Sonntag, 30. Dezember 2007

His Dark Materials von Philipp Pullman


Ja, auch ich kann mich manchmal Kinoplakaten nicht entziehen. Aber anstatt in den Film zu gehen, was ich nun heute tun werde, machte mich das Plakat vom Goldenen Kompass neugierig auf die Geschichte und ein kurzer Blick ins Internet zeigte, dass ich da offenbar ein richtig gutes Stück Kinder/Erwachsenen Fantasy Literatur verpasst habe:
Die bereits vor über zehn Jahren erschienene Trilogie His Dark Materials, mit dem Goldenen Kompass als erstem Band.

Und ich muss sagen, dass alles was ich im Vorfeld darüber gelesen habe irgendwie nicht so ganz stimmte und das Philipp Pullman da was ganz großartiges, eigenes erschaffen hat.

Denn da ist zum ersten der Vergleich mit den Chroniken von Narnia. Mh. Auch die mochte ich gerne aber der Vergleich hinkt stark, trotz explizitem Religionsbezug in beiden Werken. Der Unterschied ist wohl vor allem die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse in His Dark Materials, man wird immer wieder überrascht, teilweise auch von der Grausamkeit der einzelnen Charaktere. Es wird nicht immer ganz schnell alles wieder gut, wie es ja bei den Chroniken von Narnia nach jedem Abenteuer war.
Und die Sprache ist sehr viel anspruchsvoller, auch wenn diese in den Chroniken von Narnia besonders reizend und gewählt war. Hier wäre dann ehr ein Vergleich mit Harry Potter angemessen aber das will ich eigentlich gar nicht erwähnen, da ich sonst nicht allzu viele Gemeinsamkeiten sehe.
Und der Herr der Ringe ist sowieso eine ganz andere Liga und auch von der Sprache her nicht ansatzweise so eingängig und daher auch mitreissend wie in His Dark Materials.

Ich würde die Trilogie also am liebsten gar nicht mit andren Werken vergleichen, höchstens bemerken dass es sich bei allen um gute werke mehrteiliger Fantasy Literatur handelt die es verdienen, von vielen mit viel Freude mehrere Male gelesen zu werden.

Denn His Dark Materials weist so viele originelle Ideen auf, dass Philipp Pullman es verdient, nicht nur im Atemzug mit anderen Autoren genannt zu werden.

Besonders gefallen hat mir die Idee der als Tiere personifizierten Seelen in eigenen Universen. Oder die Tatsache der parallel übereinander existierenden Universen überhaupt. Aber die Idee der Seelentiere fand ich schon toll, vor allem die Eigenart dieser, bei Kindern immer wieder nach deren Stimmungslage ihre Gestalt zu wechseln und sich dann im Erwachsenenalter für ein Charakterähnliches Tier festzulegen.
Und auch die Idee des "Dust", der Partikel die und Menschen zu denkenden, fühlenden und entscheidenden Wesen machen und somit von Tieren abheben fand ich gut.

In allen drei Bänden ist das junge Mädchen Hauptperson und somit auch Heldin der Geschichte. Als vermeintliche Waise in einer Universität in Oxford aufgewachsen wird sie durch die Entführung ihres besten Freundes Roger und andere Kinder in den Norden auf eine abenteuerliche Reise und Suche geschickt. Ausgestattet mit einem magischen Kompass, dm Alethiometer, der ihr auf alle Fragen eine Antwort geben kann, macht sie sich auf die Suche nach Roger, auf der Flucht von der grausamen Ms Coulter und unterstützt von vielen Freunden.
Diese bestehen, wie alle Personen in dem Buch aus wunderbare tiefgründigen und fein ausgearbeiteten Charakteren, seien es die Mitglieder der Zigeuner, der eindrucksvolle Eisbär Iorek oder auch die Feinde.
Und sind die Feinde überhaupt Feinde?
Die Bücher bieten so viele Überraschungen und Wendungen und unvorhersehbare Ereignisverläufe, dass jede Seite wirklich Spannung birgt.
Denn am Ende des ersten Bandes stellt sich Lyras vermeintlicher Onkel den sie aus einem nordischen Gefängnis befreien wollte plötzlich als ihr Vater heraus der am Ende sogar Roger auf dem Gewissen hat.
Und Ms Coulter ist nicht nur wunderschön und eiskalt, sondern auch ihre Mutter!
Und vor allem: die Aufgabe die Lyra zu lösen hat, endet nicht mit der Auffindung Rogers. Sie beginnt erst und ihre Dimension wird ihr erst im Verlauf der nächsten zwei Bände in ihrer vollen Tragweite bewusst!

Im zweiten Band stösst dann aus einem anderen Universum der junge Will zu ihr und gemeinsam mit seinem durch einen tragischen Kampf gewonnen magischen Messer machen sie sich auf eine Reise durch verschiedene Universen, entgehen oft nur knapp dem Tod, müssen Schmerzen und Entbehrungen erleiden und lernen aber nebenbei die tollsten und treuesten Wesen kennen, unglaubliche Charaktere die niemals trivial oder willkürlich erscheinen.

Das ist das tolle an den Büchern: man kann in die Seelen blicken, auch wenn diese nicht wie bei den Bewohnern Lyras Welt als Tiere sichtbar sind. Die Charaktere sind von ihren Erfahrungen und erlittenen Schmerzen gezeichnet und handeln entsprechend.

Und je weiter man liest, desto stärker wird auch der philosophisch-religiöse Anspruch. Was macht uns aus? Was ist wirklich wichtig um uns zu Menschen zu machen und was ist der Unterschied zwischen Gut und Böse? Wann entscheidet man sich für eine Seite und warum?
Das Böse ist hier das bei uns vermeintlich gute: die Kirche.
Man darf aber keinesfalls den Fehler vieler Kritiker machen und diese unverändert mit der unserem oder sogar mit den Religionen an sich gleich zu setzen!
Die Kirche in diesem Buch symbolisiert eine Weltregierung, mit vielen Organisationen und geheimdienstartigen Abteilungen, mit willen Gefolgsleuten und machtgierigen Karrieristen, mit ideologisch handelnden Ausführern und im besten Gewissen agierenden Fehlgeleiteten.
Pullman kritisiert meiner Meinung nach nicht die Religion, er prangert ihren Missbrauch an. Den Missbrauch der Geschichte für macht und Kontrolle, die Angst und Schwäche der Menschen.
Und er prangert die Unterdrückung der eigenen Entscheidung, der Entfaltung eigener Gedanken und Ansichten an und zeigt die Gefahren des Verlustes der Liebe und die unbezwingbare Stärke die diese mit sich bringt.

Zu den Geschichten an sich möchte ich gar nicht mehr schreiben denn diese Buch bietet gerade beim ersten Lesen so viel Spannung durch seine Wendungen und die sukzessive Ausarbeitung bzw. Vorstellung der eigenen Charaktere dass ich nichts verderben möchte.
Nur so viel mag gesagt sein:
es lohnt sich. Jede Seite. Und ich freue mich schon auf ein erneutes Lesen, auch weil ich so viele kostbare Stellen entdeckt habe, die in der atemlosen Hast, die diese Spannung mit sich gebracht hat, nicht in aller Ruhe gewürdigt, bedacht und reflektiert werden konnte.
Viele Ideen und Überlegungen die ich als philosophisch doch recht anspruchsvoll empfand, Fragen die aufgeworfen wurden und die ich für mich persönlich beantworten möchte.
Und so viele Facetten der einzelnen Figuren die beim einmaligen Lesen nicht mit voller Aufmerksamkeit gewürdigt und entdeckt werden konnten. Zumindest von mir nicht denn ich war wie erwähnt so gespannt auf das was als nächstes kommt beim Lesen dass ich die knapp 1000 Seiten in einer Woche verschlang und darum das ein oder andere etwas hastig verschluckte.
Beim nächsten Mal.
Dann könnte ich auch vermutlich eine qualifiziertere Kritik schreiben.
Aber das möchte ich vielleicht gar nicht. Jeder soll besser selbst Lesen und auf Entdeckungsreise gehen. Sich überraschen und fesseln lasen und das für sich aus der Geschichte rausziehen und in seine Welt, sein Leben mitnehmen was ihm wichtig und richtig erscheint.
Denn das zeigt His Dark Materials auch: es gibt nicht nur Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Und was der eine in den Büchern sieht, nimmt der andere vielleicht ganz anders wahr.


************
Später:
chouchou und ich waren in dem Kinofilm.
Die Bilder sind wunderschön und auch die Figuren gleichen vom Aussehen her denen in meinem Kopf beim Lesen. Aber ich fand den Film trotzdem ganz ganz schrecklich, weil der erste Band der Trilogie, der ja meines Erachtens noch der kürzeste, einfachste ist, schon so derartig von der Geschichte her verstümmelt wurde dass es mir weh tat zuzusehen.
Darum auch hier der alte, schon nervende Spruch:
LEST DIE BÜCHER!
Und erst DANN, wenn es sein muss, guckt den Film. Mir reicht jetzt auch der erste Teil. Kann ja nur schrecklicher und abgehackter und aufs schmerzlichste verkürzt und zusammengeschrumpft werden. Ähnlich wie Harry Potter nur viiiiel schlimmer. Und somit anders als Herr der Ringe wo ich die Filme mindestens genauso gut fand wie die Bücher.


Produktinformation

* Verlag: B&T; Knopf, N.Y.
* 2007
* Ausstattung/Bilder: 2007. 933 p.
* Seitenzahl: 933
* Altersempfehlung: ab 12 Jahren
* Englisch

* Abmessung: 23 cm
* Gewicht: 915g
* ISBN-13: 9780375847226
* ISBN-10: 0375847227
* Best.Nr.: 22599497

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran von Eric-Emmanuel Schmitt


Ja, jetzt weiß ich definitiv, dass Eric Emmanuel Schmitt zu meinen Lieblingsautoren gehört.
So ein dünnes kleines Büchlein und so viele Momente des Schmunzelns und Stellen des Lächelns! Ein wunderschönes kleines Buch, das, aufmerksam gelesen, wie eine kleine Anleitung zum Glücklich sein herhalten könnte.
Eigentlich war Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran ein Theaterstück, ein Monolog, aber auch als kleines Stück Literatur lässt es sich hervorragend und wunderbar leichtfüßig lesen.

Hauptperson ist der 11 jährige jüdische Moses, der mit seinem verbitterten Vater zusammen in Paris lebt. Von diesem nur getadelt und permanent mit seinem damals mit der Mutter abgehauenen perfekten Bruder verglichen, sucht Moses Zuflucht bei den Prostituierten und bei Monsieur Ibrahim, der eine Epicerie um die Ecke betreibt.
Es fängt damit an, dass Momo bei ihm Konserven klaut und überrascht feststellen muss, dass Monsieur Ibrahim dies sehr wohl bemerkt. So wie er eigentlich alles um sich wahr nimmt und betrachtet.

Von diesem nur Momo genannt und immer mit Liebe und Wertschätzung behandelt, lernt Momo unheimlich viel über das Leben, denn Monsieur Ibrahim ist sehr weise, weiß er doch wie einfach das Glück zu erreichen ist und im Grunde, alles, was Wesentlich ist. Quelle seines Wissens und seiner ausgeglichenen, gütigen Art, ist sein Coran und sein gutes, offenes Herz in das er Momo schliesst.

Nachdem sein Vater dann eines Tages plötzlich verschwindet und Momo alleine lässt, wird Monsieur Ibrahim endgültig seine Hauptbezugsperson und Momo unternimmt mit dem älteren Herren Reisen und lässt sich die Welt en passant mit wenigen aber gut gewählten Worten und Beispielen erklären.
Momo lernt so durch Monsieur Ibrahim Hinwendung zum Suffismus wie leicht es sein kann, Grenzen und Schranken im Geist zu überwinden, andere zu lieben und ihnen zu vergeben und die Unterschiede zwischen den Religionen auszuräumen.

Das Buch ist ein unglaublicher, kleiner Schatz, so wie Le Voyage d'Hector ou la recherche du bonheur von François Lelord werde ich diese wunderbare Anleitung zum Glück ganz bestimmt ganz oft verschenken und hoffen, dass auch bei anderem solch ein schönes Gefühl innen drin beim Lesen entsteht.


Produktinformation

* Fremdsprachentexte, Reclam Universal-Bibliothek (9118)
* Verlag: Reclam, Ditzingen
* 2003
* Ausstattung/Bilder: 2003. 101 S.
* Reclam Universal-Bibliothek Nr.9118
* Französisch

* Abmessung: 15 cm
* Gewicht: 62g
* ISBN-13: 9783150091180
* ISBN-10: 3150091187
* Best.Nr.: 12060120

Freitag, 23. November 2007

L' Evangile selon Pilate von Eric-Emmanuel Schmitt


Wer hätte gedacht, dass ein Buch mit diesem Titel und diesen Hauptpersonen ein so spannendes und irgendwie bereicherndes Lesevergnügen parat halten würde!
Ich hab es gekauft weil ich einfach etwas von Eric-Emmanuel Schmitt lesen wollte und ich bin so positiv überrascht, dass ich mich schon sehr auf weitere Bücher von ihm freue, vor allem nachdem ich erfahren habe, dass einige von ihnen die verschiedenen Weltreligionen behandeln.

Hier also das Christentum, genauer: seine Geburtsstunde. Die Erweckung des Christentums durch die Erweckung von Jesus von Nazareth, der im Roman, genau wie andere Berühmtheiten des Evangeliums, einen anderen Namen trägt.
Denn es ist ein Roman. Aber er ist auch mehr.
Denn der philosophische Schriftsteller Eric-Emmanuel Schmitt hat sehr gut recherchiert, hat viel nachgedacht über das was in der heiligen Schrift steht und über das was er selbst nach seinem Initiationserlebnis in der Sahara erlebt, was seine Wandlung von Atheisten zum Christen bewirkt hat.

Die Geschichte wirkt auf mich also sehr, sehr real und somit ergreifend und überzeugend.
Es ist ein Buch für jeden, nicht nur für bereits überzeugte Christen. Auch Menschen die glauben, mit dem Glauben so gar nichts am Hut zu haben, können viel spannendes entdecken.
Denn zum einen ist es aufregend, Jesus selbst erzählen zu hören, ihm bei seiner kurzen Rekapitulation seines Lebens zuzuhören, und zum anderen einem Krimi gleich, wie der Stadthalter Pontius Pilatus das Rätsel um den verschwundenen Leichnam nach der Kreuzigung aufzuklären versucht.

Ein Buch in zwei Teilen also:
Im ersten Teil erzählt Jesus knapp von seiner Kindheit, der Zeit wo man noch glaubte unsterblich zu sein um dann schmerzvoll durch den Tod des geliebten Vaters zu erfahren wie endlich alles ist und wie kostbar die in und mit Liebe gelebte Zeit.
Ehr schlecht als Recht übernimmt er die Schreinerei seines Vaters, doch die Menschen kommen zu ihm eigentlich nur, um sich von ihm trösten zu lassen, denn sein Talent, zuzuhören und Trost zu spenden wird schnell deutlich. Aber damit kann man kein Geld verdienen, rufen seine Geschwister.
Nach an ihn gerichteten Prophezeiungen, er sei der Messias, der Führer in ein neues Königreich, flüchtet sich der zweifelnde Jesus in die >Wüste wo nun auch er, in sich gekehrt, Gottes Stimme vernimmt. Und den Weg den er zu gehen hat gezeigt bekommt.
Und nun hört Jesus nicht mehr nur zu, er beginnt zu reden.
Und seine Botschaft, dass der einzige Weg zu Gott und in sein wunderbares Reich der der Liebe ist, und dass die Erlösung nicht in einem Wandel der äusseren Umstände sondern in sich selbst zu finden ist, spricht viele an die ihm nun folgen.

Und hier möchte ich einwerfen dass auch ich es so schön fand zu lesen, wie einfach man den Kern unserer Religionen, unsere Beziehung zu unsrem Gott der viele Namen trägt, benennen kann: Liebe. Ohne den Schnickschnack drumherum, ohne all die von Menschen gemachten Gesetze, Dogmen, Ideologien. Wenn jeder jeden liebt, so die Aussage Jesu, dann ist SEIN Königreich da, dann sind wir angekommen.

Was dann passiert ist bekannt, Jesus wird angeklagt weil er für die Priester Jerusalems eine Gefahr darstellt, er wird verraten, gekreuzigt, ersteht von den Toten.

Aber Eric-Emmanuel Schmitt macht daraus etwas ungemein spannendes.
Denn erstens überlegt er, wieso Jesus ausgerechnet von seinem im nächsten Jünger verraten wird, Geld kann es nicht sein, er war der Schatzmeister.
Nein, Judas verrät Jesus auf dessen Wunsch. Denn Jesus WEISS dass er, um auch die letzten von seinem Wort zu überzeugen, sterben und dann wieder leben muss. Und er will nicht, dass alle seine Jünger am Kreuz enden. So muss einer als Sündenbock her, das ist der treue Judas, der sich nach dem vermeintlichen Verrat erhängt.

Nun beginnt der zweite Teil des Buches, nun nicht aus der Sicht Jesu geschrieben, sondern in Briefform an seinen Bruder Titus von Pilatus.

Dieser ist ein recht schaffender Römer, Statthalter in Rom, sehr glücklich verheiratet mit der emanzipierten Claudia und sehr darauf Bedacht, die für ihn entsetzliche Stadt Jerusalem für Rom unter Kontrolle zu halten.

Und darum passt es ihm gar nicht, welchen Aufruhr der Neuankömmling aus Nazareth plötzlich verursacht. Auch wenn er ihm sympathisch ist, auch wenn er auf noch unerklärte Weise seine geliebte Frau von ihrem körperlichen Leiden geheilt und sie auch mental fröhlicher gemacht hat.
Dieser Jesus eckt überall an bei den Priestern und Reichen, ist doch das was er verkündet eine unerhörte Blasphemie!
Und so kommt es wie es kommen muss, Pilatus, der noch mit Hilfe von Claudia und ihr zuliebe versucht, Jesus vor dem Kreuz zu bewahren, ist gezwungen, das Todesurteil zu vollstrecken.

Doch nun ist es kein Ende mit Schrecken für Pilatus, sondern ein Schrecken ohne Ende, denn zuerst verschwindet der Leichnam und dann tauchen auch später Gerüchte auf, Jesus von Nazareth sei von den Toten auferstanden.

Pilatus, gebildeter und überzeugter Rationalist versucht dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, einem Detektiv gleich verfolgt er Hinweise, stellt Theorien auf und versucht sie zu verifizieren, befragt und beobachtet und wird doch immer wieder enttäuscht wenn er glaubt, dem Geheimnis auf die Schliche gekommen zu sein.

Denn das Jesus tatsächlich lebt (noch? oder wieder? Pilatus versucht mit Hilfe seines Arztes zumindest eine Antwort auf DIESE Frage zu finden) ist bekannt.
Nur was bedeutet das nun? Für die Welt? Für ihn? Er, der immer alles hinterfragt, kann er seiner Frau folgen und glauben?

Ein wie ich finde grandioses Buch für jeden der gerne etwas lesen möchte, das aufrüttelt und nicht alltäglich ist, das in sachlicher Fiktion etwas so gewaltiges wie den Glauben und seinen Ursprung thematisiert.
Es ist ein spannendes Buch mit leicht zugänglichem Tiefgang.

Am Ende fügt der Autor noch eine Art Tagebuch zur Entstehung des Romans bei, umfangreich, auch nicht langweilig, Vermutlich hatte er angesichts des gewaltigen Themas doch etwas Bange. Aber er muss keine Angst haben. Ich finde, niemand kann ihm irgend etwas vorwerfen. Er hat sehr gut in den heiligen Schriften recherchiert und hat vor allem in sich selbst hineingehört. Und dort das gefunden, was er dem Leser näher bringen möchte: Glauben.
Denn zu Glauben heisst ja nicht zu wissen.
Es heisst offen zu sein, zuzuhören und zu beobachten. Selbst zu denken.
Und das, gemeinsam mit dem Wunsch nach sehr viel mehr Liebe zu uns selbst und zu anderen, finde ich einen wunderbaren Gedanken.
Ein tolles Buch also. Ohne Einschränkung.


Produktinformation

* Verlag: Import F; Librairie Generale Francaise, P.
* 2006
* Ausstattung/Bilder: 2006. 284 S.
* Seitenzahl: 284
* Le livre de poche Bd.30514
* Französisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 161g
* ISBN-13: 9782253116042
* ISBN-10: 2253116041
* Best.Nr.: 20798190

Dienstag, 20. November 2007

The Solitaire Mystery von Jostein Gaarder


Was für ein tolles spannendes und philosophisch bereicherndes Buch! Ich bin SO begeistert, gerade weil ich Sophies Welt doch etwas anstrengend und zusammengebastelt empfand, zwar gut und mit feinen Dialogen, aber doch hatte ich bei den Exkursen zur Philosophie oft das Gefühl, ganz schnell ganz viel an Lexikon-Wissen in mich reingestopft zu bekommen und das hab ich dann gar nicht verdauen können und am Ende war da nur ein Wirrwarr neben der schönen Geschichte von Sophie und Hilde, Alberto Knox und dem Major.

Aber das Solitaire Mistery war zum Glück anders, auch wenn man die von philosophischen Fragen angeheizte Phantasie und die geschickt aufgeworfenen Fragen zum Sein und Schein des Lebens als typisch Jostein Gaarder erkennen kann.
Aber hier stimmt einfach alles, das Buch ist ein Guss, auch wenn hier viele Geschichten zu einer großen, nämlich der die wir als Buch in den Händen halten, zusammenlaufen. Hier hat Jostein Gaarder die Fäden einfach sehr gekonnt verwoben, so dass der rote Faden aber auch nie abhanden kommt.

Hauptperson der Hauptgeschichte ist der 12 jährige Hans Thomas, der mit seinem Vater eine Reise bis nach Griechenland unternimmt um die dort vor acht Jahren auf der Suche nach sich selbst verschwundenen Mutter zu finden und zurück nach Hause nach Norwegen zu bringen.

Da Hans Thomas Vater nicht nur ein gemäßigter Trinker sondern auch ein großartiger Hobbyphilosoph ist, wir jede Zigarettenpause unterwegs für kleine Vorträge und Fragestellungen genutzt um dem Kern des Seins zumindest etwas näher zu kommen.

Richtig spannend wird es dann schon schnell und auch sehr geheimnisvoll:
Hans Thomas bekommt zuerst von einem Zwerg der den beiden den etwas falschen Weg in ein kleines Dorf namens Dorf zeigt, eine winzige Lupe geschenkt, begleitet von keinen Sinn ergebenden Erläuterungen.
Und dann bekommt er in Dorf von einem Bäcker Brötchen geschenkt und findet eingebacken in dem letzten ein winziges Buch.

Und von nun an erlebt Hans Thomas spannende Abenteuer, einmal in der "realen" Welt auf der Reise mit seinem Vater, und dann durch Erzählungen in dem Buch. Er macht die unglaubliche Entdeckung des Kartengeheimnisses (wirklich WIRKLICH erstaunlich!!!!), versteht was für eine wichtige Rolle der Joker spielt und warum jeder Tag bei Aufmerksamkeit voller Wunder ist.

Und von Seite zu Seite und von Tag zu Tag wird es geheimnisvoller, denn Hans Thomas erkennt zuerst immer mehr Bezüge zu seinem Leben und seiner Geschichte und dann sogar Spuren seiner Vergangenheit und Zeichen zu seiner Zukunft in dem Buch.

Eine so spannende, phantasiereiche Geschichte die zum eigenen Verschlingen auffordert, so dass ich hier jetzt gar nichts mehr dazu schreibe.
Sondern nur noch dass es ein wahrhaft tolles Lesevergnügen ist, vielleicht nicht für allzu junge Leser aber wer weiß? Ich fühlte mich jedenfalls nicht unterfordert, sei es vom anregenden Inhalt als von dem schön gewählten Schreibstil her.

Indirekt und ohne eigentliche Erwähnung finden die Theorien von Platon und Nietzsche Einzug in das Buch, aber da beide nicht erwähnt werden, kommt man erst später darauf, nach Lesen von Sophies Welt vielleicht, wo nach meinem Geschmack ja zu sehr mit Namen und Fakten um sich geworfen wurde. Hier stört keine anstrengende, langatmige Passage den Lesefluss, hier macht man sich abseits von ausgeschilderten Pfaden auf subtilen Trampelpfaden selbst ein Bild.

Eine wunderschöne Geschichte nach deren Lesen man sich wieder einmal wunderbar bewusst wird, was für ein unglaublich reichhaltiges Geheimnis und Wunder das Leben selbst ist, wie schön es ist, ein wenig Kind zu bleiben und sich von den Wundern begeistern zu lassen.
Ein Buch für die Macht Phantasie und das Wach sein.


Produktinformation

* Verlag: Import; Phoenix House
* 2003
* Ausstattung/Bilder: Impr. 2003. 319 p. w. ill. by Hilda Kramer.
* Seitenzahl: 319
* Phoenix
* Altersempfehlung: ab 13 Jahren

* Englisch
* Abmessung: 20 cm
* Gewicht: 320g
* ISBN-13: 9781857998658
* ISBN-10: 1857998650
* Best.Nr.: 06542460

Freitag, 16. November 2007

Sacrés Américains ! Nous, les Yankees, on est comme ça von Ted Stanger


Ach, ist das ein schadenfrohes Vergnügen, mal wieder einen Amerikaner über sein Land herziehen zu lesen. All die Dinge noch einmal ausgesprochen und quasi verifiziert zu wissen, die wir schon zu hartnäckigen Vorurteilen gebastelt haben.

Dass Amerikaner trinkbaren Kaffee erst durch Starbucks kennen gelernt haben, durch eine Uramerikanische Franchise-Kette die sich aller Europhobie zum Trotz mit altitalienischem Flair schmückt,
Dass Amerikaner was das Essen betrifft mit den abscheulichsten und artifiziellsten Kraetionen der Industrie zufrieden geben.
Dass Amerikaner Fußgänger argwöhnisch wie Irre beobachten.
Dass das amerikanische Schulsystem nicht das beste ist, das amerikanische Wahlsystem einer Bananenrepublik in nichts nachsteht UND UND UND.

Eine Mischung aus Bill Bryson und Michael Moore, nicht ganz so verbissen polemisch wie Letzterer sondern ehr sympathisch verwundert.
Denn Ted Stanger ist Amerikaner der sich manchmal wie ein Ausserirdischer in seinem eigenen Heimatland fühlt. Nach vielen Jahren in Paris ist er nun wieder auf Heimatbesuch in der durch ihn wohl nun berühmten Stadt Columbus in Ohio, lässt sich von seinem alten Freund Morris widerwillig in Fastfood Tempel schleppen und bekommt stolz den berühmten Moccachino Frappe Latte mit fettfreier Milch, Cholesterin freier Sahne und Strohhalm vorführen und erduldet die Arroganz und Eigenheiten der New Yorker.

Natürlich werden allerhand Stereotypen vorgestellt und im letzten Kapitel wie in einer Enzyklopädie vorgeführt, aber trotzdem ist das Buch ein netter Zeitvertreib, schreibt er doch witzig und aber im Gegensatz zu Michael Moore mit einem mitfühlenden Augenzwinkern.

Und Ted Stanger versucht auch ab und an, die Gründe für das nach aussen bisweilen bizarr erscheinende Handeln und Denken der Amerikaner zu eruieren, sei es aus der Geschichte, sei es aus einem sehr eigenen religiös geprägten Moral und Freiheitsverständnis heraus.

Nett sind natürlich auch die immer wider thematisierten Ressentiments der Amerikaner gegen die "fucking Frenchies". Den es ist schon eine amüsante Beobachtung, wie konträr die beiden Nationen sich charakterisieren und so in liebevoller Feindschaft gegenüber treten.


Détails sur le produit

* Poche: 304 pages
* Editeur : Editions Gallimard (septembre 2005)
* Collection : Folio Documents
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070319059
* ISBN-13: 978-2070319053

Mittwoch, 14. November 2007

Comment je suis devenu stupide von Martin Page


So, nach "On s' habitue aux fins du monde" nun mein zweites Buch von Martin Page. Ein zugegeben sehr dünnes. aber nichts desto trotz ungemein amüsantes.
Hauptperson ist Antoine, ein 25 jähriger, der ungemein an seiner Intelligenz leidet. Denn er kann das Leben einfach nicht geniessen, muss ständig über alles nachdenken, alles analysieren und kann so nach reiflicher Überlegung nichts, aber auch nichts Wahres und Schönes im Leben entdecken.
Auch der Alltag ist ungemein schwierig für ihn, es braucht umfangreicher Recherchen bevor er sich überhaupt ein Kleidungsstück kaufen kann, an dem nicht das Blut von Kindernarbeitshänden klebt, er kann kaum etwas essen, ist doch fast jedes Lebensmittel mit dem Leid von Tieren verbunden oder um den halben Globus gekarrt. Aber Antoine ist mitnichten ein Globalisierungsgegner oder irgendwie orientierter Aktivist, Antoine möchte nur kein schlechtes Gewissen haben.

Einen Job hat Antoine auch nicht, er hat zwar studiert, spricht auch aramäisch, aber immer nur das was ihn interessiert hat und bei seinen aussergewöhnlichen Interessen kann man da bei weitem keinen Job zusammen basteln.
So lebt Antoine alleine in einer kleiner Wohnung die er nicht bezahlen kann und nur deshalb nicht verliert, weil sein Vermieter an einer Art Alzheimer leidet und immer wieder vergisst wer Antoine überhaupt ist. Natürlich kümmert sich Antoine rührend um den alten Mann, bringt ihn zu verschiedenen Ärzten, sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass er nach einer Genesung in den Sparbüchern sehen würde dass Antoine ihm schon lange nichts mehr gezahlt hat, aber vergessend, wie aufopfernd Antoine sich in der Zeit des täglichen Vergessens um ihn gekümmert hat.

Aber Antoine hat auch Freunde, ein sympathischer Haufen absonderlicher Charaktere und dazu einen sehr sehr starken Nachbarn, der Antoine meistens die ganzen Treppen zu seiner Wohnung hinaus auf en Schultern trägt weil Antoine selbst so schwächlich ist.

Antoines Hauptproblem aber ist seine Verzweiflung über sich und die Welt, seine Verachtung gegenüber seiner Intelligenz. Antoine ist es unwahrscheinlich müde, immer über alles und jeden bis zum geht nicht mehr nachdenken zu müssen, an allem zu leiden was die Welt so auftut.

UNd so beschliesst Antoine nach dem Verfassen eines Manifestes gegen die Intelligenz, sich von dieser zu lösen und etwas blöde zu werden.

Doch wie stellt man so etwas an?
Antoines erster Gedanke ist der Alkohol. Er bereitet sich vor, liest viel darüber und geht dann eines Abends in ein Bistro um von einem Kenner zu lernen wie man Alkoholiker wird. Dieser findet sich auch, ein freundlicher Mann, bereit, Antoine behutsam an die Flasche zu führen.
Dies scheitert leider sehr früh: Antoine wird nach einem halben Glas Bier ohnmächtig, eine Alkoholvergiftung, sein Körper verträgt nicht den kleinsten Schluck.

Im Krankenhaus kommt ihm dann Selbstmord als Gedanke in den Sinn, diesen verwirft r aber nachdem er dort eine Frau trifft, die schon mit unzähligen Versuchen, sich das Leben zu nehmen kläglich gescheitert ist. Antoine besucht zwar noch einen Kurs aber auch der vermag es nicht, ihn zum Selbstmörder zu machen.

Seine letzte Hoffnung ist sein alter Kinderarzt, den er bittet, eine kleine Lobotomie an ihm durchzuführen um so den quälenden Gedankenfluss zu unterbrechen.
Dieses lehnt sein Arzt zwar strikt ab, verschreibt Antoine aber nach einigem Zögern ein Medikament dass Antoine nach eigener Aussage immer gleich gültiger und ruhiger machen wird. Antoine ist begeistert, und steigt gleich mit der doppelten Dosierung ein.

Und allmählich ändert sich tatsächlich Antoines Leben. Er nimmt alles leichter. Wagt es sogar, ein McDonalds zu betreten in dem zuvor am liebsten eine Bombe versteckt hätte. Und das Essen begeistert ihn!
Er wirft all die unnützen Bücher aus seiner Wohnung und schaft sich stattdessen einen Fernseher an.
Er geht ins Fitnessstudio und kauft sich zum ersten mal in seinem Leben anständige Klamotten.
Antoine wird Teil der Gesellschaft.
Als er dann auch nach langer Zeit seinen alten Bekannten Raphael wider trifft der inzwischen als sehr erfolgreicher Geschäftsführer eines Investmentbüros arbeitet, kippt Antoines vormals intellektuell, Kapitalismus kritisches Leben in Askese vollständig:
Antoine wird Investmentbanker. Und das Dank eines auf der Tastatur verschütteten Kaffees so erfolgreich, dass er schon bald im Geld schwimmt.
Er kauft einen roten Porsche den er vor seine neue, mit HiTech Schickschnack vollgestopfte Wohnung stellt. Er hat ja immer noch keinen Führerschein.

Aber tief in seinem Herzen bleibt etwas vom alten Antoine zurück, so verstört ihn ein von Raphael vereinbarter Termin in einer Partnervermittlung nachhaltig und allmählich passieren Dinge, die surreal erscheinen.
Antoine bekommt Besuch von einem Phantom dass ihm seinen verwerflichen, oberflächlichen und doch irgendwie leeren neuen Lebensstil vor Augen führt.

Und auch seine Freunde beschliessen nach einem Jahr mit den neuen Antoine, dass sie den laten zurück haben wollen und starten eine Entzombifizierung.
Und damit das ganze ein Antoine untypisches Happy End hat, trifft Antoine im Park zu guter Letzt eine verrückte hübsche junge Frau und wenn sie nicht gestorben sind, geniessen sie die schönen Seiten des Lebens noch heute.
:o)

Ein sehr kurzweiliger aber tief gehender Roman mit all den für Martin Page so typischen gut gewählten Worten, fein geschliffenen Sätzen, den lustigen Gedankensielen und plötzlich auftretenden bizarren Begebenheiten.
Leider nur ca 130 Seiten...


Produktinformation

* J'ai Lu
* Verlag: J'ai Lu
* 2002
* Seitenzahl: 124
* J'ai Lu
* Französisch

* Abmessung: 178mm x 114mm x 17mm
* Gewicht: 85g
* ISBN-13: 9782290319871
* ISBN-10: 2290319872
* Best.Nr.: 10909376

Sonntag, 11. November 2007

La Fièvre bâtisseuse von Mikael Ollivier


Eines der drei "Schätze" die ich in der fremdsprachigen Schnäppchen Ecke des Stern Verlages gefunden habe.

Ein Buch das vom Cover her nicht besonders anziehend ist und dann doppelt überrascht, hat man die ersten Sätze gelesen, denn dieses Buch ist, auch wenn es sehr sehr arm an Charakteren ist und man eigentlich zu 90% mit den Gedanken und Ängsten und Ritualen des Protagonisten konfrontiert ist, ein grandioses aber auch erschreckendes Lesevergnügen.

Denn die Hauptperson, Jean-Louis Massin lebt eigentlich nur in den Stunden nach Dienstschluss, bis zum Verlassen seines Hauses am nächsten Morgen so richtig. Oder lebt zumindest, denn Jean-Louis liebt und braucht seine festen Abläufe mit denen er fast schon einem selbstbestimmten Autisten gleicht. Sein einziges und somit größtes Vergnügen ist seine Lektüre, das Verschlingen von Romanen, nur Unterbrochen von seiner Arbeit als höherer Angestellter in einer militärischen Administration und den Mahlzeiten, die er alleine in seiner Küche einnimmt. Fern sieht er nur kurz um beim Büro smalltalk nicht ganz im Abseits zu stehen, denn eigentlich interessiert ihn Fernsehen nicht. Und die banale Kommunikation mit seinen Mitmenschen auch nicht.
Im Grunde zählt nur eins: die wunderbare Welt in der er Dank seiner Bücher eintaucht und sich forttragen lässt aus seinem einsamen Alltag.

Dieser wird nachhaltig durcheinander gewirbelt durch einen von ihm verfassten Leserbrief. In maßloser Rage über ein gerade gegenüber errichtetes Mehrfamilienhaus, dem ein lieb gewonnenes altes Stadtpalais weichen musste, verfasst Jean-Louis Massin zum ersten mal selbst etwas und ist von dem gedruckten Resultat begeistert.
Diese Begeisterung setzt so viele positive Emotionen in ihm frei dass er beschliesst, kurz vor erreichen seiner Rente selbst zu kündigen um Schriftsteller zu werden.

Gesagt getan. Und nun beginnen viele Seiten spannenden Auf und Ab´s, liebevolle Beobachtungen die Jean-Louis Massin dem Alltag abtrotzt und eloquent mit viel Liebe zum Detail in seine Notizbücher schreibt, der Vorbereitung zu seinem ersten großen Roman, die Euphorie des erschaffenes, die bodenlose Leere die einem bei einer kreativen Flaute überfällt und an allem zweifeln lässt.
Jean-Louis Massin überdenkt sein ganzes bisheriges Leben, kommt zu dem Schluss dass er bisher eigentlich keins geführt hat und sich immer lieber in die Welt seiner unzähligen Romane geflüchtet hat.
Doch nun möchte er reüssieren, irgendwie, doch je weiter er kommt, desto verzweifelter wird er, scheint doch alles von ihm nieder geschriebene irgendwie schon da gewesenes zu sein, irgendwo und irgendwann einmal gelesen.

Sich selbst unter Druck setzend kann Jean-Louis Massin seine freie Zeit nicht geniessen und auch die Rente nicht, wie ein Arbeitsloser der nach vielen Rückschlägen und Absagen resigniert, schaltet Jean-Louis Massin immer öfter den Fernseher ein, schläft viel und wird immer missmutiger.

Da meldet sich plötzlich die Frau mit der er seine einzige Beziehung gehabt hat und die beiden treffen sich nach vielen Jahren wieder. Aber ob Jean-Louis Massin in seinem letzten Lebensabschnitt noch die Mauern seines Schneckenhauses einreissen kann?

Ich fand das Buch GRANDIOS. Weil ich alles so so so gut nachvollziehen konnte. Die Beweggründe von Jean-Louis Massin und warum es fatal ist dass er so an seinen Ritualen und ihn schützenden Regeln fest hält.
Die Gefahr die ein auf Kreativität angewiesener Beruf mit sich bringt, und die Freude die er auslösen kann.
Ein ganz ganz tolles Buch. Leider nicht auf Deutsch erschienen.

Détails sur le produit

* Broché: 296 pages
* Editeur : Thierry Magnier (15 mai 2003)
* Collection : Littérature adulte
* Langue : Français
* ISBN-10: 2844202195
* ISBN-13: 978-2844202192

Donnerstag, 8. November 2007

Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling


Mama, es tut mir leid!
Dass ich nach hundert Seiten angerufen hab um zu sagen dass es zwar ein lustiges und auch nicht langweiliges Buch ist, aber ich lieber andere Sachen lese. Mit mehr... Story, Handlung, ausgetüftelten Plots oder WAS AUCH IMMER.

Das Wandern von Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg erschien mir zu Anfang so... immer gleich, dem gleichen Muster folgend: Aufstehen, essen, wandern, Schmerzen, Verzweifeln, weiter laufen, eine schmuddelige Herberge ablehnen, ein Hotel suchen, was zu Essen suchen, andere Pilger treffen. Und das Ganze begleitet von zugegeben amüsanten Beschreibungen der Beobachtungen und von Erlebten.
Zwar habe ich schon gleich nach den ersten paar Seiten angefangen, Hape Kerkeling richtig zu mögen und seinen witzigen aber nicht im geringsten trivialen Schreibstil zu schätzen. Aber ich wollte eine Geschichte. Mir war nicht nach Reisebericht. Ich glaub ich wollte ein wenig..phantastisches, ungewöhnliches.
Meine Mama hat dann am Telefon gesagt dass das doch alles da ist, dass ich nur abwarten soll.
Und tatsächlich.

Ungefähr ab der Mitte hat mich das Buch auf seine Seite gezogen und gezeigt warum es so lange auf den Beststeller Listen zu finden ist.
Weil Hans Peter Kerkeling nicht nur wunderbar, wirklich wunderbar sein Erlebtes und Gesehenes wider gibt, sondern weil er auch wunderbare Geschichten zu finden und zu erzählen weiß. So kommen ihm auf dem Weg manchmal Erinnerungen an frühere Erlebnisse die er hier dem Leser erzählt. Und seine Erfahrung mit einem Reinkarnations-Experten zum Beispiel hat mich unglaublich erstaunt und dann bewegt. Und mein Bild von Hape Kerkeling geändert. Genauso wie sehr viele seine Ansichten, Standpunkte, die er unaufdringlich aufschreibt oder teilweise erst heraus finden muss. Dazu nach jedem Tag seine gewonnene Erkenntnis. Seine Art, offen auf Menschen zuzugehen und trotzdem, genau wie wir alle, sich schnell Bilder im Kopf zu bilden. Aber diese auch zu revidieren, sollte es erforderlich sein.

Ich muss zugeben dass ich mein Bild von Hape Kerkeling revidieren muss, ich hätte nicht gedacht dass er ein so kluger, angenehmer, witziger, weit gereister und sprachbegabter Mensch ist der bereits so viel gesehen hat.
Ich hab immer nur das Bild von der lieben trotteligen Figur aus "Kein Pardon" im Kopf....
Nee, Hape Kerkeling ist ein guter, netter und verdammt wortwitziger Mensch. Ein menschlicher Berühmter, der Morgens muffelig ist und unleidlich wird wenn er Hunger hat.

Und meine phantastischen Geschichten hab ich dann ja auch noch bekommen. Denn das was Hape dann so erlebte, war teilweise unglaublich, ohne dass man aber an der Richtigkeit seiner Beschreibungen gezweifelt hätte. Manche der von ihm getroffenen Menschen waren so bizarr, dass ich wieder gemerkt hab, dass jede Fiktion auf Wahrheit beruht.

Zusammenfassend kann man sagen dass das Buch einem ein paar Stunden gute Unterhaltung bietet, vielleicht nicht viel beibringt über den Jakobsweg und allgemeine Wege zur spirituellen Erleuchtung, aber dennoch nicht trivial ist. Man erfährt sehr sehr viel über den Mensch der hinter dem Namen Hape Kerkeling steckt und über seinen persönlichen Weg sich Gott anzunähern. Und mit etwas Reflexion und Ruhe beim Lesen erfährt man auch etwas über sich selbst.
Also ein feines Buch, das Spaß macht und keine Blasen an den Füßen.


Produktinformation

* Verlag: (Malik)
* 2006
* 31. Aufl. 2006.
* Ausstattung/Bilder: 344 S. m. 35 Fotos.
* Seitenzahl: 320
* Deutsch

* Abmessung: 21 cm
* Gewicht: 475g
* ISBN-13: 9783890293127
* ISBN-10: 3890293123
* Best.Nr.: 20754834

Montag, 5. November 2007

On s' habitue aux fins du monde von Martin Page


Ah, war das ein unerwartet gutes Buch! Unerwartet weil ich es allein aus zwei Gründen gekauft habe: es war um die Hälfte reduziert und das Cover sah cool aus.
Denn hätte ich gewusst was Martin Page für ein feiner Schriftsteller ist, hätte mich es nicht so überrascht, so schnell in die Geschichte von Elias und den ihm mehr oder weniger nahestehenden Personen hinein gesaugt zu werden, und das im mir so lieben Setting von Paris.

Setting ist deshalb hier ein gutes Wort weil Elias ein Film Produzent ist. Ein sehr guter sogar. Und so bekommt er gleich zu Beginn des Buches einen Preis überreicht. Doch anstatt sich zu freuen wirft er ihn noch am selben Abend in die Seine und übergibt sich. Ihm ist nicht nach feiern. Nachdem er sich sechs Jahre um Clarissa gekümmert und sie von ihrer Alkoholsucht runter gebracht hat, hat sie ihn verlassen. Und als wäre das nicht genug, wird er kurz später von dem berühmten Filmemacher Caldeira, mit dem er in Kürze einen Film in Afrika zu drehen gedachte und der ihn bisher immer wie ein guter väterlicher Freund behandelt hat, unerwartet übel zusammen geschlagen.
Und als wäre das dann nicht schon genug Pech, fliegt sein Freund Victor an seiner Statt zum Filmdreh nach Afrika und er muss dessen ungeliebtes Filmprojekt über eine Suizid gefährdete Schriftstellerin übernehmen.

Doch durch Margot Lazare, die ein wenig fabelhafte Amelie in ihrer Seele hat und besser noch einige Kapitel mehr für sich beansprucht hätte, wendet sich Elias Sicht auf sein Leben und somit auch dieses an sich.
War er bisher immer der der sich um andere gekümmert hat, sei es beruflich oder privat, der immer so gut verborgen hat was ihn bewegt und was er begehrt dass er es selbst nicht mehr wahr nahm, beginnt zu spüren was Liebe sein kann.
Er verliebt sich in diese ungemein schlagfertige ungewöhnliche junge Frau und sein Leben bekommt einen Sinn und vor allem: emotionalen Inhalt.

Denn Elias fühlte sich in seiner immer gebenden aber niemals fordernden Art inzwischen so leer und selbstfremd, dass er von einem Privatdetektiv beschattet wird der ein Dossier über ihn erstellen, heraus finden soll wer er ist. Und dieser Detektiv wird, was später erst heraus kommt, von Elias selbst bezahlt.

Das ganze Buch ist wie ein Spaziergang durch Paris. Nicht nur weil man sich durch all die erwähnten Metro Stationen und Plätze, die Bistros und Gebäude sofort in diese fabelhaftes bietende Stadt versetzt wird, nein, auch weil oft unerwartet schmerzende, hässliche Dinge ans Tageslicht treten und dann wieder schillernde Sätze voller Wahrheit und Schönheit, die mich oft dazu gebracht haben inne zu halten und fast laut zu sagen: "Was für ein toller Satz!" oder "Wie wahr das ist. Und so einfach." Oder so ähnlich.

Das Buch bietet viel moralisch wertvolles und dennoch keinerlei tief schürfende Pathetik. Kein Geschnulze und Geschwurbel, aber trotzdem im Kern eine schöne Geschichte der Liebe und der Suche nach dem Existenziellen in all dem oberflächlichen Alltagstreiben.
Ein Buch mit viel Tempo, mit brillianten Dialogen und Sätzen, ein Buch das mich dazu gebracht hat, auch andere Martin Page Werke auf meine Merkliste zu setzen.


Produktinformation

* Verlag: Import; Le Dilettante
* 2005
* Ausstattung/Bilder: 2005. 284 S.
* Französisch
* Abmessung: 20, 5 cm

* Gewicht: 355g
* ISBN-13: 9782842631123
* ISBN-10: 2842631129
* Best.Nr.: 20845117

Freitag, 26. Oktober 2007

Ulik au pays du desordre amoureux von Francois Lelord


Müsste ich ganz schnell einen meiner Lieblingsautoren nennen, wäre Francois Lelord ganz oben mit dabei und Ulik au pays du desordre amoureux gehört mit zu den feinsten Büchern die ich habe.
Und so habe ich es auch zum dritten mal wieder sehr sehr gerne gelesen und zwei Tage Spaß an der Sicht eines Inuit auf uns Westler gehabt.

Ulik wird als abgesandter seines Inuit Stammes nach Europa geschickt um dort mit der Unesco sein Dorf das Weltkulturerbe ist zu vertreten und gleichzeitig seinen Sponsor, eine in Alaska tätige Erdölfirma in ein positives Licht zu rücken.

Ulik fühlt sich einsam im Hotel, ein Gefühl das er nicht kennt, zuhause in seinem Stamm ist man nie allein.
Und so zieht er bei der Unesco Mitarbeiterin Marie-Alix ein. Die hat eine 17 jährige Tochter und einen kleinen Sohn, der vermutlich an einem Aufmerksamkeitsdefizit leidet oder an einer anderen mentalen Auffälligkeit, ganz genau wird dies nicht benannt, es bleibt dem Leser nur, wie bei Lelord üblich, die sanften Beschreibungen auf sich wirken zu lassen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Ulik ist ein aus der Fremde kommender Beobachter unseres zwischenmenschlichen Verhaltens und bringt den Leser immer wieder zum Schmunzeln und Nachdenken, wie verkompliziert unsere zwischengeschlechtliche Kommunikation und unsere Beziehungsansprüche inzwischen sind.
Er erlebt seine kleinen Abenteuer im Alltag und in der Welt der wichtigen Führungspositionen und er hört nicht auf, sich über seine Entdeckungen zu wundern.
Hilfreiche Antworten gibt ihm der inzwischen zum Freund gewordene Psychologe von Marie-Alix Sohn, Doctor Hector, den der Francois Lelord Fan natürlich schon bestens kennt und sich über seine Gastrolle kräftig freut.
Doctor Hector erklärt Uik die vermeintlichen Beweggründe der Frauen und Männer unserer Gesellschaft und Zeit und lässt sich gleichzeitig von Ulik helfen, selbst ein bisschen besser zu verstehen, was ihm gut tut.

Eine der Haupterkenntnisse die er bei seinem Aufenthalt gewonnen hat ist wohl der, dass er noch nie so viele Menschen in so kurzer Zeit auf einem Fleck getroffen aber auch noch nie so viel Einsamkeit und Unzufriedenheit unter ihnen entdeckt hat.
Wir haben so viele Möglichkeiten, unsere Partner zu finden, aber machen es uns durch unsere Ansprüche und Wünsche, unsere Suche nach dem immer besseren fast unmöglich, eine schöne, zufriedene Beziehung zu führen.
Und auch für Frauen ist das Buch eine willkommene, heitere Möglichkeit der Selbsterkenntnis, zeigt es doch wunderbar die Schizophrenie unsere Ansprüche: unglaublich emanzipiert und unabhängig zu sein und uns doch nach Stärke und einem Beschützer zu sehnen.

Ulik lernt das Leben im Westen schätzen, und auch wenn er sich zu seiner Inuit-Versprochenen Navaranava zurück sehnt, geht er doch eine Beziehung mit Marie-Alix ein und wird gerne ein temporärer Teil ihrer kleinen Familie. Er pflegt darüber hinaus eine Affäre mit einer Prostituierten, die er in seiner ersten einsamen Nacht im Hotel kennen und sehr schätzen gelernt hat.

Von der Erdölfirma eingespannt lässt sich Ulik zu Werbemaßnahmen einspannen, die ihn zum gefragten Star machen und auch seine Interviews zu den von ihm beobachteten Unterschieden zwischen dem Leben im Eis und dem in der Stadt, dem zwischen den tradierten Rollen seines Stammes und den komplizierten, emanzipierten im Westen sind gefragt.

Je länger Ulik bleibt, desto weiter rückt das Leben im ewigen Eis in die Ferne, aber am Ende ist die Sehnsucht nach Navaranava und dem Leben in Einfachheit und klaren, unkomplizierten Rollenverteilungen größer.
Der Inuit Jäger in Ulik möchte zurück. Nach Hause. Er hat als Botschafter seines Stammes in der Fremde so viel Geld verdient, dass er nun guten Gewissens zurück kann um dort sein Leben als Jäger wieder aufzunehmen und in einer vorhersehbaren Beziehung und Zukunft alt zu werden.

Doch das bekannte Leben seines Stammes gibt es so nicht mehr. Während seiner Abwesenheit hat die so genannte Zivilisation Einkehr gehalten in die ursprüngliche Welt der Inuit und sie mit Alkohol und den neuen Anforderungen zerstört.

Und so nimmt Ulik Navaranava und das verdiente Geld und sucht sich einen Flecken Erde, der noch ursprünglich und einfach ist, angelt und geniesst das Glück, erkannt zu haben, wie einfach das Leben und eine harmonische Beziehung sein können, wenn man nur weiß was wirklich wichtig ist.

Ein kleines Buch und ein ganz ganz großer Schatz in meinem Buchregal.



Produktinformation

* Verlag: Import F; Presses Pocket, P.
* Pocket
* 2005
* Ausstattung/Bilder: 2005. 269 S.
* Französisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 132g
* ISBN-13: 9782266142120
* ISBN-10: 2266142127
* Best.Nr.: 14183112

Donnerstag, 25. Oktober 2007

George's Secret Key to the Universe von Stephen und Lucy Hawking


Diesmal ein Kinderbuch, empfohlen für Kinder ab 8 Jahre. Und Für Wissenschafts-Nulpen wie mich die gerne Kinderbücher mit schönen Illustrationen lesen. Und das haben wir, ein Buch geschrieben vom Ausnahmegenie Stephen Hawking und seiner Tochter Lucy.

In der Geschichte trifft der kleine George, dessen Eltern ehr technophobe Müsli-selber-Mischer sind auf die kleine Annie und ihren enthusiastischen Wissenschafts-Vater die kürzlich in das Haus nebenan eingezogen sind. Nach anfänglichen Kabbeleien freunden sich die zwei Kinder an und George lässt sich von Eric und Annie mit dem Supercomputer Cosmos bekannt machen der in der Lage ist, seine Benutzer an jegliche, ihm bekannte Plätze im Universum zu transportieren.
Und so kann George live und im Zeitraffer miterleben, wie ein Stern entsteht und später stirbt und dadurch all die Elemente frei gibt, aus der letztendlich wir und unsere Welt bestehen. Er erfährt viel über Planeten, Sterne, und Kometen und erlebt später auch ein Abenteuer das ein schwarzes Loch involviert aus dem er Annies Vater befreien muss. Gut dass dieser über schwarze Löcher geforscht und auf dem Kenntnisstand Stephen Hawkings ist, der die Theorie vertritt, dass Dinge die in Schwarze Löcher hinein geraten, auch später unweigerlich wieder ausgespuckt werden, zwar in ihre Moleküle aufgeteilt aber immerhin!
Und George erfährt was es mit seinem gruseligen Lehrer Dr. Reeper auf sich hat und warum dieser so unheimlich interessiert an Eric und seinem Computer ist.

Das Buch ist spannend für Kinder und ab und zu auch wissbegierige erwachsene wie mich gleichermaßen, denn die Art wie die beiden Autoren uns Einblicke n die spannende Welt der Wissenschaft geben ist sehr schön gemacht.
Mit einfachen Erklärungen, eingebunden in eine wirklich nette Geschichte in der auch die obligatorische Betonung der Wichtigkeit von Freundschaft und Verantwortung nicht zu kurz kommt und George am Ende eine Brücke zwischen seinen technikfeindlichen, die Erde schützen wollenden Eltern und dem technikaffinen, den Planeten ebenfalls bewahren wollenden Eric schlägt und ein wunderschönes Plädoyer für die Rettung unserer Erde hält.

Neben all den liebevollen Illustrationen finden sich zahlreiche Informationsseiten und Farbbilder die die Planeten und Sterne noch einmal näher erklären und mit brillanten und erstaunlichen Weltraumaufnahmen beeindrucken. Einzig störend fand ich dass sie den Lesefluss etwas unterbrochen haben und nicht so ganz thematisch in die Geschichte eingebunden waren so als hätte man das Buch am Schluss noch nachträglich damit aufgepeppt.
Aber egal, ich empfehle das Buch jedem 10 jährigen und auch Erwachsenen wie mir die gerne mal ein schön geschriebenes Kinderbuch lesen.



Produktinformation

* Verlag: S&S BOOKS FOR YOUNG READERS
* Us.
* Altersempfehlung: ab 8 Jahren
* 2007
* Englisch

* Abmessung: 221mm x 169mm x 29mm
* Gewicht: 499g
* ISBN-13: 9781416954620
* ISBN-10: 1416954627
* Best.Nr.: 22780688

Dienstag, 23. Oktober 2007

P.S. I love you von Cecilia Ahern


Die Lektüre dieses Buches verdanke ich Jo und Icke, die das Buch beide auf Kuba gelesen haben. Und ich empfehle es hier, als feine Lektüre für ein deprimiertes dunkles Winterwochenende oder bei Liebeskummer oder bei dem Bedürfnis nach einem Buch dass sich so flüssig leicht wie ein kitschiger aber schöner Film konsumieren lässt.

PS I love you fängt traurig und ernst an und das Thema des Buches zieht sich auch wie ein trauriger roter Faden durch die gesamte Geschichte und gibt ihr somit einen ernsthaften, tiefgründigen Unterbau, den dieses sonst doch etwas luftig-leicht-unterhaltende Buch auch braucht um nicht trivial zu werden.

Gleich zu Anfang erfährt man von Hollys tragischem und ergreifenden Schicksal:
ihr geliebter Mann Gerry starb vor wenigen Monaten an einem Gehirntumor.
Und nun beschäftigt Holly das ganze Buch hindurch der schmerzende Gedanke, wie sie es denn ohne ihn aushalten soll, waren die beiden doch das perfekte Paar, Seelenverwandte und beste Freunde.
Holly möchte eigentlich gar nicht mehr und daran können auch all ihre Freunde und ihre reizende, turbulente Familie nichts ändern.
Nur Gerry könnte, aber der ist tot.
Aber dann meldet er sich doch: eine Liste, die er vor seinem Tod für Holly schrieb und von der sie jeden Monat eine weitere Anweisung bekommt und deren Ziel es ist, Holly wieder zurück ins leben zu holen und sie für dieses zu begeistern, sich der Welt wieder zu öffnen und zu erkennen dass es sehr wohl noch möglich ist, Spaß zu haben.

Und so ist das Buch eines das auch Mut macht und einem die Augen öffnet, nämlich dass man sich nicht allzu leicht in das tiefe Loch mit hinein fallen lässt das der Verlust einer geliebten Person in das Leben reisst. Denn da sind immer noch so viel mehr Menschen die das nicht zulassen, und die auch helfen, öffnet man sich selbst nur ein wenig und lässt diese Hilfe zu.
In dem Buch selber wird viel geweint aber auch sehr sehr viel gelacht.
Und auch wenn man als Leser sehr oft versteht wie aussichtslos alles für Holly erscheinen mag, so muss man doch mindestens genauso oft mit ihr lachen, sei es Anbetracht der Bridget Jones ähnlichen Situationen denen sie zum Opfer fällt, seien es die amüsanten, schlagfertigen Dialoge die sie sich mit Freunden oder Familie liefert.

Und dann sind da noch all die liebevoll gezeichneten anderen Charaktere in dem Buch, Hollys beste Freundinnen, ihre durchgeknallte Schwester Ciara, ihr verstockter Bruder Richard, der charmante Daniel oder ihre herzensguten, toughen Kollegen.
Das Buch ist auf keiner einzigen Seite langweilig oder langatmig, die kurzen Kapitel liest man wie im Fluge und vielleicht ist es aber das was mich davon abhält dieses Buch als mich total umhauend zu bewerten: es ist zu leicht. Zu heiter, zu amüsant, auch wenn es einen eben auch manchmal traurig mit Holly mitfühlen lässt.

Es ist aber trotzdem ein sehr schönes Buch und manchmal braucht man auch wirklich so ein Buch: was sich mit Freude schnell und einfach lesen lässt und am Ende ein gutes Gefühl im Bauch hinterlässt aber nicht allzu viele Fragen.
Und dass Cecila Ahern knapp über 20 und die Tochter des irischen Premierministers ist hält sie nicht davon ab eine feine Schriftstellerin am Anfang einer bestimmt mit vielen feinen Frauenbüchern gepflasterten Karriere zu stehen.
;o)


Produktinformation

* Verlag: Knv Import; Hyperion Books
* Hyperion Books
* 2004
* Ausstattung/Bilder: 2004. 485 p.
* Englisch

* Abmessung: 17, 5 cm
* Gewicht: 230g
* ISBN-13: 9780786890934
* ISBN-10: 0786890932
* Best.Nr.: 20816377

Montag, 15. Oktober 2007

Le Jardin de Badalpour von Mourad Kenize


Manchmal legt der Zufall einem kleine Kostbarkeiten in den Schoss. So war es mit Le Jardin de Badalpour von Mourad Kenize.
Fünf Minuten Zeit um in einem französischen Secondhand-Buchladen zu stöbern und das erstbeste Taschenbuch erweist sich als wunderbare Lektüre, als Einladung zu einer Reise nach Indien und zu dem, was einem Menschen ausmacht.

Denn die Hauptperson des Romans, Zahr, ist auf der Suche seit sie denken kann.
Auf der Suche nach ihrer Identität, nach ihren Wurzeln, ihrer Heimat und sich Selbst. Und nach Liebe.
Nach dem Tod ihrer Mutter in Frankreich schon als Kleinkind Halbwaise, beginnt für sie eine Odysee durch verschiedene Adoptiv- und Pflegefamilien, katholische Internate. Immer überschatten von Gerüchten und Erzählungen über ihren Ursprung und die Familie ihres Vaters, eines reichen indischen Radjas.
Doch darf das sein? Ist die kleine Christin Zahr in Wirklichkeit die Tochter eines moslemischen Inders? Der am anderen Ende der Welt in einer komplett anderen Welt wohnt?
Oder ist sie doch die nichteheliche Tochter eines amerikanischen Arztes? Oder gar jemand ganz anderem? Zahr, die sich jegliche Hinwendung und Liebe zu ihr aus Mangel an familiären Gewissheiten von Fremden verdienen muss, sehnt sich nach Gewissheit und einem Zuhause, einem wahren Zuhause.
Und nach langem Warten und vielen Kämpfen mit der Wahrheit und sich selber findet sie dieses spät, als junge Erwachsene endlich in Indien. Bei ihrem Vater.
Doch die Zerrissenheit endet hier nicht, im Gegenteil: aufgewachsen in der christlich geprägten, westlichen und liberalen Europa stösst sie sich von Anfang an an dem hinduistischen Kasten- und moslemischen Geschlechtersystem, an den ihr überholt erscheinenden Traditionen und absurd hinterwäldlerisch wirkenden starren Regeln.
Aber Zahr kämpft um Akzeptanz. Und um die Liebe ihres Vaters. Doch wie muss die Liebe eines Vaters zu seiner erst im Erwachsenenalter gefundenen Tochter aussehen?
Und wie eng können Familienmitglieder zusammen wachsen die in unterschiedlichen Kulturen mit teilweise differierenden Werten aufgewachsen sind?

Der Roman ist ein wunderschöner Spaziergang durch Indien und zwischen all den Differenzen und Unterschieden zwischen Okzident und Orient, Islam und Christentum und Hinduismus, Feminismus und Patriarchat.

Am spannendsten fand ich den letzten Teil des Buches, der auf die Geschichte Indiens und den Beginn der Kämpfe zwischen Hindus und Moslems eingeht und die Unsinnigkeit dieser sowie den Missbrauch des Korans zur Auslegung nach eigenen Machtinteressen.
Auf ein paar Seiten, mit eingänglichen, gut gewählten Worten beschreibt Mourad Kenize den Kern der friedlichen und mitfühlenden Religion Islam, die Worte des Propheten und was Männer später daraus gemacht haben.
Datüber hinaus die Fatalität des hinduistischen Kastensystems und die Feststellung das fast alles Streben und Deuten immer nach eigenen Machtinteressen geht und keinesfalls nach Vernunft oder Gemeinsinn. In sofern kann sich keine Religion mit Unschuld rühmen.

Zusammengefasst also eine schöne Lesereise nach Indien, mit vielen ragen auf dem Weg die zum eigenen Reflektieren und Beantworten verleiten.


Produktinformation

* Verlag: Import; Librairie Generale Francaise, P.; Fayard, P.
* 2000.
* Le livre de poche Bd.14866
* 2000
* Ausstattung/Bilder: 569 S.
* Französisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 262g
* ISBN-13: 9782253148661
* ISBN-10: 2253148660
* Best.Nr.: 08941195

Dienstag, 9. Oktober 2007

Middlesex von Jeffrey Eugenides


Über Jeffrey Eugenides Middlesex gibt es wahnsinnig umfangreiche Rezensionen, Analysen, Rekapitulationen und Hymnen im Internet.
Darum mag ich gar nicht viel schreiben, ausser, dass Middlesex ein GRANDIOSER Roman ist, der unterhält und fesselt und meiner Meinung nach noch besser ist als The Virgin Suicides das ich etwas weiter unten schon vorgestellt habe.

Middlesex ist ein großer Roman einer großen Familiengeschichte, die der griechischen Familie Stephanides, bestehend aus Lefty und Desdemona, Geschwistern und Geliebten, die, beim Überfall auf Smyrna 1922 vor den Türken flüchtet und in Amerika ein neues Leben beginnt und eine neue Familie gründet. Das diese auf fragilen Füßen steht ist Desdemona von Anfang an klar, ihr Leben lang leidet sie unter der Sünde die sie mit der Heirat ihres Bruders begangen hat und für die zwei Generationen später ihre Enkeltochter Calliope bezahlen wird, deren Körper sowohl von einer Frau als auch von einem Mann hat.

Calliope ist auch die allwissende Erzählerin, bzw. der allwissende Erzähler des Romans, reist er doch durch die Zeit um nicht nur die Geschichte von den Großeltern in Griechenlaad und ihre Anfänge in Amerika zu erzählen, als auch die seiner Eltern in der griechisch-amerikanischen Zwischenkultur und dann noch die ihre/seine, als Kind, Jugendliche und später als erwachsener, männlich auftretender Hermaphrodit in Berlin.

Entgegen meiner anfänglichen Erwartung und auch etwas Befürchtung entpuppt sich Middlesex aber nicht als Roman der als zentrale Thema Zwittergeschlechter oder Genmutationen durch Inzest oder was auch immer behandeln, so wie man es beim Lesen des Klappentextes meinen könnte.
Zum Glück.
Denn zwischen all den Seiten entfaltet sich eine wunderbare spannende, mitreissende und amüsant-tragische Familiensaga.
Das aufeinander treffen von alteuropäischen Griechenland auf neukapitalistisches Amerika. die Konflikte zwischen Generationen und Geschlechtern, alles unglaublich flüssig, eloquent und fesselnd von Eugenides in niemals überflüssige Worte gefasst.
Natürlich ist es auch die Geschichte von Calliope selbst, die sich später Cal nennt und der späten Entdeckung ihrer Besonderheit. Ein Roman über eine große, liebenswerte und spannende Familie und die Geschichte einer Heranwachsenden zwischen den Welten.
Und darüber hinaus ein großartiger Roman über die Unterschiede zweier Kulturen, zweier Generationen und zweier Geschlechter.

Ein Buch das mich Lächeln macht bei dem Gedanken es später noch einmal zu lesen. Also ein GRANDIOSES Buch.



Produktinformation

* Verlag: Bloomsbury Publishing
* Bloomsbury 21 Vol.14
* 2007
* Ausstattung/Bilder: 2007. 529 p.
* Englisch

* Abmessung: 20 cm
* Gewicht: 575g
* ISBN-13: 9780747590088
* ISBN-10: 0747590087
* Best.Nr.: 20931233

Montag, 8. Oktober 2007

Extremely Loud & Incredibly Close von Jonathan Safran Foer




Und hier ein besonders originell geschriebenes Buch, dass zum Schnmuzeln und manchmal auch fast zum Weinen bringt:
Extremely Loud & Incredibly Close von Jonathan Safran Foer.

Protagonist ist der neunjährige Oskar. Er ist in Therapie denn sein Vater kam bei den Anschlägen vom 11. September ums Leben.
Oskar ist ein aufgeweckter Junge, sehr eloquent, altklug und spitzfindig aber auch ein bisschen eigen. Er lebt ein wenig nach selbstgesetzten Regeln und ist darüber hinaus ein Erfinder, der permanent wunderbare Dinge erfindet und in sein Buch schreibt, die das Leben verschönern und erleichtern können.
Nur die schmerzhafte Lücke, die der plötzliche Tod seines Vaters in sein Leben gerissen hat, kann Oskar nicht weg erfinden, sie ist eine Tatsache.

So wie der Schlüssel den Oskar eines Tages im Zimmer seines Vaters findet, ein Schlüssel der bestimmt eine Tür zu seinem Vater öffnet, eine Lösung auf all die Rätsel die er ihm zu seinen Lebzeiten als Spiel hat aufgegeben.

Und da Detektive im Geheimen arbeiten, weiht auch Oskar kaum jemanden in seine Suche nach dem mysteriösem "Black" ein, Name der auf dem Umschlag mit dem Schlüssel steht.

Oskar beginnt eine aberwitzige Suche durch ganz NewYork, seinen das Leben verkomplizierenden Regeln aber ihm Sicherheit gebenden Regeln folgend.
Und der Leser selbst entschlüsselt nach und nach mehrere Geheimnisse, das hinter Black und Oskars Vater und dann das Geheimnis von Oskars Großmutter und ihrem damals verschwundenen Mann, Oskars mysteriösen Großvater.

Das Buch ist eine Geschichte des Schmerzes und der Suche nach Linderung. Eine Geschichte über plötzliche Verluste die so große Lücken in das eigene Leben reissen dass man selbst verschwinden zu scheint.
Es ist aber auch ein hoffnungsvolles Buch, da die Protagonisten sich ihrem Schmerz nicht hingeben sondern ihn zu lindern versuchen.
Und das teilweise mit Methoden, die den Leser zum Lachen bringen.

Ein Buch mit einem sehr ernsten Thema also, dass aber mit witzigen Einfällen und Dialogen zum Lachen bringt.
Und darüber hinaus, sei es durch die Wendungen und Enthüllungen in der Geschichte, als auch den sehr originellen Schreibstil fesselt und überrascht.
Ein sehr, sehr gutes Buch.



Produktinformation

* Verlag: Penguin
* 2006
* Ausstattung/Bilder: 2006. 326 p.
* Englisch
* Abmessung: 18 cm

* Gewicht: 270g
* ISBN-13: 9780141025186
* ISBN-10: 0141025182
* Best.Nr.: 20752541

Mittwoch, 12. September 2007

In America von Susan Sontag


Dies ist die einzige Arbeit die ich von Susan Sontag gelesen habe, einer der bekanntesten und mit vielen Preisen ausgezeichneten Publizistinnen in Amerika.
Und darum werde ich auch ganz unvoreingenommen schreiben, wie mir DIESES Buch gefallen hat, dass durch Zufall in meine Hände gelangt ist.

Es hat mir gut gefallen. Manche Stellen sogar sehr gut. Aber da andere Passagen etwas langatmig für mich und meine Interessen waren und ich nicht so eine Theater Affinität besitze (ich kenne mich zu meiner Schande gar nicht aus und gehe auch nie..), kann ich das Buch für MICH nur als gut bewerten, aber ich bin mir SICHER, dass Theatergeher und Liebhaber von Shakespeares Stücken das Buch LIEBEN werden.

Denn Hauptfigur des Romans ist die polnische Theaterschauspielerin Maryna Zalezowska, die 1876 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in Polen beschliesst, gemeinsam mit 14-köpfiger Entourage, darunter ihren Ehemann Bogdan, ihr kleiner Sohn Piotr und sehr gute Freunden, nach Amerika auszuwandern um in Californien eine Utopie von selbstbestimmtem Leben und ländlicher Autarkie zu leben. Dieses Leben haben sie ansatzweise schon in den Sommermonaten in einem abgelegenen polnischen Bergdorf gespürt und nun sollen diese Ferien zum Leben werden.

Alles Bitten und Betteln in Polen, Maryna zum Bleiben zu bewegen scheitern an ihrer Entschlossenheit, ja, sie ist ein Nationalsymbol für das seit langem okkupierte Polen, aber sie ist auch eine selbstbewusste Frau mit einem Traum.
Und so wird zuerst eine Vorhut aus zwei Freunden vorgeschickt um die Lage zu erkunden und der Leser erfährt amüsiert, wie die zwei gebildeten Europäer die Amerikaner und ihre ersten Begegnung mit New York erleben.

Maryna und die anderen kommen etwas später nach und beziehen ihr neues Heim in der Nähe von der deutschen Siedlung Anaheim in Californien. Da alles erst sehr kärglich und rustikal ist, braucht es einige Zeit bis die neuen Farmer sich zumindest ein bisschen einleben, Weinbau will gelernt sein und das Melken ebenso. Doch Maryna versucht allen in Disziplin und Tatendrang ein Vorbild zu sein und kann sich beim Anblick der Morgensonne kaum vorstellen, je wieder in ihr altes Leben auf der Bühne und ins Rampenlicht zurück zukehren.

Doch die Utopie vom Landleben bleibt eine, nach und nach geben ihre frustrierten Freunde auf, reisen zurück nach Polen oder in urbane Städte wie Sand Francisco oder New York.

Und nachdem das Geld knapp wird beschliesst auch Maryna, dass sie mit Schauspielerei wohl besser den Unterhalt für ihre kleine Familie bestreiten kann.
Und so beginnt nach anfänglichen Bedenken, Sprachtraining und viel Vorbereitung Marynas zweite, noch viel größere Karriere in Amerika.
Von der ersten Aufführung an ist sie ein Star, von den Amerikanern verehrt und geliebt.
Und um den Amerikanern gerecht zu werden, muss Maryna mit dem Phänomen der Theater Touren anfreunden, in einem Zug reis sie von Stadt zu Stadt, gemeinsam mit Ensemble und Entourage.

Das Buch ist, bis auf das erste und das letzte Kapitel, wirklich schön und mit Freude zu lesen. Susan Sontag schafft eine wundervolle Maryna, deren Figur auf der wahren Helena Modrzejewska beruht. Ihre Liebe zu ihrem Beruf, zu ihrem Mann, zu ihrem Liebhaber und Kind wirkt so wahrhaftig und frisch, dass sie wirklich lebendig erscheint.
Ihre Gedanken sind manchmal so leicht geschrieben und doch so tiefgründig, dass ich sie mehrmals lesen musste weil ich sie so toll fand.
Auch die anderen Hauptcharaktere, die ebenfalls reale Vorbilder haben, sind schön ausgearbeitet und man erfährt durch unterschiedliche Kapitel, ihre Sicht zu dem Unternehmen, zu ihrem Leben, zu ihrer Liebe zu Maryna.
Und darüber hinaus ist das Buch ein Fest für Theater Liebhaber da mit viel Wissen Hintergründe, zum Theater und dem Schauspielleben und zu einzelnen Stücken, en passant in die Handlung und Gedanken eingepflegt werden.

Product Details

* Paperback: 400 pages
* Publisher: Picador (May 2001)
* Language: English
* ISBN-10: 0312273207

Freitag, 7. September 2007

Mes amies Mes amours von Marc Levy


Ah. AH. War das wieder schön. Eigentlich bin ich keine begeisterte Leserin von Liebesgeschichten aber Marc Levy Bücher sind für mich mit das Größte, wenn es darum geht, ein oder zwei Tage mal nur Schönes und Gutes zu lesen, zu schmunzeln und sich mit anderen und für sie zu freuen. Zu lesen, dass es DIE Liebe gibt aber dass es immer Umwege sind, die zu ihr führen.
Weil sie immer wunderbare Menschen mit Ecken und Kanten aber großen Herzen als Protagonisten haben, weil die Dialoge wunderbar sind: keineswegs kitschig oder platt, witzig und originell, die Sprache eine sehr schöne, schlichte aber gewählte ist und weil man, auch wenn man ahnt dass es am Ende zu einem Happy End kommt, nie weiß was als nächstes passiert und wie dieses erreicht wird.

Leider ist Mes Amies, Mes Amours das vorletzte Buch von Marc Levy das ich noch nicht gelesen habe. Aber was solls, les ich sie bald noch mal, auch wenn dann ein Element seine Wirkung nicht mehr voll entfalten wird: die Überraschung die Marc Levy immer wieder genau dann hinbekommt, wenn alles so vorhersehbar schien (auch wenn einiges dennoch vorhersehbar ist, was aber auch positiv sein kann!).

Die Hauptfiguren des Romans sind die allein erziehenden Väter Antoine und Matthias.
Antoine lebt mit seinem Sohn Louis in London, seine Ex Frau Katie reist als Entwicklungshelferin durch Afrika.
Matthias lebt in Paris, vermisst seine Tochter Emily, die beste Freundin von Louis, seinen besten Freund Antoine und aber auch seine Frau Valentine schrecklich.

Als Antoine ihm vorschlägt, seinen Job als Buchhändler in Paris aufzugeben und einen kleinen Buchladen eines in den Ruhestand gehenden Freundes gegenüber seinem Architekthenbüros zu übernehmen, zögert Matthias nicht zu lange.

Denn nicht nur seine geliebte Tochter Emily und sein bester Freund mit Louis wohnen in London, auch die guten, französischstämmigen Freunde Yvonne mit ihrem Restaurant und die Floristin Sophie haben ihre Läden in der Strasse des Buchladens.
Nicht zu vergessen, seine Frau...

Doch kaum ist Matthias mit Sack und Pack in London angereist, eröffnet Valentine ihm dass sie eine Stelle in Paris annimmt und er von nun an die Hauptsorge für Emily trägt.

Zuerst ist Matthias erschüttert aber dann machen er und Antoine aus der Not eine Tugend und reissen die Wand die zwischen ihren Wohnungen liegt ein und wohnen nun zusammen mit den zwei Kindern unter einem Dach.

Doch wie lange können so Regeln wie "Keine Babysitter!" oder "Keine Frauen im Haus" aufrecht gehalten werden?
Denn Matthias lernt schon bald die Journalistin Audrey kennen und kommt immer mehr in Schwierigkeiten, diese vor Antoine zu verheimlichen.

Und hier wird wieder das besondere Talent Levys deutlich, lustig und amüsant das Schlindern von einem Fettnäpfchen zum nächsten und die witzigen, schlagfertigen Dialoge unter besten Freunden wieder zu geben.

Und darüber hinaus gleich mehrere persönliche Geschichten und Schicksale zu erzählen und zu einer großen zu verweben. So erfährt man viel über die Restaurantbesitzerin Yvonne und von ihrer heimlichen Liebe zu dem Gentlemen-Buchhändler im Ruhestand, von Sophie und ihrer kuriosen Briefbeziehung zu Antoine die er vollkommen falsch einschätzt, von der Immigrantin Enya und sogar, dass Lauren und Arthur, die der Marc Levy Leser ja aus den bezaubernd grandiosen Romanen "Et si c´etait vrai..." und "Vous revoir" kennt, ein Baby erwarten, denn Antoine lernt die beiden in einem Restaurant in Schottland kennen, so dass Levy hier seinen prominentesten Charakteren eine kleine Gastrolle verschafft.

Jedenfalls lernt der Leser hier wieder einen Haufen wunderbarer Menschen kennen, die jeder ihr Schicksal tragen und unterschiedlich damit umgehen. Und am Ende ausnahmslos glücklich sind, so dass man wieder an das Sprichwort denken muss, dass in einem feinen Roman über die Liebe und die Freundschaft ein jeder Topf seinen Deckel finden sollte. Einfach weil er es verdient hat. Und weil das Leben schön ist wenn man Mut beweist und Risiken eingeht, sich anderen öffnet.

Ein wunderbar flüssiger, mit Freude und Schmunzeln und Glücksgefühlen zu lesender Roman über Freundschaft und Liebe, ohne trivialen Kitsch und schwammige Dialoge.

Ein Buch, das fabelhaft erfrischend nach jungem Frankreich klingt auch wenn der Roman in London spielt (dass es dort ein französisches Viertel gibt wußte ich bisher nicht und was all diese liebenswerten Franzosen in London machen wurde mir allerdings auch nicht ganz klar...).

Ein wunderschönes Buch für ein wunderschönes Wochenende.

Produktinformation

* Verlag: Knv Import; Presses Pocket, P.
* 2007
* Ausstattung/Bilder: 2007.
* Französisch
* Abmessung: 18 cm

* Gewicht: 190g
* ISBN-13: 9782266168984
* ISBN-10: 2266168983
* Best.Nr.: 22812865

Dienstag, 4. September 2007

Der Schrecksenmeister von Walter Moers


Ah, ENDLICH. Nach gefühlten Jahren des Wartens und unzähligen Verschiebungenn des Erscheinungstermins ist es nun endlich in meine Hände gelangt, der neue Roman von Walter Moers, meiner Ansicht nach einem verkannten Genie der Phantasie und elaborierten Skurrilitäten.

Der Schrecksenmeister ist auch diesmal ein Märchen für Erwachsene, geographisch angesiedelt auf dem Kontinent Zamonien, der dem glücklichen Kenner schon durch die "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" lustig und durchaus spannend näher gebracht wurde. Und der ebenfalls Ort des Geschehens bei den fantastischen Rumo Romanen, den gruseligen Erlebnissen von Ensel und Kretel und dem genialem Roman "Die Stadt der träumenden Bücher" ist.

Gleich vorneweg: ich habe den Schrecksenmeistern an einem Wochenende verschlungen, er hat mich aber nicht ganz so extrem begeistert wie die bereits erwähnten anderen Zamonien Romane.
Aber egal. Wer mit Käpt´n Blaubeer angefangen und später Rumo und Hildestgunst von Mythenmetzt kennen und schätzen gelernt hat, wird auch Echo, das Krätzchen ins Herz schliessen.

Echo ist eine Kratze, die im Unterschied zu Katzen die Sprachen aller Lebewesen Zamoniens beherrschen.
Und Echo ist am verhungern nachdem sein armes altes Frauchen in der von Krankheiten und Bakterien geplagten Stadt Sledwaya gestoben ist.
So schlimm steht es um ihn, dass er einen Pakt mit dem von allen gefürchteten Schrecksenmeister Succubius Eißpin eingeht:
im Gegenzug zu einem Monat voller kulinarisch nicht zu überbietender Speisen und Pflege erlaubt Echo dem Schrecksenmeister, in beim nächsten Vollmond, dem Schrecksenmond, sanft zu töten und zu alchimistischen Zwechen sein kostbares Körperfett auszukochen.
Denn Echo ist einer der letzten Kratzen.

Geniesst Echo zu Beginn noch die aussergewöhnlichen Speisen die Eißpin ihm kredenzt und seine Einführung in die Geheimnisse der Alchimie, so zweifelt er doch schon bald an der Richtigkeit seines Handelns und möchte nicht mehr sterben.

Und so gibt der Roman nicht nur Echos spannende und verblüffende Entdeckungen in den unergründlichen Weiten des Schlosses des Schrecksenmeisters wieder, seine erhellenden Dialoge mit diesem und weitere Informationen über Zamonien, das Buch ist auch oder in erster Linie die spannende Suche Echos nach einem Ausweg aus dem tödlichen Vertrag.
Der Leser erfährt einiges über Schrecksen und warum der Schrecksenmeister sie so hasst, hört von herzzerreissenden Liebesgeschichten und warum Ledermäuse unvorhersehbar sind.
Mal liest es sich wie ein phantasievolles Märchen um dann im nächsten Moment wieder blutrünstig zu überraschen.

Mehr will ich gar nicht schreiben, denn das Buch ist so spannend und immer wieder verblüffend in seinen Moers typischen Wendungen, dass ich nichts vorweg nehmen möchte.

Der Schrecksenmeister ist ein tolles Buch, auch wenn ich zugeben muss, dass mir die anderen Romane besser gefallen haben, und sogar Ensel und Kretel mit seiner gruseligen Blutrünstigkeit fesselnder.



Produktinformation

* Verlag: (Piper)
* 2007
* Ausstattung/Bilder: 384 S.
* Deutsch
* Abmessung: 25 cm

* Gewicht: 866g
* ISBN-13: 9783492049375
* ISBN-10: 3492049370
* Best.Nr.: 20846408

Montag, 3. September 2007

A Spot of Bother von Mark Haddon


Nach "The Curious Incident of the Dog in the Night-Time" das ich weiter unten/ früher unter "Le Bizarre Incident du chien pendant la nuit" beschrieben und in den höchsten Tönen gelobt habe, hier nun das neue Buch von Mark Haddon, sein zweiter Roman.
Und auch dieser hier ist absolutes, amüsantes Lesevergnügen, wenn auch nicht so umwerfend originell und aussergewöhnlich wie der Vorgänger-Roman. was aber wohl der Tatsache geschuldet ist, dass hier nicht kommentarlos die Gefühlswelt und die Gedanken eines jungen Autisten aufs amüsanteste und mitreissenste wiedergegeben werden, sondern das Leben einer "fast" normalen britischen Mittelstandsfamilie.
Aber was ist schon normal?

Georg ist inzwischen 57 und frisch pensioniert. Gemeinsam mit seiner Frau Jean lebt er in seinem gemütlichen Londoner Vorstadt Haus und verbringt seine freie Zeit damit, sich im Garten eigenhändig ein kleines Studio zu bauen und sich gemeinsam mit Jean über Katies Pläne zu einer zweiten Hochzeit aufzuregen.

Denn Katies neuer Freund Ryan stösst der gesamten Familie etwas auf, wirkt er doch etwas einfach und im Vergleich zu Katie ungebildet. Doch er versteht sich grandios mit Katies kleinem Sohn Jacob und hilft Katie bei allem, auch finanziell sicher er sie ab.
Aber reicht das für eine Hochzeit? Ist nicht Liebe der man sich sicher ist die absolute Voraussetzung für einen derartigen Schritt?

Doch wann ist man sich der Liebe sicher?
Auch Sohn Jamie, der als Immobilienmakler in London lebt erkennt zu spät dass er mehr für seinen Freund Tony empfindet als er sich lange einredete. Denn als er merkt dass er bereit wäre, die Beziehung zu Tony auf feste, offizielle und fundierte Füße zu stellen, verlässt Tony ihn mit dem Vorwurf, Jamie wäre noch nicht reif für etwas festes und bindendes.

Und auch Georges Frau Jean ist sich nicht sicher, wie sie in Zukunft zwischen ihrer vertrauten, heimeligen aber nicht besonders Aufregenden Ehe zu George und ihrer sie glücklich machenden Affäre zu Georges altem Arbeitskollegen David navigieren soll.

Jeder lebt irgendwie für sich, verbunden durch die Familie aber vollkommen unterschiedlich im Lebensstil.
Bis die geplante Hochzeit alle auch räumlich zusammen bringt und eine ganze Reihe komische oder tragische Implikationen auslöst und jeden der Charaktere am Ende zum Besseren verändert, weiser und sich näher stehender zurück lässt.

Am amüsantesten und aber gleichzeitig auch tragischsten ist für den Leser vor allem die sich immer schlimmer verstärkende Verwirrung mit zu beobachten, der der gute George ausgesetzt ist.
Alles fängt mit dem Unbehagen über die bevorstehende Hochzeit und seine Rolle als Redner an und verschlimmert sich dann eklatant mit der Entdeckung eines komisches Fleckes auf seiner Hüfte.
Entgegen den Versicherungen seines Arztes, dass es sich lediglich um ein Ekzem handelt, glaubt George immer mehr, dass er Krebs hat und bald sterben muss.
Diese Ängste steigern sich zu einer George immer stärker beherrschenden Paranoia die ihn wörtlich in den Wahnsinn treibt.

Versucht er anfangs noch angestrengt, sein mentales Abgleiten vor anderen zu verbergen, was ihn in den Leser äusserst erheiternde Situationen bringt, so wird sein Veränderung seiner Familie spätestens dann deutlich, als er heimlich versucht, sich das Ekzem mit einer Schere abzuschneiden und bei seinem Versuch die Blutung zu stoppen, das ganze Haus färbt.

Je näher die Hochzeit rückt, desto mehr Dinge passieren den vier Familienmitgliedern die sie verändert zurück lassen und die Form in der Mark Haddon von den amüsanten Episoden berichtet ist sehr angenehm, jedes der kurzen Kapitel erzählt von einem anderen Mitglied der Familie Hall und man lernt jeden einzelnen so immer besser kennen und mögen.

Denn jeder von ihnen erlebt und denkt Dinge, in denen sich der Leser wieder findet und ein Schmunzeln begleitet fast jedes der Kapitel, auch wenn die Kapitel, die die Gedanken Georges wieder geben und behandeln auch zum Nachdenken anregen und Mitgefühl für George auslösen.

Denn so absurd und amüsant seine von Angst getriebenen Handlungen auch sind, so sehr sie einen im ersten Moment zum Lachen bringen, so sehr bemitleidet man den armen guten George auch, denn für ihn ist das alles gar nicht komisch, er hat Angst, Angst vorm Sterben, Angst verrückt zu werden, Angst andere damit zu enttäuschen.
Und so ist Mark Haddons zweites Buch ebenfalls einem wenn auch amüsant eingeführtem ernsten Thema geschuldet: die mentalen Veränderungen und Störungen die schleichend mit dem Älter werden und dem Umbruch in der Lebenssituation einhergehen.

Georges schleichende Verwirrung und seine an beginnende Altersdemenz ähnelnden zunehmenden abstrus wirkenden Ängste werden von Haddon sehr einfühlsam und geschickt in den Vordergrund gerückt: ohne tief schürfende Tragik, ohne dramatisierende Schwarzfärbung lässt er George für sich sprechen und den Leser immer mehr für diesen zu empfinden, mit ihm zu fühlen und gleichzeitig über ihn zu schmunzeln.
George und seine Probleme werden nicht lächerlich gemacht, man lacht ihn nicht aus und auch die Mitglieder der Familie Hall entwickeln immer mehr Verständnis für George je mehr seine Hilflosigkeit eklatant wird.

Und dies ist das zweite, wichtige Thema: die Familie und wie deren einzelne Mitglieder zueinander stehen und welche Rollen sie übernehmen nachdem die Kinder groß und erwachsen, auf gewisse Arten selbstständig geworden sind (und auf anderen immer noch der Sicherheit der Eltern im Rücken bedürfen) und die Eltern auf der anderen Seite die Hilfe ihrer Kinder bedürfen.

Dazu werden die unterschiedlichen Lebensentwürfe und ihre Vereinbarkeit thematisiert, die Positionen zum großen Wort Liebe:

Jean liebt George (so wie man sich nach einem ganzen Leben der Ehe und der Routine in ihren Augen noch liebt) und gleichzeitig auch ihre Affäre zu David.

George liebt Jean (so wie man sich nach einem ganzen Leben der Ehe und der Routine in seinen Augen noch liebt) und gleichzeitig seine Ruhe.

Katie liebt ihren Sohn Jacob und wie Ray mit ihr umgeht, aber liebt sie ihn genug um ehrlich seine Frage ob sie ihn liebt mit Ja zu beantworten?

Jamie liebt sein geordnetes Leben und seine Unabhängigkeit aber liebt er es genug um dafür auf eine feste und Kompromisse erfordernde Beziehung zu Tony zu verzichten?

Ray und Tony scheinen die einzigen zu sein, die sich ihrer Liebe von Anfang an sicher sind und die sich auch, den Befürchtungen dass der provinziell wirkende Ray ein homophober Schläger sein könnte sehr gut verstehen.

Hier wird ein weiteres Thema tangiert, dass der Vorurteile und Klischees im Kopf der Einzelnen, vorgefertigte Bilder die sie daran behindert, den Wert anderer von Anfang an zu erkennen und zu schätzen.
Denn Ray, der von allem zu Beginn als simpel, grobschlächtig und ignorant angesehen wird, entpuppt sich durch seine Taten und sein grenzenloses Mitgefühl und seine bedingungslose Hilfsbereitschaft als eine Seele von Mensch der jedem der einzelnen Charaktere als Stütze dient.
Und so lernt am Ende des Buches und der Hochzeit jedes der einzelnen Hall Mitglieder seine Lektion für das restliche Leben:

Dass man keine Angst haben muss und darf, seinen Nächsten zu vertrauen.
Dass man Anderen um seines eigenen Glück Willen aufgeschlossen gegenüber treten sollte.
Dass jedem geholfen ist wenn man Andere und ihre einem fremd erscheinende Lebensentwürfe mit Aufgeschlossenheit und vielleicht sogar Interesse begegnet.
Dass Anderen helfen sich selbst helfen bedeutet.
Dass der Zusammenhalt den eine Familie bieten kann jedes Schicksal erträglich macht.

Ein wunderbar heiteres aber durch die subtil und heiter angerissenen Themen nicht triviales Buch. Ein Buch für ein verregnetes Wochenende.
Ein Buch, dass meiner Überzeugung nach schon bald GENAU SO verfilmt wird, denn dazu eignet es sich aufgrund der an Szenen erinnernden kurzweiligen Kapitel optimal. Ein Buch das gleichermaßen zum Lachen und zum Nachdenken bringt, nicht ganz so brilliant wie Mark Haddons erstes Buch aber doch jeden einzelnen Cent und jede Leseminute wert!




Produktinformation

* Vintage
* Verlag: (Knv Import; Vintage, London)
* 2007
* Ausstattung/Bilder: 2007. 503 p.
* Englisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 265g
* ISBN-13: 9780099507437
* ISBN-10: 0099507439
* Best.Nr.: 21477424

Mittwoch, 29. August 2007

Snow von Orhan Pamuk




Dies ist das erste Buch eines türkischen Autors das ich lese und ich bin begeistert. Vielleicht weil es ein sehr türkisches Buch ist in dem Sinne, dass es ein sehr präsentes türkisches Thema behandelt, nämlich die innere Zerrissenheit im Land, besonders im Osten, der Teilung in westlich orientierte Kemalisten und islamisch bedachten Nationalisten, seien sie türkischer oder kurdischer Abstammung, dem Militär auf der einen Seite und den religiöse Traditionen achtenden Hardlinern auf der anderen Seite.

Ein Buch das mir einen guten Eindruck von den schmerzenden Gräben vermittelt hat die durch politische und religiöse Überzeugungen mitten durch Dörfer und teilweise Familien laufen und die aktuelle politische Spannung in der Türkei hervorgerufen haben.

Darüber hinaus gibt es den verschiedenen Meinungen zur Kopftuch-Debatte eine Stimme, warum tragen die Frauen mit starkem islamischen Glauben Kopftücher, warum möchte der laizistische Staat dieses unterbinden, was raubt man den Frauen wenn man restriktive Verbote zum Tragen ausspricht?

Diese Frage ist die Initialhandlung des Romans, denn der seit über 20 Jahren im Frankfurter Exil lebende Journalist und Dichter Ka reist zur Beerdigung seiner Mutter nach Istanbul und bekommt dort von einem befreundeten Journalisten den Auftrag, die Selbstmordwelle der Kopftuch-Mädchen zu untersuchen, die sich seit einiger Zeit in dem abgelegenen Ort Kars ereignet.

Die Frage ist, warum die Mädchen diese finale und schreckliche Antwort auf das staatliche Verbot ihre Kopftücher weiterhin in der Universität zu tragen wählen.
Ist es stolz, Verzweiflung angesichts ihrer starren Lebensumstände oder wirklich bedingungslose Hingabe an Gott mit Angst ihn zu enttäuschen?
Die Selbstmorde wühlen nicht nur die Bürger von Kars auf, sie bewegen die ganze Türkei. Denn was diese religiösen Mädchen begangen haben, ist eine schlimme Todsünde und die Frage, ob Gott sie dann nicht lieber mit entblößtem Haupt gesehen hätte, beschäftigt viele. Der Staat versucht mit grotesken Plakatkampagnen den aufrührerischen Aktionen Einhalt zu gebieten und versteht es nicht, die Gründe der Mädchen nachzuvollziehen.

Ka, der weiß dass dort seine alte Kommilitonin Ipek lebt, und das nun geschieden von ihrem Mann, sagt zu über die Vorkommnisse in Kars zu berichten, in der Hoffnung, Ipek für sich gewinnen zu können um seine schmerzende Einsamkeit in Frankfurt zu beenden.

Seine Ankunft in Kars, nach eineinhalb Tagen Busfahrt, ist die letztmögliche, es schneit so sehr dass alle Straßen gesperrt werden und Ka findet sich so nun in einer vollkommen isolierten, von Schnee bedeckten kleinen Welt wieder, einem Mikrokosmos in dem die verschiedensten Strömungen, seien sie politisch oder religiös, aufeinander treffen und eine extrem angespannte Atmosphäre erschaffen.

Seine Befragungen der Bewohner und der lokalen Autoritäten des Staates, der Presse oder der Wirtschaft zu den Lebensumständen und Beweggründen der sich getöteten Mädchen gibt dem Leser schon einen sehr guten Hinweis auf die Zerrissenheit der Bewohner von Kars, auf die unterschiedlichen Positionen zu allen möglichen Themen, auf die unterschiedlichen Motive und Handlungsgrundlagen die fast alle auf den großen Graben zwischen Religion und Staat zurückzuführen sind, zwei Lager die in der Türkei nicht zueinander kommen zu können. Oder zumindest in dem kleinen, abgeschiedenen und von Armut und Arbeitslosigkeit geprägten Ort Kars nicht.

All die historischen Auslöser dieser Diskrepanzen und Feindschaften, all die Vorbedingungen für die wirtschaftliche und emotionale Depression die überall in Kars zu spüren sind werden in dem Roman durch die verschiedenen, sehr gut in ihrer Postion überzeichneten Figuren deutlich gemacht und ich hab zum ersten Mal das Gefühl, ansatzweise zu verstehen warum die Türkei manchmal so fremd wirkt, einfach weil sie Zerrissen ist zwischen dem Streben nach Westen und der Verhaftung im Orient, der Zerrissenheit zwischen Aufklärung, Aufbruch und Ungewissheit auf der einen und Tradition, Religion und Angst vor Neuem auf der anderen Seite.

Ka wandert wie ein neutraler Beobachter durch die verschneiten Strassen Kars, obwohl die meisten in ihm den verwestlichten, fremden Atheisten sehen. Er besucht die diversen, unzähligen Teehäuser in denen die meist arbeitslosen Männer mit Diskussionen und Rauchen ihre Langeweile vertreiben.
Dass er schon früh in Kars, durch den Anblick der perfekt geformten Schneeflocken, die Erinnerungen an seine Kindheit und die glücksseeligen Momente beim Gedanken an eine gemeinsame Zukunft mit Ipek eine innere Verbundenheit mit Gott spürt, scheint für die Aussenwelt nicht glaubhaft, ist er doch auf der Seite des Westens und des Staates und ein Westler ist nach Überzeugung der religiösen Traditionalisten automatisch ein Atheist.

Die Spannungen, die schon durch die ersten Gespräche die Ka mit den Bewohnern Kars führt deutlich werden, erreichen ihren Höhepunkt als ein Theaterstück aufgeführt wird, dass den Tod der Kopftuch Mädchen thematisiert. Der Regisseur und Hauptdarsteller benutzt das Stück um mithilfe eines eng befreundeten Armeechefs eine Revolution zu inszenieren, die dann in einem realen Aufstand mit vielen unschuldigen Toten endet. Eine Art Notstand wird ausgerufen und die Gewalt, der Hass und die Feindschaften untereinander treten nun offen zutage.

Ka, der von allen auch als Botschafter an den Westen betrachtet wird, gerät zwischen die Fronten, jede der verschiedenen, sich bekämpfenden Parteien will ihn für sich missbrauchen und setzt in auf die verschiedensten Arten unter Druck.

Ka selbst, der zum ersten mal seit langer Zeit in der trostlosen Umgebung wieder Momente des Glücks und der Zuversicht verspürt (leider unterbrochen von immer wieder auftauchenden paranoiden Anschüben und Depressionen) möchte eigentlich nur nach Frankfurt zurück, gemeinsam mit der wunderschönen Ipek, die sich auch ihm immer weiter öffnet aber noch ein letztes Geheimnis zurück hält.

Ipek, deren Schönheit legendär ist, war einige Jahre mit einem alten Schul und Dichterkollegen von Ka verheiratet, dieser liess sich allerdings von ihr scheiden nachdem sie kein Kind bekommen konnte. Nun lebt sie mit ihrem alten, das Haus nicht mehr verlassenden Vater und ihrer Schwester im Hotel Snow Palace, das ihnen gehört und in dem auch Ka wohnt.
Turgut Bey, Ipeks Vater, mag nach seiner politisch bedingten Haft nicht mehr an die Öffentlichkeit treten während Ipeks Schwester Kadife eine führende Rolle unter den Kopftuch tragenden Mädchen spielt.

Nachdem schon das erste Theaterstück eine Welle von Gewalt und eine vom Regisseur und seinen Anhängern gesteuerten kleinen Millitärputsch auslöste, so soll ein zweites Theaterstück, in dem Kadife vor allem Augen ihr Kopftuch ablegen soll, den religiösen Traditionalisten moralisch den Rest geben.
Auch hier wird Ka wieder als entscheidende Person missbraucht, genau wie Kadife ist er durch Liebe erpressbar geworden.

Denn Kadifes Liebe gehört dem als Terroristen gesuchten radikalen Islamisten Blue, der in Kars im Untergrund lebt und vom türkischen Militär wegen angeblicher begangener Morde gesucht wird.

Auch hier wird in dem Roman wunderbar deutlich wie groß meist der Unterschied zwischen verbreiteter Propaganda und Wahrheit ist, wie sehr die unterschiedlichen Parteien von Egoismus und rücksichtslosen Eigeninteressen gesteuert werden, alles unter dem Deckmantel der Demokratie oder des Wohlergehens der Allgemeinheit.

Ka, mit dem im Verlaufe des Romans alle Parteien und Personen mehr oder weniger offen über ihre Ansichten und Beweggründe sprechen und der eine tiefe Zuneigung nicht nur zu Ipek sondern auch zum offenherzigen Koranschüler Necip (und später zu seinem besten Freund und Seelenverwandten Fazil) entwickelt, beugt sich keiner Seite.

Wie ein Schwamm nimmt er all die geäußerten Positionen und Deklarationen in sich auf, die Eindrücke der Gewalt, des Hasses, der Tristesse des Lebens in Kars und des fast schon kafkaesk anmutenden staatlichen Vorgehens und lässt es, gemeinsam mit den schönen Momenten, der Liebe die er sieht und auch selbst empfindet, der Gemeinschaft, der Genügsamkeit und immer wieder des wunderschönen Schnees, in seine Gedichte fliessen.

Diese Gedichte kommen scheinbar aus dem Nichts, geformt aus den Eindrücken die auf ihn einprasseln formen sie sich unvorhersehbar und Ka ist permanent erpicht, diese mit Hilfe seines grünen Notizbuches einzufangen und festzuhalten.
Dass er im offenen Frankfurt so unglücklich war, so einsam und abgeschieden und nichts zu Papier brachte, und nun aber hier, im von der Aussenwelt durch all den Schnee abgeschiedenen und von Armut, Tristesse und Gewalt geprägten Kars ein Gedicht dem anderen folgt, verwundert ihn selber. Und lässt ihn mehr und mehr an Gott denken.

Und an die Liebe. Doch ist das Liebe die Ka für Ipek empfindet? Schliesslich kennt er sie überhaupt nicht, das einzige was er von ihr weiß ist dass sie unglaublich schön ist. Aber das reicht ihm, der Gedanke, mit einer so wunderschönen Frau an seiner Seite zurück in Frankfurt durch die Strassen zu gehen erfüllt ihn mit dem größten Glück.

Und Kadife könnte ihn und Ipek besuchen, das würde Ipek glücklich machen. Aber dazu muss auch Kadife glücklich sein und dazu müsste ihr Geliebter Blue seinen militärischen Häschern entkommen und darum muss Ka plötzlich große Risiken eingehen, muss agieren und sich einmischen.
Und dann, als das Glück greifbar scheint, Ipek ihre Koffer für Frankfurt gepackt hat, nehmen Kas Ängste und seine Eifersucht auf Ipeks Vergangenheit Überhand und nehmen ihm alles.

Vier Jahre später, zurück in Frankfurt, alleine, wird Ka von Unbekannten erschossen. Von islamistischen Radikalen? Vom türlkischen Geheimdienst? Vom Zufall?
Der Erzähler in dem Roman, ein Schriftsteller namens Orhan (!!) der mit Ka sehr gut befreundet war, versucht das Geheimnis aufzuklären. Und in erster Linie möchte er den Verbleib des grünen Notizbuches heraus finden, in das Ka in Kars all seine Gedichte und Gedanken dazu notiert hat.
Wo ist dieses Notizbuch? Unter seinen Sachen in seiner Frankfurter Wohnung befindet es sich nicht. Wie ein Detektiv wertet Orhan jeden zurück gelassenen Schnipsel aus Kas Leben aus, macht sich einen Reim aus Kas Beweggründen anhand seiner Habseligkeiten.
Das Notizbuch bleibt unauffindbar und Orhan reist nun selbst nach Kars und wandelt quasi auf Kas Spuren, trifft alle Leute die Ka zuvor getroffen hat, verliebt sich wie Ka zuvor in Ipek und schliesst Freundschaft mit Fazil, der inzwischen seine seit langem angebetet Kadife geheiratet hat.
Doch auch hier ist das Notizbuch nicht und Orhan kommt zu der Vermutung, dass es eines der Motive für seinen Mord in Frankfurt war. Gerüchte werden laut dass eine radikal islamische Zelle aus Berlin dahinter steckt.

Ob Orhan diese Spur weiter verfolgt, wird nicht ganz klar, er verabschiedet sich von seinen neuen und Kas alten Bekannten am Bahnhof, bekommt von diesen noch eine Menge Erinnerungen an Ka mitgegeben und fährt wie dieser zurück in sein westliches, modernes Leben.
Orhan weint beim Verlassen Kars und es bleibt dem Leser überlassen, zu ergründen warum. Vielleicht hat er wie Ka auf ein Glück mit Ipek gehofft, auf eine Erlösung aus der Einsamkeit. Vielleicht ist es aber auch etwas anderes.

Der Schnee, Titelgeber des Romans und zentrales Element im Erleben Kas, kommt wieder und wieder vor, er ist so präsent dass man beim Lesen fast ein wenig fröstelt und gleichzeitig alle Figuren in einem weißen Schimmer sieht.
Der Schnee löst in Ka schon auf der Hinfahrt im Bus tiefe Emotionen aus und bringt seine Gedanken immer wieder zurück in seine Kindheit, die er mit Unschuld und an Glück grenzender Unbeschwertheit verbindet. Darüber hinaus löst der Schnee in Ka immer wieder Gefühle der Nähe zu Gott aus und die Perfektion der Schneekristalle veranlasst ihn sogar, seine in Kars verfassten Gedichte auf den symmetrischen Achse einer Schneeflocke thematisch anzuordnen.

Ebenfalls zentral und immer wieder gestellt in dem Buch ist die Frage, ob der Westen zum wahren Glauben fähig ist, und wenn nicht, wie die radikalen Islamisten glauben, warum man dann eine Annäherung oder gar Imitation anstreben soll. Die verschiedensten Personen, auch die streng laizistischen, geben Ka Auskunft und Einblick in ihre Art des Glaubens und veranlassen so den Leser, selbst über seinen ganz eigenen Glauben nachzudenken.

Und auch das Bild, das der Westen von dem traditionellen Teil der Türkei hat wird thematisiert und veranlasst ebenfalls zur Selbstreflektion.

Mich jedenfalls hat dieser Roman sehr bewegt und sehr sehr viel beigebracht über die Türkei, über Zerrissenheit, über historische Kämpfe die noch heute unnötig erscheinende Gewalt nach sich ziehen.
Und ich habe mit diesem Roman den Nobelpreisträger Orhan Pamuk kennen gelernt der diesen wichtigen Preis wie ich finde zu Recht bekommen hat.
Ich werde bei sich bietender Gelegenheit auf jeden Fall noch weitere Romane von ihm lesen, um nicht nur ihn, sondern auch dieses spannende Land Türkei besser kennen zu lernen und zu verstehen, von dem wir mitsamt seiner Nation ein reichlich verzerrtes und oft ignorantes Bild in uns tragen.


Produktinformation

* Verlag: Faber & Faber, London
* 2004
* Ausstattung/Bilder: 2004. 436 p.
* Englisch
* Abmessung: 18 cm

* Gewicht: 225g
* ISBN-13: 9780571222995
* ISBN-10: 0571222994
* Best.Nr.: 12911218