Freitag, 22. August 2008

Brooklyn follies von Paul Auster


Oh je, wie konnte ich Paul Auster so lange übersehen? Ich habe vor Jahren ein Buch von ihm gelesen, mit Geschichten aus Amerika das mir ausserordentlich gut gefallen hat aber trotzdem hab ich ihn aus den Augen verloren. Aber das wird mir nach der Lektüre von "Brooklyn follies" nicht mehr passieren.

Und ich glaube, dass ich nachdem ich nun so ziemlich alle Bücher meiner Lieblingsautoren John Irving, Eric-Emmanuell Schmitt, Francois Lelord und einiger anderer durch habe und auch ein wenig Abwechslung neben Arto Paasilinna herrschen muss, werde ich Paul Auster zu einem neuen regelmäßigen Bewohner meines Zu-lesen-Stapels machen.
Manchmal tut es so gut, in etwa zu wissen was einen zwischen zwei Buchrücken erwartet.

Und ich denke, dass ich bei Paul Auster das finden werde was ich sehr schätze: fesselnde aber nicht hahnebüchene Geschichten, gute Unterhaltung die zum Nachdenken anregt und zum Schmunzeln bringt, eine ungekünstelte aber ausgefeilte Sprache die niemals platt ist und das Gefühl, etwas Echtes zu erleben.

All das habe ich in den Broklyn follies gefunden, auch wenn man nach dem Lesen anmerken kann, dass alles wohl zu gut endet um wahr zu sein. Aber auch das habe ich sehr, sehr gerne, dass das Lese eines Buches einen nicht trist und traurig zurück lässt, etwas deprimiert über das Unglück Anderer, und seien sie noch so fiktiv.

Ein Roman ist nun mal ein Roman und keine Chronik des Lebens, denn die Geschichten im wahren Leben enden nicht, es geht immer weiter und nach Beenden eines Buches möchte ich zumindest die mir oft so lieb gewordenen Charaktere irgendwie gut aufgehoben wissen.

Und in diesem Buch ist ja nicht alles eitel Sonnenschein. Es passieren Dinge die schlimm sind, Dinge die Menschen verletzten, ihnen unglaublich weh tun und schwer zu ertragen sind. Aber sie werden ertragen und es zeigt sich, dass an dem alten Spruch dass auf Regen auch Sonnenschein folgt etwas dran ist.
Und da finde ich auch eine meiner liebsten Lebensphilosophien wieder, nämlich dass man Regen erleben mUSS um den Sonnenschein überhaupt als etwas wunderbares ansehen zu können.

Und ausserdem ist es ja eigentlich kein Happy End, sondern ein Hinweis darauf, dass auch das schönste Glück von einer Sekunde auf die andere wie ein Kartenhaus, fast wörtlich, zusammenstürzen kann...

In den Brooklyn follies erzählt der Protagonist Natahaniel Glass, ein desillusionierter, sich selbst als zynisch beschreibender Mann über Fünfzig was ihm nach der erfolgreichen Bekämpfung seines Lungenkrebses, der tristen Scheidung von seiner Frau und der Abwendung seiner einzigen Tochrer in seinem neuen unspektakulären Single-Leben als Frührentner in Brooklyn so widerfährt.
Eigentlich wollte er ja nichts weiter, als sein Leben dort zu beenden, aber wie es das Leben so will, lässt es einen nicht so leicht los.

Der Leser merkt schnell, dass Nath, wie er genannt wird, mitnichten der Griesgram und Menschenfeind ist den er in sich selbst zu sehen glaubt.
Schon sehr früh, bei seiner Begegnung mit seinem aus den Augen verlorenen und sich nicht gerade zu seinem Vorteil entwickelten Neffen Tom merkt man dass Nath es gut meint. Dass er sich um andere sorgt und Anteil nimmt an deren Schicksal und dass er gerne sein bestes gibt, um dieses zum Besten zu wenden.

Und so wird der Leser hinein gezogen in einen wunderschönen Roman über verschiedene Leben die sich im unmittelbaren Umfeld Nathans abspielen und wie in einem wunderschönen Film werden mit viel Liebe Charaktere eingeführt und vorgestellt und wie in einem John Irving Roman gewinnt der Leser diese sofort lieb und fragt sich warum das so ist, angesichts der knappen Worte die ihnen zur Beschreibung zur Verfügung stehen. Auster lässt seine Charaktere Geschichten erzählen, ihre Geschichten und man lernt nicht nur über ihre Leben, sondern auch einiges en passsant über diejenigen berühmter Schriftsteller.

Nathan, der ehemalige Versicherungsagent macht es sich zur Aufgabe , ein Buch über die Verfehlungen und Missgeschickte anderer Menschen und auch seiner eigenen Personen zu verfassen und nebenbei entdeckt er, wie gut es ist, sich mit anderen zusammen zu tun und deren Wohlergehen zum Wohle des eigenen zu fördern.

Er schafft es, dem zum übergewichtig gewordenen, antriebslos und desillusioniert gewordenen Neffen Tom weder eine Perspektive zu geben und ihn auf den richtigen Weg zu bringen und auch was Frauen betrifft ein wenig in die richtige Richtung zu schubsen. Gemeinsam mit ihm und dem ehemaligen Betrüger und ebenfalls vom Leben mehr als enttäuschten Buchhändler Harry liefert er sich nicht nur den Leser erhellende und erheiternde Dialoge, die drei finden auch wieder zur Freude am Leben und zum Schmieden von Plänen zurück.

Man redet über Träume, wie diese aus den Augen gekommen sind und ob es nicht möglich ist, sie wieder zurück zu gewinnen.
Und dann taucht die kleine Lucy auf, Toms neunjährige Nichte und Tochter der Rebellin Aurora, deren Leben immer alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen ist und deren Schicksal erst einmal ein beunruhigendes Geheimnis bleibt. Denn Lucy redet nicht über ihre Mutter und nicht nur Nath muss sich plötzlich mit einer merkwürdigen Vaterrolle auseinandersetzen.

Frauen treten in das Leben der Protagonisten, werden ebenso zu facettenreichen Chharakteren mit Leben und Geschichten, Schicksalen und Qualitäten. Und Ntahan schafft es, Aurora wieder zu finden und zurück in seinen Mikrokosmos in New York zu holen wo er all seine wieder gefunden und neu entdeckten Lieben versammelt und unbewusst deren Wohlergehen forciert.
Ein Leben in einem Stadtteil, geografisch begrenzt und doch so vielseitig und voller Erlebnisse und Erfahrungen die die Bewohner zu kostbaren Menschen macht.

Und Nathan erkennt sukzessive den Wert und die spannende Brillianz eines jeden Lebens und fasst am Ende ein liebenswertes Projekt ins Auge: an Stelle der menschlichen Missgeschicke und Tragödien möchte er nun die Biografien all der unbekannten Menschen verfassen, die neben uns und mit uns Leben, jeder ist es Wert dass seine Geschichte anderen bekannt gemacht und von der Vergessenheit bewahrt wird.

Biografien für Jedermann. Ein Projekt das heute schon zuhauf in unserer Realität funktioniert.

Nathan Glass und sein Kleinuniversum in New York werden zu einem Kaleidoskop an facettenreichen Individuen und ihren Geschichten.
Man hängt Träumen nach, versucht sie zu konkretisieren und lässt sich vom Leben an sich ablenke.
Man liesst und liesst und wird immer tiefer hinein gezogen in diese wunderschöne Erzählung aus dem Leben in de ein paar Menschen ihre Leben leben, man sieht mit Begeisterung wie sich Pfade kreuzen, wie sich Seelen finden, wie sich mit gutem Willen und guten Intentionen Probleme lösen lassen, wie erträglich und gar schön das Leben sein kann wenn andere für einen eintreten.
Ein Buch das gut tut.
Ein Buch das lebt, weil die Personen darin so echt und liebenswert erscheinen dass deren Schicksal das Herz berührt.
Kein Kitsch aber viele schöne Momente. Kleine und große Tragödien aber keine deprimierenden Anflüge.
Das Leben ist mal so, mal so, aber wenn man zusammen hält, lässt es einen nicht im Stich.
Oder dann wenn man es nicht erwartet, wenn alles läuft wie am Schnürchen...

Ich jedenfalls werde mich hüten, Paul Auster ein weiteres mal aus den Augen zu verlieren!


Détails sur le produit

* Broché: 376 pages
* Editeur : LGF (14 mars 2008)
* Collection : Le Livre de Poche
* Langue : Français
* ISBN-10: 2253118559
* ISBN-13: 978-2253118558

Freitag, 8. August 2008

La cavale du géomètre von Arto Paasilinna


Das ist jetzt mein viertes oder fünftes Buch von Arto Paasilinna und meine Vermutung die sich in mir schon beim ersten Buch entwickelte, dass dieser Autor einen ganz, ganz festen Platz in meinem Herzen und in meinem Bücherregal bekommen würde, hat sich, natürlich, wieder einmal bestätigt.

Ich habe zwei ganz wundervolle Tage in Finnland Dank ihm verbracht und dabei wieder einmal gemerkt, dass es im Leben nicht viel braucht um so richtig glücklich zu sein.
Denn auch in diesem Buch dass in der finnischen Einöde spielt und mit kauzigen Finnen bevölkert ist, wird deutlich dass all unsere in hedonistischer Hoffnung auf Zufriedenheit und gekauftes Glück angehäuften Konsumgüter, Luxusartikel und Schnickschnack nichts taugen, genauso wenig wie ein volles Adressbuch mit so genannten Freunden um uns wahrhaft glücklich zu fühlen.
Nein, dazu bedarf es viel weniger, oder besser viel mehr:
ein paar liebe Menschen, die vielleicht nicht viele Worte verlieren aber auch nicht viele Fragen stellen, die erzählen lassen und zuhören und sich wahrhaft um den anderen Sorgen und Kümmern und dabei nicht einmal auf den Gedanken kommen, dass dies unbequem sein könnte. Zumindest plagt sie dieser Gedanke nicht lange.

So einer ist Seppo Sorjonen, Taxifahrer und in einer glücklichen Beziehung zu einer süßen, humpelnden Finnin mit verkürztem Bein.
Sein beschauliches Leben ändert sich, als er fast den betagten Taavetti Rytkönen über den Haufen fährt, der deutlich verwirrt vor einer Bank auf der Strasse steht und vergeblich versucht, sich einen Krawattenknoten zu binden.
Er Steigt in Seppo Sorjonens Taxi und bittet diesen, einfach los zu fahren, egal wo hin, nur einfach weg.
Denn Taavetti Rytkönen kann sich gar nicht erinnern wer er ist, was er hier tut, und warum all das Geld in seinen Taschen steckt. Nein, kein Banküberfall. Er hat das Geld abgehoben. Seinen ganzen in einem langen Leben voller gut dotierter Arbeit angesammelten Reichtum auf einmal. Und es sofort vergessen.
Denn schnell wird nicht nur Sorjonen klar, dass der Alte an Demenz leidet.
Dinge in der Vergangenheit sind oft bis ins Detail präsent, aber was gestern war muss von Sorjonen immer wieder neu erklärt werden. Zum Glück hat der Alte schnell Vertrauen zu dem freundlichen Taxifahrer gefasst und so stellt das alles kein Problem dar.

So wie für Seppo Sorjonen kaum etwas ein Problem zu sein scheint. Geduldig fährt er den Alten durch Südfinnland, übernachtet mit ihm in Hotels, besucht Restaurants und lässt sich spannende Geschichten aus dem Krieg erzählen, Geschichten voller Panzer und guter Kameradschaft.
Seppo Sorjonen übernimmt schnell und gerne die Verantwortung für den alten Kauz, er lässt sich bereitwillig kündigen und von seinen Aufgaben als Taxifahrer entbinden, leiht ein Auto und begleitet den alten Mann auf den Spuren seiner Vergangenheit, die sich Dank Sorjonen immer mehr erhellen.
Taavetti Rytkönen hat genug Geld um alle Ausgaben mit Freude zu tragen und für die beiden beginnt ein Paasilinna typischer Roadtrip.

So kommen sie über Umwege zu dem alten Kriegkameraden, der ernüchtert und von der harten Feld- und Forstarbeit auf seinem Stück Sumpfland in der Einöde zermürbt einen bizarren Entschluss gefasst hat. Gemeinsam mit seiner Frau, und nun auch mit Taavetti Rytkönens Hilfe, will er dem finnischen Staat ein Schnippchen schlagen und das ganze Terrain in Schutt und Asche legen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Und während der Aufpasser Seppo Sorjonen einen Kurztrip nach Hause nach Helsinki macht um schnell und mit viel Liebe seine Freundin um ihre Hand zu bitten und mit ihr schon einmal Verlobung zu feiern, verwandeln die Alten Käuze mit sehr viel Spaß und noch mehr Dynamit das ganze Anwesen von Heikki Mäkitalo in ein Schlachtfeld voller Überflutungen, verbrannter Erde und umgestürzter Erde. Ein Heidenspaß der eine ganze Woche in Anspruch nimmt.

Leider gibt es am Ende, bei der Rettung einer Katze von einem Strommast einen kleinen Unfall, Heikki Mäkitalo bricht sich das Bein und ist erst mal an das Krankenbett gefesselt.
Seppo Sorjonen und Taavetti Rytkönen steigen im Hotel ab und lernen dort zwei Albaner kennen die in Finnland Hotels untersuchen um später in der Heimat ähnliche Etablissements zu bauen. Schnell freundet man sich an, nimmt begierig an den Erfahrungen des alten Landvermessers Taavetti Rytkönen teil und verbringt mit viel Wodka lustige Abende.

Und als der immer noch ans Bett gefesselte Heikki Mäkitalo seinen alten Kameraden bittet, für ihn die zehn Stiere abzuschiessen, die er vor der Verwüstung temporär in die Freiheit entlassen aber mit Peilsendern ausgestattet hat, damit diese nicht im Winter jämmerlich erfrieren müssen, sagen die vier begeistert zu. Und so startet eine lustige Expedition von vier gut gelaunten Männern, schlägt ihr Lager in der Einöde auf und macht sich auf die Suche nach den glücklich durch die Pampa streunenden Stieren (aus deren Sicht ganz wunderbar ein paar Seiten beschrieben werden!).

Zur gleichen Zeit campieren nicht unweit zehn französische Vegetarierinnen (für die Froschschenkel aber nicht als Fleisch zählen...). Die jungen Damen mit Vorliebe für fremde Religionen testen jedes Jahr eine andere Destination und sich selber in ihrem Überlebensgeschick, je abweisender die Landschaft, desto besser.
Aber das es so schwer werden wird, sich von der finnischen Flora zu ernähren hätten sie nicht gedacht und so kommt es nach einigen für den Leser lustigen aber für die Damen unangenehmen Erfahrungen wie es kommen muss:
vom Duft der äusserst produktiven und aussergewöhnlich deliziösen Wurstfabrikation im Camp der vier fröhlich Stiere jagenden Männer angelockt, konvertieren die ausgemergelten Französinnen zum Fleischkonsum über und schon bald haben sich die zwei Lager zusammen getan und es wird gelacht, nackt gebadet und verdammt viel Wurst und bosnischer Eintopf gegessen.
Und natürlich nimmt auch Seppo Sorjonens Liebe zu seiner Verlobten ein Happy End, die Operation ihres verkürzten Beines verläuft tadellos, die Hochzeit wird fein und auch für den alten Heikki Mäkitalo und seine Frau geht die Demontage ihres eigenen Anwesens gut aus und ein ruhiger Lebensabschnitt ohne Farmarbeit und Entbehrungen kann im Schoße der Zivilisation erfolgen.


Das Buch ist einfach nur wunderbar. Voller grandios komischer Situationen, wie der als der alte Taavetti Rytkönen nach einem nächtlichen Fußballturnier nackt morgens im Dorfbrunnen steht, mit wie viel infantiler Freunde und erfahrenen Präzision die drei Alten eine ganze Landschaft in die Luft jagen, wie die Peilsignale der durch die Natur irrenden Stiere die Frequenzen des Kirchenradios und einer satanischen Rockband stört, mit welcher Bewunderung die vom Staat zur Begutachtung der Schäden abgeordneten Experten das Werk Heikki Mäkitalos betrachten und ihm, weil er dem Staat Finnland nicht nur Folgekosten erspart sondern auch eine unbezahlbare Ausgangslage für eine vorbildliche Renaturierung geboten hat. Wie eine der Vegetarierinnen heimlich ihre körperlichen Dienste gegen Zuchttomaten tauscht und und und.

Und dazu das so behutsam angegangene Thema der Altersdemenz, dieser respektvolle Umgang damit. Man wünscht sich, selbst so in ähnlichen Situationen zu reagieren wie Seppo Sorjonen es tut.
Und natürlich das gelungene Hineinversetzen in den alten Taavetti Rytkönen. Auch wenn es vielleicht verharmlost wie schlimm es für Betroffene meist selbst ist, zu erkennen das das Gedächtnis und das eigene Leben zu etwas fremden wird.
Dieser Roman möchte aber unterhalten, eine fröhliche Stimmung hervorrufen. Zum besseren Hineinversetzen würde ich Jonathan Franzens "Korrekturen" oder "A Spot of Bother" empfehlen, letzteres glaub ich unten vorgestellt und auch sehr lustig.

Das alles wird so wunderbar in einem Fluss erzählt, in einer für Arto Paasilinna so unnachahmlich tollen Sprache: ruhig, schlicht aber nicht einfach, ausgefeilt und ungekünstelt. Das Buch liest sich so, wie man einen guten Film anschaut nachdem man am Ende glücklich einschläft. Weil alles so schön sein kann wenn es einfach ist.
Wenn das Leben um Stress, Großstadtprobleme, Hektik und Schnickschnack reduziert wird. Wenn Freundschaft und ein wenig Alkohol in der einsamen aber wunderschönen Natur Finnlands genügen um sich vollkommen glücklich und frei zu fühlen.
Wenn nicht ständig alles hinterfragt wird, wenn man die Dinge und Menschen nimmt wie sie kommen, wenn man kauzige Eigenarten als Bereicherung hinnimmt und wenn Regeln nur dann eingehalten werden müssen, wenn sie einen Sinn ergeben.
Ich liebe Arto Paasilinna, weil mich seine Bücher jedes mal zum Lachen bringen und glücklich machen, weil sie mich gut unterhalten und mir in ihrer Einfachheit zeigen dass das Wesentliche aus nicht viel besteht.
Ich liebe seine Sprache und die sprudelnde Phantasie, mit der er seine liebenswerten Charaktere erschafft und die komischen Situationen in die diese hinein geraten.
Und ich liebe es, dass nie etwas böses geschieht. Etwas wirklich, wirklich schlimmes, was Menschen innerlich wie äusserlich zerstört.
Unfälle und Malheure werden mit Gleichmut ertragen, man macht immer das beste aus seiner Situation und, was ich besonders schön finde, man beklagt sich nicht. Man schimpft wie ein Rohrspatz, aber jammerndes Selbstmitleid scheint ihm fremd zu sein.
Das tut so gut.
Gut, dass ich noch zwei weitere ungelesene Bücher von ihm auf meinem Nachtschrank habe! Und bald wieder nach Finnland reisen kann, mit seinen kauzigen Finnen mit lustigen finnischen Namen und finnischen Eigenarten.
:o)


Détails sur le produit

* Poche: 267 pages
* Editeur : Gallimard (15 juin 2000)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070414256
* ISBN-13: 978-2070414253

Pulp von Charles Bukowski


Mein erstes Buch von Charles Bukowski und ich weiß nicht, ob ich bereit bin für ein weiteres. Nicht dass ich mich während des Lesens nicht gut unterhalten gefühlt habe, nein, es war kurzweilig und..anders.
Aber leider auch sehr vulgär. Und das mag ich eigentlich nicht so. Und darüber hinaus sehr negativ, ernüchtert, pessimistisch. Und deshalb lese ich ja auch Hollebeque und manchmal auch Beigbeder nicht so gerne. Oder Philipp Dijan.
Doofe Einstellung vielleicht, aber es ist meine.

Trotzdem ist dieses kein schlechte Buch. Vor allem wenn man gerne in kurzer Zeit ein Maximum an neuen Worten der Gossen-Sprache aufnehmen will, ist es eine Meisterleistung. Aber wie gesagt: mein Fall ist das nicht so.
Interessant ist aber die Story in Verknüpfung mit genau dieser Sprache, denn das muss man dem Buch lassen: es wird seinem Titel stilistisch wie auch inhaltlich gerecht.

Schon zu Beginn wird der Leser in eine amerikanische Detektivgeschichte billigster Sorte hineingezogen, wie man sie nur aus schlechten US-Filmen der 80er oder so kennt. Und diese Stimmung zu erreichen, ist Bukowski grandios gelungen.

Protagonist ist ein abgehalfteter Privatdetektiv unterster Kategorie: Alkohol und Spielsüchtig, nicht besonders ansehnlich, keinesfalls erfolgreich, verfolgt von Schuldigern, keinerlei Erfolg bei den Frauen (drei Scheidungen) aber ständig mit der Hand in der Hose.

Permanent am Abgrund, alleine und zynisch verbringt er seine Tage mit dem Aufklären mysteriöser und bizarr anmutender Jobs mit teilweise paranormaler Ausprägung, dem Konsum von Spirituosen und dem Philosophieren über den Sinn oder besser Unsinn des Lebens.
Und das in einer Sprache, die trotz ihrer Derbheit oder vielleicht auch gerade deswegen oft originell und fast vulgär-elaboriert klingt, wenn das kein Wiederspruch ist...

Nick Belane schlägt sich tapfer, meist im wahrsten Sinn des Wortes, bewegt sich zwischen seinem Bürostuhl, der nächsten Kneipe und seinem Käfer durch Hollywood, redet sich ein, ein guter Detektiv zu sein und galubt aber ohl selbst nicht daran.

Kein sympathischer Charakter, aber in seiner Loser-Rolle als harter Einzelgänger sehr gut gezeichnet. Das nächste Schimpfwort immer auf der Zunge und die Hand an seiner Luger 45 kämpft er sich durch seinen tristen Alltag und fragt sich, ob er langsam den Verstand verliert.

Sind die Aufträge, einen eigentlich schon seit Jahrzehnten tot geglaubten französischen Schriftsteller zu finden und seine Identität zu bestätigen, einen Bestatter von einem ausserirdischen Monster in äusserst verführerischer Optik zu befreien, eine Ehefrau des Betruges zu überführen und einen mysteriösen Vogel zu finden alle irgendwie miteinander verbunden und äusserst...bizarr.

Die Story ist ohne Patzer in der Stimmigkeit, auch wenn einiges abenteuerlich der Phantasie des Autors entsprungen ist.

Am Ende laufen die Fäden zusammen und Nick Belane löst auch seinen letzten Fall. Bzw. die Fälle lösen sich fast von selbst, irgendwie. Belane stolpert wie im ganzen Roman nur pöbeln und misanthropisch durch seinen Alltag, ernährt sich von Alkohol und beobachtet und kommentiert seine Umgebung mit scharfer, rauer aber intelligenter Zunge.

Das Buch ist wie ein dreckiger Film Noir, ein düsterer Detektiv-Schinken mit geschliffenen und scharfen Dialogen, einer Menge Humor und vielen Überraschungen. Schnell gibt man es auf, Dinge vorhersehen zu wollen und so kann man sich getrost von Bukowskis Einfällen überraschen lassen.

Das Buch ist anders als die Bücher die ich mir sonst so aussuche, aber ich bereue den Kauf keineswegs. Bukowski ist zu Recht ein beliebter Kult-Autor (was auch immer das heissen mag) und auch wenn ich ehr andere Schriftsteller bevorzuge so muss ich ihm doch sein Talent anerkennen.



Fiche détaillée : "Pulp" de Charles Bukowski

Auteur Charles Bukowski
Traduction Gérard Guégan
Editeur Lgf
Date de parution septembre 1997
Collection Ldp
Format 11 cm x 18 cm
ISBN 2253141976
Illustration Pas d'illustrations
Nombre de pages 189

Le démon et mademoiselle Prym von Paulo Coelho



Und wieder einmal ein kleines Büchlein voller Weisheit und feiner Anregungen zum Nachdenken über sich und die wichtigsten Themen die unsere Seele, bzw. Einstellung zum Leben betreffen von Paulo Coelho.

Dieses Buch heisst "Le démon et mademoiselle Prym" und das beherrschende Thema ist das Wesen des Menschen: ist er gut oder ist er schlecht? Und warum gibt es das Böse überhaupt wenn Gott doch das Gute ist und alles erschaffen hat, also auch das Böse?

Existenzielle Fragen die hier in einer für Coelho typischen, schön zu lesenden Geschichte verpackt sind, gespickt mit Legenden und Gedanken über Thesen der einzelnen Religionen.
Es ist die Geschichte der Versuchung.

Ein Fremder kommt in ein abgelegenes, friedliches Bergdorf, dass sich trotz seiner Idylle leider im Niedergang befindet: die jungen Leute ziehen die Städte vor und es fehlt an Geld. Die Tage gleichen sich, aber das haben die Bewohner gern, sie wünschen, es würde ewig so weiter gehen. Vielleicht mit ein paar Annehmlichkeiten aber im Grunde so wie bisher. Friedlich. Denn das Dorf hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich: Vor langer Zeit ein Räuber- und Verbrecherhort berüchtigt, wurde dessen Anführer Ahab durch den von einem fortan als Heiligen verehrten St Severin zum Guten bekehrt.

Und nun kommt ein Fremder und die junge, hübsche Kellnerin Mademoiselle Prym merkt schnell dass dieser das Schicksal des Dorfes wieder umkehren will.
Er zeigt der jungen Frau, die wie all ihre jungen Freunde eigentlich nur weg will aus dem sie beengenden Dorf, eine ganze Menge Gold und macht ihr ein teuflisches Angebot.
Sollte vor seiner Abreise nach genau sieben Tagen einer der Dorfbewohner sterben, also gegen das Gebot "Du sollst nicht töten" verstossen werden, würde das Gold in die Hände des Dorfes übergehen, dessen Zukunft und die der folgenden Generation wäre gesichert und sie, Chantal Prym, würde auch einen Teil erhalten mit dem sie eine Perspektive ausserhalb hätte.

Nun beginnt ein zermürbender Krimi, Chantal verbringt schlaflose Nächte, wiegt alles ab und kommt sich und dem Wesen des Menschen immer näher. Auch der Fremde wird durch die Zeit des Wartens und des Überlegens verändert, er, ehemals ein guter Bürger mit besten Absichten, wurde durch den gewaltsamen Tod seiner Frau und seiner Tochter zum abtrünnigen Zyniker, der nun das Böse in jedem Menschen sucht um sich nicht alleine zu fühlen. Oder ist es in Wirklichkeit die Hoffnung an das Gute zu glauben die er nicht aufgeben will?

Er und Fräulein Prym liefern sich Wortgefechte und die Dämonen und Engel die sie unsichtbar begleiten führen die Debatten, der Kampf des Guten und des Bösen, das in uns allen steckt seit Anbeginn der Menschheit kämpft miteinander um die Vorherrschaft der Seele und somit um die Entscheidungen zu guten oder schlechten Taten.

Und das Dorf wird mit hinein gezogen, die Bewohner werden der Versuchung ausgesetzt und die Lage spitzt sich immer mehr zu, eine alte Frau, die für Coelho typisch mit ihrer ruhigen Art alles überblickt, wird zum Opfer erkoren, und die Geschichte der Bibel, des Gesetzes der Moral also, zum eigenen Nutzen interpretiert. Denn opferte Gott nicht mit Jesus einen einzelnen Menschen zum Erretten der Menschheit?

Das Buch wird spannend, man ist gespannt was kommt und die Antwort auf die Frage, ob der Mensch nun Gut oder Böse ist, überrascht mit ihrer Schlichtheit: er vereint beides in sich. Und ist ständig Versuchungen ausgesetzt. Alles ist eine Frage der Kontrolle. Der Selbstkontrolle und der Kontrolle die die Angst über uns ausübt. Daraus resultiert wie wir uns entscheiden. Und diese Entscheidungen sind es die uns gut oder böse wirken lassen.

Im Dorf tobt nun sieben Tage lang der innere Kampf eines jeden Einzelnen und für den Leser besonders sichtbar in Fräulein Prym und dem Fremden. Es geht um die eigene Integrität, die Werte die man auch n anderen sehen will, die Welt man sie haben will und eben darum, dass sich jeder entscheiden muss, nicht nur einmal, sondern sehr oft ob man dem Bösen nachgeben oder dem Guten folgen will. Und natürlich heraus finden muss, was das ist, das Gute und das Böse, in vielen Situationen wieder neu. Und auch das ist oft schwierig. Was den einen nützt, kann für den anderen böse Folgen haben.

Wie immer zeigt Coelho dass man auf sich selbst hören soll, aufmerksam in sich hören und den eigenen Weg finden. Und wenn man Glück hat, oder besser aufmerksam und sich selbst gegenüber aufrichtig genug, wird es der eigene Weg sein den man entdeckt und dieser wird dann hoffentlich auf den Pfaden des Guten führen.

Das Buch habe ich an einem langen Abend gelesen, ein spannendes Buch und wunderbar zu lesen, auch wenn manche Passagen und Gedanken es erfordern, sie in Ruhe in sich auf zu nehmen.
Also eigentlich wie immer, bei Paulo Coelho.




Détails sur le produit

* Broché: 244 pages
* Editeur : Editions Anne Carrière (24 mars 2004)
* Collection : Bibliothèque Paulo Coelho
* Langue : Français
* ISBN-10: 2843372631
* ISBN-13: 978-2843372636

Le liseur von Bernhard Schlink


Bernhard Schlink schreibt so wunderbar dass man ganz langsam lesen möchte. Weil er so eine ruhige, ausgewählte und genau beschreibende Sprache benutzt, dass man jedes Wort geniessen und es sich auf der Zunge zergehen lassen möchte.
Und dazu Gedanken und Reflexionen, die einen ganz behutsam lesen lassen, um das wahr genommene auch in seiner Gänze zu erfassen, zu begreifen und zu verinnerlichen.
So sehr ich auch Bücher (wie zB. Arto Paasilinna, John Irving und und und) liebe, die einen einfach lesen lassen, atemlos vor Vergnügen, Spannung und was weiß ich, so sehr geniesse ich es dann zuweilen auch, langsam und mit fast erzwungener Ruhe etwas zu lesen, entschleunigt zu verschlingen.

Die Geschichte ist die von Michael, einem Gymnasiasten der mit 15 Jahren die zwanzig Jahre ältere Straßenbahnkontrolleurin Hanna kennen lernt, eine ruhige Alleingängerin und sich in sie verliebt.
Sie wird seine erste Liebe und die sexuellen Erfahrungen die er mit ihr und die Gefühle die er für sie hat werden ihn sein Leben lang prägen.
Es ist eine heimliche Beziehung, nicht nur nach aussen, auch Hanna öffnet sich Michael kaum.

Es ist fast befremdlich, mitzuerleben wie der unerfahrene Michael in den Bann der verschlossenen Hanna gerät und da der Roman in der Retrospektive geschrieben ist, ahnt man, dass die Erfahrungen die Michael macht ihn in seinen späteren Beziehungen einschränken werden, so stark prägt ihn Hanna, ihr weiblicher Körper und ihre Verschlossenheit.
Ihre gemeinsamen Treffen folgen einer behutsamen Routine, gemeinsames Baden, Sex, Vorlesen.
Michael liest Hanna vor, liest ihr zunächst die Bücher vor, die er im Unterricht behandelt und anschliessend sucht er die Werke aus, von denen er glaubt dass sie Hanna gefallen könnten.

Sie reden kaum, Hanna hört Michael vor wenn er liest und wenn sie reden, dann über die Bücher, die Hanna mit so viel Aufmerksamkeit in sich aufnimmt.
Fragen über sich weicht sie aus.
Und eines Tages ist sie verschwunden.

Für Michael beginnt eine schwere Zeit. Er quält sich mit der Frage des Grundes ihres Verschwindens. Ist er schuld? Hat er ihr das Gefühl gegeben, sie eines Tages im Schwimmbad vor seinen Freunden verleugnet zu haben? Hat er sie enttäuscht?
Seine Gedanken, die den Leser oft wunderbar fordern und mit etwas mehr Wissen zurück lassen, schränken ihn ein, belasten seine Beziehungen die er später eingehen wird.

Er beginnt ein Jurastudium, gerade zu der Zeit als die Aufarbeitung der Schrecken des Dritten Reiches in den Gerichten und den Köpfen der Menschen beginnt.
Mit seiner Studiengruppe wohnt er einem Prozess bei, der ehemaligen Aufsehern eines Konzentrationslagers gemacht wird.
Und dort findet er Hanna wieder: auf der Anklagebank, mit dem Rücken zu ihm.

Hanna unterscheidet sich von den anderen Angeklagten, ihre Geschichte ist oft nicht nachvollziehbar, ihr Beharren auf manche Dinge irritiert den Richter. Warum kommt sie jetzt mit Fehlern in der Anklage? Sie hat alles doch gelesen und unterschrieben.
Für Michael wird plötzlich vieles verständlich. Der Grund warum Hanna eine Beförderung bei Siemens ausschlug um Aufseherin zu werden. Weshalb sie auch später die Beförderung zur Straßenbahnführerin ausschlug. Warum sie manchmal komisch reagierte wenn er ihr etwas schriftliches hinterlassen hat.
Warum sie junge Jüdinnen im Lager zu sich holte damit diese ihr vorlasen...
Hanna kann weder lesen noch schreiben.
Und die Scham darum war so unendlich groß dass ihre Vertuschung einen hohen Preis hatte. Für sie und die die ihr im Lager begegneten.

Michael verfolgt den Prozess, ist hin und her gerissen ob er dem Richter von Hannas Analphabetismus berichten soll. Sie kann nicht die Rädelsführerin bei dem entsetzlichen Brand in der Kirche gewesen sein bei dem hunderte von Frauen und Kindern ums Leben kamen.
Aber zählt das überhaupt? Würde das ihre Schuld schmälern? Und wäre es sein Recht, sie zu verraten? Ihre Schwäche deren Vertuschung sie ihr ganzes Leben so viel gekostet hat?

Hier und auch später wird das großartige Talent Schlinks deutlich, in seiner konkreten, sachlichen aber nicht trockenen Sprache Fragen an sich selbst und den Leser zu stellen. Fragen die philosophische und juristische Relevanz haben, Fragen die nicht einfach zu beantworten sind.

Michael entschliesst sich, Hanna ihr Geheimbiss zu lassen. Sie kommt ins Gefängnis, lebenslang, weil sie lieber die Schuld der anderen auf sich nimmt, als ihre Schwäche preiszugeben.
Die anderen, oft von Nazianwälten vertreten, kommen mit geringen Freiheitsstrafen davon.
Michael beginnt, ihr Kassetten mit Werken der Weltliteratur zu besprechen und ins Gefängnis zu senden. Später erfährt er, dass Hanna mit deren Hilfe autodidaktisch das Lesen und Schreiben erlernt hat.
Und dass sie selbst sich mit ihrer Vergangenheit und ihren Taten auseinander gesetzt hat. Sie hat ihre Schuld erkannt und nachdem de beiden erneut Kontakt zueinander aufgenommen haben flüchtet sie einmal mehr, anstatt die Konfrontation zu suchen.

Der Roman ist aussergewöhnlich. Er beginnt so behutsam und doch wird man in ihn hinein gezogen wie in einen Krimi. Es ist nicht die Handlung, die zwar packt, aber nicht reisserisch ist. Kein Kriminalroman, wenn auch die Geschichte eines Geheimnisses, eines Verbrechens und dessen Aufklärung.
Auch ein Buch über das Erwachsen werden, das Erwachen von Bewusstsein und Moralverständnis. Das Erwachen von sexuellen Empfindungen, Bedürfnissen und welch eklatante Auswirkungen die ersten Erfahrungen haben können.
Ein Buch über Fragen der Schuld, der Verantwortung und auch ein Buch über die Unbeständigkeit des Glückes im Rückblick.

Ein Buch das behutsam auf ein Thema hinweist, das meine Generation sonst schon gar nicht mehr fokussiert und das unsere Eltern sehr wohl noch beschäftigt hat.
Und uns alle, unabhängig unserer Nationalität beschäftigen sollte:
Das Wissen um das was Geschehen ist zu nutzen um daraus Verantwortung und Integrität für die Zukunft zu ziehen.

Ein Buch mit ernsten Themen, ernsten Fragen und doch so leicht und schön zu lesen, dass man sich fragt, wie Bernhard Schlink das macht. Seine Sprache ist ruhig, gewählt und wunderbar ungekünstelt, man merkt nicht wie er es schafft den sichtbar vorhandenen Spannungsbogen herzustellen.
Ich hab das Buch an zwei Abenden gelesen, mit Ruhe und viel Vergnügen.
Und auch wenn es gespickt ist mit moralischen und philosophischen Fragen, mit Anregungen sich mit sich selber auseinander zu setzen, so bleibt mir doch folgende Beobachtung am prägendsten im Gedächtnis:
Warum sind wir unglücklich wenn wir zurück denken an Zeiten in denen wir glücklich waren?

Ein ganz, ganz tolles Buch.


Détails sur le produit

* Poche: 242 pages
* Editeur : Gallimard (23 février 1999)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070404587
* ISBN-13: 978-2070404582

Le meunier hurlant von Arto Paasilinna


Und wieder ein neues Buch von Arto Paasilinna, das einen weit weg in die Wälder Finnlands verschlägt und einen mit finnischen Sonderlingen bekannt macht.

Diesmal ist die Hauptperson der aus dem Süden zugezogene Gunnar Huttunen, der abseits eines kleinen Dorfes die Ruine einer alten Wassermühle kauft und sie mit seinen handwerklichen Kenntnissen tadellos in Schuss setzt.
Von nun an könnte er erfolgreich das Getreide der Dorfbewohner mahlen und sie mit gesägtem Birkenholz versorgen.
Wenn er nicht die für die engstirnigen Dorfbewohner unerträgliche Angewohnheit hätte, in depressive Phasen zu verfallen, wie ein Wolf im Wald zu heulen und ihnen mit seinen imposanten Erscheinung Angst zu machen oder sie in guten Phasen zu imitieren und der Lächerlichkeit preis zu geben.

Man kommt überein dass der Müller ein wilder Verrückter ist und eingesperrt gehört.
Nur die wunderhübsche Landwirtschaftsberaterin Sanelma Käyrämö scheint auf seiner Seite zu sein, sie verliebt sich vom ersten Moment in den wilden Wirren und dieser zum Glück auch in sie.
Doch das Glück mit Mühle und frisch angelegtem Gemüsegarten hält nicht lange, Huttunen stösst immer wieder an und nachdem er nach dem versehentlichen Schlucken einer großen Menge Antidepressiva im Dorf quasi Amok gelaufen ist, wird er zwangseingewiesen.

In der Anstalt hört man dem Sonderling der mitnichten verrückt ist, nicht zu, diagnostiziert einfach mal ein Nachkriegstrauma und will ihn am liebsten ganz, ganz lange dort behalten.
Der arme Gunnar Huttunen dreht fast durch, er ist ein Naturmensch, braucht seine Freiheit und würde lieber sterben als noch länger von den unfreundlichen Krankenpflegern und dem inkompetenten Doktor malträtiert zu werden.
Und so nutzt er den Schlüssel eines Mitpatienten und flüchtet.

Zurück an seiner Mühle muss er feststellen dass diese quasi leergeräumt ist. Huttunen flüchtet mit ein paar Habseligkeiten in die Wälder, baut sich dort eine neue Bleibe, angelt und jagt, richtet sich ein und freut sich auf die Besuche seiner Liebsten.

Doch auch hier wird er nicht in Ruhe gelassen, die aufgebrachten Dorfbewohner stöbern sein Versteck auf und zerstören es, der arme Huttunen muss wieder und weiter flüchten und wie ein Tier das in die Enge getrieben wird will er sich zur Wehr setzen und gibt sich der Unvernunft hin.
Denn da er unter Vormundschaft des Dorfes steht, will die Bank sein Geld nicht in die Obhut von Huttunen geben und so besorgt sich Huttunen erst beim Dorfarzt ein paar nützliche Werkzeuge und eine Flinte um dann die Öffnungszeiten der Bank abzuwarten um sein Geld mit Nachdruck und einer Flinte unter dem Arm zu reklamieren.

Und nun ist aus dem als Verrückten verschrienen und deshalb gesuchten Huttunen ein wahrhafter Verbrecher geworden, ohne Absicht wurde der arme Huttunen in diese Position mit dem Rücken zur Wand gedrängt und man hofft beim Lesen, dass ein Raumschiff kommen mag u ihn und seine Liebste ganz weit fort zu bringen.

Aber UFOs gibt es nicht bei Paasilinna, dafür aber andere Heimlichtuer, die dann meist mit schwarz gebranntem Schnaps zu tun haben.
Und so gesellt sich der Postbote Piittisjärvi zu Huttunen, der von der Jagd nach letzterem aufgeschreckt mit seinem Distillier-Equipment einen neuen Platz suchen musste und so Huttunen gefunden hat.

Gemeinsam machen sich die beiden Durstigen an die Herstellung von starken Fusel und gehen einen Handel ein, während der alkoholabhängige Briefträger die Post austrägt, kümmert sich Huttunen um den Schnaps und bekommt im Gegenzug dazu Gelegenheit, endlich wieder in Kontakt mit Sanelma zu treten.

Diese ist zunächst begeistert, gesteht Huttunen ihre Liebe und schlägt ihm vor, sich mit Fernunterricht weiterzubilden um ihnen beiden so bald, wenn er seine Mühle verkauft hätte, ein behagliches Leben in der Fremde zu ermöglichen. Huttunen macht sich voller Enthusiasmus an all die lehrreichen Bücher, findet Gefallen und freut sich.
Und auch der alte Mitpatient Happola taucht auf, bereit, Huttunen seine Mühle abzukaufen. Was auch Zeit wird, denn nachdem Huttunen vom Kirchturm aus heimlich einem Sport-Tunier zuschauen wollte und in dessen Verlauf einen jungen Mann fesseln musste, wird er vom Präfekten der Region ebenfalls als großer Störenfried betrachtet.
Und leider bringt die Nachricht, dass er quasi enteignet wurde und die Mühle nun von der Stadt verwaltet wird, das Fass zum Überlaufen.
Huttunen überlegt kurz diese selbst anzuzünden will dann aber lieber das ganze Dorf einäschern und beschränkt sich letzten Endes auf die neue Kirche, einen protzigen Neubau der die schöne alte Kirche überflüssig gemacht hat.

Hier hat Huttunen eine kurze, weise Unterhaltung mit Jesus, der ihm sein o.k. gibt und versichert, dass er ihn mitnichten für irre hält aber jeder sein Kreuz im Leben zu tragen hat.
Und dass ihm die neue Kirche auch nicht gefällt.

Huttunnen zündelt also, flüchtet vor aller Augen aus der qualmenden Kirche und wird fortan von den frisch eingetroffenen militärischen Sondereinheiten samt deutscher Schäferhunde gesucht.
Und wieder bittet man als Leser um ein UFO...

Das Buch ist vielleicht nicht gaaaaanz so grandios wie die anderen Bücher, die ich von Arto Paasilinna bisher gelesen hab, was aber wohl nur an der nicht ganz so unbeschwerten Geschichte und dem Schicksal von Gunnar Huttunen liegt.
Diesmal sind die im Buch vorkommenden Finnen nicht durchweg kauzig aber verständnisvoll, diesmal hat man es mit engstirnigen Egoisten zu tun.
Und es ist traurig, mit anzusehen wie der gutherzige Huttunen wie ein tapsiger Bär zur Bestie stilisiert wird um sich ihm, dem Sonderling zu entledigen.
Aber auch hier finden sich Freundschaften und Natur zu Hauf, lustige Namen und feine Dialoge, Situationskomik und feiner Humor. ein Buch dass man schnell liest und dabei immer wieder bemerkt, wie toll dieser Autor ist!!




Détails sur le produit

* Poche: 277 pages
* Editeur : Gallimard (15 février 1994)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070388484
* ISBN-13: 978-2070388486