Mittwoch, 14. November 2007

Comment je suis devenu stupide von Martin Page


So, nach "On s' habitue aux fins du monde" nun mein zweites Buch von Martin Page. Ein zugegeben sehr dünnes. aber nichts desto trotz ungemein amüsantes.
Hauptperson ist Antoine, ein 25 jähriger, der ungemein an seiner Intelligenz leidet. Denn er kann das Leben einfach nicht geniessen, muss ständig über alles nachdenken, alles analysieren und kann so nach reiflicher Überlegung nichts, aber auch nichts Wahres und Schönes im Leben entdecken.
Auch der Alltag ist ungemein schwierig für ihn, es braucht umfangreicher Recherchen bevor er sich überhaupt ein Kleidungsstück kaufen kann, an dem nicht das Blut von Kindernarbeitshänden klebt, er kann kaum etwas essen, ist doch fast jedes Lebensmittel mit dem Leid von Tieren verbunden oder um den halben Globus gekarrt. Aber Antoine ist mitnichten ein Globalisierungsgegner oder irgendwie orientierter Aktivist, Antoine möchte nur kein schlechtes Gewissen haben.

Einen Job hat Antoine auch nicht, er hat zwar studiert, spricht auch aramäisch, aber immer nur das was ihn interessiert hat und bei seinen aussergewöhnlichen Interessen kann man da bei weitem keinen Job zusammen basteln.
So lebt Antoine alleine in einer kleiner Wohnung die er nicht bezahlen kann und nur deshalb nicht verliert, weil sein Vermieter an einer Art Alzheimer leidet und immer wieder vergisst wer Antoine überhaupt ist. Natürlich kümmert sich Antoine rührend um den alten Mann, bringt ihn zu verschiedenen Ärzten, sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass er nach einer Genesung in den Sparbüchern sehen würde dass Antoine ihm schon lange nichts mehr gezahlt hat, aber vergessend, wie aufopfernd Antoine sich in der Zeit des täglichen Vergessens um ihn gekümmert hat.

Aber Antoine hat auch Freunde, ein sympathischer Haufen absonderlicher Charaktere und dazu einen sehr sehr starken Nachbarn, der Antoine meistens die ganzen Treppen zu seiner Wohnung hinaus auf en Schultern trägt weil Antoine selbst so schwächlich ist.

Antoines Hauptproblem aber ist seine Verzweiflung über sich und die Welt, seine Verachtung gegenüber seiner Intelligenz. Antoine ist es unwahrscheinlich müde, immer über alles und jeden bis zum geht nicht mehr nachdenken zu müssen, an allem zu leiden was die Welt so auftut.

UNd so beschliesst Antoine nach dem Verfassen eines Manifestes gegen die Intelligenz, sich von dieser zu lösen und etwas blöde zu werden.

Doch wie stellt man so etwas an?
Antoines erster Gedanke ist der Alkohol. Er bereitet sich vor, liest viel darüber und geht dann eines Abends in ein Bistro um von einem Kenner zu lernen wie man Alkoholiker wird. Dieser findet sich auch, ein freundlicher Mann, bereit, Antoine behutsam an die Flasche zu führen.
Dies scheitert leider sehr früh: Antoine wird nach einem halben Glas Bier ohnmächtig, eine Alkoholvergiftung, sein Körper verträgt nicht den kleinsten Schluck.

Im Krankenhaus kommt ihm dann Selbstmord als Gedanke in den Sinn, diesen verwirft r aber nachdem er dort eine Frau trifft, die schon mit unzähligen Versuchen, sich das Leben zu nehmen kläglich gescheitert ist. Antoine besucht zwar noch einen Kurs aber auch der vermag es nicht, ihn zum Selbstmörder zu machen.

Seine letzte Hoffnung ist sein alter Kinderarzt, den er bittet, eine kleine Lobotomie an ihm durchzuführen um so den quälenden Gedankenfluss zu unterbrechen.
Dieses lehnt sein Arzt zwar strikt ab, verschreibt Antoine aber nach einigem Zögern ein Medikament dass Antoine nach eigener Aussage immer gleich gültiger und ruhiger machen wird. Antoine ist begeistert, und steigt gleich mit der doppelten Dosierung ein.

Und allmählich ändert sich tatsächlich Antoines Leben. Er nimmt alles leichter. Wagt es sogar, ein McDonalds zu betreten in dem zuvor am liebsten eine Bombe versteckt hätte. Und das Essen begeistert ihn!
Er wirft all die unnützen Bücher aus seiner Wohnung und schaft sich stattdessen einen Fernseher an.
Er geht ins Fitnessstudio und kauft sich zum ersten mal in seinem Leben anständige Klamotten.
Antoine wird Teil der Gesellschaft.
Als er dann auch nach langer Zeit seinen alten Bekannten Raphael wider trifft der inzwischen als sehr erfolgreicher Geschäftsführer eines Investmentbüros arbeitet, kippt Antoines vormals intellektuell, Kapitalismus kritisches Leben in Askese vollständig:
Antoine wird Investmentbanker. Und das Dank eines auf der Tastatur verschütteten Kaffees so erfolgreich, dass er schon bald im Geld schwimmt.
Er kauft einen roten Porsche den er vor seine neue, mit HiTech Schickschnack vollgestopfte Wohnung stellt. Er hat ja immer noch keinen Führerschein.

Aber tief in seinem Herzen bleibt etwas vom alten Antoine zurück, so verstört ihn ein von Raphael vereinbarter Termin in einer Partnervermittlung nachhaltig und allmählich passieren Dinge, die surreal erscheinen.
Antoine bekommt Besuch von einem Phantom dass ihm seinen verwerflichen, oberflächlichen und doch irgendwie leeren neuen Lebensstil vor Augen führt.

Und auch seine Freunde beschliessen nach einem Jahr mit den neuen Antoine, dass sie den laten zurück haben wollen und starten eine Entzombifizierung.
Und damit das ganze ein Antoine untypisches Happy End hat, trifft Antoine im Park zu guter Letzt eine verrückte hübsche junge Frau und wenn sie nicht gestorben sind, geniessen sie die schönen Seiten des Lebens noch heute.
:o)

Ein sehr kurzweiliger aber tief gehender Roman mit all den für Martin Page so typischen gut gewählten Worten, fein geschliffenen Sätzen, den lustigen Gedankensielen und plötzlich auftretenden bizarren Begebenheiten.
Leider nur ca 130 Seiten...


Produktinformation

* J'ai Lu
* Verlag: J'ai Lu
* 2002
* Seitenzahl: 124
* J'ai Lu
* Französisch

* Abmessung: 178mm x 114mm x 17mm
* Gewicht: 85g
* ISBN-13: 9782290319871
* ISBN-10: 2290319872
* Best.Nr.: 10909376