Sonntag, 12. Oktober 2008

Dans le Scriptorium von Paul Auster



Ein kurzer, kurzweiliger und geheimnisvoller Roman von Paul Auster, eine originelle Geschichte die mich überrascht hat. Denn es ist ein Buch dass sehr viel von Paul Auster als Schriftsteller preis zu geben scheint und viele der von ihm im Laufe der Jahre erschaffenen Romanfiguren wie Anne Blume, Daniel Quinn, James P. Flood, Davis Zimmer, Fanshawe und andere tauchen in dieser Geschichte erneut und zusammen auf.

Sie werden lebendig, besuchen einen in einer Art Krankenzimmer einsitzenden Mann dessen Gedächtnis sich immer wieder von neuem löscht, konfrontieren ihn mit Fotos ihrer selbst aus vergangenen Zeiten, reden von Missionen auf die er sie und andere geschickt und was für schwierige Prüfungen er sie ausgesetzt hat.

Manche von ihnen sind wohlwollend, behandeln den Mann mit Fürsorge, vergeben ihm seine Taten die ihm selbst nicht ganz bewusst sind, andere sind unnachgiebiger und voller Bitterkeit.

Das Gedächtnis des Mannes ist beim Aufwachen leer, blank, sein Name Mr. Blank, zumindest wird er so genannt. Das Zimmer in dem er sich befindet, eine Art Krankenzimmer ist ebenfalls karg möbiliert und jedes der sich im Raum befindenden Objekte ist mit Etiketten versehen, auf einem Stuhl prangt das Wort Stuhl und so weiter.
Auf dem Schreibtisch befinden sich ein Stapel mit Fotos und ein Stapel mit Manuskripten.

Der Mann, von Schwindel und beinahe-Ohnmachtsanfällen geplagt, bemüht sich mit diesen Hinweisen dem Geheimnis, seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Wer ist er? Was tut er? Wer sind diese Personen, die nun auch abwechselnd in das Zimmer kommen, älter als auf den Fotos, manche vertraut und lieb, andere fremd und bedrohend.

Ist er eingesperrt? Auch das weiß Mr Blank nicht, er hat Angst es heraus zu finden. Bedroht man ihn mit dem Tod? Oder mit etwas schlimmeren? Und die Medikamente die ihm fürsorglich von Anna und Sophie verabreicht werden, sind sie zu seinem Besten und sind sie der Auslöser seines körperlichen Niedergangs?
Was hat er getan? Steht er vor Gericht? Was ist sein Vergehen, was seine Schuld und Verantwortung diesen Personen gegenüber?

Als Paul Auster Leser weiß man bestimmt schon früh dass es sich um Romanfiguren handelt die ihren Schöpfer besuchen und ihn mit dem konfrontieren, was er ihnen als Schicksal bestimmt hat. Sie setzen ihn dem eigenen Schicksal aus, machen ihn, vermutlich durch die Medikamente, zu einer leeren Hülle die mit Informationen und Geschichten gefüllt werden muss um zu existieren.

Und so wird Mr. Blank konstant von einer Kamera beobachtet und fotografiert, alles was er sagt wird mit Mikrofonen aufgezeichnet, sein Wissen um die Welt befindet sich etikettiert auf den jeweiligen Objekten, die später tauschen, jemand anders also gibt ihnen für ihn ihre Bedeutung.
Mr. Blank ist selbst zu einer Figur geworden, für den Leser der diesen Paul Auster Roman in der Hand hat. Und später sogar für sich selbst, findet er doch unter den Manuskripten plötzlich seine eigene, aktuelle Geschichte aufgeschrieben...

Eine mysteriöse Novelle für mich als Paul Auster Neuling, auch wenn ich schnell ahnte dass all die Charaktere mir bald in den anderen Auster Büchern begegnen werden. Ein ganz anderes und vielleicht intensiveres Leservergnügen vielleicht für den, der all diese Charaktere als vertraut wieder erkennt und sich nun auf die Suche nach Spuren von ihnen im eigenen Gedächtnis machen kann.

Ich habe mich aber dennoch nicht gelangweilt, im Gegenteil, knapp 150 Seiten in einem Tag, es war also sehr fesselnd. Und ich freue mich schon wahnsinnig, das Buch im nächsten Jahr oder so wieder hervor zu holen wenn ich auch die anderen fabelhaften Geschichten von Auster gelesen habe und die Figuren entdeckt habe, die sich jetzt schon einen kleinen Platz in meinem Kopf gesucht haben.

Détails sur le produit
Reliure inconnue: 146 pages
Editeur : Actes Sud (30 janvier 2007)
Collection : ROMANS, NOUVELL
Langue : Français
ISBN-10: 2742765603
ISBN-13: 978-2742765607