Freitag, 19. September 2008

La foret des renards pendus von Arto Paasilinna


Oh, schon wieder musste ich einen wundervollen Roman von Arto Paasilinna aus den Händen legen ohne eine neuen Nachfolger auf meinem Leseschränkchen zu haben. Naja, es gibt noch ein paar ungelesene Werke die ich mir beizeiten kaufen werde und das beruhigt.
Denn wieder einmal wurde ich von diesem grandiosen finnischen Autor nicht enttäuscht und wieder einmal befand ich mich schon nach wenigen Seiten in der finnischen Einöde, konfrontiert mit wilder aber schöner Natur und wilden, kauzigen aber liebeswerten Finnen.

Diesmal sind die Protagonisten aber keine unschuldig von der Gesellschaft malträtierten und gepiesackten Eigenbrötler sondern verschrobene Kriminelle oder zumindest mürrische Grobiane.
So ist die Hauptperson ein Ganove wie er im Buche steht: ein Betrüger und Dieb der mit seinen Beutezügen ein angenehmes Leben in Luxus und frivoler Gesellschaft geniesst und an eigentlich niemand anderen denkt als an sich.
Und so hat Rafael Juntunen auch keine Skrupel, zwei zu einem Goldraub angeheuerte Komplizen zu betrügen: die beiden wandern nach dem Raub wie geplant ins Gefängnis während er den großen glänzenden Schatz versteckt, doch anstatt sie nach ihrer Freilassung dafür zu entlohnen, türmt Rafael Juntunen mit all dem Gold.
Lieber für immer auf der Flucht mit seinem Schatz als derart blöden Taugenichtsen auch nur eine Unze abzugeben ist seine Devise.

Und so landet er nach ein paar Umwegen in der menschenleeren finnischen Moorlandschaft und schlägt in einer alten verlassenen Hütte sein Lager auf.
Doch leider wird seine Ruhe schon bald durch ein paar Militärmanöver gestört, denn ausgerechnet hier, wird ein Krieg simuliert um die finnischen Truppen fit für eventuelle Zukunftsentwicklungen zu machen.

Geleitet werden diese vom griesgrämigen Major Remes, eine Mann mittleren Alters mit großem Alkoholproblem und noch größerem Problem mit seinen Vorgesetzten und dem Zustand seiner Truppen.
Er ist ausgebrannt, hat seine Arbeitsmoral verloren und der Glanz seines Heeres ist den Bach runtergegangen und er steht mehrmals am Tag vor der Überlegung, ob er sich nu erschiessen oder wieder betrinken soll.
Um den finalen Entschluss hinaus zu zögern nimmt er sich eine Auszeit, will sich vielleicht fortbilden, egal, Hauptsache etwas anderes machen und sehen ob das Leben nicht doch Spaß machen kann.

Und als er hört dass in der finnischen Pampa ein komischer Kauz sitzt der sich allein all den ihre Übung durchführenden Truppen widersetzt, beschliesst er, diesen Kerl aufzusuchen und sich anzusehen was das für einer ist.

Und so treffen die beiden aufeinander und nach einigen Diskussionen und anfänglichen Raufereien beschliessen die beiden für einige Zeit der Zivilisation den Rücken zu kehren und es sich in der Hütte behaglich zu machen.
Juntunen verspricht dem Major einen fair festgelegten Tariflohn, wenn dieser für ihn allerlei anfallende Dinge besorgt und verrichtet, angefangen vom Jagen bis hin zum Kochen und haushalten. Anfang mürrisch findet der alte Major immer mehr Gefallen und Erfüllung an den Aufgaben, auch wenn es ihn stört, dass er das Gold niemals als Ganzes zu Gesicht bekommt.

Er bekommt immer nur Stückchen davon und wird von Juntunen auf Einkaufstouren in die entfernte Stadt geschickt, wo der Major sich bald schon nicht mehr auf den Erwerb von Lebensmitteln beschränkt, sondern immer mehr Luxusgüter und Möbel für die Hütte erwirbt und diese mit handwerklichem Geschick zu einem kleinen Komfort-Feriendomizil mit obligatorischer Sauna ausbaut.

Die beiden Männer finden immer mehr Gefallen an dem Leben zu Zweit und Juntunen verliert immer mehr den Gedanken an den auf Rache sinnenden Mörder und ehemaligen Komplizen Hemmo Siira aus dem Sinn, der, frisch entlassen, auf seiner Spur ist.

Aber die Zweisamkeit wird bald durch eine renitente Greisin gestört, die partout nicht ins Altersheim will und auf ihrer Flucht den beiden Haudegen in die Hände fällt. Nach anfänglichem Widerwillen gewährt man der Alten und ihrer Katze Obdach und gewöhnt sich schon bald an die weibliche Note und Fürsorge.

Und als der Major dann auch noch ein paar schicke Großstadt-Prosituierte ordert ist das Leben in der Einöde ein einziger Spaß und alles könnte so schön und friedlich sein und für immer weiter gehen, wenn da dieser verflixte Mörder auf der Suche nach dem Gold nicht wäre....

Aber: nichts endet bei Arto Paasilinna allzu tragisch, und der Leser kann beruhigt sein, dass das Buch bis zu Letzt spannend und lustig und am Ende ein wunderschöner Nachhall bleibt.
Ich habe mich jedenfalls grandios amüsiert, viel gelacht und mich sehr oft gefreut über diese ganz spezielle Menschlichkeit und Wärme, die Paasilinna seinen finnischen einhaucht. Wenig Worte werden verschwendet aber große Taten an den Tag gelegt, man drückt Mitgefühl durch Handeln aus, nicht durch blumige Worte.

Und ich tröste mich jetzt mit dem Gedanken, dass dieser wunderbare Autor jedes Jahr einen neuen Roman veröffentlich, der in Finnland ebenso heiß ersehnt wird .
Und ich bin mir sicher, dass schon ganz bald die ganze Welt in kennen wird den ich frage mich nach jedem Buch, warum die Filmindustrie ihm noch nicht die Bude eingerannt hat.
Aber vielleicht tut sie das ja und Arto Paasilinna mag einfach nicht? Weil er vielleicht ein ebensolcher Ruhe und Natur liebender Kauz ist wie seine Charaktere?

Détails sur le produit

* Poche: 216 pages
* Editeur : Gallimard (13 septembre 1996)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070401103
* ISBN-13: 978-2070401109