Montag, 29. September 2008

La nuit de l´oracle von Paul Austen


So, mein zweiter Paul Austen Roman.
Und er hat mich überzeugt. Überzeugt, dass ich mit meiner Vermutung, dass sich bereits nach der Lektüre des ersten ein weiterer Lieblingsautor heraus kristallisiert, dessen Werke ich von nun an sukzessive alle mit viel Freude lesen werde, richtig gelegen habe.
Paul Auster ist ein grandioser Schriftsteller und zu Recht einer von Amerikas meist gelesenen zeitgenössischen Autoren.

"La nuit de l´oracle" ist ein Buch mit einer Geschichte die fesselt, von der ersten Seite an und es ist ein Buch, dessen Geschichten so verschachtelt und gut aufeinander abgestimmt sind, dass ich hier nicht zu viel erzählen möchte, einfach weil es zu spannend ist.

Aber so viel sei erzählt:
Protagonist ist auch hier ein Schriftsteller der auch hier in New York lebt. Auster scheint, wie John Irving auch, gerne bei "seinen" Themen zu bleiben und ich hoffe und glaube, dass er es wie John Irving schafft, jegliche Wiederholung oder Abnutzung der Themen zu vermeiden.

Sydney Orr ist also Schriftsteller. Oder besser, er war es vor seinem Unfall der ihm immer noch stark zu schaffen macht und von dem er sich allmählich erholt. Durch immer ausgedehntere Spaziergänge durch die Nachbarschaft zum Beispiel.
Bei einem dieser Streifzüge entdeckt er einen kleinen Schreibwarenladen und ersteht bei dem etwas absonderlichen chinesischen Besitzer ein kleines blaues Notizbuch.

Und von nun an gleicht sein Leben einem mysteriösen Krimi.
Es fängt an mit der plötzlichen Inspiration die ihm das Notizbuch zu verschaffen scheint, eine Geschichte schreibt sich wie von selbst und er selbst scheint darin einzutauchen.
Aber auch in der Realität geschehen Dinge die miteinander verwoben zu scheinen, seine Frau benimmt sich merkwürdig, der chinesische Schreibwarenhändler tritt nach plötzlichem Verschwinden genauso unerwartet und impulsiv wieder in sein Leben, und Sydney Orr versucht nicht nur in seinem Romanentwurf die Fäden in der Hand zu behalten und zusammen zu fügen.

Der ganze Roman ist eine Geschichte voller Geschichten drin, Fußnoten werden in fast epischer Breite genutzt um erzählerisch Hintergrundinformationen zu vermitteln, man wird hinein gezogen in einen Strudel aus "wahren" Erlebnissen (wenn man sich dabei ertappt, den Ich-Erzähler-Schriftsteller mit dem Schriftsteller Paul Austen zu verwechseln, denn Parallelen sind wie immer da und es ist alles so "echt") und dem Kopf des Schriftstellers entsprungenen.
Zur Vielfalt der Ebenen trägt bei, dass Sydney Orr das Buch "La nuit de l´oracle" (natürlich der gleiche Titel wie der den der Leser in Händen hält) nicht direkt schreibt, er skizziert es in dem mysteriösen blauen Notizbuch und nebenbei entwirft er auch die Umrisse für eine andere Geschichte, ein Drehbuch und malt sich später auf, was die Beweggründe für das ungewöhnliche Verhalten seiner Frau in letzter Zeit sind und die Konstellation, die sie zu bestimmten Menschen einnimmt.

Ah, alles klingt jetzt kompliziert und schwer atmig, ist es aber nicht.
Das Buch liesst sich in einem Fluss, es ist spannend und unglaublich gut aufgebaut, auch wenn die Fußnoten etwas gewöhnungsbedürftig sind. Die Geschichten, seien sie nun erlebt oder von Sydney Orr skizziert sind jede für sich fesselnd und es macht Spaß, sich einfach in das Buch einsaugen zu lasse und von all seinen Erzählfäden einspinnen.

Ich hab Paul Austen schon jetzt so gern!!
Weil er mit so viel Sorgfalt und Liebe seine Charaktere ausarbeitet ihnen Leben und ein Herz gibt und sie Dinge erleben lässt, die nie abwegig aber doch auch nicht alltäglich sind.
Ich mag, dass er so eine schöne, eingängige Sprache benutzt, und Sprache liebt. So wie seine Berufung zum Schriftsteller vermutlich, denn warum würde er sie sonst so gerne zu Protagonisten seiner Bücher machen?
Man spürt beim Lesen trotz der tragischen Ereignisse immer dass das Gute omnipräsent ist, dass Hoffnung überwiegt und dass Pessimismus nur krank macht. Man darf verzagen, man darf aber auch nicht die Augen vor den Lichtblicken verschliessen.

Produktinformation

* Broschiert: 281 Seiten
* Verlag: Hachette (Oktober 2007)
* Sprache: Englisch
* ISBN-10: 2253111236
* ISBN-13: 978-2253111238
* Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,4 x 1,6 cm

Freitag, 19. September 2008

La foret des renards pendus von Arto Paasilinna


Oh, schon wieder musste ich einen wundervollen Roman von Arto Paasilinna aus den Händen legen ohne eine neuen Nachfolger auf meinem Leseschränkchen zu haben. Naja, es gibt noch ein paar ungelesene Werke die ich mir beizeiten kaufen werde und das beruhigt.
Denn wieder einmal wurde ich von diesem grandiosen finnischen Autor nicht enttäuscht und wieder einmal befand ich mich schon nach wenigen Seiten in der finnischen Einöde, konfrontiert mit wilder aber schöner Natur und wilden, kauzigen aber liebeswerten Finnen.

Diesmal sind die Protagonisten aber keine unschuldig von der Gesellschaft malträtierten und gepiesackten Eigenbrötler sondern verschrobene Kriminelle oder zumindest mürrische Grobiane.
So ist die Hauptperson ein Ganove wie er im Buche steht: ein Betrüger und Dieb der mit seinen Beutezügen ein angenehmes Leben in Luxus und frivoler Gesellschaft geniesst und an eigentlich niemand anderen denkt als an sich.
Und so hat Rafael Juntunen auch keine Skrupel, zwei zu einem Goldraub angeheuerte Komplizen zu betrügen: die beiden wandern nach dem Raub wie geplant ins Gefängnis während er den großen glänzenden Schatz versteckt, doch anstatt sie nach ihrer Freilassung dafür zu entlohnen, türmt Rafael Juntunen mit all dem Gold.
Lieber für immer auf der Flucht mit seinem Schatz als derart blöden Taugenichtsen auch nur eine Unze abzugeben ist seine Devise.

Und so landet er nach ein paar Umwegen in der menschenleeren finnischen Moorlandschaft und schlägt in einer alten verlassenen Hütte sein Lager auf.
Doch leider wird seine Ruhe schon bald durch ein paar Militärmanöver gestört, denn ausgerechnet hier, wird ein Krieg simuliert um die finnischen Truppen fit für eventuelle Zukunftsentwicklungen zu machen.

Geleitet werden diese vom griesgrämigen Major Remes, eine Mann mittleren Alters mit großem Alkoholproblem und noch größerem Problem mit seinen Vorgesetzten und dem Zustand seiner Truppen.
Er ist ausgebrannt, hat seine Arbeitsmoral verloren und der Glanz seines Heeres ist den Bach runtergegangen und er steht mehrmals am Tag vor der Überlegung, ob er sich nu erschiessen oder wieder betrinken soll.
Um den finalen Entschluss hinaus zu zögern nimmt er sich eine Auszeit, will sich vielleicht fortbilden, egal, Hauptsache etwas anderes machen und sehen ob das Leben nicht doch Spaß machen kann.

Und als er hört dass in der finnischen Pampa ein komischer Kauz sitzt der sich allein all den ihre Übung durchführenden Truppen widersetzt, beschliesst er, diesen Kerl aufzusuchen und sich anzusehen was das für einer ist.

Und so treffen die beiden aufeinander und nach einigen Diskussionen und anfänglichen Raufereien beschliessen die beiden für einige Zeit der Zivilisation den Rücken zu kehren und es sich in der Hütte behaglich zu machen.
Juntunen verspricht dem Major einen fair festgelegten Tariflohn, wenn dieser für ihn allerlei anfallende Dinge besorgt und verrichtet, angefangen vom Jagen bis hin zum Kochen und haushalten. Anfang mürrisch findet der alte Major immer mehr Gefallen und Erfüllung an den Aufgaben, auch wenn es ihn stört, dass er das Gold niemals als Ganzes zu Gesicht bekommt.

Er bekommt immer nur Stückchen davon und wird von Juntunen auf Einkaufstouren in die entfernte Stadt geschickt, wo der Major sich bald schon nicht mehr auf den Erwerb von Lebensmitteln beschränkt, sondern immer mehr Luxusgüter und Möbel für die Hütte erwirbt und diese mit handwerklichem Geschick zu einem kleinen Komfort-Feriendomizil mit obligatorischer Sauna ausbaut.

Die beiden Männer finden immer mehr Gefallen an dem Leben zu Zweit und Juntunen verliert immer mehr den Gedanken an den auf Rache sinnenden Mörder und ehemaligen Komplizen Hemmo Siira aus dem Sinn, der, frisch entlassen, auf seiner Spur ist.

Aber die Zweisamkeit wird bald durch eine renitente Greisin gestört, die partout nicht ins Altersheim will und auf ihrer Flucht den beiden Haudegen in die Hände fällt. Nach anfänglichem Widerwillen gewährt man der Alten und ihrer Katze Obdach und gewöhnt sich schon bald an die weibliche Note und Fürsorge.

Und als der Major dann auch noch ein paar schicke Großstadt-Prosituierte ordert ist das Leben in der Einöde ein einziger Spaß und alles könnte so schön und friedlich sein und für immer weiter gehen, wenn da dieser verflixte Mörder auf der Suche nach dem Gold nicht wäre....

Aber: nichts endet bei Arto Paasilinna allzu tragisch, und der Leser kann beruhigt sein, dass das Buch bis zu Letzt spannend und lustig und am Ende ein wunderschöner Nachhall bleibt.
Ich habe mich jedenfalls grandios amüsiert, viel gelacht und mich sehr oft gefreut über diese ganz spezielle Menschlichkeit und Wärme, die Paasilinna seinen finnischen einhaucht. Wenig Worte werden verschwendet aber große Taten an den Tag gelegt, man drückt Mitgefühl durch Handeln aus, nicht durch blumige Worte.

Und ich tröste mich jetzt mit dem Gedanken, dass dieser wunderbare Autor jedes Jahr einen neuen Roman veröffentlich, der in Finnland ebenso heiß ersehnt wird .
Und ich bin mir sicher, dass schon ganz bald die ganze Welt in kennen wird den ich frage mich nach jedem Buch, warum die Filmindustrie ihm noch nicht die Bude eingerannt hat.
Aber vielleicht tut sie das ja und Arto Paasilinna mag einfach nicht? Weil er vielleicht ein ebensolcher Ruhe und Natur liebender Kauz ist wie seine Charaktere?

Détails sur le produit

* Poche: 216 pages
* Editeur : Gallimard (13 septembre 1996)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070401103
* ISBN-13: 978-2070401109

La Cinquieme Montagne von Paulo Coelho


Wieder ein feines kleines Buch von Paulo Coelho dass einem mehr gibt als ein ausführliches Studium der Bibel, wie ich finde. Weil er es wie kaum ein anderer meisterhaft versteht, die wichtigsten Dinge in unser aller Leben und unserer Welt mit kurzen aber mitreissenden Geschichten zu erzählen.
Nämlich was Gott für uns ist, bzw. sein kann wenn wir ihn annehmen. Warum er handelt wie er handelt und dass der Kern von allem Liebe ist und der eigene Weg.
Klingt schwülstig und spirituell, ist hier aber wie in den anderen Büchern auch, aber mit einer schönen, schlichten Sprache und feinen Geschichten thematisiert.

Ich bin auch mitnichten nun in der Kirche zu finden, noch würde ich mich als Katholikin beteichnen (auch wenn ich als die getauft wurde), ich würde sagen dass ich Christin bin und zwar so, wie ich es empfinde eine zu sein: tolerant und aufmerksam, suchend und fragend, erkennend und begreifend dass Liebe, Empathie und Mitgefühl uns als einzige Dinge weiter bringen. Zu mehr Frieden, in uns selbst und ausserhalb.
Ich fühl mich innerlich viel ruhiger, seit ich die Bücher von Coelho und Eric Emmanuel-Schmitt lese und auch bei anderen, "unverdächtigen" Autoren kluge Weisheiten entdecke, die mehr wiegen als drei Evangelien zusammen...

Zurück zu Paulo Coelho und zu La Cinquieme Montagne:

An diesem Buch gefiel mir besonders eine der Kernaussagen:
Das wird Herausforderungen im Leben brauchen um dessen Wert zu erkennen, um uns unserem eigenen Weg bewusst zu werden und ihn zu verfolgen. Nicht zu verharren und lethargisch zu werden, sondern zu leben, mit allem was dazu gehört. Schmerzen und Tragödien, die Zeiten des Glücks und des Wohlstandes um so strahlender erscheinen lassen.
Herausforderungen die nach deren Bezwingungen ein unglaubliches Erfolgsgefühl und eine Zufriedenheit in uns hinterlassen.
Gott will dass wir nicht in der Vergangenheit verharren, überkommenen Traditionen folgen und so die Zukunft und das Jetzt nur abspulen, nicht wirklich gestalten und leben.
Eine Aussage, die ich so selten in der katholischen Kirche wieder finde..

Dabei ist die erzählte Geschichte eine deren Protagonist ein Bekannter aus dem Alten Testament ist, Elie, der Prophet der aus Jerusalem auszog als dort von der schönen, Baal anbetenden Prinzessin Jezebel alle jüdischen Propheten ermordet wurden.
Elie finde Zuflucht in der Handelsstadt Akbar und versucht dort, seinem Gott zu dienen und seinen Anforderungen Folge zu leisten, was ihm, je mehr er sich bemüht, immer weniger gelingt.
Die Engel und Boten des Herren die ihm erscheinen stellen ihn vor Herausforderungen die ihm nicht schlüssig erscheinen, er wird mit der Zerstörung Akbars konfrontiert und dm Tod, derer, die er geliebt hat.
Und erkennt erst spät, was Gottes Wille ist:
Herauszufordern.
Anzutreiben.
Herr seiner eigenen Entscheidungen zu sein.
Sich bewusst für das Leben und die Zukunft zu entscheiden.

Die Inhaltsangabe ist kurz gehalten, ich weiß, aber das Buch ist nicht umfangreich und doch voller so vieler unschätzbarer Kostbarkeiten an Wahrheit und Erkenntnis, das ich es einfach nicht beschreiben möchte, mann sollte es einfach nehmen und lesen.
Und gerade wenn man von einem Unglück tief verletzt wurde, kann es eine Hilfe sein um zu verstehen warum dieses einem widerfahren ist. Und daraus eine Erkenntnis zu ziehen die einem Kraft und Antrieb gibt, nach vorne zu schauen.

Ich fand das Buch gerade zum Ende hin aussergewöhnlich motivierend und gut, dass ich mich ärgere, dass es so ein hässliches Cover hat. Und ich am Anfang oft dachte: oje, machmal kann man auch eine Überdosis Coelho abbekommen..
Nach dem Lesen hab ich gedacht: man kann nicht genug und zu oft ihm lesen.
Seine Lektüre würde den christlichen Kirchen mehr helfen als alles andere...


Produktinformation

* Verlag: Import; Carriere
* 1998
* 1998.
* Ausstattung/Bilder: 190 S.
* Seitenzahl: 190
* Le livre de poche Bd.14710

* Französisch
* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 106g
* ISBN-13: 9782253147107
* ISBN-10: 2253147109
* Best.Nr.: 08284407