Freitag, 23. November 2007

L' Evangile selon Pilate von Eric-Emmanuel Schmitt


Wer hätte gedacht, dass ein Buch mit diesem Titel und diesen Hauptpersonen ein so spannendes und irgendwie bereicherndes Lesevergnügen parat halten würde!
Ich hab es gekauft weil ich einfach etwas von Eric-Emmanuel Schmitt lesen wollte und ich bin so positiv überrascht, dass ich mich schon sehr auf weitere Bücher von ihm freue, vor allem nachdem ich erfahren habe, dass einige von ihnen die verschiedenen Weltreligionen behandeln.

Hier also das Christentum, genauer: seine Geburtsstunde. Die Erweckung des Christentums durch die Erweckung von Jesus von Nazareth, der im Roman, genau wie andere Berühmtheiten des Evangeliums, einen anderen Namen trägt.
Denn es ist ein Roman. Aber er ist auch mehr.
Denn der philosophische Schriftsteller Eric-Emmanuel Schmitt hat sehr gut recherchiert, hat viel nachgedacht über das was in der heiligen Schrift steht und über das was er selbst nach seinem Initiationserlebnis in der Sahara erlebt, was seine Wandlung von Atheisten zum Christen bewirkt hat.

Die Geschichte wirkt auf mich also sehr, sehr real und somit ergreifend und überzeugend.
Es ist ein Buch für jeden, nicht nur für bereits überzeugte Christen. Auch Menschen die glauben, mit dem Glauben so gar nichts am Hut zu haben, können viel spannendes entdecken.
Denn zum einen ist es aufregend, Jesus selbst erzählen zu hören, ihm bei seiner kurzen Rekapitulation seines Lebens zuzuhören, und zum anderen einem Krimi gleich, wie der Stadthalter Pontius Pilatus das Rätsel um den verschwundenen Leichnam nach der Kreuzigung aufzuklären versucht.

Ein Buch in zwei Teilen also:
Im ersten Teil erzählt Jesus knapp von seiner Kindheit, der Zeit wo man noch glaubte unsterblich zu sein um dann schmerzvoll durch den Tod des geliebten Vaters zu erfahren wie endlich alles ist und wie kostbar die in und mit Liebe gelebte Zeit.
Ehr schlecht als Recht übernimmt er die Schreinerei seines Vaters, doch die Menschen kommen zu ihm eigentlich nur, um sich von ihm trösten zu lassen, denn sein Talent, zuzuhören und Trost zu spenden wird schnell deutlich. Aber damit kann man kein Geld verdienen, rufen seine Geschwister.
Nach an ihn gerichteten Prophezeiungen, er sei der Messias, der Führer in ein neues Königreich, flüchtet sich der zweifelnde Jesus in die >Wüste wo nun auch er, in sich gekehrt, Gottes Stimme vernimmt. Und den Weg den er zu gehen hat gezeigt bekommt.
Und nun hört Jesus nicht mehr nur zu, er beginnt zu reden.
Und seine Botschaft, dass der einzige Weg zu Gott und in sein wunderbares Reich der der Liebe ist, und dass die Erlösung nicht in einem Wandel der äusseren Umstände sondern in sich selbst zu finden ist, spricht viele an die ihm nun folgen.

Und hier möchte ich einwerfen dass auch ich es so schön fand zu lesen, wie einfach man den Kern unserer Religionen, unsere Beziehung zu unsrem Gott der viele Namen trägt, benennen kann: Liebe. Ohne den Schnickschnack drumherum, ohne all die von Menschen gemachten Gesetze, Dogmen, Ideologien. Wenn jeder jeden liebt, so die Aussage Jesu, dann ist SEIN Königreich da, dann sind wir angekommen.

Was dann passiert ist bekannt, Jesus wird angeklagt weil er für die Priester Jerusalems eine Gefahr darstellt, er wird verraten, gekreuzigt, ersteht von den Toten.

Aber Eric-Emmanuel Schmitt macht daraus etwas ungemein spannendes.
Denn erstens überlegt er, wieso Jesus ausgerechnet von seinem im nächsten Jünger verraten wird, Geld kann es nicht sein, er war der Schatzmeister.
Nein, Judas verrät Jesus auf dessen Wunsch. Denn Jesus WEISS dass er, um auch die letzten von seinem Wort zu überzeugen, sterben und dann wieder leben muss. Und er will nicht, dass alle seine Jünger am Kreuz enden. So muss einer als Sündenbock her, das ist der treue Judas, der sich nach dem vermeintlichen Verrat erhängt.

Nun beginnt der zweite Teil des Buches, nun nicht aus der Sicht Jesu geschrieben, sondern in Briefform an seinen Bruder Titus von Pilatus.

Dieser ist ein recht schaffender Römer, Statthalter in Rom, sehr glücklich verheiratet mit der emanzipierten Claudia und sehr darauf Bedacht, die für ihn entsetzliche Stadt Jerusalem für Rom unter Kontrolle zu halten.

Und darum passt es ihm gar nicht, welchen Aufruhr der Neuankömmling aus Nazareth plötzlich verursacht. Auch wenn er ihm sympathisch ist, auch wenn er auf noch unerklärte Weise seine geliebte Frau von ihrem körperlichen Leiden geheilt und sie auch mental fröhlicher gemacht hat.
Dieser Jesus eckt überall an bei den Priestern und Reichen, ist doch das was er verkündet eine unerhörte Blasphemie!
Und so kommt es wie es kommen muss, Pilatus, der noch mit Hilfe von Claudia und ihr zuliebe versucht, Jesus vor dem Kreuz zu bewahren, ist gezwungen, das Todesurteil zu vollstrecken.

Doch nun ist es kein Ende mit Schrecken für Pilatus, sondern ein Schrecken ohne Ende, denn zuerst verschwindet der Leichnam und dann tauchen auch später Gerüchte auf, Jesus von Nazareth sei von den Toten auferstanden.

Pilatus, gebildeter und überzeugter Rationalist versucht dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, einem Detektiv gleich verfolgt er Hinweise, stellt Theorien auf und versucht sie zu verifizieren, befragt und beobachtet und wird doch immer wieder enttäuscht wenn er glaubt, dem Geheimnis auf die Schliche gekommen zu sein.

Denn das Jesus tatsächlich lebt (noch? oder wieder? Pilatus versucht mit Hilfe seines Arztes zumindest eine Antwort auf DIESE Frage zu finden) ist bekannt.
Nur was bedeutet das nun? Für die Welt? Für ihn? Er, der immer alles hinterfragt, kann er seiner Frau folgen und glauben?

Ein wie ich finde grandioses Buch für jeden der gerne etwas lesen möchte, das aufrüttelt und nicht alltäglich ist, das in sachlicher Fiktion etwas so gewaltiges wie den Glauben und seinen Ursprung thematisiert.
Es ist ein spannendes Buch mit leicht zugänglichem Tiefgang.

Am Ende fügt der Autor noch eine Art Tagebuch zur Entstehung des Romans bei, umfangreich, auch nicht langweilig, Vermutlich hatte er angesichts des gewaltigen Themas doch etwas Bange. Aber er muss keine Angst haben. Ich finde, niemand kann ihm irgend etwas vorwerfen. Er hat sehr gut in den heiligen Schriften recherchiert und hat vor allem in sich selbst hineingehört. Und dort das gefunden, was er dem Leser näher bringen möchte: Glauben.
Denn zu Glauben heisst ja nicht zu wissen.
Es heisst offen zu sein, zuzuhören und zu beobachten. Selbst zu denken.
Und das, gemeinsam mit dem Wunsch nach sehr viel mehr Liebe zu uns selbst und zu anderen, finde ich einen wunderbaren Gedanken.
Ein tolles Buch also. Ohne Einschränkung.


Produktinformation

* Verlag: Import F; Librairie Generale Francaise, P.
* 2006
* Ausstattung/Bilder: 2006. 284 S.
* Seitenzahl: 284
* Le livre de poche Bd.30514
* Französisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 161g
* ISBN-13: 9782253116042
* ISBN-10: 2253116041
* Best.Nr.: 20798190

Dienstag, 20. November 2007

The Solitaire Mystery von Jostein Gaarder


Was für ein tolles spannendes und philosophisch bereicherndes Buch! Ich bin SO begeistert, gerade weil ich Sophies Welt doch etwas anstrengend und zusammengebastelt empfand, zwar gut und mit feinen Dialogen, aber doch hatte ich bei den Exkursen zur Philosophie oft das Gefühl, ganz schnell ganz viel an Lexikon-Wissen in mich reingestopft zu bekommen und das hab ich dann gar nicht verdauen können und am Ende war da nur ein Wirrwarr neben der schönen Geschichte von Sophie und Hilde, Alberto Knox und dem Major.

Aber das Solitaire Mistery war zum Glück anders, auch wenn man die von philosophischen Fragen angeheizte Phantasie und die geschickt aufgeworfenen Fragen zum Sein und Schein des Lebens als typisch Jostein Gaarder erkennen kann.
Aber hier stimmt einfach alles, das Buch ist ein Guss, auch wenn hier viele Geschichten zu einer großen, nämlich der die wir als Buch in den Händen halten, zusammenlaufen. Hier hat Jostein Gaarder die Fäden einfach sehr gekonnt verwoben, so dass der rote Faden aber auch nie abhanden kommt.

Hauptperson der Hauptgeschichte ist der 12 jährige Hans Thomas, der mit seinem Vater eine Reise bis nach Griechenland unternimmt um die dort vor acht Jahren auf der Suche nach sich selbst verschwundenen Mutter zu finden und zurück nach Hause nach Norwegen zu bringen.

Da Hans Thomas Vater nicht nur ein gemäßigter Trinker sondern auch ein großartiger Hobbyphilosoph ist, wir jede Zigarettenpause unterwegs für kleine Vorträge und Fragestellungen genutzt um dem Kern des Seins zumindest etwas näher zu kommen.

Richtig spannend wird es dann schon schnell und auch sehr geheimnisvoll:
Hans Thomas bekommt zuerst von einem Zwerg der den beiden den etwas falschen Weg in ein kleines Dorf namens Dorf zeigt, eine winzige Lupe geschenkt, begleitet von keinen Sinn ergebenden Erläuterungen.
Und dann bekommt er in Dorf von einem Bäcker Brötchen geschenkt und findet eingebacken in dem letzten ein winziges Buch.

Und von nun an erlebt Hans Thomas spannende Abenteuer, einmal in der "realen" Welt auf der Reise mit seinem Vater, und dann durch Erzählungen in dem Buch. Er macht die unglaubliche Entdeckung des Kartengeheimnisses (wirklich WIRKLICH erstaunlich!!!!), versteht was für eine wichtige Rolle der Joker spielt und warum jeder Tag bei Aufmerksamkeit voller Wunder ist.

Und von Seite zu Seite und von Tag zu Tag wird es geheimnisvoller, denn Hans Thomas erkennt zuerst immer mehr Bezüge zu seinem Leben und seiner Geschichte und dann sogar Spuren seiner Vergangenheit und Zeichen zu seiner Zukunft in dem Buch.

Eine so spannende, phantasiereiche Geschichte die zum eigenen Verschlingen auffordert, so dass ich hier jetzt gar nichts mehr dazu schreibe.
Sondern nur noch dass es ein wahrhaft tolles Lesevergnügen ist, vielleicht nicht für allzu junge Leser aber wer weiß? Ich fühlte mich jedenfalls nicht unterfordert, sei es vom anregenden Inhalt als von dem schön gewählten Schreibstil her.

Indirekt und ohne eigentliche Erwähnung finden die Theorien von Platon und Nietzsche Einzug in das Buch, aber da beide nicht erwähnt werden, kommt man erst später darauf, nach Lesen von Sophies Welt vielleicht, wo nach meinem Geschmack ja zu sehr mit Namen und Fakten um sich geworfen wurde. Hier stört keine anstrengende, langatmige Passage den Lesefluss, hier macht man sich abseits von ausgeschilderten Pfaden auf subtilen Trampelpfaden selbst ein Bild.

Eine wunderschöne Geschichte nach deren Lesen man sich wieder einmal wunderbar bewusst wird, was für ein unglaublich reichhaltiges Geheimnis und Wunder das Leben selbst ist, wie schön es ist, ein wenig Kind zu bleiben und sich von den Wundern begeistern zu lassen.
Ein Buch für die Macht Phantasie und das Wach sein.


Produktinformation

* Verlag: Import; Phoenix House
* 2003
* Ausstattung/Bilder: Impr. 2003. 319 p. w. ill. by Hilda Kramer.
* Seitenzahl: 319
* Phoenix
* Altersempfehlung: ab 13 Jahren

* Englisch
* Abmessung: 20 cm
* Gewicht: 320g
* ISBN-13: 9781857998658
* ISBN-10: 1857998650
* Best.Nr.: 06542460

Freitag, 16. November 2007

Sacrés Américains ! Nous, les Yankees, on est comme ça von Ted Stanger


Ach, ist das ein schadenfrohes Vergnügen, mal wieder einen Amerikaner über sein Land herziehen zu lesen. All die Dinge noch einmal ausgesprochen und quasi verifiziert zu wissen, die wir schon zu hartnäckigen Vorurteilen gebastelt haben.

Dass Amerikaner trinkbaren Kaffee erst durch Starbucks kennen gelernt haben, durch eine Uramerikanische Franchise-Kette die sich aller Europhobie zum Trotz mit altitalienischem Flair schmückt,
Dass Amerikaner was das Essen betrifft mit den abscheulichsten und artifiziellsten Kraetionen der Industrie zufrieden geben.
Dass Amerikaner Fußgänger argwöhnisch wie Irre beobachten.
Dass das amerikanische Schulsystem nicht das beste ist, das amerikanische Wahlsystem einer Bananenrepublik in nichts nachsteht UND UND UND.

Eine Mischung aus Bill Bryson und Michael Moore, nicht ganz so verbissen polemisch wie Letzterer sondern ehr sympathisch verwundert.
Denn Ted Stanger ist Amerikaner der sich manchmal wie ein Ausserirdischer in seinem eigenen Heimatland fühlt. Nach vielen Jahren in Paris ist er nun wieder auf Heimatbesuch in der durch ihn wohl nun berühmten Stadt Columbus in Ohio, lässt sich von seinem alten Freund Morris widerwillig in Fastfood Tempel schleppen und bekommt stolz den berühmten Moccachino Frappe Latte mit fettfreier Milch, Cholesterin freier Sahne und Strohhalm vorführen und erduldet die Arroganz und Eigenheiten der New Yorker.

Natürlich werden allerhand Stereotypen vorgestellt und im letzten Kapitel wie in einer Enzyklopädie vorgeführt, aber trotzdem ist das Buch ein netter Zeitvertreib, schreibt er doch witzig und aber im Gegensatz zu Michael Moore mit einem mitfühlenden Augenzwinkern.

Und Ted Stanger versucht auch ab und an, die Gründe für das nach aussen bisweilen bizarr erscheinende Handeln und Denken der Amerikaner zu eruieren, sei es aus der Geschichte, sei es aus einem sehr eigenen religiös geprägten Moral und Freiheitsverständnis heraus.

Nett sind natürlich auch die immer wider thematisierten Ressentiments der Amerikaner gegen die "fucking Frenchies". Den es ist schon eine amüsante Beobachtung, wie konträr die beiden Nationen sich charakterisieren und so in liebevoller Feindschaft gegenüber treten.


Détails sur le produit

* Poche: 304 pages
* Editeur : Editions Gallimard (septembre 2005)
* Collection : Folio Documents
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070319059
* ISBN-13: 978-2070319053

Mittwoch, 14. November 2007

Comment je suis devenu stupide von Martin Page


So, nach "On s' habitue aux fins du monde" nun mein zweites Buch von Martin Page. Ein zugegeben sehr dünnes. aber nichts desto trotz ungemein amüsantes.
Hauptperson ist Antoine, ein 25 jähriger, der ungemein an seiner Intelligenz leidet. Denn er kann das Leben einfach nicht geniessen, muss ständig über alles nachdenken, alles analysieren und kann so nach reiflicher Überlegung nichts, aber auch nichts Wahres und Schönes im Leben entdecken.
Auch der Alltag ist ungemein schwierig für ihn, es braucht umfangreicher Recherchen bevor er sich überhaupt ein Kleidungsstück kaufen kann, an dem nicht das Blut von Kindernarbeitshänden klebt, er kann kaum etwas essen, ist doch fast jedes Lebensmittel mit dem Leid von Tieren verbunden oder um den halben Globus gekarrt. Aber Antoine ist mitnichten ein Globalisierungsgegner oder irgendwie orientierter Aktivist, Antoine möchte nur kein schlechtes Gewissen haben.

Einen Job hat Antoine auch nicht, er hat zwar studiert, spricht auch aramäisch, aber immer nur das was ihn interessiert hat und bei seinen aussergewöhnlichen Interessen kann man da bei weitem keinen Job zusammen basteln.
So lebt Antoine alleine in einer kleiner Wohnung die er nicht bezahlen kann und nur deshalb nicht verliert, weil sein Vermieter an einer Art Alzheimer leidet und immer wieder vergisst wer Antoine überhaupt ist. Natürlich kümmert sich Antoine rührend um den alten Mann, bringt ihn zu verschiedenen Ärzten, sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass er nach einer Genesung in den Sparbüchern sehen würde dass Antoine ihm schon lange nichts mehr gezahlt hat, aber vergessend, wie aufopfernd Antoine sich in der Zeit des täglichen Vergessens um ihn gekümmert hat.

Aber Antoine hat auch Freunde, ein sympathischer Haufen absonderlicher Charaktere und dazu einen sehr sehr starken Nachbarn, der Antoine meistens die ganzen Treppen zu seiner Wohnung hinaus auf en Schultern trägt weil Antoine selbst so schwächlich ist.

Antoines Hauptproblem aber ist seine Verzweiflung über sich und die Welt, seine Verachtung gegenüber seiner Intelligenz. Antoine ist es unwahrscheinlich müde, immer über alles und jeden bis zum geht nicht mehr nachdenken zu müssen, an allem zu leiden was die Welt so auftut.

UNd so beschliesst Antoine nach dem Verfassen eines Manifestes gegen die Intelligenz, sich von dieser zu lösen und etwas blöde zu werden.

Doch wie stellt man so etwas an?
Antoines erster Gedanke ist der Alkohol. Er bereitet sich vor, liest viel darüber und geht dann eines Abends in ein Bistro um von einem Kenner zu lernen wie man Alkoholiker wird. Dieser findet sich auch, ein freundlicher Mann, bereit, Antoine behutsam an die Flasche zu führen.
Dies scheitert leider sehr früh: Antoine wird nach einem halben Glas Bier ohnmächtig, eine Alkoholvergiftung, sein Körper verträgt nicht den kleinsten Schluck.

Im Krankenhaus kommt ihm dann Selbstmord als Gedanke in den Sinn, diesen verwirft r aber nachdem er dort eine Frau trifft, die schon mit unzähligen Versuchen, sich das Leben zu nehmen kläglich gescheitert ist. Antoine besucht zwar noch einen Kurs aber auch der vermag es nicht, ihn zum Selbstmörder zu machen.

Seine letzte Hoffnung ist sein alter Kinderarzt, den er bittet, eine kleine Lobotomie an ihm durchzuführen um so den quälenden Gedankenfluss zu unterbrechen.
Dieses lehnt sein Arzt zwar strikt ab, verschreibt Antoine aber nach einigem Zögern ein Medikament dass Antoine nach eigener Aussage immer gleich gültiger und ruhiger machen wird. Antoine ist begeistert, und steigt gleich mit der doppelten Dosierung ein.

Und allmählich ändert sich tatsächlich Antoines Leben. Er nimmt alles leichter. Wagt es sogar, ein McDonalds zu betreten in dem zuvor am liebsten eine Bombe versteckt hätte. Und das Essen begeistert ihn!
Er wirft all die unnützen Bücher aus seiner Wohnung und schaft sich stattdessen einen Fernseher an.
Er geht ins Fitnessstudio und kauft sich zum ersten mal in seinem Leben anständige Klamotten.
Antoine wird Teil der Gesellschaft.
Als er dann auch nach langer Zeit seinen alten Bekannten Raphael wider trifft der inzwischen als sehr erfolgreicher Geschäftsführer eines Investmentbüros arbeitet, kippt Antoines vormals intellektuell, Kapitalismus kritisches Leben in Askese vollständig:
Antoine wird Investmentbanker. Und das Dank eines auf der Tastatur verschütteten Kaffees so erfolgreich, dass er schon bald im Geld schwimmt.
Er kauft einen roten Porsche den er vor seine neue, mit HiTech Schickschnack vollgestopfte Wohnung stellt. Er hat ja immer noch keinen Führerschein.

Aber tief in seinem Herzen bleibt etwas vom alten Antoine zurück, so verstört ihn ein von Raphael vereinbarter Termin in einer Partnervermittlung nachhaltig und allmählich passieren Dinge, die surreal erscheinen.
Antoine bekommt Besuch von einem Phantom dass ihm seinen verwerflichen, oberflächlichen und doch irgendwie leeren neuen Lebensstil vor Augen führt.

Und auch seine Freunde beschliessen nach einem Jahr mit den neuen Antoine, dass sie den laten zurück haben wollen und starten eine Entzombifizierung.
Und damit das ganze ein Antoine untypisches Happy End hat, trifft Antoine im Park zu guter Letzt eine verrückte hübsche junge Frau und wenn sie nicht gestorben sind, geniessen sie die schönen Seiten des Lebens noch heute.
:o)

Ein sehr kurzweiliger aber tief gehender Roman mit all den für Martin Page so typischen gut gewählten Worten, fein geschliffenen Sätzen, den lustigen Gedankensielen und plötzlich auftretenden bizarren Begebenheiten.
Leider nur ca 130 Seiten...


Produktinformation

* J'ai Lu
* Verlag: J'ai Lu
* 2002
* Seitenzahl: 124
* J'ai Lu
* Französisch

* Abmessung: 178mm x 114mm x 17mm
* Gewicht: 85g
* ISBN-13: 9782290319871
* ISBN-10: 2290319872
* Best.Nr.: 10909376

Sonntag, 11. November 2007

La Fièvre bâtisseuse von Mikael Ollivier


Eines der drei "Schätze" die ich in der fremdsprachigen Schnäppchen Ecke des Stern Verlages gefunden habe.

Ein Buch das vom Cover her nicht besonders anziehend ist und dann doppelt überrascht, hat man die ersten Sätze gelesen, denn dieses Buch ist, auch wenn es sehr sehr arm an Charakteren ist und man eigentlich zu 90% mit den Gedanken und Ängsten und Ritualen des Protagonisten konfrontiert ist, ein grandioses aber auch erschreckendes Lesevergnügen.

Denn die Hauptperson, Jean-Louis Massin lebt eigentlich nur in den Stunden nach Dienstschluss, bis zum Verlassen seines Hauses am nächsten Morgen so richtig. Oder lebt zumindest, denn Jean-Louis liebt und braucht seine festen Abläufe mit denen er fast schon einem selbstbestimmten Autisten gleicht. Sein einziges und somit größtes Vergnügen ist seine Lektüre, das Verschlingen von Romanen, nur Unterbrochen von seiner Arbeit als höherer Angestellter in einer militärischen Administration und den Mahlzeiten, die er alleine in seiner Küche einnimmt. Fern sieht er nur kurz um beim Büro smalltalk nicht ganz im Abseits zu stehen, denn eigentlich interessiert ihn Fernsehen nicht. Und die banale Kommunikation mit seinen Mitmenschen auch nicht.
Im Grunde zählt nur eins: die wunderbare Welt in der er Dank seiner Bücher eintaucht und sich forttragen lässt aus seinem einsamen Alltag.

Dieser wird nachhaltig durcheinander gewirbelt durch einen von ihm verfassten Leserbrief. In maßloser Rage über ein gerade gegenüber errichtetes Mehrfamilienhaus, dem ein lieb gewonnenes altes Stadtpalais weichen musste, verfasst Jean-Louis Massin zum ersten mal selbst etwas und ist von dem gedruckten Resultat begeistert.
Diese Begeisterung setzt so viele positive Emotionen in ihm frei dass er beschliesst, kurz vor erreichen seiner Rente selbst zu kündigen um Schriftsteller zu werden.

Gesagt getan. Und nun beginnen viele Seiten spannenden Auf und Ab´s, liebevolle Beobachtungen die Jean-Louis Massin dem Alltag abtrotzt und eloquent mit viel Liebe zum Detail in seine Notizbücher schreibt, der Vorbereitung zu seinem ersten großen Roman, die Euphorie des erschaffenes, die bodenlose Leere die einem bei einer kreativen Flaute überfällt und an allem zweifeln lässt.
Jean-Louis Massin überdenkt sein ganzes bisheriges Leben, kommt zu dem Schluss dass er bisher eigentlich keins geführt hat und sich immer lieber in die Welt seiner unzähligen Romane geflüchtet hat.
Doch nun möchte er reüssieren, irgendwie, doch je weiter er kommt, desto verzweifelter wird er, scheint doch alles von ihm nieder geschriebene irgendwie schon da gewesenes zu sein, irgendwo und irgendwann einmal gelesen.

Sich selbst unter Druck setzend kann Jean-Louis Massin seine freie Zeit nicht geniessen und auch die Rente nicht, wie ein Arbeitsloser der nach vielen Rückschlägen und Absagen resigniert, schaltet Jean-Louis Massin immer öfter den Fernseher ein, schläft viel und wird immer missmutiger.

Da meldet sich plötzlich die Frau mit der er seine einzige Beziehung gehabt hat und die beiden treffen sich nach vielen Jahren wieder. Aber ob Jean-Louis Massin in seinem letzten Lebensabschnitt noch die Mauern seines Schneckenhauses einreissen kann?

Ich fand das Buch GRANDIOS. Weil ich alles so so so gut nachvollziehen konnte. Die Beweggründe von Jean-Louis Massin und warum es fatal ist dass er so an seinen Ritualen und ihn schützenden Regeln fest hält.
Die Gefahr die ein auf Kreativität angewiesener Beruf mit sich bringt, und die Freude die er auslösen kann.
Ein ganz ganz tolles Buch. Leider nicht auf Deutsch erschienen.

Détails sur le produit

* Broché: 296 pages
* Editeur : Thierry Magnier (15 mai 2003)
* Collection : Littérature adulte
* Langue : Français
* ISBN-10: 2844202195
* ISBN-13: 978-2844202192

Donnerstag, 8. November 2007

Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling


Mama, es tut mir leid!
Dass ich nach hundert Seiten angerufen hab um zu sagen dass es zwar ein lustiges und auch nicht langweiliges Buch ist, aber ich lieber andere Sachen lese. Mit mehr... Story, Handlung, ausgetüftelten Plots oder WAS AUCH IMMER.

Das Wandern von Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg erschien mir zu Anfang so... immer gleich, dem gleichen Muster folgend: Aufstehen, essen, wandern, Schmerzen, Verzweifeln, weiter laufen, eine schmuddelige Herberge ablehnen, ein Hotel suchen, was zu Essen suchen, andere Pilger treffen. Und das Ganze begleitet von zugegeben amüsanten Beschreibungen der Beobachtungen und von Erlebten.
Zwar habe ich schon gleich nach den ersten paar Seiten angefangen, Hape Kerkeling richtig zu mögen und seinen witzigen aber nicht im geringsten trivialen Schreibstil zu schätzen. Aber ich wollte eine Geschichte. Mir war nicht nach Reisebericht. Ich glaub ich wollte ein wenig..phantastisches, ungewöhnliches.
Meine Mama hat dann am Telefon gesagt dass das doch alles da ist, dass ich nur abwarten soll.
Und tatsächlich.

Ungefähr ab der Mitte hat mich das Buch auf seine Seite gezogen und gezeigt warum es so lange auf den Beststeller Listen zu finden ist.
Weil Hans Peter Kerkeling nicht nur wunderbar, wirklich wunderbar sein Erlebtes und Gesehenes wider gibt, sondern weil er auch wunderbare Geschichten zu finden und zu erzählen weiß. So kommen ihm auf dem Weg manchmal Erinnerungen an frühere Erlebnisse die er hier dem Leser erzählt. Und seine Erfahrung mit einem Reinkarnations-Experten zum Beispiel hat mich unglaublich erstaunt und dann bewegt. Und mein Bild von Hape Kerkeling geändert. Genauso wie sehr viele seine Ansichten, Standpunkte, die er unaufdringlich aufschreibt oder teilweise erst heraus finden muss. Dazu nach jedem Tag seine gewonnene Erkenntnis. Seine Art, offen auf Menschen zuzugehen und trotzdem, genau wie wir alle, sich schnell Bilder im Kopf zu bilden. Aber diese auch zu revidieren, sollte es erforderlich sein.

Ich muss zugeben dass ich mein Bild von Hape Kerkeling revidieren muss, ich hätte nicht gedacht dass er ein so kluger, angenehmer, witziger, weit gereister und sprachbegabter Mensch ist der bereits so viel gesehen hat.
Ich hab immer nur das Bild von der lieben trotteligen Figur aus "Kein Pardon" im Kopf....
Nee, Hape Kerkeling ist ein guter, netter und verdammt wortwitziger Mensch. Ein menschlicher Berühmter, der Morgens muffelig ist und unleidlich wird wenn er Hunger hat.

Und meine phantastischen Geschichten hab ich dann ja auch noch bekommen. Denn das was Hape dann so erlebte, war teilweise unglaublich, ohne dass man aber an der Richtigkeit seiner Beschreibungen gezweifelt hätte. Manche der von ihm getroffenen Menschen waren so bizarr, dass ich wieder gemerkt hab, dass jede Fiktion auf Wahrheit beruht.

Zusammenfassend kann man sagen dass das Buch einem ein paar Stunden gute Unterhaltung bietet, vielleicht nicht viel beibringt über den Jakobsweg und allgemeine Wege zur spirituellen Erleuchtung, aber dennoch nicht trivial ist. Man erfährt sehr sehr viel über den Mensch der hinter dem Namen Hape Kerkeling steckt und über seinen persönlichen Weg sich Gott anzunähern. Und mit etwas Reflexion und Ruhe beim Lesen erfährt man auch etwas über sich selbst.
Also ein feines Buch, das Spaß macht und keine Blasen an den Füßen.


Produktinformation

* Verlag: (Malik)
* 2006
* 31. Aufl. 2006.
* Ausstattung/Bilder: 344 S. m. 35 Fotos.
* Seitenzahl: 320
* Deutsch

* Abmessung: 21 cm
* Gewicht: 475g
* ISBN-13: 9783890293127
* ISBN-10: 3890293123
* Best.Nr.: 20754834

Montag, 5. November 2007

On s' habitue aux fins du monde von Martin Page


Ah, war das ein unerwartet gutes Buch! Unerwartet weil ich es allein aus zwei Gründen gekauft habe: es war um die Hälfte reduziert und das Cover sah cool aus.
Denn hätte ich gewusst was Martin Page für ein feiner Schriftsteller ist, hätte mich es nicht so überrascht, so schnell in die Geschichte von Elias und den ihm mehr oder weniger nahestehenden Personen hinein gesaugt zu werden, und das im mir so lieben Setting von Paris.

Setting ist deshalb hier ein gutes Wort weil Elias ein Film Produzent ist. Ein sehr guter sogar. Und so bekommt er gleich zu Beginn des Buches einen Preis überreicht. Doch anstatt sich zu freuen wirft er ihn noch am selben Abend in die Seine und übergibt sich. Ihm ist nicht nach feiern. Nachdem er sich sechs Jahre um Clarissa gekümmert und sie von ihrer Alkoholsucht runter gebracht hat, hat sie ihn verlassen. Und als wäre das nicht genug, wird er kurz später von dem berühmten Filmemacher Caldeira, mit dem er in Kürze einen Film in Afrika zu drehen gedachte und der ihn bisher immer wie ein guter väterlicher Freund behandelt hat, unerwartet übel zusammen geschlagen.
Und als wäre das dann nicht schon genug Pech, fliegt sein Freund Victor an seiner Statt zum Filmdreh nach Afrika und er muss dessen ungeliebtes Filmprojekt über eine Suizid gefährdete Schriftstellerin übernehmen.

Doch durch Margot Lazare, die ein wenig fabelhafte Amelie in ihrer Seele hat und besser noch einige Kapitel mehr für sich beansprucht hätte, wendet sich Elias Sicht auf sein Leben und somit auch dieses an sich.
War er bisher immer der der sich um andere gekümmert hat, sei es beruflich oder privat, der immer so gut verborgen hat was ihn bewegt und was er begehrt dass er es selbst nicht mehr wahr nahm, beginnt zu spüren was Liebe sein kann.
Er verliebt sich in diese ungemein schlagfertige ungewöhnliche junge Frau und sein Leben bekommt einen Sinn und vor allem: emotionalen Inhalt.

Denn Elias fühlte sich in seiner immer gebenden aber niemals fordernden Art inzwischen so leer und selbstfremd, dass er von einem Privatdetektiv beschattet wird der ein Dossier über ihn erstellen, heraus finden soll wer er ist. Und dieser Detektiv wird, was später erst heraus kommt, von Elias selbst bezahlt.

Das ganze Buch ist wie ein Spaziergang durch Paris. Nicht nur weil man sich durch all die erwähnten Metro Stationen und Plätze, die Bistros und Gebäude sofort in diese fabelhaftes bietende Stadt versetzt wird, nein, auch weil oft unerwartet schmerzende, hässliche Dinge ans Tageslicht treten und dann wieder schillernde Sätze voller Wahrheit und Schönheit, die mich oft dazu gebracht haben inne zu halten und fast laut zu sagen: "Was für ein toller Satz!" oder "Wie wahr das ist. Und so einfach." Oder so ähnlich.

Das Buch bietet viel moralisch wertvolles und dennoch keinerlei tief schürfende Pathetik. Kein Geschnulze und Geschwurbel, aber trotzdem im Kern eine schöne Geschichte der Liebe und der Suche nach dem Existenziellen in all dem oberflächlichen Alltagstreiben.
Ein Buch mit viel Tempo, mit brillianten Dialogen und Sätzen, ein Buch das mich dazu gebracht hat, auch andere Martin Page Werke auf meine Merkliste zu setzen.


Produktinformation

* Verlag: Import; Le Dilettante
* 2005
* Ausstattung/Bilder: 2005. 284 S.
* Französisch
* Abmessung: 20, 5 cm

* Gewicht: 355g
* ISBN-13: 9782842631123
* ISBN-10: 2842631129
* Best.Nr.: 20845117