Dienstag, 20. März 2007

Petits suicides entre amis de Arto Paasilinna


Auch mein zweiter Roman von Arto Paasilinna hat mir sehr gut gefallen und ich habe wieder ein paar wirklich schöne Stunden in Finnland mit ihm verbracht.
Wie auch in "Le Lièvre de Vatanen", das ich bereits beschrieben habe, versteht es der Autor, mit trockenem und subtilem Humor den Charakter Finnlands und seiner Einwohner zu beschreiben und mir sympathisch zu machen. Obwohl man schnell den Eindruck gewinnt, die Finnen seien ein noch wortkargeres und verstockteres Volk als die Deutschen...

Die Geschichte beginnt trübsinnig: der Geschäftsmann Onni Rellonen beschliesst nach der 4. Firmenpleite und der miserablen Beziehung zu seinen Frau, sich am Johannistag, dem mittsommerlichen Fest des Lichtes und der Freude, sich in einem Schuppen am See eine Kugel in den Kopf zu jagen.
Doch der Schuppen ist nicht leer, Rellonen kommt gerade noch rechtzeitig um den unglücklichen Oberst Kemppainen davon abzuhalten, sich mit einem Strick zu erhängen.

So beginnt der Roman mit der Begegnung Zweier, die des Leben müde sind, die sich einsam und unverstanden fühlen und keinen Sinn in irgendetwas mehr sehen.
Doch anstatt sich zu trennen und jeder für sich seine Absichten zu Ende zu führen, verbringen die Beiden den Tag miteinander, angeln und trinken und reden die ganze Nacht durch.
Um am nächsten Morgen festzustellen, dass es ihnen besser geht. Und mit dem geschäftlichen Funken Optimismus der in ihm aufkeimt, schafft es Rellonen, den Oberst zu überzeugen dass man die soeben gemachte Erfahrung mit anderen teilen müsse, dass es unerlässlich sei, all die potentiellen Selbstmörder Finnlands, denen aufgrund diverser geographischer und charakterlicher Gegebenheiten es nicht mangelt, anzusprechen um ihnen ebenfalls zu vermitteln, dass es andere gibt wie sie. Und dass es vernünftig wäre, all diese einsamen Schicksale zu bündeln, sich gemeinsam das Leben zu nehmen und so auf dieses verschwiegene Schicksal vieler aufmerksam zu machen.

Und so wird nach einiger Überlegung eine Anzeige aufgesetzt, mit einer Postfachadresse für potentielle Selbstmörder. Und die Resonanz überwältigt die Beiden: mehr als 600 Zuschriften gehen aus allen Teilen Finnlands ein. Eine Masse an Briefen, die man zu Zweit kaum beantworten kann. Und so finden man unter den Lebensmüden schnell eine in Korrespondenz geschulte Hilfe und zu Dritt beschliesst man, dass zuallererst ein Treffen stattfinden muss.

Und dieses Treffen bildet dann den Auftakt einer Reise, die die Selbstmörder ihrem finalen Ende zuführen soll, möglichst taktvoll und ohne andere zu brüskieren, aber doch etwas Besonderes. In einem hoch luxuriösen Reisebus reist fortan eine Gruppe von über zwanzig Personen durch Skandinavien, Gleichgesinnte auflesend, Abenteuer erlebend, sehr viel trinkend, Nachts kampierend und die selbstgefangenen Fische zubereitend und vor allem: sich amüsierend. Und so verlängert sich die Reise immer mehr, das finale Ende wird immer weiter aufgeschoben und allein durch ihre Gemeinschaft, und die wunderbare Landschaft Europas wird der Sinn des Lebens, die Freude daran wieder erkennbar.

Der Massenselbstmord wird zuerst von einer Klippe Finnlands zu einer Bergspitze in der schönen Schweiz vertagt um dann am letzten Landzipfel Portugals realisiert zu werden. Doch je länger die Reise dauert, je mehr man die schrulligen Teilnehmer der Gruppe ins Herz schliesst, desto weniger glaubt man an ein derart dramatisches Ende. Zu Recht. Am Ende gehen die meisten glücklicher als je zuvor aus dem Abenteuer hervor und auch der Leser, ja ebenfalls Teilnehmer der Reise, hat nicht nur von der Waldluft Finnlands und seinen Seen geschnuppert, weitere Schätze Europas besichtigt, sondern auch gemeinsam mit den anderen gelernt, was es heisst zu Leben und was dieses ausmacht.

Darum: trotz des Titels und des Themas ein lebensbejahendes Buch. Es ist lustig, es ist schön und es gibt einen Einblick in die finnische Seele, die zwar eine mutige aber doch oft auch eine einsame und düster-traurige ist.
Es zeigt was viele Menschen an der heutigen Gesellschaft weltweit (was man als typisch finnisch anprangert sehe ich genauso gut hier wie überall) verstört: die soziale Kälte und Gleichgültigkeit, den mangelnden Respekt, die Zerstörungswut und Missgunst. Und das all dies vielen Menschen so große Angst macht, dass sie Angst oder Scheu vor dem Leben generell bekommen.

Und es zeigt, wie man diese Angst nehmen, oder zumindest milder kann: indem man einander zuhört, einander ernst nimmt und respektiert und indem man die Augen aufmacht für die Schönheit die einen täglich umgibt.

Ein wunderbares Buch und ich bin jetzt noch gespannter auf das dritte welches ich von Arto Paasilinna lesen werde, denn mich hat positiv überrascht, dass der Autor hier einen Roman geschaffen hat, der zwar genauso amüsant und schön zu Lesen ist wie z.B. "Le Lièvre de Vatanen", aber doch sprachlich differiert. Das ist angenehm und spannend. Darum vergleiche ich beide auch nicht direkt, ich mag sie beide sehr gern und würde jedes von ihnen uneingeschränkt empfehlen.

Denn was zu Beginn etwas bizarr oder absonderlich anmutet, entpuppt sich als sachlich begründetes Ereignis des Lebens, nicht wirkt albern oder überreizt, aufgesetzt oder fremd, genau wie "Le Lièvre de Vatanen" fühlt man sich gut aufgehoben in einer Realität die nun manchmal auf den ersten Blick unglaublich scheint aber doch nicht unwahrscheinlich.

Ein grandioses Buch. Ich will nach Finnland.



Détails sur le produit

* Poche: 291 pages
* Editeur : Editions Gallimard (26 mai 2005)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070308081
* ISBN-13: 978-2070308088


Description du produit

Présentation de l'éditeur
" SONGEZ-VOUS AU SUICIDE ? Pas de panique, vous n'êtes pas seul. Nous sommes plusieurs à partager les mêmes idées, et même un début d'expérience. Ecrivez-nous en exposant brièvement votre situation, peut-être pourrons-nous vous aider. Joignez vos nom et adresse, nous vous contacterons. Toutes les informations recueillies seront considérées comme strictement confidentielles et ne seront communiquées à aucun tiers. Pas sérieux s'abstenir. Veuillez adresser vos réponses Poste restante, Bureau central de Helsinki, nom de code " Essayons ensemble ". " Deux suicidaires se retrouvent fortuitement dans une vieille grange où ils souhaitaient partir tranquilles. Entravés dans leurs funestes projets, ils se mettent en tête de rassembler d'autres désespérés pour monter une association. Commence alors, à bord d'un car de tourisme flambant neuf, un périple loufoque mené à un train d'enfer, des falaises de l'océan Arctique jusqu'au cap Saint-Vincent au Portugal pour un saut de l'ange final. Un récit désopilant doublé d'une réflexion mordante sur le suicide.

Biographie de l'auteur
Arto Paasilinna est né en Laponie finlandaise en 1942. Successivement bûcheron, ouvrier agricole, journaliste et poète, il est l'auteur d'une vingtaine de romans dont Le meunier hurlant, Le lièvre de Vatanen et, en 2001, La douce empoisonneuse, romans cultes traduits en plusieurs langues.