Mittwoch, 11. März 2009

Odette Toulemonde et autres histoires von Eric-Emmanuel Schmitt


So wie Arto Paasilinna und John Irving ist auch Eric-Emmanuel Schmitt einer der Autoren, die mir das meiste Vergnügen bereiten, mich immer wieder überraschen und aber auch nie enttäuschen und von dem ich darum auch fast alles gelesen habe.
Und nun habe ich auch Dank meines Bruders endlich das Buch "Odette Toulemonde et autres histoires" in den Händen.
Habe es gelesen und bin sehr überrascht und auch hier nicht im Mindesten enttäuscht.

Überrascht, weil ich den wunderbaren und bezaubernden Film zuhause habe, den der bezaubernden Odette Toulemonde und gedacht habe, das Buch erzählt wie im Film und auch auf ähnlich lustig-poetische Weise ihre Geschichte.

Das Buch aber erzählt mehr, mehr Geschichten. Es ist ein Buch voller Kurzgeschichten und eine davon, mit natürlich auch nicht besonders vielen Seiten, die von Odette Toulemonde.
Und hier muss ich sagen: grandios.
Normalerweise mag ich weder besonders Kurzgeschichten, noch mag ich meistens überhaupt Verfilmungen von Büchern.
Aber hier ist der Fall ein ganz anderer.
Zu einen hat Eric-Emmanuel Schmitt selbst mit Odette Toulemonde einen wunderbaren und bildgewaltigen verzauberten Film voller Humor und Liebe gemacht und zum anderen hat er Kurzgeschichten in dieses Buch gepackt, die es mehr als in sich haben.

Kurze, sofort packende Ausflüge in die Köpfe und Leben von Menschen die nach aussen unscheinbarer wirken als unter der Oberfläche. Spannende Einblicke wie Krimi-Stücke, fesselnd und dennoch nie reisserisch.
Man ahnt was passiert und dennoch saugt man jede Seite ein. Es fliesst kein Blut und dennoch ist es ein leichter Schauer den einem beim Lesen überkommt, sind die Einblicke in die Schicksale der Protagonisten doch zuweilen Einblicke in das eigene Leben, die eigene Seele oder zumindest ein Blick in etwas das man aus Erfahrung kennt.

Eine der besten Geschichten ist L´intruse in der sich eine Frau verfolgt fühlt von einer mysteriösen Alten, die ab und zu in ihrer Wohnung auftaucht, Sachen versteckt, das Thermostat umstellt, ihr Streiche spielt. Zu der großen Hitze in Paris kommen so noch andere Dinge die Odile zusetzen, unerklärliche Dinge, wie die dass... ich will nicht viel verraten. Oder doch. Odile hat Alzheimer. Man merkt es, wenn man ein wenig über die Krankheit Bescheid weiß ziemlich schnell, auch wenn es geschickt und subtil als Clou hinter all dem enthüllt wird. Und gerade wenn man etwas über diese Krankheit weiß oder gar Verwandte hat die darunter leiden oder litten, dann packt einen diese Geschichte noch viel mehr.

Das erkennen wie es sein muss, sich nicht mehr zurecht zu finden in der Realität. nicht zu erkennen dass nicht die Welt um einen herum verrückt und einem Streiche spielt sondern der eigene Geist. Die Verfolgerin von Odile ist sie selbst, ihr Spiegelbild einer alten Frau das sie nicht erkennt weil sie doch glaubt, 25 zu sein. Oder dreissig? Egal, nicht älter...Sie selbst ist es die Dinge verlegt, den Thermostat hin und her schiebt. Und das Buch an dessen Einleitung sie seit Wochen herum feilt ist längst geschrieben und ein Bestseller. Und ihr Mann der mit einer anderen Kinder hat ist kein... ah, ich erzähle doch schon viel, viel zu viel.

Aber das ist es mit den Geschichten:
Sie packen einen und lassen nicht mehr los.
Das sind so gewaltige kleine Geschichten, dass man eine lesen könnte um tagelang darüber nachzudenken und noch im Kopf nach zu harken.
Aber man kann es nicht bei einer belassen.
Viel, viel zu gut sind sie, viel, viel zu spannend!

Was auffällt ist, dass in fast allen Geschichten Frauen die Erzähler sind und man doch trotz des männlichen Autors die weiblichen Introspektionen sehr, sehr gut nachvollziehen kann.
Auch wenn die Protagonistinnen an Schwächen leiden, psychisch instabil sind, von eigenen Unzulänglichkeiten überzeugt oder unter defizitären Selbsteinschätzungen leiden.

Eric-Emmanuel Schmitt der sonst mit seinen religiös-philosophischen Werken reüssiert, schafft es in diesem wunderbaren Buch, psychologische Profile mit einer derartigen Spannung zu verdeutlichen, dass ich einmal mehr froh bin, diesen genialen Autor für mich entdeckt zu haben, der es hier sogar geschafft hat, mich für die Form der Kurzgeschichte zu begeistern.


Détails sur le produit

* Broché: 281 pages
* Editeur : Albin Michel (25 octobre 2006)
* Collection : LITT.GENERALE
* Langue : Français
* ISBN-10: 2226173625
* ISBN-13: 978-2226173621

Le Bestial Serviteur du pasteur Huuskonen von Arto Paasilinna


Ich bin mehr als betrübt bei der Feststellung, dass dieses glaub ich das letzte mir noch unbekannte Buch des grandiosen Arto Paasilinna war. Von nun an heisst es warten und in der Zeit die alten aber meisterhaften Werke noch einmal zu lesen und ich bezweifle nicht, dass sie mich auch dieses mal verzaubern und nach Finnland katapultieren werden!

Dieses Buch ist ein wundervoller Abschluss und ich bin froh es am Ende gelesen zu haben. Denn irgendwie schliesst sich der Kreis, war doch mein erstes Buh von Arto Paasilinna das des Hasen und Vaartanen und in dieser Geschichte spielt ein Bär eine der Hauptrollen.

Ein Bär der als Waisenjunge dem ruppigen und mit der Kirche etwas auf Kriegsfuß stehenden Pastor Oskari Huuskonen zum fünfzigsten Geburtstag geschenkt wird, was dessen Frau noch mehr gegen diesen aufbringt. Aber was solls, Oskari hat sich noch nie sonderlich an der Meinung anderer gestört und was seine Frau so treibt ist eh nicht von großem Interesse.
Da schon ehr der Bär.
Dieser gewöhnt sich schnell an den Pastor und eine Paasilinna typische Freundschaft entsteht und gemeinsam erleben die beiden die schönsten und kuriosesten Abenteuer, nie albern, immer mit viel Herz und Wäre, Witz und Esprit und garantiert nie vorhersehbar.

Es werden Sportarten erfunden und mit Verve betrieben wie der steil aufsteigen Speerwurf (bei dem der Pastor fast seinen Bischof ins Jenseits befördert) und natürlich jede Menge Alkohol und Cervelat-Würste konsumiert.

Der Pastor verbringt den ersten gemeinsamen Winter mit dem Bär in einer komfortablen Höhlenhütte, erregt aber auch dadurch den Zorn der Kirchenoberen weil eben nicht nur der Bär, sondern auch eine aufgeschlossene und hübsche Zoologin mit dem Pastor dort zu überwintern scheint. Die Pastorenfrau ist ausser sich vor Wut, verlangt die Scheidung und der Pastor fühlt sich so nach einigen Ereignissen die den Leser mehr als Amüsieren werden, frei mit dem Bären auf eine kleine Reise aufzubrechen.

So kommt es dass die beiden auf einem schiff anheuern, hat der Bär doch in der Zwischenzeit gelernt, häusliche Aufgaben wie Bügeln, Wäsche falten und sortieren, Frühstück zubereiten und Ordnung halten aufs Vortrefflichste zu erledigen und sogar dem Pastor bei seinen improvisierten und anderen Religionen aufgeschlossenen Messen zu assistieren.

Ein guter Missionar ist dieser aber vielleicht nicht, zweifelt er doch schon seit einiger Zeit an dem Gottbild wie es seine Kirche geformt hat. Lieber beschäftigt er sich mit dem Gedanken an die Existenz ausserirdischen Lebens oder der Erklärung wie da große Ganze zusammen passt.

Die beiden machen Die Bekanntschaft von allerhand kuriosen und freundlichen Zeitgenossen, darunter der Kapitän des Schiffes, den leider später ein paar Piraten ins Jenseits verfrachten. Der Bär und der Pastor stranden auf der kleinen russischen Insel Solovekche, wo der Pastor eine weitere bezaubernde Frau für sich einnehmen kann.
Diese verhilft ihm nicht nur zu einem gebrauchten Computer mit dem er nun in seiner freien Zeit das All Dank des SETI Programms nach fremden Signalen Absichten kann, sie verhilft ihm auch zur Flucht von der Insel als der etwas eigentümliche Pastor und sein Bär den Bewohnern doch allzu merkwürdig vorkommen.

Zu dritt landet man letztendlich nach ein paar Ereignisreichen Zugfahrten auf einem weiteren Schiff und mit diesem geht es nach Malta, wo sich ein finnischer Reisegefährte das Leben nehmen möchte, weil er es nicht schafft, im Mittelmeerraum finnische Saunen an den Mann zu bringen.

Der Pastor und sein Bär lösen auf einer ökomenischen Versammlung erst ein Blutbad aus, einen dadurch aber die sonst so streitlustigen Religionsführer und ernten so deren Dankbarkeit, nachdem die beiden zuvor einige unangenehme Stunden erdulden mussten...


Die äusserst knappe und vermutlich die besten und amüsantesten Episoden der Bären-Pastorenreise auslassende Zusammenfassung wird diesem Feuerwerk an kuriosen Einfällen natürlich nicht gerecht.
Arto Paasilinnas Bücher können nicht erzählt, sie müssen gelesen werden.
Denn e sind ja nicht nur die Geschichten und die liebenswert-verschrobenen Charaktere die den Leser garantiert für ihn einnehmen, es ist auch seine Sprache.

Wundervoll zu lesen und nie trivial, platt, aber auch nicht hochgestochen blasiert, eine wundervolle Sprache voller deftiger und ruppiger Schimpfworte und weichen Naturbeschreibungen.
Ein Buch voller Liebe unter einer dicken, stacheligen Schale von bärbeissigem Charme!

Und dazu wird unterschwellig und in keinster Weise aufdringlich auch hier wieder auf unprätentiöse Weise eine Moral vermittelt, die Aussage gemacht dass das Gute im Menschen vielleicht von aussen nicht immer sichtbar ist, aber gerade dann, wenn auf unnötige Geschwafel verzichtet wird, der weiche gute Kern viel aufrichtiger ist als gedacht.

Hier wird wie in allen Büchern von Arto Passilinna deutlich, wie eine echte Freundschaft aussehen kann und dass es nicht vieler Worte auch nicht lange Zeit braucht, um dieser gerecht zu werden.

Mit noch viel weniger Worten und Erklärungen kommen die amourösen Beziehungen zwischen Mann und Frau aus und auch hier ist der verschrobene Protagonist der Hahn im Korb, scheinen sich finnische, und hier russische, Frauen doch von wortkargen Griesgramen angezogen zu fühlen und so kommt der Pastor, was Zuneigung betrifft, nicht zu kurz.

Ein ruppiges, liebenswertes Buch über Freundschaft, den Glauben und natürlich Finnland.
Ein wirklich ganz tolles Buch!

Détails sur le produit

* Broché: 309 pages
* Editeur : Editions Denoël (7 juin 2007)
* Collection : Denoël & d'ailleurs
* Langue : Français
* ISBN-10: 220725819X
* ISBN-13: 978-2207258194

Mittwoch, 4. März 2009

la ferme africain von Karen Blixen


Ein Buch das wohl als Klassiker bezeichnet werden kann und wohl kaum einer, der zumindest den Titel nicht kennt, ist der gleichnamige Film doch schon zigmal im Fernsehen gelaufen.
Den Film hab ich früher auch einmal gesehen und erinnere mit wage, das Buch habe ich aber erst jetzt im Pariser Secondhand-Buchladen entdeckt.
Und war erstaunt.
Denn an Stelle einer blumigen und pittoresken Liebesgeschichte und mit filmischen Spannungsbögen ausgestatteter Hollywood Lebensgeschichte wehte mir direkt der Wind Afrikas entgegen.
Eines Afrikas das mit viel Liebe zu Land, Leuten und Detailrt´treue von der Autorin und Farmbesitzerin Karen Blixen beschrieben wird und in der diskret auf jegliche amourösen oder intimen Einblicke ins Seelenleben verzichtet wird.

Kein Buch für Frauen mit Sehnsucht nach Afrika also, sondern ein Bericht über ein Land dass an Hemingway erinnert, der die Autorin wie ich erfahren habe, verehrt haben soll.
Es ist auch kein Buch wie ein Film, es fehlen jegliche Einblicke in das Intimleben der Autorin, ihre Freundschaften zu Männern werden wie Freundschaften die bis ins Blut gehen beschrieben, aber niemals folgt eine Andeutung auf.. mehr.
Es ist ein Bericht. Voller Farben über das Leben in Afrika.

Vieles klingt nüchtern, manches zeitlich fern wenn die weisse Blixen von den Negern erzählt, aber der Respekt und die Achtung die sie diesen entgegen bringt, verhindert jegliche Distanz und bringt sie einem sympathisch näher, auch wenn sie immer mehr ein berichtender Reporter bleibt.

Das zumindest im ersten Teil des Romanes, der die Farm, das Land und das Leben auf der Farm beschreibt. Dies wie gesagt ehr in berichtender Form und nicht als Roman.
Der zweite Teil besteht dann aus einer Art Aufsätzen, Reflexionen über Land und Leute, ausgelöst durch Ereignisse und Episoden.
Und auch fast philosophische Gedankengänge werden aufgeworfen, angeregt durch Begebenheiten oder gehörte Geschichten.

Der dritte Teil ist der Teil des Abschiedes. Für eine Kaffeeplantage liegt die Farm etwas ungünstig und Heuschreckenplagen tun ihr übriges. Gemeinsam mit dem Leser nimmt Karen Blixen schon einmal Abschied von ihrer geliebten Farm und kann es dennoch bis zum Ende nicht realisieren, fort zu müssen.
Doch als am Ende alle Möbel verkauft ( nur von ihren Gläsern kann sie sich nicht trennen, haben sie und ihre Freunde doch daraus mitten im Busch Wein und Champagner getrunken und die schönsten Momente erlebt) sind und die Farm schon längst einen Käufer gefunden hat muss Abschied genommen werden.

Auch dies wird relativ unsentimental beschrieben, auch wenn man Blixens Schmerz herauslesen kann, sich von einem Teil ihres Herzens verabschieden zu müssen.

Es ist ein Buch dass Aufmerksamkeit erfordert und den Leser im Gegenzug mit einem Bild von Afrika belohnt dass fast schon lebendig ist.
Es ist eben kein Roman sondern eine Autobiographie, dazu eine die offensichtlich auf Detail- und Wahrheitstreue abzielt.
Ich kann verstehen dass dieses Buch damals einzigartig erschienen sein muss, unglaublich wichtig, gab es doch das Fernsehen mit seinen farbigen und mitreissenden Reportagen noch nicht.

Ich war überrascht dass es so anders ist als der Film, man erfährt so gut wie Nichts über die Geschichte vor der Zeit in Afrika, nichts über die Zeit danach, man erfährt nichts über ihr Leben als Ehefrau, Liebhaberin, nichts über ihre Familie, nichts über die Frau Karen Blixen.
Es ist die Farmbesitzerin und Betreiberin, die Verantwortliche für ein Stück Land und die Menschen und Tiere darauf die man kennen lernt, die die Autorin den Leser kennen lernen lässt.
Zwischen den Zeilen kann man vermuten welcher Freund ihr vielleicht am nächsten war, näher als sie auch nur andeutet, aber es ist alles so subtil, diskret und förmlich, dass es nur Spekulationen sind.

Wer also in schriftlicher Form das sucht was er auf der Leinwand gesehen und gespürt hat, wird vielleicht enttäuscht, das Buch war wohl lediglich Inspiration und Lieferant für Informationen.
Wer aber in das Leben einer Farmbesitzerin in Afrika, in eine andere Epoche eintauchen und dabei das Gefühl von Authentizität und fast objektiver Beschreibung haben möchte, der wird sehr viel Freude an diesem Buch haben.

Détails sur le produit

* Poche: 508 pages
* Editeur : Editions Gallimard (9 novembre 2006)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070425126
* ISBN-13: 978-2070425129