Sonntag, 11. November 2007

La Fièvre bâtisseuse von Mikael Ollivier


Eines der drei "Schätze" die ich in der fremdsprachigen Schnäppchen Ecke des Stern Verlages gefunden habe.

Ein Buch das vom Cover her nicht besonders anziehend ist und dann doppelt überrascht, hat man die ersten Sätze gelesen, denn dieses Buch ist, auch wenn es sehr sehr arm an Charakteren ist und man eigentlich zu 90% mit den Gedanken und Ängsten und Ritualen des Protagonisten konfrontiert ist, ein grandioses aber auch erschreckendes Lesevergnügen.

Denn die Hauptperson, Jean-Louis Massin lebt eigentlich nur in den Stunden nach Dienstschluss, bis zum Verlassen seines Hauses am nächsten Morgen so richtig. Oder lebt zumindest, denn Jean-Louis liebt und braucht seine festen Abläufe mit denen er fast schon einem selbstbestimmten Autisten gleicht. Sein einziges und somit größtes Vergnügen ist seine Lektüre, das Verschlingen von Romanen, nur Unterbrochen von seiner Arbeit als höherer Angestellter in einer militärischen Administration und den Mahlzeiten, die er alleine in seiner Küche einnimmt. Fern sieht er nur kurz um beim Büro smalltalk nicht ganz im Abseits zu stehen, denn eigentlich interessiert ihn Fernsehen nicht. Und die banale Kommunikation mit seinen Mitmenschen auch nicht.
Im Grunde zählt nur eins: die wunderbare Welt in der er Dank seiner Bücher eintaucht und sich forttragen lässt aus seinem einsamen Alltag.

Dieser wird nachhaltig durcheinander gewirbelt durch einen von ihm verfassten Leserbrief. In maßloser Rage über ein gerade gegenüber errichtetes Mehrfamilienhaus, dem ein lieb gewonnenes altes Stadtpalais weichen musste, verfasst Jean-Louis Massin zum ersten mal selbst etwas und ist von dem gedruckten Resultat begeistert.
Diese Begeisterung setzt so viele positive Emotionen in ihm frei dass er beschliesst, kurz vor erreichen seiner Rente selbst zu kündigen um Schriftsteller zu werden.

Gesagt getan. Und nun beginnen viele Seiten spannenden Auf und Ab´s, liebevolle Beobachtungen die Jean-Louis Massin dem Alltag abtrotzt und eloquent mit viel Liebe zum Detail in seine Notizbücher schreibt, der Vorbereitung zu seinem ersten großen Roman, die Euphorie des erschaffenes, die bodenlose Leere die einem bei einer kreativen Flaute überfällt und an allem zweifeln lässt.
Jean-Louis Massin überdenkt sein ganzes bisheriges Leben, kommt zu dem Schluss dass er bisher eigentlich keins geführt hat und sich immer lieber in die Welt seiner unzähligen Romane geflüchtet hat.
Doch nun möchte er reüssieren, irgendwie, doch je weiter er kommt, desto verzweifelter wird er, scheint doch alles von ihm nieder geschriebene irgendwie schon da gewesenes zu sein, irgendwo und irgendwann einmal gelesen.

Sich selbst unter Druck setzend kann Jean-Louis Massin seine freie Zeit nicht geniessen und auch die Rente nicht, wie ein Arbeitsloser der nach vielen Rückschlägen und Absagen resigniert, schaltet Jean-Louis Massin immer öfter den Fernseher ein, schläft viel und wird immer missmutiger.

Da meldet sich plötzlich die Frau mit der er seine einzige Beziehung gehabt hat und die beiden treffen sich nach vielen Jahren wieder. Aber ob Jean-Louis Massin in seinem letzten Lebensabschnitt noch die Mauern seines Schneckenhauses einreissen kann?

Ich fand das Buch GRANDIOS. Weil ich alles so so so gut nachvollziehen konnte. Die Beweggründe von Jean-Louis Massin und warum es fatal ist dass er so an seinen Ritualen und ihn schützenden Regeln fest hält.
Die Gefahr die ein auf Kreativität angewiesener Beruf mit sich bringt, und die Freude die er auslösen kann.
Ein ganz ganz tolles Buch. Leider nicht auf Deutsch erschienen.

Détails sur le produit

* Broché: 296 pages
* Editeur : Thierry Magnier (15 mai 2003)
* Collection : Littérature adulte
* Langue : Français
* ISBN-10: 2844202195
* ISBN-13: 978-2844202192