Donnerstag, 29. Januar 2009

La douce empoisonneuse von Arto Paasilinna


Ein weiterer Roman von Arto Paasilinna der mich natürlich nicht enttäuscht hat. Aber ein wenig erschreckt, angesichts der dort vorherrschenden Gewalt, die einige der Personen in tarantinohafter Selbstverständlichkeit an den Tag legen.
Somit ist dieser Roman nicht typisch Arto Paasilinna wie ich finde, denn sonst steht beim ihm eine raue und ehrliche, naturverbundene und manchmal grobe Harmonie im Vordergrund.
Hier spritzt Blut, Katzen und Schweinchen werden kaltblütig umgebracht und aus Spaß wird ebenso oft und leichtfertig der ein oder andere ins Krankenhaus befördert.

Die drei bösartigen Gewalttäter sind ein Trio aus jungen Männern, einer von ihnen der Neffe der alten Linnea Ravaska.
Diese lebt etwas abgelegen mit ihrer Katze in einer kleinen Hütte und fürchtet sich den ganzen Monat über vor dem Eintreffen ihrer Rente.
Denn pünktlich zu dieser taucht auch der gemeine Neffe mit seinen zwei kriminellen Kumpanen auf und gemeinsam terrorisieren sie die Alte und nehmen sich was sie brauchen.-

Als sie es einmal ganz besonders arg treiben flüchtet Linnea in die Stadt, zu ihrem Jugendfreund, einem Arzt im "eigentlichen" Ruhestand.

Dort fasst sie einen Plan: sie mischt sich aus allerlei giftigen Zutaten ein unwiederbringliches und tödliche Serum, dass sie, im Falle einer Bedrohung schnell und schmerzlos ins Jenseits befördert.

Denn Linnea ahnt dass ihr Neffe und seine blutrünstigen Freunde sie nicht in Ruhe lassen werden, besonders nicht nachdem sie ihnen (erfolglos) die Polizei auf den Hals gehetzt hat.

Und die drei machen sich schnell auf die Suche nach der Alten, die vielleicht sogar noch was zu vererben hat und darum besser jetzt als gleich mit dem Leben abdankt.
Doch das von Linnea zusammengemischte und immer in einer allzeit bereiten Spritze herumgetragene Gift trifft nicht ihre eigene Vene, sondern, ehr aus Versehen, immer die der Verfolger.

Bis am Ende nur noch der in Rage nach ihrem Leben trachtende Neffe übrig bleibt und es zu einem spektakulären Show Down kommt...


Ein Buch voller Spannung, Blut, Unvorhersehbarkeiten aber auch der Arto Paasilinna typischen menschlichen Wärme und des großartigen Humors.
Es ist mir etwas zu "gemein" gewesen um es genauso zu lieben wie die anderen Bücher meines finnischen Lieblingsautoren, aber es ist dennoch ein grandioses Buch, ein atemberaubendes Lesevergnügen und definitiv originell!!

Détails sur le produit

* Poche: 254 pages
* Editeur : Editions Gallimard (13 mars 2003)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070425770
* ISBN-13: 978-2070425778

Vacances indiennes von William Sutcliffe


Dave möchte ein Mädchen für sich gewinnen. Und er möchte wie alle seiner Generation die paar Monate zwischen Schule und Studium irgendwie sinnvoll, aber auch irgendwie amüsant verbringen.
Also glaubt er, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können und fliegt mit der Feundin seines Freundes James für drei Monate nach Indien.
Denn Liz nimmt es mit der Treue nicht so genau und Indien wird den Horizont schon erweitern.

Leider läuft alles ein bisschen anders. Liz ist zwar zu ein paar körperlichen Annäherungen bereit, aber zu mehr auch nicht und darüber hinaus ist sie sofort hin und weg von dem selbsternannten Experten für "alternative" Indien-Bereisungen, J., der, wie alle Propheten des einzig waren Reiseweges streng nach der Bibel des Lonely Planet lebt.

Und so muss Dave schnell feststellen das Liz nervt, J und die anderen Rucksacktouristen noch mehr und vor allem: dass es irgendwie eine einzige Heuchelei ist, die Art wie diese Indien bereisen, um jede einzige Roupie feilschen, sparen, sparen, sparen wollen und eigentlich nur unter sich bleiben. Denn das Indien da draussen besteht nur aus Bettlern und Halsabschneidern, Krankheiten und Unbill.

Das wahre Indien wird also bewusst übersehen, man lebt in einem Mikrokosmos aus Gleichgesinnten inmitten einer unübersichtlichen, schmuzigen und von Gefahren gespickten indischen Welt, fern von zuhause und doch den Überblick über alles bewahrend.

Dave geht mehr und mehr seinen eigenen Weg, wird leider durch den unvorsichtigen Genuss eines Hamburgers verdammt krank und schildert die Symptome bis ins eklige Detail.

Darüber hinaus wird der Leser zum Teilhaber seines Erkenntnisgewinns, man entwickelt wie er ein Bewusstsein über die Abstrusität der ach so aufgeschlossenen Rucksacktouristen mit ihrem Reiseführer in der Hand, die sich an dem abgelegensten Orten wie vom Licht angezogene Motten an einer Lampe sammeln und die meiste Zeit am liebsten mit sich selbst und ihresgleichen verbringen.

Dazu die obligatorischen Mädchen die es chic finden, sich einem Guru in einem Ashram anzuschliessen, zu meditieren und dabei in eine Welt entrücken, die doch ehr fragwürdig ist.

Dave aber möchte mehr, nur weiß er selbst noch nicht genau was, das typische Problem eines Heranwachsenden auf der Suche nach sich selbst.
Aber dann lernt Dave Menschen kennen die innerlich ruhig sind und er wird sich immer mehr seiner selbst bewusst und auch sein Bild von Indien ändert sich.

Er wächst und verändert sich, so dass er im letzten Teil des Buches, zurück in London merkt dass er ein anderer geworden ist, auch in seinem Umgang mit anderen.

Das Buch erinnert ein klein wenig an Nick Hornby, ist aber nicht ganz so gut. Ein feines Lesevergnügen ist es trotzdem, gerade wegen Daves "kritischen" Alters zwischen Teenager und Erwachsenen und den bissigen Beobachtungen der "alternativen" Reiseszene.

Détails sur le produit

* Poche: 308 pages
* Editeur : 10 (1 mars 2005)
* Collection : Domaine étranger
* Langue : Français
* ISBN-10: 2264039175
* ISBN-13: 978-2264039170

Freitag, 16. Januar 2009

Le Pingouin von Andreï Kourkov


Was für ein grandioser Glücksfall, dieses Buch in meinem Pariser Lieblings Secondhand-Buchladen gefunden zu haben!
Eine kuriose Mischung aus Paul Auster und Arto Paasilinna hab ich gedacht, aber vermutlich ist das ungerecht, denn Andrei Kourkov hat mit dem Pinguin etwas wunderbar originelles geschaffen.

Die Geschichte von Viktor, der sich, weil die Frauen doch immer wieder sang- und klanglos aus seinem Leben verschwinden einen Pinguin in die Wohnung holt den der Zoo aus Geldmangel hergeben muss ist schon toll.

Wie Viktor dem deprimierten Pinguin Micha Abends und Morgens eingefrorenen Fisch in seinen Napf legt und ihm eine Wanne mit kaltem Wasser einlässt um sich daran zu erfreuen dass Micha zumindest manchmal zumindest halbwegs erfreut ist und wie er, eben einem Charakter aus dem finnischen Arto Paasilinna Universum gleich, sachlich und ruhig Kontakte zu Aussenwelt pflegt ohne kalt oder abgestumpft zu erscheinen, machen diesen Charakter liebenswert.

Und irgendwie...osteuropäisch, zumindest finde ich in der Art wie er und die anderen Bewohner Kievs und der Umgebung miteinander umgehen, sehr anders, man ist aufrichtig und ehrlich, man duzt sich schnell, trinkt gerne Kaffee (und Wodka) miteinander, es gibt keine Intrigen, dafür manchmal die schonungslose harte Wahrheit, Menschen sterben und nehmen das selbst in Kauf. Das Leben ist nicht dafür da um vor dem Tod Angst zu haben und zu lamentieren. Leben leben und den Tod sterben, irgendwie.

Mit dem Tod hat auch Victors neuer Job zu tun, der als Schriftsteller auf keinen grünen Zweig kommt: er verfasst Nachrufe auf Vorrat. Er bekommt von seinem Chefredakteur über Mittelsmänner Dossiers über Prominente oder andere wichtige Persönlichkeiten, verfasst aus diesen kurzen Biografischen Anhaltspunkten stimmungsvolle Nachrufe und wird dafür gut bezahlt. Merkwürdiger Weise sterben die ausgewählten Personen sehr schnell und ihre Nachrufe erscheinen in der Zeitung...und mit der Zeit kommt entdeckt Victor, dass auch die Todeszeitpunkte schon vorher festgelegt werden...
Und es sterben immer mehr Menschen und auch die mitten in der Nacht auf seinem Küchentisch auftauchenden Nachrichten beunruhigen ih, ist die Tür doch immer von innen verschlossen..

Und was haben die Andeutungen seines Redakteurs zu bedeuten? Wer sind die Männer die ihn beobachten, warum verdient Micha der Pinguin plötzlich mehr Geld als er wenn er auf Beerdigungen "auftritt" um diesen "Klasse" zu verleihen?
Warum soll ein Pinguin auf einer Beerdigung erscheinen?
Fragen die Victor nicht in den Wahnsinn treiben aber auf deren Antworten er so gespannt ist wie der Leser.

Ohne Zweifel ein Krimi, der n seiner nüchternen und zuweilen surealer Abfindung mit dem Unmöglichen schon sehr an Paul Auster und die New York Trilogie denken lässt.
Aber dann sind da die menschlichen Aspekte, die Bekannten die Victor trifft, Freunde die einem nach einem gemeinsamen Kaffee und einem Abend voller gutem Essen bis in den Tod treu zur Seite stehen.

Wie bei Arto Passilinna, wo auch die Bösen Menschen nie auf Schmerzen oder grausames Blutvergiessen aus sind, sondern einfach ihren Job machen.
Und auch dass man sich umeinander kümmert, dass man Bitten äussert und dass diese Gefallen auch erfüllt werden, egal was kommt und egal was es auch sei.

So nimmt Victor früh die kleine Sonia bei sich auf und es ist keine Frage, dass sie nach dem Tod ihres Vaters bei ihm bleibt.
Und als Micha krank wird und der Pinguin ein Spender-Herz braucht, ist auch hier keine Überlegung notwendig, was zu tun ist.

Natürlich lässt die wunderbare stumme Beziehung die Victor zu Micha dem Pinguin pflegt an die von Vatanen und der Hase bei Arto Paasilinna denken.

Das Ende dann wieder Paul Auster: ein spannendes Final und eine Pointe, die im letzten Satz den Leser noch einmal den Atem anhalten lässt.
Ein PERFEKTES Lesevergnügen, zwei lange Abende lang.

Die Geschichte ist flott und spannend geschrieben, die Sprache manchmal nüchtern und ruhig, aber nie trocken, einfach oder trostlos. Es geht eine Melancholie voller Hoffnung und Lebenswillen von ihr aus, eine fehlendende Furcht vor dem Tod der doch viele der Charaktere umgibt. Man geniesst das Leben mit den Mitteln die man hat, man lebt ehrlich. Versprechen werden eingehalten und nicht gebrochen, allerdings auch nicht diejenigen, die etwas Unheilvolles verkünden.

Ein Buch dass einen irgendwie in die Ukraine versetzt, vor dem Fall der Sovietrepublik, viele Informationen über das Land und die Gepflogenheiten werden en passant vom Übersetzer als Fußnoten eingestreut. Dazu diese Geisteshaltung, die dem lauten, breit grinsenden und irgendwie sacherinsüßen Optimismus der Amerikaner entgegensteht aber auch dem Gejammer in unseren privilegierten Breitengraden.
Es zeigt die wunderbare raue aber herzliche Seelen derer die nicht viel haben aber auch das noch bereitwillig mit einer guten Bekanntschaft teilen wenn der Abend dadurch schön wird. Den Moment geniessen.

Ein tolles Buch. Ein Krimi, eine Komödie, ein Beispiel für eine bewundernswerte Geisteshaltung.
Verrückt aber nicht abgedreht. Sureal aber nicht gruselig.
Ein ganz tolles Buch!

Détails sur le produit

* Poche: 288 pages
* Editeur : Seuil (2 avril 2004)
* Collection : Points
* Langue : Français
* ISBN-10: 2020477815
* ISBN-13: 978-2020477819

Haut de gamme von Candace Bushnell


Ah, ich liebe es, wenn man ein Buch mit der Erwartung anfängt, einfach ein paar heitere Stunden zu geniessen und sich von leichter Unterhaltung zerstreuen zu lassen und dann doch mit einem Werk konfrontiert wird, das en passant Fragen aufwirft und Erkenntnisse zu Tage fördert, die einen kurz Innehalten lassen.

So war es bei der Teufel trägt Prada und so ist es auch bei dem dritten Roman der Sex and the City Autorin Candence Bushnell: Haute de Gamme.

Ein Buch über das Leben in der New Yorker High Society, ein Buch über Schein und Sein, die anstrengenden Bemühungen seine Rolle auszufüllen, mit den richtigen Leuten zur richtigen Zeit "befreundet" zu sein, daran zu arbeiten Kontakte zu knüpfen, sich seiner Ziele bewusst zu werden und diese mit viel Kraft und Konzentration zu verfolgen.

Und so wirkt das Leben des Topmodels Janey Wilcox gar nicht mehr so rosig und einfach, zwischen Champagner und Burberry warten menschliche Dramen und viel, viel Einsamkeit.
Jeder kämpft für sich und das aber in einer Gesellschaft aus unzähligen Mitläufern, jeder bestrebt so viel vom Kuchen zu bekommen wie möglich und das am besten mit einem perfekten Bild nach aussen.

Das Buch erinnert schon schnell an den Großen Gatsby von Scott Fitzgerald, der mich damals in der Schule ehr gelangweilt hat. Dieses Buch hat mich gefesselt, auch wenn die Welt die es beschreibt mir fremd ist und auch nichts von der heiteren und mit Frauenfreundschaften Atmosphäre von Sex and the City hat.

Hier ist die Einsamkeit und der Eigennutz das dominierende Element im glitzernden Leben, ein Leben im goldenen Käfig, das man schon bald nicht mehr beneiden kann.
Gerade weil die Menschen, die ein Leben an der Oberfläche führen und dabei versuchen alle Regeln der unbarmherzigen Society zu befolgen und den neuesten Moden und Trends Folge zu leisten nicht dumm sind.
Aber kann man aus seinem Leben das man sich einmal ausgesucht hat oder das andere schon von Geburt in einen gewissen Kreis für einen gewählt haben, ausbrechen? Die Furcht vor Einsamkeit und gesellschaftlichen Abstieg ist gewaltig.
Und dieser lauert hinter dem kleinsten Fehltritt und hinter den allgegenwärtigen Intrigen.

Ein Buch das mir sehr, sehr gut gefallen hat. Auch wenn es keines der Bücher voller guter Gedanken und Optimismus ist die ich sonst so liebe. Ehr das Gegenteil. Aber ein gutes Buch nichts desto Trotz.

Ich bin SO froh mir in keiner Weise einen Kopf über solche Dinge machen zu müssen, bin so froh über meine Freunde die mich nehmen wie ich bin. So froh, um meine Freiheit, Freiheit vor fremdbestimmten Zielen und Rollenbildern, einer Freiheit, die die Personen die sich diese eigentlich leisten könnten, vollkommen verloren haben.
Und über den Inhalt hinaus ist das Buch auch von der Sprache her ganz wunderbar, flott geschrieben und trotzdem nicht trivial.
600 Seiten die sich in wenigen Tagen verschlingen lassen.
Und vielleicht lese ich bei Gelegenheit noch mal den großen Gatsby, vielleicht gefällt er mir jetzt besser...
:O)

Détails sur le produit

* Poche: 602 pages
* Editeur : LGF (24 mai 2006)
* Collection : Le Livre de Poche
* Langue : Français
* ISBN-10: 2253117234
* ISBN-13: 978-2253117230

Dial M for Merde von Stephen Clarke


Oh je. Ich glaube Stephen Clarke braucht eine Pause. Denn dieser Roman liegt ganz weit hinter den ersten beiden Teilen aus dem Leben des Engländers Paul West im Land der Franzosen.

Ich habe mir zwar vorgenommen, Bücher die mir nicht gefallen oder die mir zu gewaltig oder zu komplex sind um sie adäquat in meinen Worten zusammen zu fassen hier NICHT zu beschreiben, aber ich mache für Stephen Clarke mal eine Ausnahme, weil ich Angst habe, das dieses Buch den Zauber zerstört den er bei der Lektüre der ersten zwei Teile, a Year in the Merde und Merde actually und der Anleitung zum Umgang mit den Franzosen, Talk to the Snail, bei mir ausgelöst hat.

Dieses Buch ist nicht schlecht, aber es ist auch nicht gut und in Anbetracht der anderen beiden Bücher sehr enttäuschend.
Paul West ist zwar immer noch charmant und liebenswert von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen in Frankreich unterwegs doch das Abenteuer das er jetzt erlebt ist zu hahnebüchen und der Kontakt zu den Eigenarten der Franzosen äusserst marginal.
Er stolpert wieder zwischen amurösen Abenteuern hin und her und muss dabei auch zeitgleich eine südfranzösische Nobel-Hochzet ausrichten und auch noch das Attentat auf den französischen Präsidenten vereiteln, welches natürlich nicht aus komplexen politischen Gründen verübt werden soll sondern wegen einem rührigen persönlichen Schicksal. Wäääh.

Ah, eigentlich ist es ein schlechtes Buch.
Und ich will auch gar nichts mehr dazu schreiben. Nur weil ich Stephen Clarke eben doch SEHR mag und seine ersten Bücher SO gerne gelesen habe warne ich hier vor der Lektüre DIESES Buches.
Denn erwischt man gerade dieses zu allererst, wird man wohl kaum ein zweites in die Hände nehmen und mich überhaupt nicht verstehen in meiner Euphorie über diese amüsanten Soziologie Studien über die Differenzen zwischen Briten und Franzosen.
Dann lieber noch einmal die ersten Teile lesen!

Détails sur le produit

* Broché: 320 pages
* Editeur : Bantam Press (11 septembre 2008)
* Langue : Anglais
* ISBN-10: 0593056302
* ISBN-13: 978-0593056301