
Ich hab das Buch am Flughafen in Marseille gesehen, es gab eine Gratis-Tasche dazu, und hab etwas in Richtung Sex and the City erwartet: was leicht zu lesendes mit heiteren und auch mal etwas ernsten Themen die Frauen betreffen könnten und das alles verpackt in die mir so ferne und glitzernde Welt der Mode.
Was ich bekommen habe ist ein Buch das wunderbar zu lesen ist aber so gar nichts mit der Heiterkeit aus SATC zu tun hat, der Leichtigkeit des Seins wenn man genug Geld und einen Job voller Prestige hat und sich ganz locker ein schickes Appartement in der Mode-Mecka-Stadt New York zu leisten.
Le Diable s´habille en Prada ist der Bericht einer jungen Frau, die, kaum von der Uni einen Job als Assistentin DER Modepäpstin New Yorks ergattert, ein Job um den, wie man nicht müde wird ihr zu versichern, sich andere Mädchen bis zur Verdammung reissen würden.
Und Andrea, von ihren Freunden Andy genannt und von ihrer Chefin AN-DRE-ÅÅÅÅÅÅÅ gerufen, nimmt den Job als zweite Assistentin von Miranda Priestley an, Chefredakteurin DES Modemagazins, RUNWAY.
Ein Jahr muss sie durchhalten, dann winkt eine Beförderung an eine andere Position im Verlag oder vielleicht sogar ein Stück in die Nähe ihr Traum-Destination: dem hoch geschätzten Zeitungsverlag des NEW YORKER.
Aber das Jahr wird lang, sehr, sehr lang. Und härter als Andrea es sich hatte vorstellen können. Wie eine Dienerin untersten Ranges ist sie fortan für das Erfüllen jeglicher, aber auch jeglicher Wünsche ihrer egozentrischen und bösartig abweisenden Chefin verantwortlich.
Sie sorgt dafür dass immer ein ausreichender Vorrat an weissen Hermes Tüchern bereit liegen um von Miranda dann sorglos überall liegen gelassen zu werden, Kaffee kommt frisch und heiß vom Starbucks in der Nähe und Essen wird aus den feinsten Restaurants besorgt, und das alles meist mehrmals am Tag, denn ist ein kleiner Makel zu finden oder die Temperatur nicht ganz genehm, oder das H‚ungergefühl vielleicht nicht ganz da, muss alles umgehend in den Müll wandern und neu geordert werden.
Darüber hinaus müssen die unmöglichsten Wünsche erfüll werden, ein Harry Potter noch vor Erscheinungstermin zu den Töchtern ins Ausland geflogen werden, aus mehr als ungenauen Angaben müssen präzise Anforderungen eruiert werden um alle, aber auch alle Wünsche von Miranda zu erfüllen, und das vor allem SOFORT und ohne einen Ton von sich zu geben.
Die Arbeit von Andrea gleicht bald schon der einer begnadeten Detektivin, die in Sklavenhaltung mit Recherche und Telefonieren, Essen und Kaffe-Holen, Dinge in kürzester Zeit an die entlegenste Orte zu transferieren und zu rennen, zu rennen, zu rennen, wann immer dass nie verstummende Telefon klingelt.
Und dabei muss sie auch noch gut gekleidet sein, einer Aufgabe, die Andrea nur Dank der vielen helfenden Experten-Hände des Runway Magazins gerecht werden kann, ist ihr selbst Mode und ihre Kleidung nie besonders wichtig gewesen und auch nach einem Jahr verdammt sie hochhackige Schuhe in denen im Eiltempo Botengänge erledigt werden müssen.
Das Jahr wird wohl das härteste in Andreas Leben bleiben, ein Jahr mit kaum Schlaf, kaum Nahrung (auf die sie selbst sehr ungerne verzichtet, im Gegensatz zu den von Dünnsein besessenen anderen Angehörigen der Modewelt) und keinem freundlichen Wort ihrer Vorgesetzten auskommen muss.
Aber Andrea beisst die Zähne zusammen, will das große Ziel nicht aus den Augen verlieren, nach einem Jahr die Hölle auf Erde zu verlassen um dann endlich wieder zu leben, und das vielleicht im Umfeld des New Yorker.
Aber der Preis ist hoch. Nicht nur sie selber leidet direkt unter der Tyrannin Miranda, auch ihre Beziehungen leiden. Ihr Freund hat kaum noch eine Minute in Ruhe mit ihr und die sich abzeichnenden gravierenden Alkoholprobleme ihrer besten Freundin entgleiten ihrem Einfluss. Auch für ihre Eltern und ihre gerade Mutter gewordene Schwester hat sie keine Zeit, muss sie doch wirklich fast rund um die Uhr zur Verfügung stehen und tatsächlich von einer Minute auf die andere auf die schwierigsten Antworten reagieren.
Andrea verändert sich und sie merkt, dass sie nicht nur ihren Freunden und ihrer Familie nicht mehr gerecht wird, sondern auch sich selbst nicht. Sie kommt zu kurz, so egoistisch sie für ihre Lieben nach Aussen hin auch aussehen mag und als dann auch noch ein Unfall passiert und Andrea, die das ganze Jahr schon wie zerrissen gefühlt und agiert hat, wird mit einer schweren Entscheidung konfrontiert.
Kann sie dem Teufel endgültig ihre Seele überlassen?
Das Buch ist formidabel, es ist aus Sicht von Andrea geschrieben, witzig und doch nicht platt erzählt, ihre Beobachtungen sind scharf und die gezogenen Schlüsse intelligent, man merkt schnell dass Andrea kein Püppchen ist das sich schnell von dem sie umgebenden Luxus blenden lässt und gefügig still hält.
Es steckt vielleicht schon zu viel Journalisten-Potential in Andrea, zu viel fühlender Mensch um alles zu schlucken und die von ihr erwartete Bewunderung ihrer glitzernden Umgebung aufzubringen.
Und so liest sich das Buch wie eine leichtfüssige, unterhaltsame Kritik an der durchaus vorkommenden und zu verurteilenden Haltung die manche Arbeitgeber ihren Angestellten gegenüber an den Tag legen, die den Glauben hegen, mit ihrem Geld und ihrer Postion über das komplette Leben der ihnen untergeordneten bestimmen zu können.
Es zeigt dass Sklaverei auch auf hohem Niveau in unserer westlichen Welt durchaus vorkommen kann, natürlich oft durch erstes Zustimmen der Betroffenen. Man möchte etwas erreichen, irgendwo dazu gehören und dafür muss man hart arbeiten. Aber muss man jeden Preis zahlen? Alles akzeptieren und schlucken? Ist die eigene Würde nicht ein zu hoher Preis den man zahlt?
Andrea bemerkt aber dass alles schleichend verläuft. Wie Treibsand rutscht man immer tiefer bis man daran zu ersticken droht.
Als Andrea das von Miranda zweifelsohne hoch eingeschätzte Lob erhält, sie würde sie an sie selbst in jungen Jahren erinnern, begreift sie.
Sie erkennt dass sie niemals so sein will wie die von allen so bewunderte Frau an der Spitze. Sie begreift dass das Leben allen Luxus und jegliche Vorzugsbehandlung entbehren kann, aber eines nicht: Mitgefühl.
Ein tolles Buch, mit viel Hoffnung und Witz, viel Ernsthaftigkeit und dem guten Gefühl das man nach der Lektüre mitnimmt, mit der eigen Arbeit doch sehr zufrieden sein zu können.
:o)
Détails sur le produit
* Broché: 506 pages
* Editeur : Pocket (21 avril 2005)
* Collection : Pocket
* Langue : Français
* ISBN-10: 2266150146
* ISBN-13: 978-2266150149