
Patrick Wallingford ist Fernseh-Journalist, gutaussehend aber nicht besonders hervorstechend. Er ist ein netter, angenehmer Mann, von dem sich Frauen angezogen fühlen und denen er leider nicht immer widerstehen kann. Oder besser so gut wie nie widerstehen kann. Und so steht es mit seiner Ehe nicht zum besten (wobei seine Frau ihm in der Beziehung um nichts nachsteht), der Vaterschafts-Test einer Affäre steht gerade aus,
Kein Problem, er ist nicht einsam, eine deutsche Tontechnikerin steht auf ihn und so hat man ein paar schöne Stunden bevor die Reportage am nächsten Morgen über den Trapez-Unfall in einem indischen Zirkus anfangen soll.
Mitten im schönsten Moment ruft Wallingfords Frau an und so sieht sich der kaum zu erschütternde Wallingford mit seiner Scheidung konfrontiert.
Eigentlich würde Wallingford, der wie man schnell merkt trotz seiner nicht gefestigten Loyalität zu seiner Frau ein richtig netter Kerl ist, viel lieber über das generelle Problem mit den Kinder-Artisten wieder Willen, die Ausbeutung von Minderjährigen und die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in indischen Zirkussen berichten, aber sein Auftraggeber steht nicht auf derartiges. In seinem Sender stehen Reportagen über Katastrophen und bizarre Unfälle ganz oben auf der Liste der Nachrichte, denn Nachrichten müssen in erster LInie unterhalten, nicht informieren.
Und Patrick Wallingford, der Dank seines attraktiven Äußeren und seines angenehmen Auftretens ein guter Fernsehreporter ist, liefert den bizarrsten aller Unfälle gleich live:
er gerät zu nah an einen Löwenkäfig und die ganze Welt kann nun in unzählig wiederholten Endlos-Schleifen zusehen, wie Patrick Wallingford die linke Hand abgebissen wird.
Die Tontechnikern landet vor Schock ohnmächtig in einer Schubkarre voller Fleisch und auch vor den Bildschirmen kommt es zu verstörten Szenen, eine ehemalige Professorin und Liebhaberin von Wallingford wird so wieder auf ihren Liebhaber von eins aufmerksam und auch viele andere bewegt das Schicksal des Reporters.
Wallingford bekommt vom behandelnden Arzt neben den regulären Schmerzmiteln vier ominöse Pillen, gegen die Schmerzen und mit allerhöchster Vorsicht zu geniessen: niemals, aber auch niemals zwei und immer mit einem Abstand von mindestens 12 Stunden.
Und dank dieser Pillen hat Wallingford gleich viermal hintereinander den gleichen Traum, einen sehr sinnlichen Traum, den schönsten Traum seines Lebens.
Zurück in Amerika muss Wallingford durch den Verlust seiner Hand einen schleichenden aber steten beruflichen Abstieg erleben, er wird zum Mann der abwegigsten Katastrophen, aber nicht mehr im Prime-Time Nachrichtenprogramm sondern weit hinten, da wo nur noch die Gier nach Sensationen den Zuschauer bannt. Eine für Wallingford unerträgliche Haltung.
Sein Unwillen wird auch vor der Kamera immer deutlicher, doch feuern mag man den ja im Dienst verunglückten Wallingford nicht und so wird er in schöner Mobbing Manier zu immer unbedeutenderen Auslandsreportagen verdonnert und zu noch schlimmeren Unfällen und Wallingford wird immer unzufriedener mit allem, ist er doch für Hinz und Kunst auf der Strasse entweder der Mann mit den Löwen oder der Mann der Katastrophen.
Der sonst so ruhige Wallingford leidet, und nun nicht mehr nur unter seiner fehlenden Hand, sondern auch an sinkender beruflichen Erfüllung und Bedeutung.
Und so muss Wallingford erst einmal nach Japan, um über einen Weltfrauentag zu berichten. Ausgerechnet er, von den meisten Frauen deshalb so verabscheut, weil er sie unweigerlich anzieht. So wie das Pech wie es oft scheint.
Denn natürlich kommt alles wieder schlimmer als man befürchtet hat und der Verlust des Gepäcks ist für Wallingford nur der Auftakt einer Serie von Missgeschicken und ungünsigen Begegnungen mit all den erfolgreichen und scharfzüngigen und meist äußerst feministischen Frauen während des Kongresses.
So auch eine Amerikanerin mit dem Namen Evelyn Arbuthnot (das Hotel New Hampshire lässt grüßen), die äusserlich eigentlich nicht besonders attraktiv ist, aber mit ihrer schroffen, selbstbewußten und zu anfang auf Wallingford einprügelnden Art eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf ihn ausübt.
Sein erster Tag beginnt für ihn typisch: Die Massage vom Vorabend lässt ihn mit einem steifen Nacken aufwachen, die Hotelwäscherei hat seine Kleidung vom Vorabend verloren und das Aufgetauchte Gepäck ist auf den Phillipinen von Drogenhunden vollgepinkelt worden.
Ein super Tag und natürlich geht es so weiter.
Zumindest Evelyn erweist sich als attraktive und anregende Frau, die ihm obendrein auch noch einen guten Rat mit auf den Weg gibt: nicht eine neue Hand wird sein Leben ändern, nur seine Eimnstellung zu diesem. Vermutlich meint sie einfach dass Patrick Wallingford endlich erwachsen werden und Entscheidungen treffen soll.
Denn das charakterisiert Patrick Wallingford wohl am besten: er ist ein großes Kind. Der vielleicht auch deshalb anziehend auf Frauen wirkt, ältere Frauen sehr oft.
Er beschliesst, den Rat von Evelyn anzunehmen und sich und sein leben zu ändern, wie genau weiß er selbst noch nicht, aber zum Besseren soll es sein.
Und als erstes wird ihm eine neue Hand helfen, damit er nicht mehr nur auf seinen tragischen Unfall reduziert und mit mitleidigen Blicken überhäuft wird.
Die Operation wird ihm von Dr. Nicholas M. Zajac angekündigt, Koryphäe auf dem Gebiet der Handchirurgie und Wallingford wird sein Meisterstück, erst die zweite Handtransplantation nach länger zurück liegendem Unfall (bei Wallingford sind es fünf Jahre!) und die erste bei der es auch gelingen soll.
Dr. Zajac, kauzig-liebenswerter, asketischer Marathonläufer und Erfinder eines pragmatischen Sports: dem Aufsammeln von den ihn so verhassten Hundehaufen und das Katapultieren derselben in den angrenzenden Fluss, mit Vorliebe auf die vorbei rudernden Sportstudenten.
Auch er ist geschieden und seine Frau hasst ihn, und um ihn zu quälen hetzt sie den kleinen Rudy, den sechsjährigen gemeinsamen Sohn unentwegt gegen seinen Vater auf indem sie diesem attestiert, den Kleinen nicht zu lieben.
Dieser, der den Kleinen nur alle drei Wochen über das Wochenende bekommt, tut aber alles für den kleinen mageren Kerl, denkt sich Spiele aus (neben dem Hundehaufen-LaCrosse auch das Eieruhr-Spiel), liest aus den Büchern von E.B. White vor und schliesst sogar die Exkremente fressende Hündin Meddea in sein Herz, die seine Frau aus Bosheit für Rudy gekauft und bei Zajac untergebracht hat.
Seine Liebe und Fürsorge ist so groß, dass er damit sogar das Herz seiner schüchternen jungen Haushaltshilfe erreicht, die ihm zu Liebe mit Laufen anfängt, ihre Ernährung der von Rohkost dominierten Zajacs angleicht und sich für alle merklich zur attraktiven Sexbombe transformiert. Allen ausser Zajac, der ausser Rudy und seinem Job zuerst gar nichts wahrzunehmen scheint.
Und dieser Job wird es sein, Patrick Wallingford zu einer neuen Hand zu verhelfen-
Diese Hand wird bereitwillig von einer Spenderin, Doris Clausen versprochen, es ist die Hand ihres geliebten Mannes Otto. Doch der ist zum Zeitpunkt des tragischen Unfalls von Wallingford noch nicht einmal tot.
Warum also diese Spendenbereitschaft? Die wunderhübsche Mr Clausen erklärt es in ihrer alle Männer um den Verstand bringenden Tonlage ihrem Mann so: weil sie ihn, Otto, über alles liebt und alles an ihm. Und sollte er sterben, würde seine Hand gerettet.
Seit dieser Unterhaltung plagen den armen Otto schreckliche Alpträume: seine Frau bring nach zahllosen gescheiterten Versuchen, schwanger zu werden, ein gesundes Baby zu Welt, der Vater ist Patrick Wallingford, gesegnet mit zwei Hände, während er, Otto, einhändig und untätig daneben steht.
Nach einem erfolglosen Baseballspiel der Green Bay Packers (Club dem auch Doris Claussen mit ihrem ganzen Herzen anhängt) wartet er betrunken in seinem Wagen auf ein Taxi und es kommt zu einem tragischen Unfall. Nachdem sich Doris Clausen versichert hat dass er tatsächlich tot ist und es seiner Hand gut geht, klingelt noch in der selben Nacht das Telefon bei Dr. Zajac.
Und so fliegt die auf Eis gelegte Hand schon bald nach Boston, begleitet von Doris Clausen, deren Bedingung es ist, Wallingford vor der Operation zu treffen und darüber hinaus ein Besuchsrecht bei der Hand zu haben.
Und so ist Wallingford gezwungen, Doris Clausen zu treffen und relativ schnell kommt die hübsche und bestimmte Frau auf den Grund ihres Treffens: sie hat Otto mehr geliebt als alles andere und es gibt nichts was sie sich je mehr gewünscht hat als ein Baby von ihm. Und nichts was sie sich jetzt immer noch mehr wünscht als dieses. Ein Baby von Otto. Und als wüsste sie von den Träumen die Otto und Wallingford seit einiger Zeit plagen, beginnt sie sofort sich zu entkleiden und bevor Wallingford überhaupt realisieren kann wie ihm geschieht, arbeiten de beiden im Untersuchungsraum von Dr.Zajac an der Schwangerschaft von Doris Clausen.
Und genau wie in dem von der mysteriösen Pille ausgelösten Traum erlebt Patrick Wallingford den besten Sex seines Lebens und später wird er erkennen dass der Traum kein Gespinst war, sondern ein Blick in die Zukunft.
Eine Zukunft mit Doris Clausen.
Für Wallingford beginnt nun eine Zeit des Hoffens: jede Minute die ihm Doris Clausen, oder besser seiner Hand, oder noch besser: Ottos Hand gewährt ist ihm kostbar, und er hofft, dass auch sie irgendwann ihn, ihn Patrick Wallingford lieben wird.
Es ist eine Liebe ohne jeglichen Egoismus, die Wallingford für Doris empfindet, und er ist genügsam und geduldig, auch wenn Doris von Anfang an freundlich aber bestimmt deutlich macht, dass es Ottos ist, den sie liebt, und Ottos Hand.
Und so wartet Walingford. Und auch als dann der kleine Otto geboren wird und Wallingford sofort seine Liebe zu dem kleinen Wesen spürt, stellt er keine Ansprüche. Er geniesst jede Minute die ihm Doris mit sich oder dem Kleinen gewährt, umso mehr nachdem ein Jahr nach der Operation, nach Ottos Geburt, die Hand doch noch von Wallingfords Körper abgestossen wird. So als hätte Ottos Hand nun endlich das Baby, die Hand, die oft ein Eigenleben zu führen schien und Dinge empfand die sie eigentlich nicht hätte spüren können, braucht Wallingford nicht mehr. Aber er braucht Doris und ist froh, dass sie ihm verspricht, sie besuchen zu dürfen, ab und zu, und auch den kleinen Otto. Und so grüßt er die beiden jeden Abend zum Abschluss seiner Sendung, denn zumindest beruflich geht es mit ihm bergauf, seit dem zweiten Verlust seiner Hand und durch die emotionale und charakterliche Transformation die er durch die Liebe zu Doris erfahren hat strahlt er nun mehr Empathie aus und er kann über die unsäglichen Katastrophen berichten ohne Abscheu sondern Mitgefühl bei den Zuschauern zu erwecken.
Und auch ein anderer findet endlich die Liebe seines Lebens: Dr. Zajac entdeckt beim Joggen am Morgen vor der großen Operation völlig entkräftigt und dehydriert, wie sehr er die inzwischen sportfanatische Irma begehrt und gar liebt und hier kommt wieder das große Talent John Irvings zu Tragen, auf kurzem Raum eine wundervolle Liebesgeschichte zu erzählen, ohne Pathos und Kitsch, mit viel Witz und hinreissender Aufmerksamkeit.
Dr. Zajac wird, wie Wallingford, ebenfalls grundlegend verändert. Aus dem verschrobenen, dürren und lebensunfrohen Karrierechirurg wird ein absoluter Familienmensch, von Sex mit seiner wunderbaren Frau verwöhnt, locker und sich auf die gemeinsamen Zwillinge und mehr Zeit mit Rudy freuend.
Und so tritt er auch beruflich immer mehr zurück, protegiert seinen besten Studenten an der Uni und entwickelt zuhause am Küchentisch Arm und Handprothesen die Wallingford geduldig testet und werbefördernd in seinen Abendsendungen trägt.
Während er auf Einladungen nach Wisconsin zu Doris wartet gibt Wallingford, der ein zu guter Kerl ist um Frauen ihre noch so vereinnahmenden Wünsche abzuschlagen, den oft aggressiven Forderungen seiner Redaktions-Kollegin Mary nach, ihr ein Kind zu machen und überlegt während des Aktes und im Anschluss laut, ob es nicht das beste wäre, sich tatsächlich feuern zu lassen und Doris Clausen einen Heiratsantrag zu machen.
Denn beruflich wagt sich Wallingford mit seiner neuen moralischen Stärke immer mehr aus dem Fenster, sein Abscheu den pervers nach Leid und Unglück gierenden Medien wird nun auch vor der Kamera oft deutlich und auch wenn die Zuschauer dies begrüßen, seine Vorgesetzten fühlen sich mehr und mehr ans Bein gepinkelt.
Und die ambitionierte Mary plant nicht nur ihr Baby mit Hilfe von Wallingford, die baut auch ihre zukünftige Karriere auf Wallingfords Unwillen auf, noch lange den Job als Fernsehreporter zur besten Sendezeit zu machen. Und darüber hinaus gefällt ihr auch sein geräumiges Appartement, wie geschaffen für eine Frau mit Kind. Und Wallingford, der nicht im geringsten dumm ist und sie und ihre Pläne sofort durchschaut, sieht keinen Grund ihr Steine in den Weg zu legen oder eigene Pläne zu forcieren. Das einzige was er sucht, ist sein Glück mit Doris und dem kleinen Otto, bescheiden aber zufrieden in Wisconsin.
Also spielt Wallingford die Rolle die er oft spielt, vielleicht aus Bequemlichkeit: den naiven, gutmütigen Frauenschwarm. Er lässt sich bereitwillig auf Mary und ihre Intrigen (die ohnehin die Politik in der Redaktin beherrschen) ein und Mary bekommt was sie will und er hat seine Ruhe.
Und dann wird der "neue" Wallingford ein klein wenig rückfällig, er gibt seinem Verlangen nach der jungen und erfrischend ehrlichen Stylistin Angie nach, unsicher über den Ausgang dieses Abenteuers und sich des Risikos, was dies für seinen Weg nach Wisconsin bedeuten könnte immerhin bewusst.
Als er dann aber kurze Zeit später mit Doris und den kleinen Otto das Wochenende im Bootshaus der Familie verbringt, muss er feststellen, dass seine Erklärungen warum er Mary den Wunsch eines Babys erfüllt und mit der Stylistin geschlafen hat, bei Doris nicht so gut ankommen. Auch nicht in Kombination mit seiner Liebeserklärung und seinem Heiratsantrag,
Aber Wallingford verzagt nicht, er ist so von Liebe zu Doris erfüllt, dass er alle Geduld und Hoffnung auf ein Zeichen ihrer Zuneigung aufbringt. Er liest den beiden aus Stuart Little (hier merkt man dass Irving ein Faible für E.B. White hat) vor und macht sich mich viel Aufmerksamkeit und Liebe seinen Aufgaben als Vater vertraut, reizende Szenen in denen der kleine Otto Wallingfords Bananen-Cerealien-Mischung genüsslich über seinem Hemdchen verteilt.
Wallingford überlegt, so wie Doris auch das Buch "der englische Patient" zu lesen, wie sie seine Lieblingspassagen zu markieren um sich diese dann später vorzulesen, vielleicht mit dem Film zu vergleichen, sich so anzunähren. Hier merkt man besonders, was für ein guter Mann Wallingford trotz seiner Bettgeschichten eigentlich ist, er hat in Doris Clausen die Liebe gefunden, auch die Liebe zu sich selber und er weiß dass sie und ein Leben mit ihr alles ist was er sich wünscht.
Und er hat Glück. Nachdem Doris so ziemlich alles von ihm weiß, kommt es zu einer gemeinsamen Nacht miteinander, nicht mehr nur nebeneinander und Wallingford verspricht, von nun an ein monogames Leben zu führen.
Und dann erklärt Doris Clausen Patrick wallingford, dass die fehlende Hand von nun an ihr gehört, seine "vierte Hand": er ist mit zweien auf die Welt gekommen, hat eine verloren und dann auch noch die ihm von Otto gespendete dritte. Was bleibt ist die vierte Hand, die es tatsächlich vermag, Doris zu spüren.
Zurück in New York bereitet Wallingford dann seinen Abschied vom Katastrophensender vor. Er schreibt Bewerbungen und Vorschläge für Nachrichtenmagazine (richtige Nachrichten, keine Sensationen) an Sender und sogar Universitäten mit dem Vorschlag um ein paar zu gebende Seminare. Alles nicht weit von Wisconsin und Green Bay entfernt.
Und dann, bevor er einer weiteren Einladung von Doris nach Green Bay folgt, zu DEM wichtigen Footballspiel der Saison!), kommt auch die für ihn doch irgendwie gute Nachricht, dass Mary doch nicht schwanger ist. Der kleine Otto bleibt erst mal sein einziges Kind dem er seine ganze Vaterliebe schenken kann.
Und als er dann ausgerechnet am Tag des großen Spiels eine Unglücksreportage machen soll, ist Wallingford überglücklich, gefeuert zu werden.
Sein Glück wird aber, einmal im Stadion, noch mehr gesteigert, die gesamte Familie von Doris, oder besser die große Familie ihres verstorbenen Mannes, ist in voller Fan-Montur im Stadion versammelt und freut sich für Wallingford. Und für Doris, denn natürlich hat sich diese für ihn entschieden.
Was hier vielleicht schnulzig oder trivial klingt, ist alles andere als das. Es ist eine ungewöhnliche, originelle Liebesgeschichte, eben ohne jeglichen Kitsch, wie von John Irving auch nicht anders zu erwarten.
Es gibt anrührende Gefühle (vor allem in Wallingfords Gedanken und Überlegungen) aber kein verfloskeltes Süßholzgeraspel.
Es ist nicht vorhersehbar, nie und darum so besonders.
Die Details erzählen Bilder, die Art wie die Charaktere miteinannder umgehen macht diese Geschichte so besonders.
Was aber dieses Buch ganz besonders macht, ist nicht die abenteuerliche Liebesgeschichte, es sind, wie bei allen John irving Büchern die Charaktere.
Ich finde dass es kaum einer so gut vermag wie er, Romanfiguren zum Leben zu erwecken und zu spleenigen, aber echten Menschen über die erzählt wird zu machen.
Es gibt keine Nebenfigur die nicht liebevoll ausgearbeitet und vorgestellt wird, ausgestattet mit ganz eigenen charakteristischen Merkmalen und Eigenheiten.
Es macht unglaublichen Spaß und Freude, die jeweiligen Geschichten der einzelnen Charaktere zu lesen, Lebensgeschichten die zusammen kommen um gemeinsam DIE Geschichte des Romans zu erleben, es macht Spaß mehr zu erfahren über die Figuren, über ihre Vergangenheit und ihre Eigenschaften.
Man gewinnt den eigenbrötlerischen Dr.Zajac sofort lieb, man bewundert die Liebesgeschichte von Doris zu ihrem Mann Otto, voller Mitgefühl für die ausbleibende Schwangerschaft der beiden, man staunt angesichts des Charakters von Doris, so bestimmt und voller Liebe, man kann nicht anders als Sympathie für Patrick Wallingford zu empfinden, den lieben, unbeholfenen Charmeur ohne böse Absichten.
John Irving macht jede Figur die er einführt lebendig und somit kostbar und jede Seite atmet genau das aus: Leben. Und mit diesem die Komplikationen und Verbindungen die sich daraus erben, absurde Situationen und tragisch-komische Momente. Gefühlvolle Gesten und gekonnte Dialoge.
Und dann die kleine en passant eingestreuten Ereignisse (wie z.B. kurz erwähnt wird warum Wallingford mit den Prothesen nicht zurecht kommt: eine wurde beim Verlassen eines Taxis in der Tür eingeklemmt und mehrere Blocks weit mitgeschleift) die auf jeder Seite einen Schmunzler oder gar Lacher lauern lassen.
Um den Leser dann plötzlich auf etwas abruptes, tragisches stoßen zu lassen, das Lachen bleibt im Hals stecken, macht betroffen.
Und lässt diese Betroffenheit dann wieder sanft von etwas komischen ablösen, ohne harte Brüche: es ist nie ein schnulziges Drama zu erwarten aber auch keine triviale Leichtigkeit.
Es ist ein verdammt komisches Buch, Komik die nie platt ist, es ist ein Buch voller skurriler Ereignisse die unglaublich erscheinen aber so möglich sein können dass es nie in absurdes Buch ist.
Es ist ein Buch in dem viele John Irving Elemente auftachen, das sich aber deutlich von den alten Werken, wie Owen Meany, Garp, dem Hotel New Hampshire oder anderen älteren Romanen abhebt.
Eine ganz großer Unterschied zu den älteren Werken ist hier wohl dass ein sonst so wichtiger Aspekt der John Irving Romane fehlt: das oder die tragischen, plötzlich geschehenden Ereignisse, unvorhersehbare Katastrophen die das Innere der Menschen erschüttern, Löcher in Familien reissen die erst mühsam und zeitaufwendig geflickt werden müssen.
Ich mag die Kombination von Tragik und Freude, Glück und Verlust bei John Irving aber ich fand es auch sehr schön, ein Buch von ihm zu lesen wo es mir an keiner Stelle das Herz vor Mitgefühl zerrissen hat.
Eine Liebesgeschichte mit Happy End und ohne Einschränkung darum, aber eine ganz und gar untypische und originelle. eine Liebesgeschichte die bestimmt auch Männer sehr, sehr mögen werden!
;o)
Détails sur le produit
* Poche: 400 pages
* Editeur : Seuil (14 mai 2003)
* Collection : Points
* Langue : Français
* ISBN-10: 2020604175
* ISBN-13: 978-2020604178





