Freitag, 8. August 2008

Le meunier hurlant von Arto Paasilinna


Und wieder ein neues Buch von Arto Paasilinna, das einen weit weg in die Wälder Finnlands verschlägt und einen mit finnischen Sonderlingen bekannt macht.

Diesmal ist die Hauptperson der aus dem Süden zugezogene Gunnar Huttunen, der abseits eines kleinen Dorfes die Ruine einer alten Wassermühle kauft und sie mit seinen handwerklichen Kenntnissen tadellos in Schuss setzt.
Von nun an könnte er erfolgreich das Getreide der Dorfbewohner mahlen und sie mit gesägtem Birkenholz versorgen.
Wenn er nicht die für die engstirnigen Dorfbewohner unerträgliche Angewohnheit hätte, in depressive Phasen zu verfallen, wie ein Wolf im Wald zu heulen und ihnen mit seinen imposanten Erscheinung Angst zu machen oder sie in guten Phasen zu imitieren und der Lächerlichkeit preis zu geben.

Man kommt überein dass der Müller ein wilder Verrückter ist und eingesperrt gehört.
Nur die wunderhübsche Landwirtschaftsberaterin Sanelma Käyrämö scheint auf seiner Seite zu sein, sie verliebt sich vom ersten Moment in den wilden Wirren und dieser zum Glück auch in sie.
Doch das Glück mit Mühle und frisch angelegtem Gemüsegarten hält nicht lange, Huttunen stösst immer wieder an und nachdem er nach dem versehentlichen Schlucken einer großen Menge Antidepressiva im Dorf quasi Amok gelaufen ist, wird er zwangseingewiesen.

In der Anstalt hört man dem Sonderling der mitnichten verrückt ist, nicht zu, diagnostiziert einfach mal ein Nachkriegstrauma und will ihn am liebsten ganz, ganz lange dort behalten.
Der arme Gunnar Huttunen dreht fast durch, er ist ein Naturmensch, braucht seine Freiheit und würde lieber sterben als noch länger von den unfreundlichen Krankenpflegern und dem inkompetenten Doktor malträtiert zu werden.
Und so nutzt er den Schlüssel eines Mitpatienten und flüchtet.

Zurück an seiner Mühle muss er feststellen dass diese quasi leergeräumt ist. Huttunen flüchtet mit ein paar Habseligkeiten in die Wälder, baut sich dort eine neue Bleibe, angelt und jagt, richtet sich ein und freut sich auf die Besuche seiner Liebsten.

Doch auch hier wird er nicht in Ruhe gelassen, die aufgebrachten Dorfbewohner stöbern sein Versteck auf und zerstören es, der arme Huttunen muss wieder und weiter flüchten und wie ein Tier das in die Enge getrieben wird will er sich zur Wehr setzen und gibt sich der Unvernunft hin.
Denn da er unter Vormundschaft des Dorfes steht, will die Bank sein Geld nicht in die Obhut von Huttunen geben und so besorgt sich Huttunen erst beim Dorfarzt ein paar nützliche Werkzeuge und eine Flinte um dann die Öffnungszeiten der Bank abzuwarten um sein Geld mit Nachdruck und einer Flinte unter dem Arm zu reklamieren.

Und nun ist aus dem als Verrückten verschrienen und deshalb gesuchten Huttunen ein wahrhafter Verbrecher geworden, ohne Absicht wurde der arme Huttunen in diese Position mit dem Rücken zur Wand gedrängt und man hofft beim Lesen, dass ein Raumschiff kommen mag u ihn und seine Liebste ganz weit fort zu bringen.

Aber UFOs gibt es nicht bei Paasilinna, dafür aber andere Heimlichtuer, die dann meist mit schwarz gebranntem Schnaps zu tun haben.
Und so gesellt sich der Postbote Piittisjärvi zu Huttunen, der von der Jagd nach letzterem aufgeschreckt mit seinem Distillier-Equipment einen neuen Platz suchen musste und so Huttunen gefunden hat.

Gemeinsam machen sich die beiden Durstigen an die Herstellung von starken Fusel und gehen einen Handel ein, während der alkoholabhängige Briefträger die Post austrägt, kümmert sich Huttunen um den Schnaps und bekommt im Gegenzug dazu Gelegenheit, endlich wieder in Kontakt mit Sanelma zu treten.

Diese ist zunächst begeistert, gesteht Huttunen ihre Liebe und schlägt ihm vor, sich mit Fernunterricht weiterzubilden um ihnen beiden so bald, wenn er seine Mühle verkauft hätte, ein behagliches Leben in der Fremde zu ermöglichen. Huttunen macht sich voller Enthusiasmus an all die lehrreichen Bücher, findet Gefallen und freut sich.
Und auch der alte Mitpatient Happola taucht auf, bereit, Huttunen seine Mühle abzukaufen. Was auch Zeit wird, denn nachdem Huttunen vom Kirchturm aus heimlich einem Sport-Tunier zuschauen wollte und in dessen Verlauf einen jungen Mann fesseln musste, wird er vom Präfekten der Region ebenfalls als großer Störenfried betrachtet.
Und leider bringt die Nachricht, dass er quasi enteignet wurde und die Mühle nun von der Stadt verwaltet wird, das Fass zum Überlaufen.
Huttunen überlegt kurz diese selbst anzuzünden will dann aber lieber das ganze Dorf einäschern und beschränkt sich letzten Endes auf die neue Kirche, einen protzigen Neubau der die schöne alte Kirche überflüssig gemacht hat.

Hier hat Huttunen eine kurze, weise Unterhaltung mit Jesus, der ihm sein o.k. gibt und versichert, dass er ihn mitnichten für irre hält aber jeder sein Kreuz im Leben zu tragen hat.
Und dass ihm die neue Kirche auch nicht gefällt.

Huttunnen zündelt also, flüchtet vor aller Augen aus der qualmenden Kirche und wird fortan von den frisch eingetroffenen militärischen Sondereinheiten samt deutscher Schäferhunde gesucht.
Und wieder bittet man als Leser um ein UFO...

Das Buch ist vielleicht nicht gaaaaanz so grandios wie die anderen Bücher, die ich von Arto Paasilinna bisher gelesen hab, was aber wohl nur an der nicht ganz so unbeschwerten Geschichte und dem Schicksal von Gunnar Huttunen liegt.
Diesmal sind die im Buch vorkommenden Finnen nicht durchweg kauzig aber verständnisvoll, diesmal hat man es mit engstirnigen Egoisten zu tun.
Und es ist traurig, mit anzusehen wie der gutherzige Huttunen wie ein tapsiger Bär zur Bestie stilisiert wird um sich ihm, dem Sonderling zu entledigen.
Aber auch hier finden sich Freundschaften und Natur zu Hauf, lustige Namen und feine Dialoge, Situationskomik und feiner Humor. ein Buch dass man schnell liest und dabei immer wieder bemerkt, wie toll dieser Autor ist!!




Détails sur le produit

* Poche: 277 pages
* Editeur : Gallimard (15 février 1994)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070388484
* ISBN-13: 978-2070388486