Freitag, 8. August 2008

Pulp von Charles Bukowski


Mein erstes Buch von Charles Bukowski und ich weiß nicht, ob ich bereit bin für ein weiteres. Nicht dass ich mich während des Lesens nicht gut unterhalten gefühlt habe, nein, es war kurzweilig und..anders.
Aber leider auch sehr vulgär. Und das mag ich eigentlich nicht so. Und darüber hinaus sehr negativ, ernüchtert, pessimistisch. Und deshalb lese ich ja auch Hollebeque und manchmal auch Beigbeder nicht so gerne. Oder Philipp Dijan.
Doofe Einstellung vielleicht, aber es ist meine.

Trotzdem ist dieses kein schlechte Buch. Vor allem wenn man gerne in kurzer Zeit ein Maximum an neuen Worten der Gossen-Sprache aufnehmen will, ist es eine Meisterleistung. Aber wie gesagt: mein Fall ist das nicht so.
Interessant ist aber die Story in Verknüpfung mit genau dieser Sprache, denn das muss man dem Buch lassen: es wird seinem Titel stilistisch wie auch inhaltlich gerecht.

Schon zu Beginn wird der Leser in eine amerikanische Detektivgeschichte billigster Sorte hineingezogen, wie man sie nur aus schlechten US-Filmen der 80er oder so kennt. Und diese Stimmung zu erreichen, ist Bukowski grandios gelungen.

Protagonist ist ein abgehalfteter Privatdetektiv unterster Kategorie: Alkohol und Spielsüchtig, nicht besonders ansehnlich, keinesfalls erfolgreich, verfolgt von Schuldigern, keinerlei Erfolg bei den Frauen (drei Scheidungen) aber ständig mit der Hand in der Hose.

Permanent am Abgrund, alleine und zynisch verbringt er seine Tage mit dem Aufklären mysteriöser und bizarr anmutender Jobs mit teilweise paranormaler Ausprägung, dem Konsum von Spirituosen und dem Philosophieren über den Sinn oder besser Unsinn des Lebens.
Und das in einer Sprache, die trotz ihrer Derbheit oder vielleicht auch gerade deswegen oft originell und fast vulgär-elaboriert klingt, wenn das kein Wiederspruch ist...

Nick Belane schlägt sich tapfer, meist im wahrsten Sinn des Wortes, bewegt sich zwischen seinem Bürostuhl, der nächsten Kneipe und seinem Käfer durch Hollywood, redet sich ein, ein guter Detektiv zu sein und galubt aber ohl selbst nicht daran.

Kein sympathischer Charakter, aber in seiner Loser-Rolle als harter Einzelgänger sehr gut gezeichnet. Das nächste Schimpfwort immer auf der Zunge und die Hand an seiner Luger 45 kämpft er sich durch seinen tristen Alltag und fragt sich, ob er langsam den Verstand verliert.

Sind die Aufträge, einen eigentlich schon seit Jahrzehnten tot geglaubten französischen Schriftsteller zu finden und seine Identität zu bestätigen, einen Bestatter von einem ausserirdischen Monster in äusserst verführerischer Optik zu befreien, eine Ehefrau des Betruges zu überführen und einen mysteriösen Vogel zu finden alle irgendwie miteinander verbunden und äusserst...bizarr.

Die Story ist ohne Patzer in der Stimmigkeit, auch wenn einiges abenteuerlich der Phantasie des Autors entsprungen ist.

Am Ende laufen die Fäden zusammen und Nick Belane löst auch seinen letzten Fall. Bzw. die Fälle lösen sich fast von selbst, irgendwie. Belane stolpert wie im ganzen Roman nur pöbeln und misanthropisch durch seinen Alltag, ernährt sich von Alkohol und beobachtet und kommentiert seine Umgebung mit scharfer, rauer aber intelligenter Zunge.

Das Buch ist wie ein dreckiger Film Noir, ein düsterer Detektiv-Schinken mit geschliffenen und scharfen Dialogen, einer Menge Humor und vielen Überraschungen. Schnell gibt man es auf, Dinge vorhersehen zu wollen und so kann man sich getrost von Bukowskis Einfällen überraschen lassen.

Das Buch ist anders als die Bücher die ich mir sonst so aussuche, aber ich bereue den Kauf keineswegs. Bukowski ist zu Recht ein beliebter Kult-Autor (was auch immer das heissen mag) und auch wenn ich ehr andere Schriftsteller bevorzuge so muss ich ihm doch sein Talent anerkennen.



Fiche détaillée : "Pulp" de Charles Bukowski

Auteur Charles Bukowski
Traduction Gérard Guégan
Editeur Lgf
Date de parution septembre 1997
Collection Ldp
Format 11 cm x 18 cm
ISBN 2253141976
Illustration Pas d'illustrations
Nombre de pages 189