
Ein neuer Roman von Paulo Coelho und ein ganz toller, erfrischend anderer.
Denn auch wenn das beherrschende Thema wieder ein spirituelles ist, oder DAS Thema Coelhos, nämlich unbeirrt durch äußere Einflüsse der inneren Stimme zu folgen, den eigenen Weg zu finden und trotz Hindernisse zu gehen, so ist die Form, wie er uns dieses Thema nahe bringt, anders als bei seinen vorherigen wunderschönen Romanen.
"Dieses Thema" ist das wichtigste der Menschen vielleicht, das Thema was uns vereint und zu Menschen macht.
Es geht nicht und bei Coelho nie um die EINE Religion, es ist immer ein Weg, der alles und alle verbindet und auch hier der wichtigste ist.
Es ist wird deutlich dass keiner der großen Kirchen falsch liegt, aber auch, dass keine ein Monopol auf Wahrheit und Richtigkeit hat.
Gott, oder das was viele von uns so nennen und das in diesem Buch durch die "Mutter" zum Wort wird, ist in uns drin und was wir tun müssen ist nicht, Traditionen und alten Ritualen zu folgen die uns innen drin nicht mehr berühren, sondern unseren eigenen, persönlichen Weg zu ihm und somit zu uns zu finden.
So wie es in dem Alchimisten und in den anderen Büchern von Paulo Coelho auch immer um diesen Weg geht, der in keinem Buch der gleiche ist, da auch wir Menschen uns niemals so sehr gleichen um auf dem selben Wege zu uns zu finden.
Aber was ist "zu uns"?
Auch das möchte Coelho behutsam erklären, in jedem Buch etwas mehr aber in keinem dogmatisch oder auf den Anflug von Vollständigkeit oder für jeden passend zugemünzt.
Jedes Buch besitzt die unglaubliche, unschätzbare Qualität den Leser zum Nachdenken über sich selbst und sein eigenes Gemüt zu bewegen.
Nachdenken über das was uns WIRKLICH wichtig ist, was wir glauben, was uns antreibt und herausfordert.
Und in diesem Buch ist der Weg ganz besonders deutlich zu erkennen, vielleicht dadurch, das Coelho nicht aus der Sicht einer Person spricht, sondern andere berichten lässt. Das Ganze bekommt etwas ungemein authentisches, Pathos befreites und erfrischend aufregend zu lesendes.
Die Erzählform ist originell, der Leser bekommt durch zahlreiche Zeitzeugenaussagen die Geschichte von Athena, oder Sherine Khalil, der "Hexe von Portobello" erzählt.
Doch was ist eine Hexe? Nach dem Lesen dieses wundervollen Romans wohl nicht das was sich viele darunter vorstellen.
Und auch mich schüttelt es jedes mal wenn ich hier "Hexe" schreibe und vielleicht ist es auch gar nicht das Wort das man in der Deutschen Übersetzung genommen hat? Ich hoffe es, aber sorcière ist wohl das was wir Hexe nennen und was man unmenschlich in der Vergangenheit verfolgt, gefoltert und verbrannt hat.
Weil sie, wie es in dem Roman thematisiert wird, sich nicht an die oft willkürlichen, auf ökonomischen und politischen Vorteil bedachten Regeln der Kirche hielten. Weil sie ihren eigen Weg zu unserem Schöpfer/unserer Schöpferin finden wollten.
Man hat sie Hexen genannt, auch wenn keinerlei Zauberei involviert war, und auch die Hexe von Portobello kann nicht zaubern. Aber das Leben von Menschen umkrempeln und ihnen ihren eigen Weg zu sich selbst und der Kraft zeigen, die hinter allem steckt. Und darum ist sie es vielleicht doch. Eine Hexe.
Athena, die als Baby in Rumänien von einer Zigeunerin zur Adoption freigegeben und dann von liebenden Eltern aus Beirut adoptiert wurde und durch den Krieg dort im Libanon in London landet, ist früh etwas anders als andere Kinder.
Nicht das sie zaubern könnte. Nein, das macht eine Hexe nicht aus.
Sie ist aufmerksamer, sieht Dinge die andere nicht sehen und ist schon früh nach einem Verlangen erfüllt, spirituelle Erfüllung und ihre Wurzeln zu finden.
Doch die Kirche, in der sie sich so wohl und nahe bei Jesus gefühlt hat, verweigert ihr nach ihrer Scheidung die bedingungslose Aufnahme und Athena wendet sich voller Groll ab.
Sie hat früh geheiratet, einen Sohn bekommen und damit erst einmal alles was sie wollte, ein Kind das vielleicht die Lücke in ihrem Leben schliessen würde, die das Unwissen über ihre leibliche Mutter und ihre Herkunft gelassen hat.
Ihr Mann erzählt von dieser Lebensphase, etwas verbittert und vermutlich immer noch verliebt in die Mutter seines Kindes.
So wie viele sie lieben oder zumindest in unerklärlicher Anziehungskraft zu ihr aufsehen.
Denn die Geschichte wird aus ihren Augen erzählt,
aus der Sicht ihres damaligen Mannes, ihrer Mutter, ihrer Meisterin, ihrer Schülerin, des Journalisten Heron und anderer Menschen, die Athena in London oder wo anders auf der Welt begegnet sind.
Denn Athena ist weit gekommen, nicht nur auf ihrem persönlichen Weg, auch in der Welt.
Ehr durch Zufall hat sie durch ihren Vermieter die extatischen Wirkungen eines alten Tanzes aus der Steppe Russlands erfahren, und die Anleitung, den "Gipfel" zu erreichen um besser sehen, die Welt verstehen zu können.
Sie lernt wie positiv es auf andere wirkt, selbst positiv zu denken und zu wirken und sie erkennt, dass man mit der eigenen Einstellung und Stärke andere verändern, "verzaubern", zum glücklicher sein verändern kann.
Und so ändert sich zunächst das Betriebsklima in ihrer Bank merklich, ihre Kollegen werden nach Gesprächen mit ihr zufriedener und entusiastischer, was sich merklich auf den ökonomischen Erfolg der Bank auswirkt.
Athenas Methode wird von ihrem Vorgesetzten erkannt und er erfüllt ihr den Wunsch, sie ihn den Mittleren Osten zu versetzen.
Denn Athena, die nach ihren ersten Versuchen mit der Derwisch-Gruppe ihres Vermieters glaubte, so die weissen Stellen in ihrer Seele füllen zu können, merkt dass sie zwar durch das tanzen in Bereiche in ihr vorstösst, die sie bisher nicht kannte, aber sie kommt nicht weiter, denn sie merkt dass sich da noch mehr verbirgt.
Athena reist so mit ihrem kleinen Sohn nach Dubai um für die dortige Filiale tätig zu sein.
In der Wüste lernt sie ihren neuen Lehrer kennen, der ihr mittels der alten Kunst der Kalligraphie den Weg zu ihr selbst, der sich durch Geduld und Muße von den Hürden des Alltags befreien lässt, näher bringt.
Viel Zeit verbringt Athena bei ihm und lernt, verändert sch weiter, findet stärker zu ihr selbst.
Und stösst aber auch hier an ihre Grenzen. So findet sie eine neue Lehrerin, eine Schottin, die vielleicht das ist, was dem Begriff der von Coelho thematisierten Hexe am nächsten kommt. Sie lebt in völligem Einklang mit sich und ihrer Umwelt, ihren Mitmenschen und der Kraft die uns geschaffen hat. Von ihr wird diese Mutter genannt.
Sie zeigt Athena den Weg zu dieser Kraft und eröffnet ihr die Möglichkeit, direkt mir ihr zu sprechen oder diese durch sie sprechen zu lassen.
Und so verändert Athena nicht nur das Leben des Journalisten Heron, der sich auf den ersten Blick in sie verliebt hat, auch das von dessen Freundin Andrea, einer Schauspielerin und vielen, vielen anderen Menschen.
Athena zeigt ihnen wie man den Weg zu der Kraft findet nach der wir alle streben, nach dem was wir als ausgeglichene Zufriedenheit empfinden, als Zustand bei dem das Streben und Hetzen zur Ruhe kommt.
Doch je mehr Menschen es werden, um so größer wird auch der Widerstand der Kirche, die Ketzerei in den Taten Athenas wittert, in ihrer Macht, den Menschen das zu geben was die Kirche oft nicht mehr leisten kann und das alles ohne Zwänge, oder feste Regeln und einengende Rituale.
Und es scheint sich zu wiederholen was auch damlas geschah mit denen die sich nicht dem Diktat der Kirche beugten und trotzdem einen festen glauben besaßen. Die Geschichte von Jesus Christus vielleicht sogar.
Aber das schönste für Leser wie mich war das Ende, voller Liebe, Hoffnung und Happy End, was für andere aber bestimmt auch überraschend oder gar unpassend erscheinen kann. Kitschig? Unglaubwürdig im Sinne von sehr schwer erklärbar? Vielleicht. Aber ist Liebe und die Kraft die sie besitzt nicht genau das? Dinge zu verzaubern, zu verändern und selbst nicht erklärbar zu sein?
Kern dieses Buches ist wohl, neben dem "Thema", der Wandel in dem wir und befinden. Der Wandel der Kirchen und unserer Haltung zu ihnen und zur Religion allgemein. Eine Rückbesinnung auf das Wesentliche, Individuelle aber doch Einende, auf den Weg den wir gehen müssen um zu "ihm", zu "ihr" oder auch zu "uns" zu finden, zu dem was viele Gott nennen aber noch viel mehr anders aber was im Kern das EINE ist, das was uns Menschen zu Menschen macht uns uns eine Bestimmung gibt.
Ein aktuelles Buch daher, ein Buch dass wie alle Coelho Bücher gegen die Kämpfe unter den Kirchen und Konfessionen angeht und uns behutsam und leise sagen möchte dass das alles vergeudete und negative Energie ist, die wir da verschwenden.
Viele Menschen wenden sich von den großen Kirchen ab, erkennen an dass viele der traditionellen Rituale von ihnen nur noch aus Gewohnheit ausgeführt werden aber der wahre Sinn dahinter, nämlich uns einen Weg und eine Möglichkeit diesen zu gehen zu Gott zu finden verschwunden sind.
Für viele mag dieser Weg noch ein effizienter sein, aber für sehr viele auch ist er verwischt oder gar verschwunden.
Und diese Menschen müssen erkennen, dass in ihnen drin noch unzähliche Türen sind, die auf den eigenen Weg führen, man muss diese nur erkennen und den Mut aufbringen, sie bewußt zu durchschreiten.
Und auch wenn in dem Buch die katholische Kirche den Kampf gegen die "Hexe" aufnimmt mit ihrer die Liebe predigenden "Religion", so macht Coelho doch deutlich, dass der Weg, den Athena aufzuzeigen versucht, bereits für uns alle als Beispiel gegangen worden ist: von Jesus Christus.
Denn war nicht der Kern seiner Aussage der, dass man durch die Liebe das Königreich des Himmels erreichen konnte? Mit der eigenen Liebe die Menschen um einen herum verwandeln und so die Welt in der wir LEBEN bereits zu eben jenem Paradies machen könnten?
Und machte Jesus Unterschiede unter den Menschen? Bestand er auf Rituale oder die Einhaltung überholter Regeln?
Hat er sich nicht auch, wie Athena am Ende des Buches und wie all die als "Abtrünnige" von der Kirche zum Tode verurteilten trotz aller Gefahren und Anfeindungen nicht von seinem Weg abbringen lassen? Hat er nicht auch selbstlos für den Weg der Liebe zueinander eingestanden?
Und wurde nicht auch er für seine Revolution der Einfachheit und der Liebe für jeden zum Tode verurteilt? Und zwar von der damals vorherrschenden "Kirche"?
Es ist nicht neu was Athena und die, de ihrer "Lehre" Folgen oder sie unterrichten sagen, es ist nicht neu und es ist nicht okkult.
Es ist die einfache Rückbesinnung auf das Wesentliche, die Wiederentdeckung der Freude am Leben, an der Welt, an dem was uns umgibt und an den Menschen die wir treffen. Es ist der Ausdruck der iebe die wir empfinden und der Mut, den eigenen Weg zu gehen, sich nicht von Ritualen und Traditionen die uns einengen blenden zu lassen.
Athena ist keine Hexe und sie ist nicht der Antichrist für die sie viele der ideologisch verblendeten Kirchendogmatiker in dem Buch halten.
Athena ist ein Mensch der maximales Bewusstsein für das Leben sucht und an die unübertreffbare Macht der Liebe glaubt.
Ein Mensch der weißt was ein Mensch ist und wozu er fähig ist. Sie hat ihren Weg gefunden und dieser Weg hat ihr gezeigt, über welch vergessenen Kräfte wir Menschen verfügen. Welche unsterbliche Kraft unsere Seelen haben, denn vielleicht sind sie es, die vom Funken dessen beseelt sind, den viele "Gott" nennen. Oder dem sie einen anderen Namen geben.
Es ist alles das Eine, das in uns allen drin. Wir müssen nur anfangen aufmerksam zu sein, aufmerksam für das was uns um herum passiert und auf das was wir in uns drin fühlen.
Détails sur le produit
* Broché: 280 pages
* Editeur : J'ai Lu (28 février 2008)
* Collection : J'ai lu roman
* Langue : Français
* ISBN-10: 229000734X
* ISBN-13: 978-2290007341