2008

Tombouctou von Paul Auster


Timbuktu ist der Ort, an den die Seelen der Menschen kommen, nachdem die Menschen diese Welt verlassen haben. So oder so ähnlich beschreibt der obdachtose und umher reisende Gelegenheits-Philosoph und Würde-gern-Schriftsteller Willy mit dem selbstgegebenen Nachnahmen Christmas den Ort an den er gehen wird. Denn Willy ist krank. Nicht nur mental, er leidet schon seit langem unter temporären Wahnvorstellungen, nein, Willys Körper ist auch voll von bösen Dingen, vermutlich Tumoren.
Also bereitet er sich und seinen besten Freund, den Mischlings-Köter Mr.Bones auf ein neues Leben vor. Ein Leben in dem beide (vorläufig) getrennte Wege gehen müssen.

Die Geschichte, die Paul Auster hier dem Leser schenkt ist die von Einsamkeit, der Suche nach einem Zuhause und Freundschaft. Es ist eine Art moderne Fabel über Obdachlosigkeit und emotionale Abhängigkeit, gesellschaftliche Kälte und Normen.

Es ist aber auch die Geschichte eines Hundes, und das ist das wunderbare: man hat von nun an das Gefühl, jeden Hund ein klein wenig in die Seele blicken zu können, ihn besser zu verstehen.
Denn die Geschichte ist die von Mr. Bones und sie ist größtenteils aus seiner Sicht geschrieben.
Wie Mr.Bones die Welt sieht, wie wichtig Gerüche für ihn sind, wie wichtig die Liebe seines Begleiters und Herrchens Willy.

Und als Willy stirbt gibt dieser ihm noch durch Träume allerhand kluger Ratschläge mit auf den Weg wie er von nun an alleine sein Glück und Auskommen suchen soll, doch Mr Bones ist zwar nicht dumm, aber auch sehr sentimental und so manchmal etwas verwirrt von dem was Willy ihm sagen möchte.

Aber er macht sich trotzdem auf den Weg, findet erst Unterschlupf bei einem netten chinesischen Jungen, wird dann aber von dessen Vater zum Teufel gejagt um dann inmitten einer amerikanischen Durchschnittsfamilie zu landen.
Und hier erwarten ihn materielle Versorgung und emotionale Achterbahnen, Regeln und Ausnahmen davon, Depressionen hinter Heile-Welt-Fassaden und alles andere als Beständigkeit.

Aber die sucht Mr.Bones vermutlich auch gar nicht mehr in dieser Welt.
Auch er ist alt und er sehnt sich seit Willys Trennung von ihrem Wiedersehen und hofft inständig, dass der Gott der Menschen ihn auch in das Timbuktu der Menschen lassen wird, denn was soll er in dem der Tiere wo doch sein bester Freund woanders ist?

Wie immer gibt es bei Paul Auster ein schönes Ende, ohne Kitsch aber mit dem Gefühl. etwas tolles und wertvolles gelesen zu haben.
Etwas das einem mehr über die Menschen gezeigt hat als man glaubte zu lernen in so einem kleinen Buch.
Ein wahrhaft feines Buch. Voller Wahrheiten, Philosophien und märchenhaften Ereignissen.
Und ein Augen-öffner für Leute die Hunde betrachten.

Détails sur le produit

* Poche: 186 pages
* Editeur : LGF - Livre de Poche (9 janvier 2002)
* Collection : Livre de poche
* Langue : Français
* ISBN-10: 2253152080
* ISBN-13: 978-2253152088

Dienstag, 18. November 2008

Le Petit Sauvage von Alexandre Jardin


Welch ein wunderbares Kleinod ich da in dem fabelhaften Second-Hand Buchladen in Paris gefunden habe! Unschätzbar wohl nicht nur aufgrund des wundervollen Inhaltes sondern auch angesichts der Tatsache, dass dieses Buch wohl kaum noch verlegt wird, was mir unerklärlich ist.
Denn Le Petit Sauvage von Alexandre Jardin ist ein wunderbares und wie ich finde unschätzbares Plädoyer für die unerlässliche Bewahrung des Kindes in einem.

Die Geschichte von Alexandre Eiffel, der sich eines Tages durch diverse Umstände daran erinnert sieht, dass er einmal der kleine verrückte Wilde war, ein Kind das von (radio) Aktivität strotzte, Streiche ausheckte, in einer wundervollen Welt der Phantasie und der Lebensfreude lebte, geliebt von Eltern und Großmutter, umgeben von Natur und und unvorhergesehenen Momenten.
War, denn nun entdeckt er, dass er ein anderer geworden ist, der kleine Wilde ist verschwunden, hat dem erwachsenen Alexandre Eiffel Platz gemacht, der ein überaus geregeltes und geordnetes Leben führt, eine erfolgreiche Schlüsselfabrik führt und mit einer schönen aber äusserst berechenbaren Finnin verheiratet ist.

Durch die Stimme eines Papageis wird ihm die Erinnerung ins Gedächtnis zurück gerufen, die wundervolle Kindheit die grausam vom Tod seiner Eltern unterbrochen wurde der ihn aus dem Paradies vertrieb, sukzessive und schleichend zu einem ernsten Heranwachsenden und dann zu einem respektierten Mitglied der Gesellschaft machte. Angepasst und eingenormt, in den Augen des kleinen Wilden eine Katastrophe!!!

Alexandre Eiffel beschliesst die Notbremse zu ziehen, zurück zu seinen Wurzel zu finden, den kleinen Wilden seiner Kindheit wieder zu entdecken und ihm das Steuer seines Lebens zu überlassen.
Er verlässt von jetzt auf gleich sein geordnetes Leben in Paris, kehrt zurück in den Süden, erobert das alte Anwesen zurück und schmiedet Pläne von einst.

Inseln müssen entdeckt und erobert werde, alte Freunde aufgetrieben und schon damals geliebte Herzen erobert werden.
Dazu muss die geliebte und unzähmbare Großmutter aus einem Heim zurück geholt werden, damit sie ihm von nun an Taschengeld gibt wie damals, denn mit Geld und derlei langweiligem Erwachsenengedöns möchte der kleine Wilde fortan nichts mehr zu tun haben.

Ein Abenteuer beginnt, für den Leser und auch für Alexandre, ein Abenteuer in dem sich der unbeschwerte und sorglose Tatendrang mit den Weisheiten und Erfahrungen (auch in sexueller Hinsicht) eines Erwachsenen vermischt, eines Erwachsener der konsequent nicht mehr erwachsen wirken möchte, der Spontanität und unverblümte Offenheit zur Lebensmaxime macht, der den Moment leben und nicht mehr Zeit verlieren möchte mit Plänen und Regeln die ihn beschränken und in trüben Gedanken münden.
Pläne für Eroberungen können geschmiedet werden, ohne Einschränkung und Waghalsig und da macht es auch überhaupt nicht, wenn das zu erobernde Frauenzimmer bereits verheiratet ist.

Denn der kleine Wilde weiß was gut für ihn ist und das ist nun einmal eine Frau die das Mädchen in sich nie verloren hat und mit der das Leben ein einziges Glück zu werden gewiss ist.

Und der kleine Wilde kämpft.
Und siegt.
Auch wenn Alexandre Eiffel am Ende erkennen muss, dass das Alter seinen Tribut fordert. Das leben ist endlich und man bleibt nicht ewig jung.
Aber man muss auch nie erwachsen werden. Und genau das macht Glücklich.
Die Balance zu finden, zu entdecken was einen glücklich macht und das zum obersten Ziel zu erheben. Einschränkende Regeln abzuwerfen und nach dem zu Leben von dem man im Bauch weiß dass es das richtige ist. Richtig weil das Herz es will und nicht die Gesellschaft.

Ein ganz tolles Buch. Es liest sich so schön und spannend, poetisch leichtfüssig und unverblümt offen. Zwei Abende mit dem kleinen Wilden und ich fühle mich wieder einmal darin bestätigt, dass ich richtige liege und es nichts macht dass ich nächstes Jahr 30 werde und mich immer noch wie 22 fühle und wohl sogar oft noch jünger aussehe und vielleicht auch handele...
:o)

Détails sur le produit

* Poche: 251 pages
* Editeur : Gallimard (31 août 2003)
* Collection : Folio - Numéro 2652
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070389588
* ISBN-13: 978-2070389582

The Flea Palace von Elif Shafak


Der Flohpalast hätte besser im englischen auch wie in der deutschen Übersetzung der Bonbonpalast geheissen, denn um diesen geht es und einer Bonbonschachtel gleicht auch das Buch, die Geschichte, das Haus um das es geht.

Das steht mitten in Istanbul und ist bewohnt von einer überaus bunten Mischung an Menschen, einer gemischten bunten Tüte aus dem Kiosk gleich: Menschen unterschiedlichster Couleur und mit sich nie gleichenden Charakteren, kauzigen Angewohnheiten und Geschichten.
Alle leben unter einem Dach aber das ist auch was, die Bewohner des Bonbonpalast heissenden großen Mietshaus mit phantasievoller Fassade gemein haben.
Das Dach und vielleicht die Abscheu gegenüber dem Gestank, der von allen im immer auf der Strasse präsenten Müll vermutet wird, aber vielleicht auch eine andere Ursache hat, wie später bekannt wird...

Aber dazu soll nichts verraten werden und auch zu der Geschichte darf und brauch nicht viel gesagt werden, denn das Buch lebt durch all die vielen kleinen Geschichten und Schicksale die die Bewohner in sich tragen und die die Erzählerin dem Leser näher bringt, alles gespickt mit philosophischen Gedanken und Erkenntnissen. Kurzen und kurzweiligen Abhandlungen über die Unterschiede von Phantasie bzw. Fiktion und Lüge, den Tod und den Verfall, das Leben und die Liebe.

Ein buntes, teilweise süßes, teilweise klebriges Gemisch an Gedanken und Ansichten, mal wunderbar köstlich, mal etwas sperrig. Eine Bonbonmischung an überraschenden Erkenntnissen, Einsichten, Gedankenspielen und Sichtweisen.
Das alles verpackt in bunte Geschichten aus turbulenten Leben die die Bewohner des Bonbonpalastes geführt haben und führen.

Keiner ist wie der andere und keiner ist fad, vorhersehbar oder einfach gestrickt.
Elif Shafak hat mit sehr viel Liebe zum Detail Charaktere gezeichnet und ausgeschmückt wie es sie sonst selten in so großen Anzahl auf so engem Raum zu finden gibt.
Das Buch ist wie ein Film, bildhaft und voller Leben, angefüllt mit Einzelschicksalen und voller Verstrickungen, Begegnungen, Ereignissen und Erzähl-Strängen die irgendwann wunderbar zusammenfliessen und aus einem bunten Knäul irgendwann ein harmonisches Ganzes stricken.

Ich habe das Buch sehr, sehr gerne gelesen und auch wenn ich noch nicht in Istanbul war, so habe ich doch nun eine große Menge an Bildern im Kopf. Nicht von Sehenswürdigkeiten oder bestimmten Orten, sondern von Menschen die in der Stadt leben und das spezielle Gefühl, dass ihnen genau diese Metropole mit in den Alltag gibt.

Ein wunderbares Buch. Frech und originell, bunt und aufregend, manchmal laut und manchmal leise, mal flüssig zu lesen, mal nachdenklich stimmend. Eine perfekte Bonbonmischung bei der man nie weiß was als nächstes unter dem bunten Papier auf einen wartet.

Produktinformation

* Taschenbuch: 448 Seiten
* Verlag: B&T; Auflage: New (1. Juni 2005)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 0714531200
* ISBN-13: 978-0714531205
* Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 13 x 3,4 cm

Mittwoch, 5. November 2008

La jeune fille a la perle von Tracy Chevalier


Wie es zu der Entstehung dieses wunderbar leichtfüßigen und gut zu lesenden Roman gekommen ist, lässt sich gut vorstellen: irgendwo entdeckt ein empfänglicher Mensch ein aussagekräftiges Bild und lässt sich von diesem einfangen und eine Geschichte erzählen.

Und so schenkt und der niederländische Maler Van Meer ein wundervolles Bild und Tracy Chevalier schenkt uns eine wunderbare Geschichte, die Geschichte des Mädchens mit dem Perlohrring.

Diese heisst Griet, ist 17 Jahre alt und muss, weil der Vater nach einem Unfall sein Kunsthandwerk als Kachelmaler nicht mehr ausführen kann, als Dienstmädchen bei der Familie Van Meer anfangen, ausgerechnet im Katholischen Viertel des sonst so protestantischen Delfts.

Griet wird nicht nur von dem anderen, älteren Dienstmädchen herum geschubst, auch die Älteste der vielen Töchter macht ihr das Leben schwer und die Frau des Malers kann sie nicht leiden. Nur dessen Schwiegermutter und der Maler selber behandeln die Angestellte mir Respekt und entdecken das Talent Griets, ihr Gespür für Kompositionen, ihre schnelle Auffassungsgabe und ihre Intelligenz.
Und so bekommt Griet neben dem täglichen Waschen, einkaufen und Reinemachen noch eine weitere, die sie bis spät in die Nacht beschäftigt aber auch begeistert: sie assistiert dem berühmten Maler.

Sie mischt ihm seine kostbaren Farben an und hält das Atelier sorgsam sauber.
Und versucht mit aller Kraft den Kopf über Wasser zu halten, denn das Leben als Dienstmädchen ist nie leicht, muss man doch mit der teilweise etwas despotischen Frauen-Hierachrie im Hause Van Meer klarkommen und sich obendrein den unschicklichen Avancen unredlicher Männer und damit aufkeimenden Gerüchten auf dem Markt erwehren.
Sentimentale Gefühle für den Dienstherr fehlen ebenso wie Liebes-Anbahnungen vom hübschen Metzger-Sohn.

Aber was neben dieser hübschen, leicht zu lesenden und gut unterhaltenden Frauenthematik am meisten besticht ist die Malerei, das Spiel der Farben und des Lichtes, das Arrangement von Formen und Mustern, der Ausdruck in den Gesichten und die Haltung der Portraitierten.

Ein Buch das man gerne liest und viele Seiten mit Wonne geniesst wenn man eine Liebe für Bilder, für Gemälde hegt und gerne seine Gedanken bei deren Betrachtung schweifen lässt.

Détails sur le produit

* Poche: 313 pages
* Editeur : Gallimard (28 février 2002)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070417948
* ISBN-13: 978-2070417940

A Year in the Merde und Merde actually von Stephen Clarke



Ahhh, ich bin immer noch am schmunzeln wenn ich an das Buch denke! Was für ein großartiges Lesevergnügen!! Und was für ein Nachhall! Ganz oft muss ich an so typisch französische Marotten denken und all die Fettnäpfchen in die Paul (Pol) West im Umgang mit ihnen getapst ist!!
Ein Buch wie für mich gemacht: wo ich doch so gerne in englischer Sprache lese und Frankreich und die Franzosen so lieb gewonnen hab, trotz oder wegen ihrer... Eigenarten!!

Dem Autor ist es gelungen, niemanden als böse oder verschroben darzustellen, auf die merkwürdigste Eigenart lässt er den Leser mit einem Lächeln blicken und Paul ist ein grundsympatischer Zeitgenosse, trotz seines oft fragwürdigen Verhaltens in Beziehungsdingen...

Paul West kommt im ersten Roman "A Year in the Merde" nach Paris um für einen französischen Großkonzern, der bisher ehr auf die Fleischvermarktung spezialisiert war, eine typisch britische Tee-Café-Kette zu etablieren.
Schnell merkt er, dass die Franzosen ganz anders ticken las die Briten, ihre Haltung zur Arbeit und zum Leben eine andere ist, was nicht schlecht sein muss aber erst einmal gewöhnungsbedürftig ist.
Und auch die Französinnen verhalten sich größtenteils ganz anders als die Engländerinnen, was dem Lebemann Paul am Anfang ratlose Episoden beschert.
Und so lernt er begierig gemeinsam mit dem Leben immer mehr über dieses ihm Anfangs noch so fremde Volk, findet heraus wie man am besten mit ihnen und ihrer Bürokratie klar kommt und man in Paris Getränke bestellt ohne wie ein ahnungsloser Tourist abgezogen zu werden.
Doch da Paul wie ein Magnet Chaos und komische Situationen anzieht, wird das Leben für ihn nie einfach sein und für den Leser nie langweilig.

Man lernt so viel en passant und amüsant über die Franzosen, ihre Art Politik zu machen, das Leben zu betrachten und ihre Auffassung von Arbeit, Spaß und Beziehungen, ihren Nationalstolz und ihre Sprache.
Ja, besonders die Regeln und Vorschriften die die Nutzung ihrer Sprache erlauben und sogar vorschreiben.

Paul schlägt sich wacker, taumelt von einem Fett-Näpchen in das nächste, versucht mit den Französinnen klar zu kommen und mit der Stieseligkeit seiner Kollegen, versucht hinter die Geheimnisse des französischen Verständnisses von Arbeit, Dienstleistung und Effektivität zu kommen, die hiesige Arbeitsmoral zu verstehen und natürlich: nicht in jeden die Trottoirs verzierenden Hundehaufen zu treten.

sein offizieller Auftrag, eine britisch anmutenden Teeladen-Kette in Paris zu etablieren wird leider durch den Irak-Krieg und politische Verstimmungen torpediert, aber auch andere Mauscheleien arbeiten gegen ihn und Paul muss sich überlegen, wie es mit ihm weitergeht.

Zum Glück ist er ein Optimist und Anpacker und der Leser kann so beruhigt immer weiter neuen Fett-Näpchen und Hundehaufen entgegen fiebern.

Produktinformation

* Taschenbuch: 382 Seiten
* Verlag: Random House UK (März 2005)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 0552153079
* ISBN-13: 978-0552153072





Der zweite Roman beginnt mit Pauls und Florence Urlaub bei ihrer Mutter, auf dem Land: Dort bekommt der gutmütige Engländer viele Gelegenheiten um in Fettnäpfchen zu treten, von denen er auch kaum welche auslässt.
Und so kann der Leser sich am Frühstück erfreuen, bei dem Paul hungrig eine der Schalen mit Cornflakes füllt, auf die dann von der Mama der Kaffee gegossen wird. Und dem sich dann die Frage anschliesst, ob sie ihm auch gleich die Marmelade hineingeben soll, denn anscheinend würden Engländer ihr Frühstück ja auf eigentümliche Weise zu sich nehmen...
Die latenten Ressentiments gegen den Briten wachsen sich zu immer lustigeren Begebenheiten aus und so endet der Urlaub von Paul quasi in einer Flucht zurück zu der Baustelle die sein großes Projekt, ein britischer Tee-Salon in Paris, noch ist.

Hier beginnt dann der zweite amüsante Teil des Buches und wieder muss man als Pariskenner und Franzosenfreund oft lachen und sich über manche Reglements wundern. Paul gibt aber nicht auf, begegnet den Auflagen zum Schutze der französischen Sprache mit Humor, übt sich in Geduld der Arbeitsmoral seiner Mitarbeiter gegenüber und versteht dass der Leitspruch "der Kunde ist König" in einem Land wo die Monarchen geköpft wurden, nicht so ganz seinen Zweck erfüllt...

Darüber hinaus ist ihm auch bewusst geworden, für wen sein Herz wirklich schlägt und Paul kämpft sich sympathisch in das Leben seiner Ex-Freundin zurück, leider oft so unbeholfen wie es manchmal seine Art ist und so kommt es zu unglaublich lustigen Szenen in denen der Leser nicht weiß ob er lachen oder vor Mitleid weinen soll, weil Paul schon wieder in der Tinte sitzt.

Aber am Ende wird natürlich alles gut, und das gehört sich auch so wen man ein Buch liest, dass mit sehr viel Schalk und keinerlei Boshaftigkeit oder Xenophobie die charmanten Klüfte zwischen zwei Nationen aufzeigt und ihnen das Beste und Eigentümlichste beider Seiten präsentiert.

Ein Buch prädestiniert dafür, verfilmt zu werden, denn es liest sich so bildhaft und ist so voll mit Situationskomik, dass Stephen Clark seine Romane bestimmt mit Leichtigkeit zu Drehbüchern adaptieren könnte.
Und ich denke, dass ich in diesen Fällen Ausnahmen machen würde um die Filme zu sehen, ohne Gefahr zu laufen, enttäuscht zu werden. Denn hier kann ein Film es schaffen, an den Roman heran zu kommen.
Ein ungemein vergnügliches Leseerlebnis, heiter und locker, informativ und nicht belehrend, niemals seicht und trivial, aber auch nie pathetisch oder über Gebühr tief schürfend.

Ich liebe die Bücher!

Produktinformation

* Taschenbuch: 368 Seiten
* Verlag: Bantam Press (September 2005)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 0593054776
* ISBN-13: 978-0593054772
* Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 13,6 x 3,2 cm

Dienstag, 28. Oktober 2008

L'Evangile de Jimmy von Didier Van Cauwelaert




Die Vereinigten Staaten in naher Zukunft: Umfragewerte sinken, der Präsident nach Georg Bush ist ein schwuler Demokrat der mit dem Fiasko im Irak und anderen Hinterlassenschaften vom Georg W. Bush zu kämpfen hat.
Was tun wenn die ganze Welt sich abwendet, alles vor die Hunde zu gehen droht?
Ein Messias muss her.

Welch ein Glück dass ausgerechnet jetzt bekannt wird, dass eines der Klon-Experimete aus vergangen Zeiten erfolgreich gewesen ist und gerade jetzt die Existenz eines abhanden gekommenen Klons Jesus Christi bekannt wird!

In der Tat, Jimmy Wood, 32 jähriger Vollwaise und gewissenhafter Swimmingpool-Reiniger mit gebrochenem Herzen, ist eine genetische Kopie Jesus Christi, dessen DNA man aus dem Turiner Grabtuch extrahiert hat.

Mit 6 Jahren auf mysteriöse Weise aus dem mysteriöser Weiser in Flammen aufgegangenen Forschungslabor entkommen, ahnt Jimmy nichts von seiner Entstehung und seiner schwerwiegenden Abstammung.
Und auch die Regierung und der Vatikan verloren das Experiment mehr oder weniger aus den Augen.

Doch nun scheint die Zeit reif, durch einen Hundebiss und einen Aufenthalt im Krankenhaus wird Jimmys einzigartige DNA von den Schnüffelhunden des FBI und des CIA entdeckt, die Fährte wieder aufgenommen und schon sehr bald befindet sich der gutmütige Jimmy Woods in der hochkarätigen Expertenbetreuung des Weissen Hauses wieder.

Psychologen und Theologen jeglicher Konfession, Ärzte, Ernährungsexperten und Top-Stylisten nehmen sich seiner an um aus dem etwas übergewichtigen, durchschnittsamerikanischen Jimmy den Messias zu machen auf den die Welt gewartet hat.
Einen Heilsbringer mit dem Banner der Vereinigten Staaten, eine politisch nützliche Friedenstaube und ein Versöhnungsgeschenk an den Vatikan.
Der muss allerdings erst von der Echtheit de Jesus-Klons überzeugt werden und so machen sich die Experten daran, aus Jimmy einen unter anderem aramäisch parlierende Bibelfesten mit perfekt getrimmten Bart zu machen.

Und die Gene scheinen Recht zu behalten, denn Jimmy entdeckt dass er in der Tat über eine Gabe verfügt: Verstauchungen werden geheilt, Tumore verschwinden, ein Verkehrstoter erwacht zu neuem Leben, Doghnuts vermehren sich für Arme und ein verdörrter Baum trägt neue Knospen.

Doch je mehr Jimmy von den macht- und Interessengetriebenen Experten und Parteien hin und her gebogen und indoktriniert wird, desto mehr emanzipiert es sich von diesen und entdeckt seinen wahren Glauben. Und sogar den wahren Glauben, den Glauben und das Gemüt Jesus Christ, der nicht auf geschriebenen Worten und von Geistlichen und Gelehrten festgelegten Regeln basierte, sondern auf Liebe ohne Einschränkung. Liebe und der Wille zu geben ohne zu empfangen. Glaube ohne das Bedürfnis nach wissenschaftlichen Beweisen und der Bestätigung von DNA oder anderen Fakten.

Das ganze Projekt Omega gerät immer mehr aus den Fugen und die Strippen-Zieher im Hintergrund werden immer nervöser.
Das ganze das als Religions- und Gesellschaftssatire angefangen hat wird zu einem religiösen Thriller mit philosophisch-moralischem Unterbau.
Das Machtstreben der katholischen Kirche und der aus Kalkül handelnde Vatikan wird entlarvt, genau so wie die monetär geprägten Interessen diverser Freikirchen und die Umfragewerte erheischenden Interessen der Regierung.

Das Buch konzentriert gegen Ende immer mehr auf die Fragen was den Glauben ausmacht und was Jesus so besonders gemacht, ihn als Gottes Sohn und gleichzeitig DEN Menschen zu einem ein Musterbeispiel für alle, motiviert von bedingungsloser Liebe und voller Zweifel gemacht hat, verfälscht zu einem keuschen Sonderling von der Kirche, die in den Schriften Fehlinterpretationen aus Eigeninteressen bereitwillig Tür und Tor öffnete.

Aber das ganze wird auch nicht zu ernst, obwohl die Lektüre alles andere als trivial oder leichtfüßig ist, es wird Kirchen- und Bibelgeschichtlich einiges an Fakten aufgeboten und mit tiefgründigen Ethikfragen vermischt, Politikerstreben und gesellschaftliche Mediengläubigkeit werden genau so in Frage gestellt wie grenzenloser Forscherdrang und kalkuliertes Dogmen verfälschen der Kirche.

Eine bissige, böse Satire gegen Kirche und Politik, verknüpft mit der Geschichte von Jimmy Woods fabelhafter Selbstfindung und Entdeckung eines wahren, reinen Glaubens. Dazu ein wenig Liebe und viel Hoffnung und, so viel sei verraten, am Ende ein fabelhaftes Happy End das einen ohne bittererm Beigeschmack aber mit einiger Erkenntnis (wenn man diese nicht schon vorher hatte) zurück lässt.


Détails sur le produit

* Poche: 407 pages
* Editeur : LGF (4 octobre 2006)
* Collection : Le Livre de Poche
* Langue : Français
* ISBN-10: 2253117668
* ISBN-13: 978-2253117667

Sonntag, 12. Oktober 2008

Dans le Scriptorium von Paul Auster



Ein kurzer, kurzweiliger und geheimnisvoller Roman von Paul Auster, eine originelle Geschichte die mich überrascht hat. Denn es ist ein Buch dass sehr viel von Paul Auster als Schriftsteller preis zu geben scheint und viele der von ihm im Laufe der Jahre erschaffenen Romanfiguren wie Anne Blume, Daniel Quinn, James P. Flood, Davis Zimmer, Fanshawe und andere tauchen in dieser Geschichte erneut und zusammen auf.

Sie werden lebendig, besuchen einen in einer Art Krankenzimmer einsitzenden Mann dessen Gedächtnis sich immer wieder von neuem löscht, konfrontieren ihn mit Fotos ihrer selbst aus vergangenen Zeiten, reden von Missionen auf die er sie und andere geschickt und was für schwierige Prüfungen er sie ausgesetzt hat.

Manche von ihnen sind wohlwollend, behandeln den Mann mit Fürsorge, vergeben ihm seine Taten die ihm selbst nicht ganz bewusst sind, andere sind unnachgiebiger und voller Bitterkeit.

Das Gedächtnis des Mannes ist beim Aufwachen leer, blank, sein Name Mr. Blank, zumindest wird er so genannt. Das Zimmer in dem er sich befindet, eine Art Krankenzimmer ist ebenfalls karg möbiliert und jedes der sich im Raum befindenden Objekte ist mit Etiketten versehen, auf einem Stuhl prangt das Wort Stuhl und so weiter.
Auf dem Schreibtisch befinden sich ein Stapel mit Fotos und ein Stapel mit Manuskripten.

Der Mann, von Schwindel und beinahe-Ohnmachtsanfällen geplagt, bemüht sich mit diesen Hinweisen dem Geheimnis, seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Wer ist er? Was tut er? Wer sind diese Personen, die nun auch abwechselnd in das Zimmer kommen, älter als auf den Fotos, manche vertraut und lieb, andere fremd und bedrohend.

Ist er eingesperrt? Auch das weiß Mr Blank nicht, er hat Angst es heraus zu finden. Bedroht man ihn mit dem Tod? Oder mit etwas schlimmeren? Und die Medikamente die ihm fürsorglich von Anna und Sophie verabreicht werden, sind sie zu seinem Besten und sind sie der Auslöser seines körperlichen Niedergangs?
Was hat er getan? Steht er vor Gericht? Was ist sein Vergehen, was seine Schuld und Verantwortung diesen Personen gegenüber?

Als Paul Auster Leser weiß man bestimmt schon früh dass es sich um Romanfiguren handelt die ihren Schöpfer besuchen und ihn mit dem konfrontieren, was er ihnen als Schicksal bestimmt hat. Sie setzen ihn dem eigenen Schicksal aus, machen ihn, vermutlich durch die Medikamente, zu einer leeren Hülle die mit Informationen und Geschichten gefüllt werden muss um zu existieren.

Und so wird Mr. Blank konstant von einer Kamera beobachtet und fotografiert, alles was er sagt wird mit Mikrofonen aufgezeichnet, sein Wissen um die Welt befindet sich etikettiert auf den jeweiligen Objekten, die später tauschen, jemand anders also gibt ihnen für ihn ihre Bedeutung.
Mr. Blank ist selbst zu einer Figur geworden, für den Leser der diesen Paul Auster Roman in der Hand hat. Und später sogar für sich selbst, findet er doch unter den Manuskripten plötzlich seine eigene, aktuelle Geschichte aufgeschrieben...

Eine mysteriöse Novelle für mich als Paul Auster Neuling, auch wenn ich schnell ahnte dass all die Charaktere mir bald in den anderen Auster Büchern begegnen werden. Ein ganz anderes und vielleicht intensiveres Leservergnügen vielleicht für den, der all diese Charaktere als vertraut wieder erkennt und sich nun auf die Suche nach Spuren von ihnen im eigenen Gedächtnis machen kann.

Ich habe mich aber dennoch nicht gelangweilt, im Gegenteil, knapp 150 Seiten in einem Tag, es war also sehr fesselnd. Und ich freue mich schon wahnsinnig, das Buch im nächsten Jahr oder so wieder hervor zu holen wenn ich auch die anderen fabelhaften Geschichten von Auster gelesen habe und die Figuren entdeckt habe, die sich jetzt schon einen kleinen Platz in meinem Kopf gesucht haben.

Détails sur le produit
Reliure inconnue: 146 pages
Editeur : Actes Sud (30 janvier 2007)
Collection : ROMANS, NOUVELL
Langue : Français
ISBN-10: 2742765603
ISBN-13: 978-2742765607

Montag, 29. September 2008

La nuit de l´oracle von Paul Austen


So, mein zweiter Paul Austen Roman.
Und er hat mich überzeugt. Überzeugt, dass ich mit meiner Vermutung, dass sich bereits nach der Lektüre des ersten ein weiterer Lieblingsautor heraus kristallisiert, dessen Werke ich von nun an sukzessive alle mit viel Freude lesen werde, richtig gelegen habe.
Paul Auster ist ein grandioser Schriftsteller und zu Recht einer von Amerikas meist gelesenen zeitgenössischen Autoren.

"La nuit de l´oracle" ist ein Buch mit einer Geschichte die fesselt, von der ersten Seite an und es ist ein Buch, dessen Geschichten so verschachtelt und gut aufeinander abgestimmt sind, dass ich hier nicht zu viel erzählen möchte, einfach weil es zu spannend ist.

Aber so viel sei erzählt:
Protagonist ist auch hier ein Schriftsteller der auch hier in New York lebt. Auster scheint, wie John Irving auch, gerne bei "seinen" Themen zu bleiben und ich hoffe und glaube, dass er es wie John Irving schafft, jegliche Wiederholung oder Abnutzung der Themen zu vermeiden.

Sydney Orr ist also Schriftsteller. Oder besser, er war es vor seinem Unfall der ihm immer noch stark zu schaffen macht und von dem er sich allmählich erholt. Durch immer ausgedehntere Spaziergänge durch die Nachbarschaft zum Beispiel.
Bei einem dieser Streifzüge entdeckt er einen kleinen Schreibwarenladen und ersteht bei dem etwas absonderlichen chinesischen Besitzer ein kleines blaues Notizbuch.

Und von nun an gleicht sein Leben einem mysteriösen Krimi.
Es fängt an mit der plötzlichen Inspiration die ihm das Notizbuch zu verschaffen scheint, eine Geschichte schreibt sich wie von selbst und er selbst scheint darin einzutauchen.
Aber auch in der Realität geschehen Dinge die miteinander verwoben zu scheinen, seine Frau benimmt sich merkwürdig, der chinesische Schreibwarenhändler tritt nach plötzlichem Verschwinden genauso unerwartet und impulsiv wieder in sein Leben, und Sydney Orr versucht nicht nur in seinem Romanentwurf die Fäden in der Hand zu behalten und zusammen zu fügen.

Der ganze Roman ist eine Geschichte voller Geschichten drin, Fußnoten werden in fast epischer Breite genutzt um erzählerisch Hintergrundinformationen zu vermitteln, man wird hinein gezogen in einen Strudel aus "wahren" Erlebnissen (wenn man sich dabei ertappt, den Ich-Erzähler-Schriftsteller mit dem Schriftsteller Paul Austen zu verwechseln, denn Parallelen sind wie immer da und es ist alles so "echt") und dem Kopf des Schriftstellers entsprungenen.
Zur Vielfalt der Ebenen trägt bei, dass Sydney Orr das Buch "La nuit de l´oracle" (natürlich der gleiche Titel wie der den der Leser in Händen hält) nicht direkt schreibt, er skizziert es in dem mysteriösen blauen Notizbuch und nebenbei entwirft er auch die Umrisse für eine andere Geschichte, ein Drehbuch und malt sich später auf, was die Beweggründe für das ungewöhnliche Verhalten seiner Frau in letzter Zeit sind und die Konstellation, die sie zu bestimmten Menschen einnimmt.

Ah, alles klingt jetzt kompliziert und schwer atmig, ist es aber nicht.
Das Buch liesst sich in einem Fluss, es ist spannend und unglaublich gut aufgebaut, auch wenn die Fußnoten etwas gewöhnungsbedürftig sind. Die Geschichten, seien sie nun erlebt oder von Sydney Orr skizziert sind jede für sich fesselnd und es macht Spaß, sich einfach in das Buch einsaugen zu lasse und von all seinen Erzählfäden einspinnen.

Ich hab Paul Austen schon jetzt so gern!!
Weil er mit so viel Sorgfalt und Liebe seine Charaktere ausarbeitet ihnen Leben und ein Herz gibt und sie Dinge erleben lässt, die nie abwegig aber doch auch nicht alltäglich sind.
Ich mag, dass er so eine schöne, eingängige Sprache benutzt, und Sprache liebt. So wie seine Berufung zum Schriftsteller vermutlich, denn warum würde er sie sonst so gerne zu Protagonisten seiner Bücher machen?
Man spürt beim Lesen trotz der tragischen Ereignisse immer dass das Gute omnipräsent ist, dass Hoffnung überwiegt und dass Pessimismus nur krank macht. Man darf verzagen, man darf aber auch nicht die Augen vor den Lichtblicken verschliessen.

Produktinformation

* Broschiert: 281 Seiten
* Verlag: Hachette (Oktober 2007)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 2253111236
* ISBN-13: 978-2253111238
* Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,4 x 1,6 cm

Freitag, 19. September 2008

La foret des renards pendus von Arto Paasilinna


Oh, schon wieder musste ich einen wundervollen Roman von Arto Paasilinna aus den Händen legen ohne eine neuen Nachfolger auf meinem Leseschränkchen zu haben. Naja, es gibt noch ein paar ungelesene Werke die ich mir beizeiten kaufen werde und das beruhigt.
Denn wieder einmal wurde ich von diesem grandiosen finnischen Autor nicht enttäuscht und wieder einmal befand ich mich schon nach wenigen Seiten in der finnischen Einöde, konfrontiert mit wilder aber schöner Natur und wilden, kauzigen aber liebeswerten Finnen.

Diesmal sind die Protagonisten aber keine unschuldig von der Gesellschaft malträtierten und gepiesackten Eigenbrötler sondern verschrobene Kriminelle oder zumindest mürrische Grobiane.
So ist die Hauptperson ein Ganove wie er im Buche steht: ein Betrüger und Dieb der mit seinen Beutezügen ein angenehmes Leben in Luxus und frivoler Gesellschaft geniesst und an eigentlich niemand anderen denkt als an sich.
Und so hat Rafael Juntunen auch keine Skrupel, zwei zu einem Goldraub angeheuerte Komplizen zu betrügen: die beiden wandern nach dem Raub wie geplant ins Gefängnis während er den großen glänzenden Schatz versteckt, doch anstatt sie nach ihrer Freilassung dafür zu entlohnen, türmt Rafael Juntunen mit all dem Gold.
Lieber für immer auf der Flucht mit seinem Schatz als derart blöden Taugenichtsen auch nur eine Unze abzugeben ist seine Devise.

Und so landet er nach ein paar Umwegen in der menschenleeren finnischen Moorlandschaft und schlägt in einer alten verlassenen Hütte sein Lager auf.
Doch leider wird seine Ruhe schon bald durch ein paar Militärmanöver gestört, denn ausgerechnet hier, wird ein Krieg simuliert um die finnischen Truppen fit für eventuelle Zukunftsentwicklungen zu machen.

Geleitet werden diese vom griesgrämigen Major Remes, eine Mann mittleren Alters mit großem Alkoholproblem und noch größerem Problem mit seinen Vorgesetzten und dem Zustand seiner Truppen.
Er ist ausgebrannt, hat seine Arbeitsmoral verloren und der Glanz seines Heeres ist den Bach runtergegangen und er steht mehrmals am Tag vor der Überlegung, ob er sich nu erschiessen oder wieder betrinken soll.
Um den finalen Entschluss hinaus zu zögern nimmt er sich eine Auszeit, will sich vielleicht fortbilden, egal, Hauptsache etwas anderes machen und sehen ob das Leben nicht doch Spaß machen kann.

Und als er hört dass in der finnischen Pampa ein komischer Kauz sitzt der sich allein all den ihre Übung durchführenden Truppen widersetzt, beschliesst er, diesen Kerl aufzusuchen und sich anzusehen was das für einer ist.

Und so treffen die beiden aufeinander und nach einigen Diskussionen und anfänglichen Raufereien beschliessen die beiden für einige Zeit der Zivilisation den Rücken zu kehren und es sich in der Hütte behaglich zu machen.
Juntunen verspricht dem Major einen fair festgelegten Tariflohn, wenn dieser für ihn allerlei anfallende Dinge besorgt und verrichtet, angefangen vom Jagen bis hin zum Kochen und haushalten. Anfang mürrisch findet der alte Major immer mehr Gefallen und Erfüllung an den Aufgaben, auch wenn es ihn stört, dass er das Gold niemals als Ganzes zu Gesicht bekommt.

Er bekommt immer nur Stückchen davon und wird von Juntunen auf Einkaufstouren in die entfernte Stadt geschickt, wo der Major sich bald schon nicht mehr auf den Erwerb von Lebensmitteln beschränkt, sondern immer mehr Luxusgüter und Möbel für die Hütte erwirbt und diese mit handwerklichem Geschick zu einem kleinen Komfort-Feriendomizil mit obligatorischer Sauna ausbaut.

Die beiden Männer finden immer mehr Gefallen an dem Leben zu Zweit und Juntunen verliert immer mehr den Gedanken an den auf Rache sinnenden Mörder und ehemaligen Komplizen Hemmo Siira aus dem Sinn, der, frisch entlassen, auf seiner Spur ist.

Aber die Zweisamkeit wird bald durch eine renitente Greisin gestört, die partout nicht ins Altersheim will und auf ihrer Flucht den beiden Haudegen in die Hände fällt. Nach anfänglichem Widerwillen gewährt man der Alten und ihrer Katze Obdach und gewöhnt sich schon bald an die weibliche Note und Fürsorge.

Und als der Major dann auch noch ein paar schicke Großstadt-Prosituierte ordert ist das Leben in der Einöde ein einziger Spaß und alles könnte so schön und friedlich sein und für immer weiter gehen, wenn da dieser verflixte Mörder auf der Suche nach dem Gold nicht wäre....

Aber: nichts endet bei Arto Paasilinna allzu tragisch, und der Leser kann beruhigt sein, dass das Buch bis zu Letzt spannend und lustig und am Ende ein wunderschöner Nachhall bleibt.
Ich habe mich jedenfalls grandios amüsiert, viel gelacht und mich sehr oft gefreut über diese ganz spezielle Menschlichkeit und Wärme, die Paasilinna seinen finnischen einhaucht. Wenig Worte werden verschwendet aber große Taten an den Tag gelegt, man drückt Mitgefühl durch Handeln aus, nicht durch blumige Worte.

Und ich tröste mich jetzt mit dem Gedanken, dass dieser wunderbare Autor jedes Jahr einen neuen Roman veröffentlich, der in Finnland ebenso heiß ersehnt wird .
Und ich bin mir sicher, dass schon ganz bald die ganze Welt in kennen wird den ich frage mich nach jedem Buch, warum die Filmindustrie ihm noch nicht die Bude eingerannt hat.
Aber vielleicht tut sie das ja und Arto Paasilinna mag einfach nicht? Weil er vielleicht ein ebensolcher Ruhe und Natur liebender Kauz ist wie seine Charaktere?

Détails sur le produit

* Poche: 216 pages
* Editeur : Gallimard (13 septembre 1996)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070401103
* ISBN-13: 978-2070401109

La Cinquieme Montagne von Paulo Coelho


Wieder ein feines kleines Buch von Paulo Coelho dass einem mehr gibt als ein ausführliches Studium der Bibel, wie ich finde. Weil er es wie kaum ein anderer meisterhaft versteht, die wichtigsten Dinge in unser aller Leben und unserer Welt mit kurzen aber mitreissenden Geschichten zu erzählen.
Nämlich was Gott für uns ist, bzw. sein kann wenn wir ihn annehmen. Warum er handelt wie er handelt und dass der Kern von allem Liebe ist und der eigene Weg.
Klingt schwülstig und spirituell, ist hier aber wie in den anderen Büchern auch, aber mit einer schönen, schlichten Sprache und feinen Geschichten thematisiert.

Ich bin auch mitnichten nun in der Kirche zu finden, noch würde ich mich als Katholikin beteichnen (auch wenn ich als die getauft wurde), ich würde sagen dass ich Christin bin und zwar so, wie ich es empfinde eine zu sein: tolerant und aufmerksam, suchend und fragend, erkennend und begreifend dass Liebe, Empathie und Mitgefühl uns als einzige Dinge weiter bringen. Zu mehr Frieden, in uns selbst und ausserhalb.
Ich fühl mich innerlich viel ruhiger, seit ich die Bücher von Coelho und Eric Emmanuel-Schmitt lese und auch bei anderen, "unverdächtigen" Autoren kluge Weisheiten entdecke, die mehr wiegen als drei Evangelien zusammen...

Zurück zu Paulo Coelho und zu La Cinquieme Montagne:

An diesem Buch gefiel mir besonders eine der Kernaussagen:
Das wird Herausforderungen im Leben brauchen um dessen Wert zu erkennen, um uns unserem eigenen Weg bewusst zu werden und ihn zu verfolgen. Nicht zu verharren und lethargisch zu werden, sondern zu leben, mit allem was dazu gehört. Schmerzen und Tragödien, die Zeiten des Glücks und des Wohlstandes um so strahlender erscheinen lassen.
Herausforderungen die nach deren Bezwingungen ein unglaubliches Erfolgsgefühl und eine Zufriedenheit in uns hinterlassen.
Gott will dass wir nicht in der Vergangenheit verharren, überkommenen Traditionen folgen und so die Zukunft und das Jetzt nur abspulen, nicht wirklich gestalten und leben.
Eine Aussage, die ich so selten in der katholischen Kirche wieder finde..

Dabei ist die erzählte Geschichte eine deren Protagonist ein Bekannter aus dem Alten Testament ist, Elie, der Prophet der aus Jerusalem auszog als dort von der schönen, Baal anbetenden Prinzessin Jezebel alle jüdischen Propheten ermordet wurden.
Elie finde Zuflucht in der Handelsstadt Akbar und versucht dort, seinem Gott zu dienen und seinen Anforderungen Folge zu leisten, was ihm, je mehr er sich bemüht, immer weniger gelingt.
Die Engel und Boten des Herren die ihm erscheinen stellen ihn vor Herausforderungen die ihm nicht schlüssig erscheinen, er wird mit der Zerstörung Akbars konfrontiert und dm Tod, derer, die er geliebt hat.
Und erkennt erst spät, was Gottes Wille ist:
Herauszufordern.
Anzutreiben.
Herr seiner eigenen Entscheidungen zu sein.
Sich bewusst für das Leben und die Zukunft zu entscheiden.

Die Inhaltsangabe ist kurz gehalten, ich weiß, aber das Buch ist nicht umfangreich und doch voller so vieler unschätzbarer Kostbarkeiten an Wahrheit und Erkenntnis, das ich es einfach nicht beschreiben möchte, mann sollte es einfach nehmen und lesen.
Und gerade wenn man von einem Unglück tief verletzt wurde, kann es eine Hilfe sein um zu verstehen warum dieses einem widerfahren ist. Und daraus eine Erkenntnis zu ziehen die einem Kraft und Antrieb gibt, nach vorne zu schauen.

Ich fand das Buch gerade zum Ende hin aussergewöhnlich motivierend und gut, dass ich mich ärgere, dass es so ein hässliches Cover hat. Und ich am Anfang oft dachte: oje, machmal kann man auch eine Überdosis Coelho abbekommen..
Nach dem Lesen hab ich gedacht: man kann nicht genug und zu oft ihm lesen.
Seine Lektüre würde den christlichen Kirchen mehr helfen als alles andere...


Produktinformation

* Verlag: Import; Carriere
* 1998
* 1998.
* Ausstattung/Bilder: 190 S.
* Seitenzahl: 190
* Le livre de poche Bd.14710

* Französisch
* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 106g
* ISBN-13: 9782253147107
* ISBN-10: 2253147109
* Best.Nr.: 08284407

Freitag, 22. August 2008

Brooklyn follies von Paul Auster


Oh je, wie konnte ich Paul Auster so lange übersehen? Ich habe vor Jahren ein Buch von ihm gelesen, mit Geschichten aus Amerika das mir ausserordentlich gut gefallen hat aber trotzdem hab ich ihn aus den Augen verloren. Aber das wird mir nach der Lektüre von "Brooklyn follies" nicht mehr passieren.

Und ich glaube, dass ich nachdem ich nun so ziemlich alle Bücher meiner Lieblingsautoren John Irving, Eric-Emmanuell Schmitt, Francois Lelord und einiger anderer durch habe und auch ein wenig Abwechslung neben Arto Paasilinna herrschen muss, werde ich Paul Auster zu einem neuen regelmäßigen Bewohner meines Zu-lesen-Stapels machen.
Manchmal tut es so gut, in etwa zu wissen was einen zwischen zwei Buchrücken erwartet.

Und ich denke, dass ich bei Paul Auster das finden werde was ich sehr schätze: fesselnde aber nicht hahnebüchene Geschichten, gute Unterhaltung die zum Nachdenken anregt und zum Schmunzeln bringt, eine ungekünstelte aber ausgefeilte Sprache die niemals platt ist und das Gefühl, etwas Echtes zu erleben.

All das habe ich in den Broklyn follies gefunden, auch wenn man nach dem Lesen anmerken kann, dass alles wohl zu gut endet um wahr zu sein. Aber auch das habe ich sehr, sehr gerne, dass das Lese eines Buches einen nicht trist und traurig zurück lässt, etwas deprimiert über das Unglück Anderer, und seien sie noch so fiktiv.

Ein Roman ist nun mal ein Roman und keine Chronik des Lebens, denn die Geschichten im wahren Leben enden nicht, es geht immer weiter und nach Beenden eines Buches möchte ich zumindest die mir oft so lieb gewordenen Charaktere irgendwie gut aufgehoben wissen.

Und in diesem Buch ist ja nicht alles eitel Sonnenschein. Es passieren Dinge die schlimm sind, Dinge die Menschen verletzten, ihnen unglaublich weh tun und schwer zu ertragen sind. Aber sie werden ertragen und es zeigt sich, dass an dem alten Spruch dass auf Regen auch Sonnenschein folgt etwas dran ist.
Und da finde ich auch eine meiner liebsten Lebensphilosophien wieder, nämlich dass man Regen erleben mUSS um den Sonnenschein überhaupt als etwas wunderbares ansehen zu können.

Und ausserdem ist es ja eigentlich kein Happy End, sondern ein Hinweis darauf, dass auch das schönste Glück von einer Sekunde auf die andere wie ein Kartenhaus, fast wörtlich, zusammenstürzen kann...

In den Brooklyn follies erzählt der Protagonist Natahaniel Glass, ein desillusionierter, sich selbst als zynisch beschreibender Mann über Fünfzig was ihm nach der erfolgreichen Bekämpfung seines Lungenkrebses, der tristen Scheidung von seiner Frau und der Abwendung seiner einzigen Tochrer in seinem neuen unspektakulären Single-Leben als Frührentner in Brooklyn so widerfährt.
Eigentlich wollte er ja nichts weiter, als sein Leben dort zu beenden, aber wie es das Leben so will, lässt es einen nicht so leicht los.

Der Leser merkt schnell, dass Nath, wie er genannt wird, mitnichten der Griesgram und Menschenfeind ist den er in sich selbst zu sehen glaubt.
Schon sehr früh, bei seiner Begegnung mit seinem aus den Augen verlorenen und sich nicht gerade zu seinem Vorteil entwickelten Neffen Tom merkt man dass Nath es gut meint. Dass er sich um andere sorgt und Anteil nimmt an deren Schicksal und dass er gerne sein bestes gibt, um dieses zum Besten zu wenden.

Und so wird der Leser hinein gezogen in einen wunderschönen Roman über verschiedene Leben die sich im unmittelbaren Umfeld Nathans abspielen und wie in einem wunderschönen Film werden mit viel Liebe Charaktere eingeführt und vorgestellt und wie in einem John Irving Roman gewinnt der Leser diese sofort lieb und fragt sich warum das so ist, angesichts der knappen Worte die ihnen zur Beschreibung zur Verfügung stehen. Auster lässt seine Charaktere Geschichten erzählen, ihre Geschichten und man lernt nicht nur über ihre Leben, sondern auch einiges en passsant über diejenigen berühmter Schriftsteller.

Nathan, der ehemalige Versicherungsagent macht es sich zur Aufgabe , ein Buch über die Verfehlungen und Missgeschickte anderer Menschen und auch seiner eigenen Personen zu verfassen und nebenbei entdeckt er, wie gut es ist, sich mit anderen zusammen zu tun und deren Wohlergehen zum Wohle des eigenen zu fördern.

Er schafft es, dem zum übergewichtig gewordenen, antriebslos und desillusioniert gewordenen Neffen Tom weder eine Perspektive zu geben und ihn auf den richtigen Weg zu bringen und auch was Frauen betrifft ein wenig in die richtige Richtung zu schubsen. Gemeinsam mit ihm und dem ehemaligen Betrüger und ebenfalls vom Leben mehr als enttäuschten Buchhändler Harry liefert er sich nicht nur den Leser erhellende und erheiternde Dialoge, die drei finden auch wieder zur Freude am Leben und zum Schmieden von Plänen zurück.

Man redet über Träume, wie diese aus den Augen gekommen sind und ob es nicht möglich ist, sie wieder zurück zu gewinnen.
Und dann taucht die kleine Lucy auf, Toms neunjährige Nichte und Tochter der Rebellin Aurora, deren Leben immer alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen ist und deren Schicksal erst einmal ein beunruhigendes Geheimnis bleibt. Denn Lucy redet nicht über ihre Mutter und nicht nur Nath muss sich plötzlich mit einer merkwürdigen Vaterrolle auseinandersetzen.

Frauen treten in das Leben der Protagonisten, werden ebenso zu facettenreichen Chharakteren mit Leben und Geschichten, Schicksalen und Qualitäten. Und Ntahan schafft es, Aurora wieder zu finden und zurück in seinen Mikrokosmos in New York zu holen wo er all seine wieder gefunden und neu entdeckten Lieben versammelt und unbewusst deren Wohlergehen forciert.
Ein Leben in einem Stadtteil, geografisch begrenzt und doch so vielseitig und voller Erlebnisse und Erfahrungen die die Bewohner zu kostbaren Menschen macht.

Und Nathan erkennt sukzessive den Wert und die spannende Brillianz eines jeden Lebens und fasst am Ende ein liebenswertes Projekt ins Auge: an Stelle der menschlichen Missgeschicke und Tragödien möchte er nun die Biografien all der unbekannten Menschen verfassen, die neben uns und mit uns Leben, jeder ist es Wert dass seine Geschichte anderen bekannt gemacht und von der Vergessenheit bewahrt wird.

Biografien für Jedermann. Ein Projekt das heute schon zuhauf in unserer Realität funktioniert.

Nathan Glass und sein Kleinuniversum in New York werden zu einem Kaleidoskop an facettenreichen Individuen und ihren Geschichten.
Man hängt Träumen nach, versucht sie zu konkretisieren und lässt sich vom Leben an sich ablenke.
Man liesst und liesst und wird immer tiefer hinein gezogen in diese wunderschöne Erzählung aus dem Leben in de ein paar Menschen ihre Leben leben, man sieht mit Begeisterung wie sich Pfade kreuzen, wie sich Seelen finden, wie sich mit gutem Willen und guten Intentionen Probleme lösen lassen, wie erträglich und gar schön das Leben sein kann wenn andere für einen eintreten.
Ein Buch das gut tut.
Ein Buch das lebt, weil die Personen darin so echt und liebenswert erscheinen dass deren Schicksal das Herz berührt.
Kein Kitsch aber viele schöne Momente. Kleine und große Tragödien aber keine deprimierenden Anflüge.
Das Leben ist mal so, mal so, aber wenn man zusammen hält, lässt es einen nicht im Stich.
Oder dann wenn man es nicht erwartet, wenn alles läuft wie am Schnürchen...

Ich jedenfalls werde mich hüten, Paul Auster ein weiteres mal aus den Augen zu verlieren!


Détails sur le produit

* Broché: 376 pages
* Editeur : LGF (14 mars 2008)
* Collection : Le Livre de Poche
* Langue : Français
* ISBN-10: 2253118559
* ISBN-13: 978-2253118558

Freitag, 8. August 2008

La cavale du géomètre von Arto Paasilinna


Das ist jetzt mein viertes oder fünftes Buch von Arto Paasilinna und meine Vermutung die sich in mir schon beim ersten Buch entwickelte, dass dieser Autor einen ganz, ganz festen Platz in meinem Herzen und in meinem Bücherregal bekommen würde, hat sich, natürlich, wieder einmal bestätigt.

Ich habe zwei ganz wundervolle Tage in Finnland Dank ihm verbracht und dabei wieder einmal gemerkt, dass es im Leben nicht viel braucht um so richtig glücklich zu sein.
Denn auch in diesem Buch dass in der finnischen Einöde spielt und mit kauzigen Finnen bevölkert ist, wird deutlich dass all unsere in hedonistischer Hoffnung auf Zufriedenheit und gekauftes Glück angehäuften Konsumgüter, Luxusartikel und Schnickschnack nichts taugen, genauso wenig wie ein volles Adressbuch mit so genannten Freunden um uns wahrhaft glücklich zu fühlen.
Nein, dazu bedarf es viel weniger, oder besser viel mehr:
ein paar liebe Menschen, die vielleicht nicht viele Worte verlieren aber auch nicht viele Fragen stellen, die erzählen lassen und zuhören und sich wahrhaft um den anderen Sorgen und Kümmern und dabei nicht einmal auf den Gedanken kommen, dass dies unbequem sein könnte. Zumindest plagt sie dieser Gedanke nicht lange.

So einer ist Seppo Sorjonen, Taxifahrer und in einer glücklichen Beziehung zu einer süßen, humpelnden Finnin mit verkürztem Bein.
Sein beschauliches Leben ändert sich, als er fast den betagten Taavetti Rytkönen über den Haufen fährt, der deutlich verwirrt vor einer Bank auf der Strasse steht und vergeblich versucht, sich einen Krawattenknoten zu binden.
Er Steigt in Seppo Sorjonens Taxi und bittet diesen, einfach los zu fahren, egal wo hin, nur einfach weg.
Denn Taavetti Rytkönen kann sich gar nicht erinnern wer er ist, was er hier tut, und warum all das Geld in seinen Taschen steckt. Nein, kein Banküberfall. Er hat das Geld abgehoben. Seinen ganzen in einem langen Leben voller gut dotierter Arbeit angesammelten Reichtum auf einmal. Und es sofort vergessen.
Denn schnell wird nicht nur Sorjonen klar, dass der Alte an Demenz leidet.
Dinge in der Vergangenheit sind oft bis ins Detail präsent, aber was gestern war muss von Sorjonen immer wieder neu erklärt werden. Zum Glück hat der Alte schnell Vertrauen zu dem freundlichen Taxifahrer gefasst und so stellt das alles kein Problem dar.

So wie für Seppo Sorjonen kaum etwas ein Problem zu sein scheint. Geduldig fährt er den Alten durch Südfinnland, übernachtet mit ihm in Hotels, besucht Restaurants und lässt sich spannende Geschichten aus dem Krieg erzählen, Geschichten voller Panzer und guter Kameradschaft.
Seppo Sorjonen übernimmt schnell und gerne die Verantwortung für den alten Kauz, er lässt sich bereitwillig kündigen und von seinen Aufgaben als Taxifahrer entbinden, leiht ein Auto und begleitet den alten Mann auf den Spuren seiner Vergangenheit, die sich Dank Sorjonen immer mehr erhellen.
Taavetti Rytkönen hat genug Geld um alle Ausgaben mit Freude zu tragen und für die beiden beginnt ein Paasilinna typischer Roadtrip.

So kommen sie über Umwege zu dem alten Kriegkameraden, der ernüchtert und von der harten Feld- und Forstarbeit auf seinem Stück Sumpfland in der Einöde zermürbt einen bizarren Entschluss gefasst hat. Gemeinsam mit seiner Frau, und nun auch mit Taavetti Rytkönens Hilfe, will er dem finnischen Staat ein Schnippchen schlagen und das ganze Terrain in Schutt und Asche legen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Und während der Aufpasser Seppo Sorjonen einen Kurztrip nach Hause nach Helsinki macht um schnell und mit viel Liebe seine Freundin um ihre Hand zu bitten und mit ihr schon einmal Verlobung zu feiern, verwandeln die Alten Käuze mit sehr viel Spaß und noch mehr Dynamit das ganze Anwesen von Heikki Mäkitalo in ein Schlachtfeld voller Überflutungen, verbrannter Erde und umgestürzter Erde. Ein Heidenspaß der eine ganze Woche in Anspruch nimmt.

Leider gibt es am Ende, bei der Rettung einer Katze von einem Strommast einen kleinen Unfall, Heikki Mäkitalo bricht sich das Bein und ist erst mal an das Krankenbett gefesselt.
Seppo Sorjonen und Taavetti Rytkönen steigen im Hotel ab und lernen dort zwei Albaner kennen die in Finnland Hotels untersuchen um später in der Heimat ähnliche Etablissements zu bauen. Schnell freundet man sich an, nimmt begierig an den Erfahrungen des alten Landvermessers Taavetti Rytkönen teil und verbringt mit viel Wodka lustige Abende.

Und als der immer noch ans Bett gefesselte Heikki Mäkitalo seinen alten Kameraden bittet, für ihn die zehn Stiere abzuschiessen, die er vor der Verwüstung temporär in die Freiheit entlassen aber mit Peilsendern ausgestattet hat, damit diese nicht im Winter jämmerlich erfrieren müssen, sagen die vier begeistert zu. Und so startet eine lustige Expedition von vier gut gelaunten Männern, schlägt ihr Lager in der Einöde auf und macht sich auf die Suche nach den glücklich durch die Pampa streunenden Stieren (aus deren Sicht ganz wunderbar ein paar Seiten beschrieben werden!).

Zur gleichen Zeit campieren nicht unweit zehn französische Vegetarierinnen (für die Froschschenkel aber nicht als Fleisch zählen...). Die jungen Damen mit Vorliebe für fremde Religionen testen jedes Jahr eine andere Destination und sich selber in ihrem Überlebensgeschick, je abweisender die Landschaft, desto besser.
Aber das es so schwer werden wird, sich von der finnischen Flora zu ernähren hätten sie nicht gedacht und so kommt es nach einigen für den Leser lustigen aber für die Damen unangenehmen Erfahrungen wie es kommen muss:
vom Duft der äusserst produktiven und aussergewöhnlich deliziösen Wurstfabrikation im Camp der vier fröhlich Stiere jagenden Männer angelockt, konvertieren die ausgemergelten Französinnen zum Fleischkonsum über und schon bald haben sich die zwei Lager zusammen getan und es wird gelacht, nackt gebadet und verdammt viel Wurst und bosnischer Eintopf gegessen.
Und natürlich nimmt auch Seppo Sorjonens Liebe zu seiner Verlobten ein Happy End, die Operation ihres verkürzten Beines verläuft tadellos, die Hochzeit wird fein und auch für den alten Heikki Mäkitalo und seine Frau geht die Demontage ihres eigenen Anwesens gut aus und ein ruhiger Lebensabschnitt ohne Farmarbeit und Entbehrungen kann im Schoße der Zivilisation erfolgen.


Das Buch ist einfach nur wunderbar. Voller grandios komischer Situationen, wie der als der alte Taavetti Rytkönen nach einem nächtlichen Fußballturnier nackt morgens im Dorfbrunnen steht, mit wie viel infantiler Freunde und erfahrenen Präzision die drei Alten eine ganze Landschaft in die Luft jagen, wie die Peilsignale der durch die Natur irrenden Stiere die Frequenzen des Kirchenradios und einer satanischen Rockband stört, mit welcher Bewunderung die vom Staat zur Begutachtung der Schäden abgeordneten Experten das Werk Heikki Mäkitalos betrachten und ihm, weil er dem Staat Finnland nicht nur Folgekosten erspart sondern auch eine unbezahlbare Ausgangslage für eine vorbildliche Renaturierung geboten hat. Wie eine der Vegetarierinnen heimlich ihre körperlichen Dienste gegen Zuchttomaten tauscht und und und.

Und dazu das so behutsam angegangene Thema der Altersdemenz, dieser respektvolle Umgang damit. Man wünscht sich, selbst so in ähnlichen Situationen zu reagieren wie Seppo Sorjonen es tut.
Und natürlich das gelungene Hineinversetzen in den alten Taavetti Rytkönen. Auch wenn es vielleicht verharmlost wie schlimm es für Betroffene meist selbst ist, zu erkennen das das Gedächtnis und das eigene Leben zu etwas fremden wird.
Dieser Roman möchte aber unterhalten, eine fröhliche Stimmung hervorrufen. Zum besseren Hineinversetzen würde ich Jonathan Franzens "Korrekturen" oder "A Spot of Bother" empfehlen, letzteres glaub ich unten vorgestellt und auch sehr lustig.

Das alles wird so wunderbar in einem Fluss erzählt, in einer für Arto Paasilinna so unnachahmlich tollen Sprache: ruhig, schlicht aber nicht einfach, ausgefeilt und ungekünstelt. Das Buch liest sich so, wie man einen guten Film anschaut nachdem man am Ende glücklich einschläft. Weil alles so schön sein kann wenn es einfach ist.
Wenn das Leben um Stress, Großstadtprobleme, Hektik und Schnickschnack reduziert wird. Wenn Freundschaft und ein wenig Alkohol in der einsamen aber wunderschönen Natur Finnlands genügen um sich vollkommen glücklich und frei zu fühlen.
Wenn nicht ständig alles hinterfragt wird, wenn man die Dinge und Menschen nimmt wie sie kommen, wenn man kauzige Eigenarten als Bereicherung hinnimmt und wenn Regeln nur dann eingehalten werden müssen, wenn sie einen Sinn ergeben.
Ich liebe Arto Paasilinna, weil mich seine Bücher jedes mal zum Lachen bringen und glücklich machen, weil sie mich gut unterhalten und mir in ihrer Einfachheit zeigen dass das Wesentliche aus nicht viel besteht.
Ich liebe seine Sprache und die sprudelnde Phantasie, mit der er seine liebenswerten Charaktere erschafft und die komischen Situationen in die diese hinein geraten.
Und ich liebe es, dass nie etwas böses geschieht. Etwas wirklich, wirklich schlimmes, was Menschen innerlich wie äusserlich zerstört.
Unfälle und Malheure werden mit Gleichmut ertragen, man macht immer das beste aus seiner Situation und, was ich besonders schön finde, man beklagt sich nicht. Man schimpft wie ein Rohrspatz, aber jammerndes Selbstmitleid scheint ihm fremd zu sein.
Das tut so gut.
Gut, dass ich noch zwei weitere ungelesene Bücher von ihm auf meinem Nachtschrank habe! Und bald wieder nach Finnland reisen kann, mit seinen kauzigen Finnen mit lustigen finnischen Namen und finnischen Eigenarten.
:o)


Détails sur le produit

* Poche: 267 pages
* Editeur : Gallimard (15 juin 2000)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070414256
* ISBN-13: 978-2070414253

Pulp von Charles Bukowski


Mein erstes Buch von Charles Bukowski und ich weiß nicht, ob ich bereit bin für ein weiteres. Nicht dass ich mich während des Lesens nicht gut unterhalten gefühlt habe, nein, es war kurzweilig und..anders.
Aber leider auch sehr vulgär. Und das mag ich eigentlich nicht so. Und darüber hinaus sehr negativ, ernüchtert, pessimistisch. Und deshalb lese ich ja auch Hollebeque und manchmal auch Beigbeder nicht so gerne. Oder Philipp Dijan.
Doofe Einstellung vielleicht, aber es ist meine.

Trotzdem ist dieses kein schlechte Buch. Vor allem wenn man gerne in kurzer Zeit ein Maximum an neuen Worten der Gossen-Sprache aufnehmen will, ist es eine Meisterleistung. Aber wie gesagt: mein Fall ist das nicht so.
Interessant ist aber die Story in Verknüpfung mit genau dieser Sprache, denn das muss man dem Buch lassen: es wird seinem Titel stilistisch wie auch inhaltlich gerecht.

Schon zu Beginn wird der Leser in eine amerikanische Detektivgeschichte billigster Sorte hineingezogen, wie man sie nur aus schlechten US-Filmen der 80er oder so kennt. Und diese Stimmung zu erreichen, ist Bukowski grandios gelungen.

Protagonist ist ein abgehalfteter Privatdetektiv unterster Kategorie: Alkohol und Spielsüchtig, nicht besonders ansehnlich, keinesfalls erfolgreich, verfolgt von Schuldigern, keinerlei Erfolg bei den Frauen (drei Scheidungen) aber ständig mit der Hand in der Hose.

Permanent am Abgrund, alleine und zynisch verbringt er seine Tage mit dem Aufklären mysteriöser und bizarr anmutender Jobs mit teilweise paranormaler Ausprägung, dem Konsum von Spirituosen und dem Philosophieren über den Sinn oder besser Unsinn des Lebens.
Und das in einer Sprache, die trotz ihrer Derbheit oder vielleicht auch gerade deswegen oft originell und fast vulgär-elaboriert klingt, wenn das kein Wiederspruch ist...

Nick Belane schlägt sich tapfer, meist im wahrsten Sinn des Wortes, bewegt sich zwischen seinem Bürostuhl, der nächsten Kneipe und seinem Käfer durch Hollywood, redet sich ein, ein guter Detektiv zu sein und galubt aber ohl selbst nicht daran.

Kein sympathischer Charakter, aber in seiner Loser-Rolle als harter Einzelgänger sehr gut gezeichnet. Das nächste Schimpfwort immer auf der Zunge und die Hand an seiner Luger 45 kämpft er sich durch seinen tristen Alltag und fragt sich, ob er langsam den Verstand verliert.

Sind die Aufträge, einen eigentlich schon seit Jahrzehnten tot geglaubten französischen Schriftsteller zu finden und seine Identität zu bestätigen, einen Bestatter von einem ausserirdischen Monster in äusserst verführerischer Optik zu befreien, eine Ehefrau des Betruges zu überführen und einen mysteriösen Vogel zu finden alle irgendwie miteinander verbunden und äusserst...bizarr.

Die Story ist ohne Patzer in der Stimmigkeit, auch wenn einiges abenteuerlich der Phantasie des Autors entsprungen ist.

Am Ende laufen die Fäden zusammen und Nick Belane löst auch seinen letzten Fall. Bzw. die Fälle lösen sich fast von selbst, irgendwie. Belane stolpert wie im ganzen Roman nur pöbeln und misanthropisch durch seinen Alltag, ernährt sich von Alkohol und beobachtet und kommentiert seine Umgebung mit scharfer, rauer aber intelligenter Zunge.

Das Buch ist wie ein dreckiger Film Noir, ein düsterer Detektiv-Schinken mit geschliffenen und scharfen Dialogen, einer Menge Humor und vielen Überraschungen. Schnell gibt man es auf, Dinge vorhersehen zu wollen und so kann man sich getrost von Bukowskis Einfällen überraschen lassen.

Das Buch ist anders als die Bücher die ich mir sonst so aussuche, aber ich bereue den Kauf keineswegs. Bukowski ist zu Recht ein beliebter Kult-Autor (was auch immer das heissen mag) und auch wenn ich ehr andere Schriftsteller bevorzuge so muss ich ihm doch sein Talent anerkennen.



Fiche détaillée : "Pulp" de Charles Bukowski

Auteur Charles Bukowski
Traduction Gérard Guégan
Editeur Lgf
Date de parution septembre 1997
Collection Ldp
Format 11 cm x 18 cm
ISBN 2253141976
Illustration Pas d'illustrations
Nombre de pages 189

Le démon et mademoiselle Prym von Paulo Coelho



Und wieder einmal ein kleines Büchlein voller Weisheit und feiner Anregungen zum Nachdenken über sich und die wichtigsten Themen die unsere Seele, bzw. Einstellung zum Leben betreffen von Paulo Coelho.

Dieses Buch heisst "Le démon et mademoiselle Prym" und das beherrschende Thema ist das Wesen des Menschen: ist er gut oder ist er schlecht? Und warum gibt es das Böse überhaupt wenn Gott doch das Gute ist und alles erschaffen hat, also auch das Böse?

Existenzielle Fragen die hier in einer für Coelho typischen, schön zu lesenden Geschichte verpackt sind, gespickt mit Legenden und Gedanken über Thesen der einzelnen Religionen.
Es ist die Geschichte der Versuchung.

Ein Fremder kommt in ein abgelegenes, friedliches Bergdorf, dass sich trotz seiner Idylle leider im Niedergang befindet: die jungen Leute ziehen die Städte vor und es fehlt an Geld. Die Tage gleichen sich, aber das haben die Bewohner gern, sie wünschen, es würde ewig so weiter gehen. Vielleicht mit ein paar Annehmlichkeiten aber im Grunde so wie bisher. Friedlich. Denn das Dorf hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich: Vor langer Zeit ein Räuber- und Verbrecherhort berüchtigt, wurde dessen Anführer Ahab durch den von einem fortan als Heiligen verehrten St Severin zum Guten bekehrt.

Und nun kommt ein Fremder und die junge, hübsche Kellnerin Mademoiselle Prym merkt schnell dass dieser das Schicksal des Dorfes wieder umkehren will.
Er zeigt der jungen Frau, die wie all ihre jungen Freunde eigentlich nur weg will aus dem sie beengenden Dorf, eine ganze Menge Gold und macht ihr ein teuflisches Angebot.
Sollte vor seiner Abreise nach genau sieben Tagen einer der Dorfbewohner sterben, also gegen das Gebot "Du sollst nicht töten" verstossen werden, würde das Gold in die Hände des Dorfes übergehen, dessen Zukunft und die der folgenden Generation wäre gesichert und sie, Chantal Prym, würde auch einen Teil erhalten mit dem sie eine Perspektive ausserhalb hätte.

Nun beginnt ein zermürbender Krimi, Chantal verbringt schlaflose Nächte, wiegt alles ab und kommt sich und dem Wesen des Menschen immer näher. Auch der Fremde wird durch die Zeit des Wartens und des Überlegens verändert, er, ehemals ein guter Bürger mit besten Absichten, wurde durch den gewaltsamen Tod seiner Frau und seiner Tochter zum abtrünnigen Zyniker, der nun das Böse in jedem Menschen sucht um sich nicht alleine zu fühlen. Oder ist es in Wirklichkeit die Hoffnung an das Gute zu glauben die er nicht aufgeben will?

Er und Fräulein Prym liefern sich Wortgefechte und die Dämonen und Engel die sie unsichtbar begleiten führen die Debatten, der Kampf des Guten und des Bösen, das in uns allen steckt seit Anbeginn der Menschheit kämpft miteinander um die Vorherrschaft der Seele und somit um die Entscheidungen zu guten oder schlechten Taten.

Und das Dorf wird mit hinein gezogen, die Bewohner werden der Versuchung ausgesetzt und die Lage spitzt sich immer mehr zu, eine alte Frau, die für Coelho typisch mit ihrer ruhigen Art alles überblickt, wird zum Opfer erkoren, und die Geschichte der Bibel, des Gesetzes der Moral also, zum eigenen Nutzen interpretiert. Denn opferte Gott nicht mit Jesus einen einzelnen Menschen zum Erretten der Menschheit?

Das Buch wird spannend, man ist gespannt was kommt und die Antwort auf die Frage, ob der Mensch nun Gut oder Böse ist, überrascht mit ihrer Schlichtheit: er vereint beides in sich. Und ist ständig Versuchungen ausgesetzt. Alles ist eine Frage der Kontrolle. Der Selbstkontrolle und der Kontrolle die die Angst über uns ausübt. Daraus resultiert wie wir uns entscheiden. Und diese Entscheidungen sind es die uns gut oder böse wirken lassen.

Im Dorf tobt nun sieben Tage lang der innere Kampf eines jeden Einzelnen und für den Leser besonders sichtbar in Fräulein Prym und dem Fremden. Es geht um die eigene Integrität, die Werte die man auch n anderen sehen will, die Welt man sie haben will und eben darum, dass sich jeder entscheiden muss, nicht nur einmal, sondern sehr oft ob man dem Bösen nachgeben oder dem Guten folgen will. Und natürlich heraus finden muss, was das ist, das Gute und das Böse, in vielen Situationen wieder neu. Und auch das ist oft schwierig. Was den einen nützt, kann für den anderen böse Folgen haben.

Wie immer zeigt Coelho dass man auf sich selbst hören soll, aufmerksam in sich hören und den eigenen Weg finden. Und wenn man Glück hat, oder besser aufmerksam und sich selbst gegenüber aufrichtig genug, wird es der eigene Weg sein den man entdeckt und dieser wird dann hoffentlich auf den Pfaden des Guten führen.

Das Buch habe ich an einem langen Abend gelesen, ein spannendes Buch und wunderbar zu lesen, auch wenn manche Passagen und Gedanken es erfordern, sie in Ruhe in sich auf zu nehmen.
Also eigentlich wie immer, bei Paulo Coelho.




Détails sur le produit

* Broché: 244 pages
* Editeur : Editions Anne Carrière (24 mars 2004)
* Collection : Bibliothèque Paulo Coelho
* Langue : Français
* ISBN-10: 2843372631
* ISBN-13: 978-2843372636

Le liseur von Bernhard Schlink


Bernhard Schlink schreibt so wunderbar dass man ganz langsam lesen möchte. Weil er so eine ruhige, ausgewählte und genau beschreibende Sprache benutzt, dass man jedes Wort geniessen und es sich auf der Zunge zergehen lassen möchte.
Und dazu Gedanken und Reflexionen, die einen ganz behutsam lesen lassen, um das wahr genommene auch in seiner Gänze zu erfassen, zu begreifen und zu verinnerlichen.
So sehr ich auch Bücher (wie zB. Arto Paasilinna, John Irving und und und) liebe, die einen einfach lesen lassen, atemlos vor Vergnügen, Spannung und was weiß ich, so sehr geniesse ich es dann zuweilen auch, langsam und mit fast erzwungener Ruhe etwas zu lesen, entschleunigt zu verschlingen.

Die Geschichte ist die von Michael, einem Gymnasiasten der mit 15 Jahren die zwanzig Jahre ältere Straßenbahnkontrolleurin Hanna kennen lernt, eine ruhige Alleingängerin und sich in sie verliebt.
Sie wird seine erste Liebe und die sexuellen Erfahrungen die er mit ihr und die Gefühle die er für sie hat werden ihn sein Leben lang prägen.
Es ist eine heimliche Beziehung, nicht nur nach aussen, auch Hanna öffnet sich Michael kaum.

Es ist fast befremdlich, mitzuerleben wie der unerfahrene Michael in den Bann der verschlossenen Hanna gerät und da der Roman in der Retrospektive geschrieben ist, ahnt man, dass die Erfahrungen die Michael macht ihn in seinen späteren Beziehungen einschränken werden, so stark prägt ihn Hanna, ihr weiblicher Körper und ihre Verschlossenheit.
Ihre gemeinsamen Treffen folgen einer behutsamen Routine, gemeinsames Baden, Sex, Vorlesen.
Michael liest Hanna vor, liest ihr zunächst die Bücher vor, die er im Unterricht behandelt und anschliessend sucht er die Werke aus, von denen er glaubt dass sie Hanna gefallen könnten.

Sie reden kaum, Hanna hört Michael vor wenn er liest und wenn sie reden, dann über die Bücher, die Hanna mit so viel Aufmerksamkeit in sich aufnimmt.
Fragen über sich weicht sie aus.
Und eines Tages ist sie verschwunden.

Für Michael beginnt eine schwere Zeit. Er quält sich mit der Frage des Grundes ihres Verschwindens. Ist er schuld? Hat er ihr das Gefühl gegeben, sie eines Tages im Schwimmbad vor seinen Freunden verleugnet zu haben? Hat er sie enttäuscht?
Seine Gedanken, die den Leser oft wunderbar fordern und mit etwas mehr Wissen zurück lassen, schränken ihn ein, belasten seine Beziehungen die er später eingehen wird.

Er beginnt ein Jurastudium, gerade zu der Zeit als die Aufarbeitung der Schrecken des Dritten Reiches in den Gerichten und den Köpfen der Menschen beginnt.
Mit seiner Studiengruppe wohnt er einem Prozess bei, der ehemaligen Aufsehern eines Konzentrationslagers gemacht wird.
Und dort findet er Hanna wieder: auf der Anklagebank, mit dem Rücken zu ihm.

Hanna unterscheidet sich von den anderen Angeklagten, ihre Geschichte ist oft nicht nachvollziehbar, ihr Beharren auf manche Dinge irritiert den Richter. Warum kommt sie jetzt mit Fehlern in der Anklage? Sie hat alles doch gelesen und unterschrieben.
Für Michael wird plötzlich vieles verständlich. Der Grund warum Hanna eine Beförderung bei Siemens ausschlug um Aufseherin zu werden. Weshalb sie auch später die Beförderung zur Straßenbahnführerin ausschlug. Warum sie manchmal komisch reagierte wenn er ihr etwas schriftliches hinterlassen hat.
Warum sie junge Jüdinnen im Lager zu sich holte damit diese ihr vorlasen...
Hanna kann weder lesen noch schreiben.
Und die Scham darum war so unendlich groß dass ihre Vertuschung einen hohen Preis hatte. Für sie und die die ihr im Lager begegneten.

Michael verfolgt den Prozess, ist hin und her gerissen ob er dem Richter von Hannas Analphabetismus berichten soll. Sie kann nicht die Rädelsführerin bei dem entsetzlichen Brand in der Kirche gewesen sein bei dem hunderte von Frauen und Kindern ums Leben kamen.
Aber zählt das überhaupt? Würde das ihre Schuld schmälern? Und wäre es sein Recht, sie zu verraten? Ihre Schwäche deren Vertuschung sie ihr ganzes Leben so viel gekostet hat?

Hier und auch später wird das großartige Talent Schlinks deutlich, in seiner konkreten, sachlichen aber nicht trockenen Sprache Fragen an sich selbst und den Leser zu stellen. Fragen die philosophische und juristische Relevanz haben, Fragen die nicht einfach zu beantworten sind.

Michael entschliesst sich, Hanna ihr Geheimbiss zu lassen. Sie kommt ins Gefängnis, lebenslang, weil sie lieber die Schuld der anderen auf sich nimmt, als ihre Schwäche preiszugeben.
Die anderen, oft von Nazianwälten vertreten, kommen mit geringen Freiheitsstrafen davon.
Michael beginnt, ihr Kassetten mit Werken der Weltliteratur zu besprechen und ins Gefängnis zu senden. Später erfährt er, dass Hanna mit deren Hilfe autodidaktisch das Lesen und Schreiben erlernt hat.
Und dass sie selbst sich mit ihrer Vergangenheit und ihren Taten auseinander gesetzt hat. Sie hat ihre Schuld erkannt und nachdem de beiden erneut Kontakt zueinander aufgenommen haben flüchtet sie einmal mehr, anstatt die Konfrontation zu suchen.

Der Roman ist aussergewöhnlich. Er beginnt so behutsam und doch wird man in ihn hinein gezogen wie in einen Krimi. Es ist nicht die Handlung, die zwar packt, aber nicht reisserisch ist. Kein Kriminalroman, wenn auch die Geschichte eines Geheimnisses, eines Verbrechens und dessen Aufklärung.
Auch ein Buch über das Erwachsen werden, das Erwachen von Bewusstsein und Moralverständnis. Das Erwachen von sexuellen Empfindungen, Bedürfnissen und welch eklatante Auswirkungen die ersten Erfahrungen haben können.
Ein Buch über Fragen der Schuld, der Verantwortung und auch ein Buch über die Unbeständigkeit des Glückes im Rückblick.

Ein Buch das behutsam auf ein Thema hinweist, das meine Generation sonst schon gar nicht mehr fokussiert und das unsere Eltern sehr wohl noch beschäftigt hat.
Und uns alle, unabhängig unserer Nationalität beschäftigen sollte:
Das Wissen um das was Geschehen ist zu nutzen um daraus Verantwortung und Integrität für die Zukunft zu ziehen.

Ein Buch mit ernsten Themen, ernsten Fragen und doch so leicht und schön zu lesen, dass man sich fragt, wie Bernhard Schlink das macht. Seine Sprache ist ruhig, gewählt und wunderbar ungekünstelt, man merkt nicht wie er es schafft den sichtbar vorhandenen Spannungsbogen herzustellen.
Ich hab das Buch an zwei Abenden gelesen, mit Ruhe und viel Vergnügen.
Und auch wenn es gespickt ist mit moralischen und philosophischen Fragen, mit Anregungen sich mit sich selber auseinander zu setzen, so bleibt mir doch folgende Beobachtung am prägendsten im Gedächtnis:
Warum sind wir unglücklich wenn wir zurück denken an Zeiten in denen wir glücklich waren?

Ein ganz, ganz tolles Buch.


Détails sur le produit

* Poche: 242 pages
* Editeur : Gallimard (23 février 1999)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070404587
* ISBN-13: 978-2070404582

Le meunier hurlant von Arto Paasilinna


Und wieder ein neues Buch von Arto Paasilinna, das einen weit weg in die Wälder Finnlands verschlägt und einen mit finnischen Sonderlingen bekannt macht.

Diesmal ist die Hauptperson der aus dem Süden zugezogene Gunnar Huttunen, der abseits eines kleinen Dorfes die Ruine einer alten Wassermühle kauft und sie mit seinen handwerklichen Kenntnissen tadellos in Schuss setzt.
Von nun an könnte er erfolgreich das Getreide der Dorfbewohner mahlen und sie mit gesägtem Birkenholz versorgen.
Wenn er nicht die für die engstirnigen Dorfbewohner unerträgliche Angewohnheit hätte, in depressive Phasen zu verfallen, wie ein Wolf im Wald zu heulen und ihnen mit seinen imposanten Erscheinung Angst zu machen oder sie in guten Phasen zu imitieren und der Lächerlichkeit preis zu geben.

Man kommt überein dass der Müller ein wilder Verrückter ist und eingesperrt gehört.
Nur die wunderhübsche Landwirtschaftsberaterin Sanelma Käyrämö scheint auf seiner Seite zu sein, sie verliebt sich vom ersten Moment in den wilden Wirren und dieser zum Glück auch in sie.
Doch das Glück mit Mühle und frisch angelegtem Gemüsegarten hält nicht lange, Huttunen stösst immer wieder an und nachdem er nach dem versehentlichen Schlucken einer großen Menge Antidepressiva im Dorf quasi Amok gelaufen ist, wird er zwangseingewiesen.

In der Anstalt hört man dem Sonderling der mitnichten verrückt ist, nicht zu, diagnostiziert einfach mal ein Nachkriegstrauma und will ihn am liebsten ganz, ganz lange dort behalten.
Der arme Gunnar Huttunen dreht fast durch, er ist ein Naturmensch, braucht seine Freiheit und würde lieber sterben als noch länger von den unfreundlichen Krankenpflegern und dem inkompetenten Doktor malträtiert zu werden.
Und so nutzt er den Schlüssel eines Mitpatienten und flüchtet.

Zurück an seiner Mühle muss er feststellen dass diese quasi leergeräumt ist. Huttunen flüchtet mit ein paar Habseligkeiten in die Wälder, baut sich dort eine neue Bleibe, angelt und jagt, richtet sich ein und freut sich auf die Besuche seiner Liebsten.

Doch auch hier wird er nicht in Ruhe gelassen, die aufgebrachten Dorfbewohner stöbern sein Versteck auf und zerstören es, der arme Huttunen muss wieder und weiter flüchten und wie ein Tier das in die Enge getrieben wird will er sich zur Wehr setzen und gibt sich der Unvernunft hin.
Denn da er unter Vormundschaft des Dorfes steht, will die Bank sein Geld nicht in die Obhut von Huttunen geben und so besorgt sich Huttunen erst beim Dorfarzt ein paar nützliche Werkzeuge und eine Flinte um dann die Öffnungszeiten der Bank abzuwarten um sein Geld mit Nachdruck und einer Flinte unter dem Arm zu reklamieren.

Und nun ist aus dem als Verrückten verschrienen und deshalb gesuchten Huttunen ein wahrhafter Verbrecher geworden, ohne Absicht wurde der arme Huttunen in diese Position mit dem Rücken zur Wand gedrängt und man hofft beim Lesen, dass ein Raumschiff kommen mag u ihn und seine Liebste ganz weit fort zu bringen.

Aber UFOs gibt es nicht bei Paasilinna, dafür aber andere Heimlichtuer, die dann meist mit schwarz gebranntem Schnaps zu tun haben.
Und so gesellt sich der Postbote Piittisjärvi zu Huttunen, der von der Jagd nach letzterem aufgeschreckt mit seinem Distillier-Equipment einen neuen Platz suchen musste und so Huttunen gefunden hat.

Gemeinsam machen sich die beiden Durstigen an die Herstellung von starken Fusel und gehen einen Handel ein, während der alkoholabhängige Briefträger die Post austrägt, kümmert sich Huttunen um den Schnaps und bekommt im Gegenzug dazu Gelegenheit, endlich wieder in Kontakt mit Sanelma zu treten.

Diese ist zunächst begeistert, gesteht Huttunen ihre Liebe und schlägt ihm vor, sich mit Fernunterricht weiterzubilden um ihnen beiden so bald, wenn er seine Mühle verkauft hätte, ein behagliches Leben in der Fremde zu ermöglichen. Huttunen macht sich voller Enthusiasmus an all die lehrreichen Bücher, findet Gefallen und freut sich.
Und auch der alte Mitpatient Happola taucht auf, bereit, Huttunen seine Mühle abzukaufen. Was auch Zeit wird, denn nachdem Huttunen vom Kirchturm aus heimlich einem Sport-Tunier zuschauen wollte und in dessen Verlauf einen jungen Mann fesseln musste, wird er vom Präfekten der Region ebenfalls als großer Störenfried betrachtet.
Und leider bringt die Nachricht, dass er quasi enteignet wurde und die Mühle nun von der Stadt verwaltet wird, das Fass zum Überlaufen.
Huttunen überlegt kurz diese selbst anzuzünden will dann aber lieber das ganze Dorf einäschern und beschränkt sich letzten Endes auf die neue Kirche, einen protzigen Neubau der die schöne alte Kirche überflüssig gemacht hat.

Hier hat Huttunen eine kurze, weise Unterhaltung mit Jesus, der ihm sein o.k. gibt und versichert, dass er ihn mitnichten für irre hält aber jeder sein Kreuz im Leben zu tragen hat.
Und dass ihm die neue Kirche auch nicht gefällt.

Huttunnen zündelt also, flüchtet vor aller Augen aus der qualmenden Kirche und wird fortan von den frisch eingetroffenen militärischen Sondereinheiten samt deutscher Schäferhunde gesucht.
Und wieder bittet man als Leser um ein UFO...

Das Buch ist vielleicht nicht gaaaaanz so grandios wie die anderen Bücher, die ich von Arto Paasilinna bisher gelesen hab, was aber wohl nur an der nicht ganz so unbeschwerten Geschichte und dem Schicksal von Gunnar Huttunen liegt.
Diesmal sind die im Buch vorkommenden Finnen nicht durchweg kauzig aber verständnisvoll, diesmal hat man es mit engstirnigen Egoisten zu tun.
Und es ist traurig, mit anzusehen wie der gutherzige Huttunen wie ein tapsiger Bär zur Bestie stilisiert wird um sich ihm, dem Sonderling zu entledigen.
Aber auch hier finden sich Freundschaften und Natur zu Hauf, lustige Namen und feine Dialoge, Situationskomik und feiner Humor. ein Buch dass man schnell liest und dabei immer wieder bemerkt, wie toll dieser Autor ist!!




Détails sur le produit

* Poche: 277 pages
* Editeur : Gallimard (15 février 1994)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070388484
* ISBN-13: 978-2070388486