Montag, 28. Juli 2008

Lorsque j'étais une euvre d'art Eric-Emmanuel Schmitt


Von allen Romanen die ich bis jetzt von Eric-Emmanuel Schmitt gelesen habe, und es waren glaube ich fast alle, hat mich dieser hier am wenigsten unmittelbar begeistert. Es ist ein guter, wahrhaft interessanter kurzer Roman, ohne Frage, aber erst am Ende merkt man, wie auch bei La Part de l'autre, das es ein sehr gutes Buch ist. Am Anfang ist man während des Lesens noch oft hin und her gerissen.
Ach was, es ist eine gute Lektüre, aber ebenso wie Kafka-Bücher von einem subtilen Horror erfüllt, den ich nicht immer mag.
Und ich kann auch gar nicht genau sagen was meine Freude am Lesen etwas geschmälert hat, ob es die gruselige, fast teuflische Geschichte ist oder der unglaublich unterwürfige Charakter des Protagonisten.

Denn dieser willigt gleich zu Beginn des Buches in einen unglaublichen Vertrag ein:
Er, ein junger Mann, der bereits mehrmals an versuchten Selbstmorden gescheitert ist, dessen Leben ihm leer und sinnlos erscheint, belanglos und ohne Ziel, fade und trist, lässt sich von einem mysteriösen Mann im weissen Anzug und mit farbigen Diamanten in den Zähnen zu einem Deal ein: 24 Stunden am Leben bleiben und dann mal sehen wie es weiter geht.
Der junge Mann willigt ein und lässt sich mit in eine protzige Villa voller bizarrer Kunstobjekte und schöner Frauen mitnehmen.

Dort infiltriert ihn sein "Wohltäter", wie er ihn später nennt, Zeus-Peter Lama, immer mehr mit seinen kruden Sichtweisen: nicht die Schönheit ist etwas Wert, sondern das Aussergewöhnliche, hässliche vielleicht. Und jeder verfügt über drei Leben: seinen lebendigen Körper, die Gedanken die er sich selbst macht und dann über das Bild das er nach Aussen hin abgibt, die Gedanken also die andere sich über ihn machen, das was sie über ihn erzählen. Und nur letzteres zählt.

Und er bietet ihm eine teuflische Option, er, der große, unübertroffene Meisterkünstler Zeus-Peter Lama wird ihn, den unbedeutenden, Zeit seines Lebens von seinen überirdisch schönen, von allen angebeteten Brüdern in den Schatten gestellten Mann ohne nennenswertes Leben und Eigenschaften zu einer Existenz im Glanze und im Ruhm verhelfen.
Er wird aus im ein Kunstwerk machen, ein lebendes Kunstwerk.

Der junge Mann ohne große eigene Meinung und ohne jegliche Selbstachtung oder überhaupt ohne jegliches Bewusstsein über seine Individualität lässt sich beeindrucken vom Luxusleben und dem selbstbewussten Auftretens des großen Zampanos, von den Schönheiten die sich in der Villa nach Zeus-Peter Lama verzehren und dem Reichtum den dieser angehäuft hat.

Sein Leben erscheint ihm weniger als Nichts wert, was hat er zu verlieren? Also lässt er sich leicht überreden, einen diabolischen Vertrag zu unterschreiben: er gibt sich selbst auf und überlässt sich vollkommen, mit Haut und Haar und innerer Seele dem Künstler, wird bereitwillig in dessen Eigentum übergehen und diesem als Objekt dienen das es zu gestalten und zu präsentieren gilt.
Der naive Protagonist ohne Rückgrat gibt bereitwillig sein menschliches Dasein ab, tritt jegliche Rechte an seiner eigenen Person und seinem eigenen Leben ab und gibt sich vollkommen in die Hände des Künstlers, der nun ein Objekt aus ihm machen wird, ein Objekt dass die Öffentlichkeit bewundern und vergöttern wird.

Dazu wird zuerst der Tod des Mannes inszeniert, gemeinsam mit dem für die späteren Operationen zuständigen Gerichtsmediziner wird mithilfe von Schminke und Schlafmitteln eine präsentable Leiche auf Zeit aus dem jungen Mann, die Beerdigung wird pompös und der scheinbar Tote ist selbst überrascht, wie viele Menschen auf seiner Beerdigung auftauchen. Bis er erkennt, dass die Trauernden nicht wirklich ihn betrauern, sondern den, für den ihn die zwei schönen, von Medienberatern umgebenen Brüder ihn ausgegeben haben.
Nicht mal als Toter ist er scheinbar etwas um seiner selbst Willen wert.

Und so beginnt am nächsten Tag die Operation und Zeus-Peter Lama und der alte Gerichtsmediziner verwandeln den Mann ohne Sinn und Interesse am eigenen Leben in etwas Neuartiges, ein Kunstobjekt wie es die Welt nicht gesehen hat.
Von nun an ist der junge Mann kein Mensch mehr, zumindest nicht in den Augen seines "Schöpfers" und seiner Bewunderer.

Wie genau er nun aussieht, erfährt man nicht, aber er muss aussergewöhnlich aussehen, eine lebendige Statur, als Mensch kaum noch zu erkennen, sieht man von seinen Augen ab. Und der Tatsache dass er sprechen und empfinden kann.
Das wollte man ihm eigentlich auch Mittels einer Lobotomie nehmen, doch der Gerichtsmediziner sah sich nicht besonders fit in diesem Metier.

Und so kommt es wie es kommen muss:
nach einer Anfänglichen Phase, in der der neu getaufte "Adam bis" es geniesst, die Aufmerksam der ganzen Welt auf sich zu lenken, als etwas besonderes zu gelten und im Mittelpunkt zu stehen, begreift er allmählich, was es bedeutet, jeglicher Menschlichkeit beraubt zu sein.
Er verfügt nicht mehr im Mindesten über sein eigenes Leben, er ist ein Objekt und wechselt sogar als solches später die Besitzer, geht gar in das Eigentum des Staates über.
Man spekuliert mit ihm, steigert auf grausame Weise seinen Marktwerk und es wird klar, das er für Zeus-Peter Lama nur der Prototyp einer Reihe von lebenden Statuen ist, die ihn, den ohnehin schon reichen "Künstler" noch reicher

Unerträglich wird es als er sich verliebt, er plötzlich für das geliebt wird was noch von seinem alten, damals so vermeintlich wertlosen Ich übrig geblieben ist.
Er möchte sein Leben zurück und erkennt, dass es fast unmöglich ist, er hat als Mensch aufgehört zu existieren.
Sein neuer Körper verfällt obendrein und er muss, durch die Mediation eines Anwalts der ihm seinen Statut als Mensch zurückgewinnen will, erkennen welches Leid er seinen Elter zugefügt hat.
Ihm wird deutlich wie sehr sie ihn geliebt haben, besonders weil er war wie er war und nicht wie seine Brüder. Ihm wird im Nachhinein deutlich dass sein Leben sehr wohl einen wert hatte und er ihn nur nicht erkannt hat.
Der Schmerz den er seinen Eltern mit seinem vorgetäuschten Tod zugefügt hat macht es ihm unmöglich sich ihnen zu erkennen zu geben und er leidet und kämpft um zumindest vor seinem endgültigen Verfall noch als Mensch anerkannt zu werden um so die Möglichkeit zu erhalten, der Geburt seines Kindes, dass er mit der ihn liebenden Fiona gezeugt hat, beizuwohnen.

Das Buch ist wie alle Bücher Eric-Emmanuel Schmitts ein spannender Roman mit philosophischem Thema.
Was macht einen Menschen aus? Was macht ihn besonders, wertvoll? Ist es das was andere in uns sehen und der Wert den sie unserer Erscheinung und unserem Dasein beimessen oder ist es das was wir selbst als wertvoll erachten? Und da die Meinung anderer ja zweifelsohne eine Rolle in der eigenen Evaluierung spielt, welches Gewicht hat dann wessen Meinung? Ist es nicht viel wichtiger auf die zu hören die uns um unserer selbst Willen lieben als auf die, die vermeintlich eine bedeutende Meinung und Einfluss haben?
Das Buch ist ein schönes Beispiel dafür, dass wir selbst uns oft nicht erkennen, denn Sinn den wir im Leben haben, die Wichtigkeit die unsere Existenz für andere bedeutet.

Es zeigt auch, wie schrecklich es sein kann, plötzlich durch den Beruf, eine Fügung oder was auch immer der Öffentlichkeit zu gehören, ihr ohne Einschränkung ausgeliefert zu sein und von dieser wie ein Objekt zuerst angehimmelt und schlussendlich entsorgt zu werden.
Da ist es schon sehr viel besser, von der Mehrheit nicht beachtet aber von denen auf die es ankommt geschätzt und geliebt zu werden. Denn nur ihr Urteil zählt, weil es auf Liebe basiert und nicht auf Ruhm, Glanz und Oberflächenspiegelungen.

Die Erkenntnisse die dieses Buch wohl in erster Linie vermitteln möchte liegen in dem unschätzbaren Wert der jedem Leben inne wohnt und der Bedeutung die die Einzigartigkeit jedes Einzelnen ausmacht. Begriffe wie Schönheit oder deren Gegenteil sind von Aussen aufgestempelte Markierungen, Liebe allein macht den wahren wert eines Menschen aus. Und dieser Wert ist weit, weit mehr als der Marktwert.

Zum Glück gibt es ein schönes Ende, wie immer bei Eric-Emmanuel Schmitt und das ist es dann doch was einen am Ende glücklich das Buch zusammen klappen und dem Autor für ein paar wirklich schöne und wertvolle Stunden danken lässt.



Détails sur le produit

* Broché: 252 pages
* Editeur : LGF (1 septembre 2004)
* Collection : Le livre de poche
* Langue : Français
* ISBN-10: 2253109584
* ISBN-13: 978-2253109587