Freitag, 26. Oktober 2007

Ulik au pays du desordre amoureux von Francois Lelord


Müsste ich ganz schnell einen meiner Lieblingsautoren nennen, wäre Francois Lelord ganz oben mit dabei und Ulik au pays du desordre amoureux gehört mit zu den feinsten Büchern die ich habe.
Und so habe ich es auch zum dritten mal wieder sehr sehr gerne gelesen und zwei Tage Spaß an der Sicht eines Inuit auf uns Westler gehabt.

Ulik wird als abgesandter seines Inuit Stammes nach Europa geschickt um dort mit der Unesco sein Dorf das Weltkulturerbe ist zu vertreten und gleichzeitig seinen Sponsor, eine in Alaska tätige Erdölfirma in ein positives Licht zu rücken.

Ulik fühlt sich einsam im Hotel, ein Gefühl das er nicht kennt, zuhause in seinem Stamm ist man nie allein.
Und so zieht er bei der Unesco Mitarbeiterin Marie-Alix ein. Die hat eine 17 jährige Tochter und einen kleinen Sohn, der vermutlich an einem Aufmerksamkeitsdefizit leidet oder an einer anderen mentalen Auffälligkeit, ganz genau wird dies nicht benannt, es bleibt dem Leser nur, wie bei Lelord üblich, die sanften Beschreibungen auf sich wirken zu lassen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Ulik ist ein aus der Fremde kommender Beobachter unseres zwischenmenschlichen Verhaltens und bringt den Leser immer wieder zum Schmunzeln und Nachdenken, wie verkompliziert unsere zwischengeschlechtliche Kommunikation und unsere Beziehungsansprüche inzwischen sind.
Er erlebt seine kleinen Abenteuer im Alltag und in der Welt der wichtigen Führungspositionen und er hört nicht auf, sich über seine Entdeckungen zu wundern.
Hilfreiche Antworten gibt ihm der inzwischen zum Freund gewordene Psychologe von Marie-Alix Sohn, Doctor Hector, den der Francois Lelord Fan natürlich schon bestens kennt und sich über seine Gastrolle kräftig freut.
Doctor Hector erklärt Uik die vermeintlichen Beweggründe der Frauen und Männer unserer Gesellschaft und Zeit und lässt sich gleichzeitig von Ulik helfen, selbst ein bisschen besser zu verstehen, was ihm gut tut.

Eine der Haupterkenntnisse die er bei seinem Aufenthalt gewonnen hat ist wohl der, dass er noch nie so viele Menschen in so kurzer Zeit auf einem Fleck getroffen aber auch noch nie so viel Einsamkeit und Unzufriedenheit unter ihnen entdeckt hat.
Wir haben so viele Möglichkeiten, unsere Partner zu finden, aber machen es uns durch unsere Ansprüche und Wünsche, unsere Suche nach dem immer besseren fast unmöglich, eine schöne, zufriedene Beziehung zu führen.
Und auch für Frauen ist das Buch eine willkommene, heitere Möglichkeit der Selbsterkenntnis, zeigt es doch wunderbar die Schizophrenie unsere Ansprüche: unglaublich emanzipiert und unabhängig zu sein und uns doch nach Stärke und einem Beschützer zu sehnen.

Ulik lernt das Leben im Westen schätzen, und auch wenn er sich zu seiner Inuit-Versprochenen Navaranava zurück sehnt, geht er doch eine Beziehung mit Marie-Alix ein und wird gerne ein temporärer Teil ihrer kleinen Familie. Er pflegt darüber hinaus eine Affäre mit einer Prostituierten, die er in seiner ersten einsamen Nacht im Hotel kennen und sehr schätzen gelernt hat.

Von der Erdölfirma eingespannt lässt sich Ulik zu Werbemaßnahmen einspannen, die ihn zum gefragten Star machen und auch seine Interviews zu den von ihm beobachteten Unterschieden zwischen dem Leben im Eis und dem in der Stadt, dem zwischen den tradierten Rollen seines Stammes und den komplizierten, emanzipierten im Westen sind gefragt.

Je länger Ulik bleibt, desto weiter rückt das Leben im ewigen Eis in die Ferne, aber am Ende ist die Sehnsucht nach Navaranava und dem Leben in Einfachheit und klaren, unkomplizierten Rollenverteilungen größer.
Der Inuit Jäger in Ulik möchte zurück. Nach Hause. Er hat als Botschafter seines Stammes in der Fremde so viel Geld verdient, dass er nun guten Gewissens zurück kann um dort sein Leben als Jäger wieder aufzunehmen und in einer vorhersehbaren Beziehung und Zukunft alt zu werden.

Doch das bekannte Leben seines Stammes gibt es so nicht mehr. Während seiner Abwesenheit hat die so genannte Zivilisation Einkehr gehalten in die ursprüngliche Welt der Inuit und sie mit Alkohol und den neuen Anforderungen zerstört.

Und so nimmt Ulik Navaranava und das verdiente Geld und sucht sich einen Flecken Erde, der noch ursprünglich und einfach ist, angelt und geniesst das Glück, erkannt zu haben, wie einfach das Leben und eine harmonische Beziehung sein können, wenn man nur weiß was wirklich wichtig ist.

Ein kleines Buch und ein ganz ganz großer Schatz in meinem Buchregal.



Produktinformation

* Verlag: Import F; Presses Pocket, P.
* Pocket
* 2005
* Ausstattung/Bilder: 2005. 269 S.
* Französisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 132g
* ISBN-13: 9782266142120
* ISBN-10: 2266142127
* Best.Nr.: 14183112

Donnerstag, 25. Oktober 2007

George's Secret Key to the Universe von Stephen und Lucy Hawking


Diesmal ein Kinderbuch, empfohlen für Kinder ab 8 Jahre. Und Für Wissenschafts-Nulpen wie mich die gerne Kinderbücher mit schönen Illustrationen lesen. Und das haben wir, ein Buch geschrieben vom Ausnahmegenie Stephen Hawking und seiner Tochter Lucy.

In der Geschichte trifft der kleine George, dessen Eltern ehr technophobe Müsli-selber-Mischer sind auf die kleine Annie und ihren enthusiastischen Wissenschafts-Vater die kürzlich in das Haus nebenan eingezogen sind. Nach anfänglichen Kabbeleien freunden sich die zwei Kinder an und George lässt sich von Eric und Annie mit dem Supercomputer Cosmos bekannt machen der in der Lage ist, seine Benutzer an jegliche, ihm bekannte Plätze im Universum zu transportieren.
Und so kann George live und im Zeitraffer miterleben, wie ein Stern entsteht und später stirbt und dadurch all die Elemente frei gibt, aus der letztendlich wir und unsere Welt bestehen. Er erfährt viel über Planeten, Sterne, und Kometen und erlebt später auch ein Abenteuer das ein schwarzes Loch involviert aus dem er Annies Vater befreien muss. Gut dass dieser über schwarze Löcher geforscht und auf dem Kenntnisstand Stephen Hawkings ist, der die Theorie vertritt, dass Dinge die in Schwarze Löcher hinein geraten, auch später unweigerlich wieder ausgespuckt werden, zwar in ihre Moleküle aufgeteilt aber immerhin!
Und George erfährt was es mit seinem gruseligen Lehrer Dr. Reeper auf sich hat und warum dieser so unheimlich interessiert an Eric und seinem Computer ist.

Das Buch ist spannend für Kinder und ab und zu auch wissbegierige erwachsene wie mich gleichermaßen, denn die Art wie die beiden Autoren uns Einblicke n die spannende Welt der Wissenschaft geben ist sehr schön gemacht.
Mit einfachen Erklärungen, eingebunden in eine wirklich nette Geschichte in der auch die obligatorische Betonung der Wichtigkeit von Freundschaft und Verantwortung nicht zu kurz kommt und George am Ende eine Brücke zwischen seinen technikfeindlichen, die Erde schützen wollenden Eltern und dem technikaffinen, den Planeten ebenfalls bewahren wollenden Eric schlägt und ein wunderschönes Plädoyer für die Rettung unserer Erde hält.

Neben all den liebevollen Illustrationen finden sich zahlreiche Informationsseiten und Farbbilder die die Planeten und Sterne noch einmal näher erklären und mit brillanten und erstaunlichen Weltraumaufnahmen beeindrucken. Einzig störend fand ich dass sie den Lesefluss etwas unterbrochen haben und nicht so ganz thematisch in die Geschichte eingebunden waren so als hätte man das Buch am Schluss noch nachträglich damit aufgepeppt.
Aber egal, ich empfehle das Buch jedem 10 jährigen und auch Erwachsenen wie mir die gerne mal ein schön geschriebenes Kinderbuch lesen.



Produktinformation

* Verlag: S&S BOOKS FOR YOUNG READERS
* Us.
* Altersempfehlung: ab 8 Jahren
* 2007
* Englisch

* Abmessung: 221mm x 169mm x 29mm
* Gewicht: 499g
* ISBN-13: 9781416954620
* ISBN-10: 1416954627
* Best.Nr.: 22780688

Dienstag, 23. Oktober 2007

P.S. I love you von Cecilia Ahern


Die Lektüre dieses Buches verdanke ich Jo und Icke, die das Buch beide auf Kuba gelesen haben. Und ich empfehle es hier, als feine Lektüre für ein deprimiertes dunkles Winterwochenende oder bei Liebeskummer oder bei dem Bedürfnis nach einem Buch dass sich so flüssig leicht wie ein kitschiger aber schöner Film konsumieren lässt.

PS I love you fängt traurig und ernst an und das Thema des Buches zieht sich auch wie ein trauriger roter Faden durch die gesamte Geschichte und gibt ihr somit einen ernsthaften, tiefgründigen Unterbau, den dieses sonst doch etwas luftig-leicht-unterhaltende Buch auch braucht um nicht trivial zu werden.

Gleich zu Anfang erfährt man von Hollys tragischem und ergreifenden Schicksal:
ihr geliebter Mann Gerry starb vor wenigen Monaten an einem Gehirntumor.
Und nun beschäftigt Holly das ganze Buch hindurch der schmerzende Gedanke, wie sie es denn ohne ihn aushalten soll, waren die beiden doch das perfekte Paar, Seelenverwandte und beste Freunde.
Holly möchte eigentlich gar nicht mehr und daran können auch all ihre Freunde und ihre reizende, turbulente Familie nichts ändern.
Nur Gerry könnte, aber der ist tot.
Aber dann meldet er sich doch: eine Liste, die er vor seinem Tod für Holly schrieb und von der sie jeden Monat eine weitere Anweisung bekommt und deren Ziel es ist, Holly wieder zurück ins leben zu holen und sie für dieses zu begeistern, sich der Welt wieder zu öffnen und zu erkennen dass es sehr wohl noch möglich ist, Spaß zu haben.

Und so ist das Buch eines das auch Mut macht und einem die Augen öffnet, nämlich dass man sich nicht allzu leicht in das tiefe Loch mit hinein fallen lässt das der Verlust einer geliebten Person in das Leben reisst. Denn da sind immer noch so viel mehr Menschen die das nicht zulassen, und die auch helfen, öffnet man sich selbst nur ein wenig und lässt diese Hilfe zu.
In dem Buch selber wird viel geweint aber auch sehr sehr viel gelacht.
Und auch wenn man als Leser sehr oft versteht wie aussichtslos alles für Holly erscheinen mag, so muss man doch mindestens genauso oft mit ihr lachen, sei es Anbetracht der Bridget Jones ähnlichen Situationen denen sie zum Opfer fällt, seien es die amüsanten, schlagfertigen Dialoge die sie sich mit Freunden oder Familie liefert.

Und dann sind da noch all die liebevoll gezeichneten anderen Charaktere in dem Buch, Hollys beste Freundinnen, ihre durchgeknallte Schwester Ciara, ihr verstockter Bruder Richard, der charmante Daniel oder ihre herzensguten, toughen Kollegen.
Das Buch ist auf keiner einzigen Seite langweilig oder langatmig, die kurzen Kapitel liest man wie im Fluge und vielleicht ist es aber das was mich davon abhält dieses Buch als mich total umhauend zu bewerten: es ist zu leicht. Zu heiter, zu amüsant, auch wenn es einen eben auch manchmal traurig mit Holly mitfühlen lässt.

Es ist aber trotzdem ein sehr schönes Buch und manchmal braucht man auch wirklich so ein Buch: was sich mit Freude schnell und einfach lesen lässt und am Ende ein gutes Gefühl im Bauch hinterlässt aber nicht allzu viele Fragen.
Und dass Cecila Ahern knapp über 20 und die Tochter des irischen Premierministers ist hält sie nicht davon ab eine feine Schriftstellerin am Anfang einer bestimmt mit vielen feinen Frauenbüchern gepflasterten Karriere zu stehen.
;o)


Produktinformation

* Verlag: Knv Import; Hyperion Books
* Hyperion Books
* 2004
* Ausstattung/Bilder: 2004. 485 p.
* Englisch

* Abmessung: 17, 5 cm
* Gewicht: 230g
* ISBN-13: 9780786890934
* ISBN-10: 0786890932
* Best.Nr.: 20816377

Montag, 15. Oktober 2007

Le Jardin de Badalpour von Mourad Kenize


Manchmal legt der Zufall einem kleine Kostbarkeiten in den Schoss. So war es mit Le Jardin de Badalpour von Mourad Kenize.
Fünf Minuten Zeit um in einem französischen Secondhand-Buchladen zu stöbern und das erstbeste Taschenbuch erweist sich als wunderbare Lektüre, als Einladung zu einer Reise nach Indien und zu dem, was einem Menschen ausmacht.

Denn die Hauptperson des Romans, Zahr, ist auf der Suche seit sie denken kann.
Auf der Suche nach ihrer Identität, nach ihren Wurzeln, ihrer Heimat und sich Selbst. Und nach Liebe.
Nach dem Tod ihrer Mutter in Frankreich schon als Kleinkind Halbwaise, beginnt für sie eine Odysee durch verschiedene Adoptiv- und Pflegefamilien, katholische Internate. Immer überschatten von Gerüchten und Erzählungen über ihren Ursprung und die Familie ihres Vaters, eines reichen indischen Radjas.
Doch darf das sein? Ist die kleine Christin Zahr in Wirklichkeit die Tochter eines moslemischen Inders? Der am anderen Ende der Welt in einer komplett anderen Welt wohnt?
Oder ist sie doch die nichteheliche Tochter eines amerikanischen Arztes? Oder gar jemand ganz anderem? Zahr, die sich jegliche Hinwendung und Liebe zu ihr aus Mangel an familiären Gewissheiten von Fremden verdienen muss, sehnt sich nach Gewissheit und einem Zuhause, einem wahren Zuhause.
Und nach langem Warten und vielen Kämpfen mit der Wahrheit und sich selber findet sie dieses spät, als junge Erwachsene endlich in Indien. Bei ihrem Vater.
Doch die Zerrissenheit endet hier nicht, im Gegenteil: aufgewachsen in der christlich geprägten, westlichen und liberalen Europa stösst sie sich von Anfang an an dem hinduistischen Kasten- und moslemischen Geschlechtersystem, an den ihr überholt erscheinenden Traditionen und absurd hinterwäldlerisch wirkenden starren Regeln.
Aber Zahr kämpft um Akzeptanz. Und um die Liebe ihres Vaters. Doch wie muss die Liebe eines Vaters zu seiner erst im Erwachsenenalter gefundenen Tochter aussehen?
Und wie eng können Familienmitglieder zusammen wachsen die in unterschiedlichen Kulturen mit teilweise differierenden Werten aufgewachsen sind?

Der Roman ist ein wunderschöner Spaziergang durch Indien und zwischen all den Differenzen und Unterschieden zwischen Okzident und Orient, Islam und Christentum und Hinduismus, Feminismus und Patriarchat.

Am spannendsten fand ich den letzten Teil des Buches, der auf die Geschichte Indiens und den Beginn der Kämpfe zwischen Hindus und Moslems eingeht und die Unsinnigkeit dieser sowie den Missbrauch des Korans zur Auslegung nach eigenen Machtinteressen.
Auf ein paar Seiten, mit eingänglichen, gut gewählten Worten beschreibt Mourad Kenize den Kern der friedlichen und mitfühlenden Religion Islam, die Worte des Propheten und was Männer später daraus gemacht haben.
Datüber hinaus die Fatalität des hinduistischen Kastensystems und die Feststellung das fast alles Streben und Deuten immer nach eigenen Machtinteressen geht und keinesfalls nach Vernunft oder Gemeinsinn. In sofern kann sich keine Religion mit Unschuld rühmen.

Zusammengefasst also eine schöne Lesereise nach Indien, mit vielen ragen auf dem Weg die zum eigenen Reflektieren und Beantworten verleiten.


Produktinformation

* Verlag: Import; Librairie Generale Francaise, P.; Fayard, P.
* 2000.
* Le livre de poche Bd.14866
* 2000
* Ausstattung/Bilder: 569 S.
* Französisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 262g
* ISBN-13: 9782253148661
* ISBN-10: 2253148660
* Best.Nr.: 08941195

Dienstag, 9. Oktober 2007

Middlesex von Jeffrey Eugenides


Über Jeffrey Eugenides Middlesex gibt es wahnsinnig umfangreiche Rezensionen, Analysen, Rekapitulationen und Hymnen im Internet.
Darum mag ich gar nicht viel schreiben, ausser, dass Middlesex ein GRANDIOSER Roman ist, der unterhält und fesselt und meiner Meinung nach noch besser ist als The Virgin Suicides das ich etwas weiter unten schon vorgestellt habe.

Middlesex ist ein großer Roman einer großen Familiengeschichte, die der griechischen Familie Stephanides, bestehend aus Lefty und Desdemona, Geschwistern und Geliebten, die, beim Überfall auf Smyrna 1922 vor den Türken flüchtet und in Amerika ein neues Leben beginnt und eine neue Familie gründet. Das diese auf fragilen Füßen steht ist Desdemona von Anfang an klar, ihr Leben lang leidet sie unter der Sünde die sie mit der Heirat ihres Bruders begangen hat und für die zwei Generationen später ihre Enkeltochter Calliope bezahlen wird, deren Körper sowohl von einer Frau als auch von einem Mann hat.

Calliope ist auch die allwissende Erzählerin, bzw. der allwissende Erzähler des Romans, reist er doch durch die Zeit um nicht nur die Geschichte von den Großeltern in Griechenlaad und ihre Anfänge in Amerika zu erzählen, als auch die seiner Eltern in der griechisch-amerikanischen Zwischenkultur und dann noch die ihre/seine, als Kind, Jugendliche und später als erwachsener, männlich auftretender Hermaphrodit in Berlin.

Entgegen meiner anfänglichen Erwartung und auch etwas Befürchtung entpuppt sich Middlesex aber nicht als Roman der als zentrale Thema Zwittergeschlechter oder Genmutationen durch Inzest oder was auch immer behandeln, so wie man es beim Lesen des Klappentextes meinen könnte.
Zum Glück.
Denn zwischen all den Seiten entfaltet sich eine wunderbare spannende, mitreissende und amüsant-tragische Familiensaga.
Das aufeinander treffen von alteuropäischen Griechenland auf neukapitalistisches Amerika. die Konflikte zwischen Generationen und Geschlechtern, alles unglaublich flüssig, eloquent und fesselnd von Eugenides in niemals überflüssige Worte gefasst.
Natürlich ist es auch die Geschichte von Calliope selbst, die sich später Cal nennt und der späten Entdeckung ihrer Besonderheit. Ein Roman über eine große, liebenswerte und spannende Familie und die Geschichte einer Heranwachsenden zwischen den Welten.
Und darüber hinaus ein großartiger Roman über die Unterschiede zweier Kulturen, zweier Generationen und zweier Geschlechter.

Ein Buch das mich Lächeln macht bei dem Gedanken es später noch einmal zu lesen. Also ein GRANDIOSES Buch.



Produktinformation

* Verlag: Bloomsbury Publishing
* Bloomsbury 21 Vol.14
* 2007
* Ausstattung/Bilder: 2007. 529 p.
* Englisch

* Abmessung: 20 cm
* Gewicht: 575g
* ISBN-13: 9780747590088
* ISBN-10: 0747590087
* Best.Nr.: 20931233

Montag, 8. Oktober 2007

Extremely Loud & Incredibly Close von Jonathan Safran Foer




Und hier ein besonders originell geschriebenes Buch, dass zum Schnmuzeln und manchmal auch fast zum Weinen bringt:
Extremely Loud & Incredibly Close von Jonathan Safran Foer.

Protagonist ist der neunjährige Oskar. Er ist in Therapie denn sein Vater kam bei den Anschlägen vom 11. September ums Leben.
Oskar ist ein aufgeweckter Junge, sehr eloquent, altklug und spitzfindig aber auch ein bisschen eigen. Er lebt ein wenig nach selbstgesetzten Regeln und ist darüber hinaus ein Erfinder, der permanent wunderbare Dinge erfindet und in sein Buch schreibt, die das Leben verschönern und erleichtern können.
Nur die schmerzhafte Lücke, die der plötzliche Tod seines Vaters in sein Leben gerissen hat, kann Oskar nicht weg erfinden, sie ist eine Tatsache.

So wie der Schlüssel den Oskar eines Tages im Zimmer seines Vaters findet, ein Schlüssel der bestimmt eine Tür zu seinem Vater öffnet, eine Lösung auf all die Rätsel die er ihm zu seinen Lebzeiten als Spiel hat aufgegeben.

Und da Detektive im Geheimen arbeiten, weiht auch Oskar kaum jemanden in seine Suche nach dem mysteriösem "Black" ein, Name der auf dem Umschlag mit dem Schlüssel steht.

Oskar beginnt eine aberwitzige Suche durch ganz NewYork, seinen das Leben verkomplizierenden Regeln aber ihm Sicherheit gebenden Regeln folgend.
Und der Leser selbst entschlüsselt nach und nach mehrere Geheimnisse, das hinter Black und Oskars Vater und dann das Geheimnis von Oskars Großmutter und ihrem damals verschwundenen Mann, Oskars mysteriösen Großvater.

Das Buch ist eine Geschichte des Schmerzes und der Suche nach Linderung. Eine Geschichte über plötzliche Verluste die so große Lücken in das eigene Leben reissen dass man selbst verschwinden zu scheint.
Es ist aber auch ein hoffnungsvolles Buch, da die Protagonisten sich ihrem Schmerz nicht hingeben sondern ihn zu lindern versuchen.
Und das teilweise mit Methoden, die den Leser zum Lachen bringen.

Ein Buch mit einem sehr ernsten Thema also, dass aber mit witzigen Einfällen und Dialogen zum Lachen bringt.
Und darüber hinaus, sei es durch die Wendungen und Enthüllungen in der Geschichte, als auch den sehr originellen Schreibstil fesselt und überrascht.
Ein sehr, sehr gutes Buch.



Produktinformation

* Verlag: Penguin
* 2006
* Ausstattung/Bilder: 2006. 326 p.
* Englisch
* Abmessung: 18 cm

* Gewicht: 270g
* ISBN-13: 9780141025186
* ISBN-10: 0141025182
* Best.Nr.: 20752541