
Ahhh, ich bin immer noch am schmunzeln wenn ich an das Buch denke! Was für ein großartiges Lesevergnügen!! Und was für ein Nachhall! Ganz oft muss ich an so typisch französische Marotten denken und all die Fettnäpfchen in die Paul (Pol) West im Umgang mit ihnen getapst ist!!
Ein Buch wie für mich gemacht: wo ich doch so gerne in englischer Sprache lese und Frankreich und die Franzosen so lieb gewonnen hab, trotz oder wegen ihrer... Eigenarten!!
Dem Autor ist es gelungen, niemanden als böse oder verschroben darzustellen, auf die merkwürdigste Eigenart lässt er den Leser mit einem Lächeln blicken und Paul ist ein grundsympatischer Zeitgenosse, trotz seines oft fragwürdigen Verhaltens in Beziehungsdingen...
Paul West kommt im ersten Roman "A Year in the Merde" nach Paris um für einen französischen Großkonzern, der bisher ehr auf die Fleischvermarktung spezialisiert war, eine typisch britische Tee-Café-Kette zu etablieren.
Schnell merkt er, dass die Franzosen ganz anders ticken las die Briten, ihre Haltung zur Arbeit und zum Leben eine andere ist, was nicht schlecht sein muss aber erst einmal gewöhnungsbedürftig ist.
Und auch die Französinnen verhalten sich größtenteils ganz anders als die Engländerinnen, was dem Lebemann Paul am Anfang ratlose Episoden beschert.
Und so lernt er begierig gemeinsam mit dem Leben immer mehr über dieses ihm Anfangs noch so fremde Volk, findet heraus wie man am besten mit ihnen und ihrer Bürokratie klar kommt und man in Paris Getränke bestellt ohne wie ein ahnungsloser Tourist abgezogen zu werden.
Doch da Paul wie ein Magnet Chaos und komische Situationen anzieht, wird das Leben für ihn nie einfach sein und für den Leser nie langweilig.
Man lernt so viel en passant und amüsant über die Franzosen, ihre Art Politik zu machen, das Leben zu betrachten und ihre Auffassung von Arbeit, Spaß und Beziehungen, ihren Nationalstolz und ihre Sprache.
Ja, besonders die Regeln und Vorschriften die die Nutzung ihrer Sprache erlauben und sogar vorschreiben.
Paul schlägt sich wacker, taumelt von einem Fett-Näpchen in das nächste, versucht mit den Französinnen klar zu kommen und mit der Stieseligkeit seiner Kollegen, versucht hinter die Geheimnisse des französischen Verständnisses von Arbeit, Dienstleistung und Effektivität zu kommen, die hiesige Arbeitsmoral zu verstehen und natürlich: nicht in jeden die Trottoirs verzierenden Hundehaufen zu treten.
sein offizieller Auftrag, eine britisch anmutenden Teeladen-Kette in Paris zu etablieren wird leider durch den Irak-Krieg und politische Verstimmungen torpediert, aber auch andere Mauscheleien arbeiten gegen ihn und Paul muss sich überlegen, wie es mit ihm weitergeht.
Zum Glück ist er ein Optimist und Anpacker und der Leser kann so beruhigt immer weiter neuen Fett-Näpchen und Hundehaufen entgegen fiebern.
Produktinformation
* Taschenbuch: 382 Seiten
* Verlag: Random House UK (März 2005)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 0552153079
* ISBN-13: 978-0552153072
Der zweite Roman beginnt mit Pauls und Florence Urlaub bei ihrer Mutter, auf dem Land: Dort bekommt der gutmütige Engländer viele Gelegenheiten um in Fettnäpfchen zu treten, von denen er auch kaum welche auslässt.
Und so kann der Leser sich am Frühstück erfreuen, bei dem Paul hungrig eine der Schalen mit Cornflakes füllt, auf die dann von der Mama der Kaffee gegossen wird. Und dem sich dann die Frage anschliesst, ob sie ihm auch gleich die Marmelade hineingeben soll, denn anscheinend würden Engländer ihr Frühstück ja auf eigentümliche Weise zu sich nehmen...
Die latenten Ressentiments gegen den Briten wachsen sich zu immer lustigeren Begebenheiten aus und so endet der Urlaub von Paul quasi in einer Flucht zurück zu der Baustelle die sein großes Projekt, ein britischer Tee-Salon in Paris, noch ist.
Hier beginnt dann der zweite amüsante Teil des Buches und wieder muss man als Pariskenner und Franzosenfreund oft lachen und sich über manche Reglements wundern. Paul gibt aber nicht auf, begegnet den Auflagen zum Schutze der französischen Sprache mit Humor, übt sich in Geduld der Arbeitsmoral seiner Mitarbeiter gegenüber und versteht dass der Leitspruch "der Kunde ist König" in einem Land wo die Monarchen geköpft wurden, nicht so ganz seinen Zweck erfüllt...
Darüber hinaus ist ihm auch bewusst geworden, für wen sein Herz wirklich schlägt und Paul kämpft sich sympathisch in das Leben seiner Ex-Freundin zurück, leider oft so unbeholfen wie es manchmal seine Art ist und so kommt es zu unglaublich lustigen Szenen in denen der Leser nicht weiß ob er lachen oder vor Mitleid weinen soll, weil Paul schon wieder in der Tinte sitzt.
Aber am Ende wird natürlich alles gut, und das gehört sich auch so wen man ein Buch liest, dass mit sehr viel Schalk und keinerlei Boshaftigkeit oder Xenophobie die charmanten Klüfte zwischen zwei Nationen aufzeigt und ihnen das Beste und Eigentümlichste beider Seiten präsentiert.
Ein Buch prädestiniert dafür, verfilmt zu werden, denn es liest sich so bildhaft und ist so voll mit Situationskomik, dass Stephen Clark seine Romane bestimmt mit Leichtigkeit zu Drehbüchern adaptieren könnte.
Und ich denke, dass ich in diesen Fällen Ausnahmen machen würde um die Filme zu sehen, ohne Gefahr zu laufen, enttäuscht zu werden. Denn hier kann ein Film es schaffen, an den Roman heran zu kommen.
Ein ungemein vergnügliches Leseerlebnis, heiter und locker, informativ und nicht belehrend, niemals seicht und trivial, aber auch nie pathetisch oder über Gebühr tief schürfend.
Ich liebe die Bücher!
Produktinformation
* Taschenbuch: 368 Seiten
* Verlag: Bantam Press (September 2005)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 0593054776
* ISBN-13: 978-0593054772
* Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 13,6 x 3,2 cm