Freitag, 27. Februar 2009

Les fabuleuses aventures d'un Indien malchanceux qui devint milliardaire von Vikas Swarup

Dieses Buch hat mich sofort mit seinem Tempo, den tollen Dialogen, den unvorhersehbaren Wendungen und den wunderbar bildhaft beschrieben Details sofort gefesselt und mental nach Indien verfrachtet,

Die Geschichte ist grandios und schon beim Lesen hab ich gedacht, dass es einen Film davon geben müsste. Nun gibt es ihn und er hat einen Oscar gewonnen.
Ob ich ihn ansehen werde weiß ich nicht, ich glaube nicht, denn angesichts dieser fantastisch geschriebenen Vorlage kann ich eigentlich nur enttäuscht werden, wie ich es meist nach dem Sehen von zu Filmen adaptierten Büchern gewesen bin die mir ans Herz gewachsen sind.

Erzählt wird in verschiedenen Zeitebenen und Rückblenden das Leben eines jungen Inders, der bei der Fernsehsendung Wer wird Milliadär jede Frage richtig beantwortet hat.

Er selbst erzählt einer Anwältin und somit dem Leser sein abenteuerliches Leben, sein Werdegang vom Strassenjungen in den Slums zum Gewinner der spektakulärsten Sendung der Fernsehgeschichte Indiens und erläutert anhand all der Stationen, wie ihn das Leben selbst die Antworten zu den in der Sendung gestellten Fragen gelehrt hat, ihn, der nie eine Schule besucht und auch nicht Lesen oder schreiben gelernt hat, dafür aber, aufgrund einer Schicksalswendung in seiner Biografie, perfektes Englisch spricht.

Diese Biografie mit all ihren Wendungen und Schicksalsschlägen, den guten wie schlimmen Ereignissen fesselt den Leser, der nie ahnen kann was als nächstes geschieht, wie sich der Protagonist aus dieser verworrenen Situation befreit, wie es denn nun kommt dass er in der Sendung mit dem geleckten Moderatoren sitzt und vor allem, ob die Produktionsfirma den lieb gewonnen Erzähler tatsächlich des Betruges überführen und ihm so nicht nur seinen Gewinn vorenthalten sondern ihn auch für immer weg sperren kann.

Gibt es ein Happy End? Windet sich der Erzähler auch dieses mal mit Hilfe des Schicksals und seines guten Herzens aus der Bedrouille?
Der Leser wird es erfahren, auf der letzten Seite.

Ein so unglaublich spannendes Buch dass man es nach dem Lesen des letzten Satzes erst einmal zur Seiten legen und durchatmen muss.
Mit einem befriedigten Lächeln im Gesicht denn man ist gerade in den Genuss eines spannenden Meisterstücks gekommen, dass einen oft hat lachen und aber auch einen Blick in die von Armut und Eigenarten geprägte Seele Indiens hat werfen lassen.

Détails sur le produit

* Poche: 363 pages
* Editeur : 10 (2 août 2007)
* Collection : Domaine étranger
* Langue : Français
* ISBN-10: 2264045337
* ISBN-13: 978-2264045331

Un homme heureux von Arto Paasilinna



Oh, der vorletzte Arto Paasilinna Roman ist zu Ende und ich bin wieder einmal begeistert von meinem finnischen Lieblingsautor und seiner Macht, mich immer in so positive Stimmung zu versetzen und mir eine kleine Kopfreise in die Eigenarten von kauzigen Finnen zu erlauben.

Hier ist es ein kleines finnisches Dorf, das Schauplatz der amüsanten Geschichte wird.
Eine neue Brücke muss genau werden und ein Ingenieur reist deshalb an, ein Experte im Bau von Brücken, effizient, zielstrebig, intelligent und alles andere als kompromissbereit.
Mit seiner eigenen Art stösst er sehr schnell den Stadtführern gegen den Kopf und man versucht, ihm das Leben schwer zu machen.

Doch der Ingenieur ist ein liebenswerter finnische Sturr-Kopf und lässt sich nicht nur nicht beirren, er lässt sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen und zum Horst machen lässt er sich schon gar nicht! Und so muss jeder der in den kleinen aber gemeinen Intrigen gegen ihn verwickelten Männern erkennen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist.
Zwei Frauen hingegen verfallen seinem ruppig-lieben Charme und auch seine Arbeiter stehen alle Dank seiner Loyalität, seines Verantwortungsbewusstseins und seines Gerechtigkeitssinns wie ein Mann hinter ihm.

Und so gelingt den Ingenieur nicht weniger als die Komplette Wandlung des stillen Dorfes in eine wirtschaftlich brummende kleine Innovations-Schmiede die sogar einen eigenen Anschluss an das Eisenbahnnetz erhält.

Dass unser Ingenieur am Ende nicht nur über seine Fabrik herrscht sondern auch die Geschicke der ihm ans Herz gewachsenen Stadt lenkt ist nur gut für diese, für die ehemals herrschenden Traditionalisten und Grundbesitzer aber ein Affront und Grund, sich nach und nach geschlagen davon zu machen.

Was bleibt sind ein Haufen engagierter und liebenswerter Finnen, zwei Frauen die sich nicht nur einen Mann sondern auch die Organisation des Alltages teilen, viele rührend bewältigte Einzelschicksale und ein paar Stunden grandios amüsanter und das Herz erwärmender Lesespaß.

Détails sur le produit

* Poche: 259 pages
* Editeur : Editions Gallimard (1 février 2007)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070343707
* ISBN-13: 978-2070343706

Montag, 23. Februar 2009

De l'eau pour les éléphants von Sara Gruen


Eines der letzten Fundbücher aus dem Secondhand-Buchladen. also eines der Schätze, deren Wert man erst beim Lesen entdeckt, weil keinerlei Vorwissen oder fremde Wertungen vorhanden waren.
Bei diesem Buch war es das schöne Format und das reizende Cover und anschliessend der kurze Klappentext dass es sich um einen Zirkus im Amerika der 30er Jahre handelt, der Zeit der großen Wirtschaftskrise.

Und ich bin so froh um dieses Buch, denn es so gut, dass ich die 400 Seiten in zwei Abenden mit ganz viel Vergnügen gelesen hab, hinein gezogen in die bunte und harte Arbeitswelt eines Zirkuses zu Zeiten der großen finanziellen Not, wo Tiere und Artisten oft hungern müssen und unbrauchbar gewordene Arbeiter oft heimlich Nachts aus fahrenden Zügen geworfen werden.

Erzählt wird die Geschichte des Zirkus und seiner bunten Belegschaft von Jacob, der mit über neunzig Jahren in einem Altenheim sitzt, frustriert über die Entmündigung die man an ihm vollzogen an und der demütigen Art, wie man ihn, einem Kind gleich in dem Heim behandelt.
Er ist verärgert über das oft dumme Geschwätz seiner Mitpatienten und wartet eigentlich nur sehnsüchtig darauf dass endlich einer seiner für ihn schon gar nicht mehr überschaubaren Nachkommen kommt um ihn zum Zirkus zu bringen, der vor dem Heim seine Zelte aufgeschlagen hat.

Rückblickend erzählt Jacob seine Geschichte.
Wie er kurz vor der Prüfung zum Veterinär einen Black Out hatte, wie er nach dem tragischen Tod seiner Eltern ziellos umherirrt und sich dem Zirkus anschliesst, der ihn als Hilfskraft und Tierarzt anstellt.
ER erzählt aus dem harten Alltag hinten den Kulissen der glitzernden Zirkuswelt und von der Liebe die er schon bald für die schöne und herzensgute Dressurartistin Marlene empfindet.

Er erzählt auch von dem skrupellosen Zirkusdirektor und dem cholerischen August, Marlenes Mann, von dem alten alkoholkranken Camel, dem einsamen Zwerg Walter und all den anderen Existenzen die mit dem Zirkus zu überleben versuchen, denn in Zeiten der großen Wirtschaftskrise zählt jeder Tag mit vollem Magen als guter Tag.

Jacob verliebt sich nicht nur in Marlene, auch die Elefantendame Rosie, die als Konkursmasse eines anderen Zirkuses in seine Obhut übergeht erweicht sein Herz.
Und als es zwischen Marlene und ihrem Mann immer schlimmer wird, die Gesamtsituation des Zirkus sich immer mehr ins Unerträgliche steigert, muss Jacob sich was einfallen lassen und einen drastischen Schritt wagen...

Erzählt wird alles immer in Rückblenden aus der Sicht des alten Jacob und die Passagen in denen er ernüchtert und von Altersdemenz geplagt im Heim sitzt, sind genauso ergreifend wie die Erlebnisse im Zirkus. Und sie sind noch bewegender denn jeder der je mit offenen Augen in einem Altenheim war, kann nachfühlen wie die Leute sich dort fühlen.
Oft entmündigt, oft einfach missverstanden. Hilflos ihrer eigenen Gebrechlichkeit gegenüber, dem Entfallen wichtiger Erinnerungen, dem Unvermögen das Gegenwärtige umfassend aufzunehmen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Jacob hat sein Leben im Zirkus verbracht und nun sitzt er am Fenster eines Altenheimes einem weiteren gegenüber, spürt eine fast unerträgliche Sehnsucht und keiner seinen unzähligen Enkel oder Kinder kommt um ihn dorthin zu bringen.
Und so nimmt Jacob am Ende des Buches all seine verbliebene Kraft zusammen und sein zeit seines Lebens starker und zielstrebiger Charakter verschafft ihm und dem Leser ein wunderschönes Happy End, einen Vorhang der nur nach einer verzauberten Zirkusvorstellung schöner fallen kann.

Ein wundervolles Buch, warmherzig und flüssig zu lesen geschrieben, wundervolle Dialoge und bildhafte Beschreibungen einer vergangenen und harten Welt voller Arbeit und Schweiß hinter dem Glanz.

Détails sur le produit
Broché: 402 pages
Editeur : Albin Michel (9 mai 2007)
Collection : LITT.GENERALE
Langue : Français
ISBN-10: 2226177175
ISBN-13: 978-2226177179

Freitag, 20. Februar 2009

all families are psychotic von Douglas Coupland


Ich hab vor ganz vielen Jahren Generation X von Douglas Coupland gelesen und es nicht besonders gemocht. Vielleicht war es aber der falsche Zeitpunkt und ich sollte es noch einmal lesen, denn DIESES Buch von ihm, über das ich in meinem geliebten Secondhand-Buchladen gestolpert bin ist GRANDIOS!!

Ein schnelles Familien-Roadmovie mit tollen Dialogen und unvorhersehbaren Ereignissen, jeder Menge Krankheiten und aufgestauten Aggressionen, aber auch Momenten der Wärme und Fürsorge.

Viel will ich gar nicht verraten, denn das Buch lebt von seinen vielen Überraschungsmomenten. Ein buch wie ein Film, dessen Plot kurz beschrieben folgender sein könnte:

Eine AIDS kranke Mutter in den Sechzigern findet sich plötzlich mit ihrem ebenfalls HIV positiven Sohn (bei dem sie sich angesteckt hat als eine Kugel, abgefeuert von ihrem Ex-Mannn auf seinen Sohn weil dieser ihn unwissentlich mit seiner Freundin betrogen hat, seinen Körper durchschlägt und halt mit Blut beschmiert die Lunge der Mutter trifft...), ihrem cholerischen Ex-Mann (mit dessen Freundin sie sich genau so anfreunden wird wie mit der tief religiösen Freundin von Sohn Nummer eins) und einem weiteren Sohn (dessen Freundin SHW heisst, schwanger ist und das Baby heimlich verkaufen will) auf der Jagd nach einem Brief den Prince Harry an seine verunglückte Mutter, die Prinzessin von Wales geschrieben hat um diesen für viel Geld an einen kriminellen Deutschen auf den Bahamas zu verkaufen während ihre einhändige Tochter (Folge von Medikamenten in der Schwangerschaft...) als Astronautin bei der NASA im All Experimente durchführt und ihren Mann mit einem Kollegen betrügt, dessen Frau wiederum eine Affäre mit ihrem Mann hat...

Eine Familie voller kaputter Biografien und Macken, eine Familie voller Brüche und Kittstellen. Eine Familie, so psychotisch wie jede andere...

Kompliziert? Nein, beim Lesen überhaupt nicht. Auch nicht zu bizarr. Einfach spannend und wirklich ganz ganz toll zu lesen!!


Produktinformation

* Taschenbuch: 288 Seiten
* Verlag: Flamingo; Auflage: New Ed (1. Juli 2002)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 0007117531
* ISBN-13: 978-0007117536
* Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 12,8 x 2 cm

Mittwoch, 18. Februar 2009

Le Fils du Dieu de l'orage von Arto Paasilinna


Oh je, mein vorletztes Buch von Arto Paasilinna das noch ungelesen bei mir im Regal stand. Ich hoffe, es gibt inzwischen neue, denn wie zu erwarten war auch dieses Buch wieder grandios und vor allem nach meinem kleinen Schock über so viel Gewalt und Boshaftigkeit im letzten (la douce empoisonneuse), tat es gut, wieder das raue aber gutmütige finnische Herz auf fast jeder Seite schlagen zu hören.
Und natürlich eine aberwitzige Geschichte, ungemein originell aber dennoch nicht albern oder surreal, ein perfekter Arto Paasilinna!

Im fils du dieu de l´orage geht es um eben jenen, den Sohn des höchsten finnischen Gottes, den Donnergott.
Nur weiß leider kaum noch ein Finne etwas über ihn oder die anderen Götter, schon lange wird nicht mehr den alten Traditionen gefolgt und den alten nordischen Göttern gehuldigt, nein, man glaubt an einen Neuankömmling namens Jesus, wenn überhaupt.

Ja, was überhaupt?
Um eine Bestandsaufnahme über den aktuellen Glaubensstand in Finnland zu machen schickt der Donnergott seinen Sohn Rutja auf einem Blitz zur Erde, mit der Mission betraut Erkundigungen einzuziehen um dann umgehend mit der Bekehrung zum wahren finnischen Götterglauben zu beginnen.

Auf der Erde trifft Rutja auf den kleinlauten und etwas frustrierten Antiquitätenhändler Sampsa, der von Frauen, nämlich seiner Schwester, seiner Irgendwie-Geliebten und seiner Angestellten gepieksackt wird und der selbst gegenüber dem ihm zur Pacht verpflichteten Nachbarn nicht das Wort erheben kann.

Nachdem er einen kleinen grimmigen Fetisch gefunden hat erinnert er sich an seinen Vater und dessen Huldigung des alten Götterglaubens und Sampsa beschliesst, den Göttern eben jenen Fetisch zu schenken und dazu noch eine ordentliche Portion Alkohol.
Und so trifft er im Wald auf den Gottessohn Rutja, der ihm von seiner Mission erzählt und der Notwendigkeit, zur Bekehrung der Finnen nicht in seiner etwas arg imposanten, behaarten Gestalt aufzutreten sondern am besten im etwas kärglichen Körper von Sampsa.

Und so tauschen die beiden Männer ihre Körper und dann auch ihre Leben, während Sampsa sich in Ruhe zum Lesen in sein Zimmer zurück zieht, fährt Rutja in die große Stadt Helsinki zum Antiquitätenladen um die Lage zu sondieren und seine Mission zu beginnen.

Der gute Göttersohn muss dabei aber erst mal einiges über die Menschen und ihre Eigenarten und Sitten lernen, und es wird sehr lustig.
Und auch wenn ein paar Menschen vom Blitz getroffen werden müssen bis die ersten treuen Jünger gefunden sind, der Aufwand lohnt, denn schon bald hat Rutja eine sympathische schar von lieben Finnen um sich versammelt, die ihm helfen wollen, die gute alte finnischen Göttern wieder in das Bewusstsein der Finnen zu rücken.
Mit Hilfe eines hochqualifizierten Werbeagenturbesitzers und seiner ihm allmählich verfallenen Steuerprüferin, eines etwas verrückten Psychiaters und zwei marxistischen Handwerkern beschliesst Rutja in Sampasa Landhaus eine Klinik für Verrückte zu errichten, denn hat nicht schon Jesus mit seinen Wunderheilungen Unzählige bekehrt?
Und er verfügt mit seinen Blitzen über eine hervorragende Möglichkeit, mit gezielter Dosierung so einiges wieder gerade zu rücken.
Und Rutja ist nicht dumm, er beobachtet und erkennt schnell und stellt so fest, dass bei den Finnen der Wahnsinn, die Depression und der Trübsal mit die größten Übel sind.
Und dass der Glaube der Finnen an Jesus und seinen Papa auch nicht besonders stark verankert sind.

Und so heilt Rutja in zwei Tagen mehr Kranke als Jesus in zwei Monaten (aber Jesus war ja auch kein Finne...), zaubert ein Lächeln in die Gesichter von ehemals deprimierten, bringt Ordnung und Klarheit in die Geister der Verwirrten und beruhig die Hysteriker. Und alle danken es ihm mit tiefer Anbetung.

Rutja stellt auch Gebote auf, reduziert auf das Wesentliche und sechs an der Zahl, die er auch erklärt, die ich aber nur zusammen fasse:

Fürchte und Achte den Sturm
Tue den Kleinen nichts zu Leide
Beschütze das Leben
Respektiere die Alten
Verhalte dich menschlich und human
Gebe nicht auf (gut zu sein)

Wundervoll, oder? Die Essenz, des christlichen, des buddhistischen und allem denke ich, auch wenn Rutja nur einen grundguten und anständigen Finnen zum Ziel hat, sollte jeder Erdenmensch so handeln...

Jedenfalls heilt Rutja so erfolgreich alle mental angeschlagenen Finnen, dass das Gesundheitssystem Gefahr läuft, obsolet zu werde.
Und der Werbeagenturbesitzer bemerkt mit Entzücken, dass niemand sich besser eignet um Überzeugungen unters Volk zu tragen wie geheilte Kranke...
Am Ende gibt es noch ein paar internationale Verwicklungen, der Gottessohn zeugt mit einer Erdenfrau ein Kind und die Finnen stehen als einziges Volk ohne Verrückte da.

Ein GRANDIOSES Buch. Und diesmal sogar mit einem ganz tollen moralischen Mehrwert!!
:o)


Détails sur le produit

* Poche: 293 pages
* Editeur : Gallimard (14 novembre 1995)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070393828
* ISBN-13: 978-2070393824

Sonntag, 1. Februar 2009

La Constante de Hubble von Stephanie Janicot


Ein Zufallstreffer, wieder einmal erzielt in meinem Lieblings-Secondhand-Buchladen im Quartier Latin.
Ein Buch das vielleicht ein Frauenroman ist, aber das urteile ich nur ganz vorsichtig weil das große Thema dieses Buches Beziehungen und ihre Auswirkungen auf die eigene Persönlichkeit, die Entwicklung sind. Beziehungen und die Fragen von Kompromissen, Wünschen, Idealen. Und das sind glaub ich ehr Themen, mit denen Frauen sich auseinandersetzen.
Weil sie die Selbstreflektion und das Nachdenken über Ungemütliches nicht so sehr scheuen vielleicht...weil sie sich gerne weiterentwickeln und wissen dass man sich oft nur aus Krisen stärkt und weiter kommt...vielleicht.

Vielleicht ist es aber für Männer genau so interessant, denn das Buch ist flott geschrieben, eingeteilt in viele Kapitel die die Gedanken und Leben der vielen Charaktere wieder geben.
Nirgendwo wird lange schwadroniert oder philosophiert, Erkenntnisse werden pragmatisch gewonnen und, das ist nebenbei bemerkt erstaunlich gut gelungen an diesem Buch:
der Leser wird en passant in die astronomischen Grundlagen unseres Lebens eingeweiht, lernt Theorien in der Wissenschaft und erfährt warum es eigentlich doch sehr wahrscheinlich ist dass wir auf unserem Planeten die einzigen Lebensformen unseres Schlages im Universum sind

Denn einer der Personen ist Astrophysiker und erklärt seiner Tochter und den anderen mit wunderbar zugänglichen Worten all die aus Zufällen (oder Determination?) bestimmten Faktoren die zu unserer Entstehung geführt haben, all die unzähligen Bedingungen die erfüllt werden müssen um eine Lebensform wie der unseren entstehen zu lassen.

Aber diese ernste Materie, die dem Buch auch den Titel gab ist nicht dominierend, auch Leser die sich mit Astronomie, Physik und Zahlen sehr, sehr schwer tun, werden nicht aufstöhnen und sich durch Kapitel quälen, im Gegenteil. Denn vermutlich wird man es erstmals verstehen und staunen, und wen nicht, dann bleibt noch die zentrale Geschichte, der Kern des Buches.

Dieser ist die Geschichte von Juliette, einer wunderhübschen Mutter von vier Kindern die eines Morgens der verlassenen Geliebte ihres Mannes die Tür öffnet und erfahren muss, dass ihr immer so von der Arbeit in Anspruch genommene, erfolgreiche Ehemann auf allen Dienstreisen und während der angeblichen Überstunden unzählige Affären absolviert.
Juliette ist geschockt.
Zum Glück sind ihre besten Freundinnen da: die lesbische Malerin Louise und die erfolgreiche Scheidungsanwältin Alma.
Gemeinsam mit diesen, Almas 16 jährigen Tochter Sybill und den vier Kindern beschliessen die Frauen in die Provence zu reisen, für die gesamten Ferien von 3 Monaten ein Haus zu bewohnen was der in den Staaten verheiratet lebenden Geliebten von Louise gehört.

Und die vom untreuen Thomas verlassene Theo kommt auch mit, denn diese steht unter Schock, wurde von Thomas genauso getäuscht wie Juliette und steht wie diese vor der großen Frage was jetzt kommt, ob da überhaupt noch etwas kommt.

Der Aufenthalt in der Provence schweißt die Frauen auf der einen Seite zusammen, sie helfen sich gegenseitig bei der Erfassung ihrer Situationen, aber die Stärke liegt in den stummen Gedanken, den Briefen und Tagebucheinträgen oder den Monologen die sie führen.
Jede der Frauen und der Heranwachsenden Mädchen, Sybill und Justine, der ältesten Tochter von Juliette.
Dazu kommen dann wie Schmetterlinge ein paar Männer, Sybill verliert ihre Unschuld, Juliette tanzt beim Dorffest den Klammerblues und auch Arno, der Vater von Sybill, Almas geschiedener Mann und Astrophysiker besuchen die Kolonie von Frauen und gemeinsam kommt jede einzelne von Ihnen weiter in ihrem Wachsen.

Thomas weilt indessen in Paris, nutzt die Freiheit um noch ein paar Mätressen zu beglücken und fühlt sich vollkommen im Recht und verletzt in seinem Stolz.
Eine Scheidung, wie von Alma knallhart aufgesetzt, mag er nicht unterschreiben, er ist sich sicher Juliette zu überzeugen dass es für alle das beste ist, weiter zu machen wie bisher.

Doch kann Juliette das? Sie die 12 Jahre mit Thomas verbracht hat, ihn irgendwie liebt, Kinder mit ihm hat, deren Leben sich auch auf ihn ausgerichtet hat, die sich an ihn gewöhnt hat, kann sie ihn verlassen?

Bis zur letzten Seite, bis zum letzten Satz bleibt diese Frage offen denn hingegen einer oberflächlichen Analyse der Situation ist diese komplex und auch wenn der erste Reflex ein empörtes: Verlass ihn! ist, so wird klar dass Beziehungen verschiedenen Regeln folgen, dass jede Beziehung andere Maßstäbe und Parameter birgt, andere Prioritäten und Level.
Und dass das wichtige ist, zu erkennen was man selber bereit ist zu fordern.

Ich habe das Buch verschlungen. Es ist ganz toll geschrieben, liest sich leicht, ist aber ein Buch mit Tiefe, einer sehr sehr angenehmen Tiefe.
Man bedenkt unweigerlich seine eigene Beziehung, bzw. seine Einstellung zu Beziehungen und wie man sie selbst führen möchte oder vielleicht muss um Erfüllung in ihr zu finden.
Ein Buch mit manchmal ernüchternden Erkenntnissen die dann aber positiven Aha-Momenten weichen.
Ein wirklich tolles Buch.
Und ich werd wohl nicht mehr sagen: Es ist unwahrscheinlich dass wir Menschen die einzigen Lebewesen unserer Art in einem derart großen Universum sind...
:o)

Détails sur le produit
Poche: 338 pages
Editeur : LGF (17 novembre 2005)
Collection : Le Livre de Poche
Langue : Français
ISBN-10: 2253114901
ISBN-13: 978-2253114901