
Lunar Park ist ein verdammt guter Bret Easton Ellis Roman, der mit American Psycho, Glamorama und Less Than Zero bereits Literaturgeschichte geschrieben hat.
Breat Easton Ellis wurde jung durch seine ersten Romane zum Star am amerikanischen Literaturhimmel und stürzte mit Hilfe der Drogen, Eskapaden und Versuchungen des ausschweifenden Luxus immer tiefer in die Celebrity Hölle.
Dies erzählt Bret Easton Ellis schon zu Beginn von Lunar Park in autobiografischer Form und der Leser fragt sich, warum der Autor so offen über seine eigenen Verfehlungen und Schandtaten schreibt, seinen Niedergang und die Abgründe seiner Seele.
Und fragt sich, ob es denn nun eine Autobiografie ist, oder doch alles Fiktion, aber warum schreibt Ellis dann über sich?
Die Konturen verschwimmen immer mehr, nachdem Ellis als lerzten Strohhalm vor dem Drogentot die Hand seiner immer mal wieder Freundin, einer erfolgreichen Schauspielerin annimmt und sie heiratet.
Vor ihrer Trennung wurde sie von Ellis schwanger, er bestand auf Abtreibung, sie wollte das Kind und er verweigerte die Vaterrolle vehement.
Doch nun könnte ein Familienleben seine Rettung sein und Ellis beschliesst, sich als Ehemann und Vater zu versuchen.
Gemeinsam mit dem ihm immer noch fremden da zu Anfang nicht anerkannten Sohn im Teenageralter und der kleinen Tochter von einem anderen Mann wohnen sie in einem Vorort, sehr gut situiert im Milieu von ambitionierten Eltern und Aufstrebern.
Probleme werden mit anerkannten Pharmaka gelöst und Kinder stehen eigentlich immer untrer Medikamenten, wohl auch um schon dem frühen Leistungsdruck der subtil aber unnachgiebig an sie gestellt wird Stand zu halten.
Breat Easton Ellis kotzt das alles an, die Verlogenheit, die Fassade die so wichtig ist, aber er fügt sich, möchte sich anpassen, möchte sich dadurch vor einem Rückfall schützen. Er klammert sich an dieses Leben des braven Vorstadt-Papas und versucht, dieser ihm noch fremden Rolle gerecht zu werden.
Mit Hilfe von im Haus versteckten Alkoholdepots und ab und zu einer Linie Koks gelingt es ehr schlecht als Recht und auch eine junge Studentin treibt den frisch gebackenen Ehemann in die Bedrouillie, auch wenn er moralisch keine großen Einwände hegt, schliesslich ist er erst seit ein paar Monaten verheiratet, darf man da nicht noch fremd gehen?
Vielleicht könnte Brea Easton Ellis mit der Zeit, etwas mehr Mühe und Übung tatsächlich irgendwann dem Bild eines gesetzten Mann im besten Alter entsprechen, doch plötzlich geschehen unerklärliche Dinge, passieren grausame Morde und es tauchen Personen in seinem Leben auf, die er selbst erschaffen hat für seine Romane.
Aber wie können Phantasieprodukte im realen Leben agieren und Spuren hinterlassen? Blut?
Sein Vater, seit Jahren tot und nach eigener Aussage mit seiner eiskalten, materiellen Art Vorbild für den Serienmörder Patrick Batemann aus American Psycho, macht sich bemerkbar, mit dem Haus gehen unerklärliche Dinge vor, ein Spielzeug bedroht ihn und das Leben der Kinder. Auch Patrick Batemann scheint zum Leben erweckt worden zu sein oder irgendjemand benutzt American Psycho als Leitbuch zu bestialischen Morden.
Ist das alles real? Wird er wahnsinnig? Ellis beginnt zu kämpfen, will den Ereignissen auf den Grund nehmen und macht gemeinsam mit dem Leser immer unglaublichere aber schlüssige Entdeckungen und der Roman gleicht plötzlich einem guten Stephen King Thriller, in dem der Horror den Alltag zum Alptraum macht.
Alles ist ungewiss, die Fassade des täglichen Lebens bröckelt und der Leser fragt sich mit Ellis gemeinsam wer am Ende noch am Leben sein wird.
Ich werde nicht mehr schreiben, denn das Buch lebt von der Spannung des Ungewissen und diese Spannung ist brilliant inszeniert, wohl gerade deshalb, weil man nicht weiß was einen erwartet, mit was für einer Art von Buch man es zu tun hat.
Was ist real, was Fiktion? Der Leser und Bret Easton Ellis versuchen es fieberhaft gemeinsam zu ergründen.
Mich hat das Buch positiv überrascht, auch deshalb weil die vorherigen Romane von Ellis mir ab und zu an einigen Stellen etwas langatmig vorkamen, was hier aber nicht der Fall ist.
Was man aber auch hier findet ist der beissende Sarkasmus mit der Ellis die scheinheilige Welt der amerikanischen Vorzeigefamilien auseinander nimmt und entlarvt und deutlich macht, was ungelöste Probleme in der Familie für fatale Auswirkungen haben können.
Die Wichtigkeit der Vater-.Sohn Beziehung für die eigene Entwicklung und das spätere eigene Verhalten seinem Kind gegenüber wird thematisiert und am Ende aufgezeigt, dass es nie zu spät ist, Fehler zu revidieren um sie in der Zukunft vielleicht nicht mehr begehen zu müssen.
Ein super Buch, arg gruselig und verdammt spannend, schön sarkastisch und doch nicht bösartig. Eine Horror-Gesellschaftskritik mit Twin Peaks Flair irgendwie.
Détails sur le produit
* Poche: 472 pages
* Editeur : Pocket; Édition : Robert Laffont (3 septembre 2007)
* Collection : Pocket
* Langue : Français
* ISBN-10: 2266164333
* ISBN-13: 978-2266164337