
Mh, nicht das beste oder umwerfenste Buch, welches ich in den letzten Tagen gelesen habe, aber doch lesenswert da es flüssig und ohne jegliche Längen geschrieben ist.
Ausgewählt habe ich es wegen der Inhaltsangabe auf amazon.fr, wonach ein junger Amerikaner seinen Träumen vom Paris der Impressionisten nachgibt und den Ozean überquert um es zu finden und seiner Begenung mit einem älteren Franzosen, der seinerseits von Amerika träumt.
Ich habe mir darauf hin eine Art Holden Caulfield vorgestellt der in der ersehnten Ferne einen alten, von seiner Heimat enttäuschten Mann trifft und genau wie der junge Reisende eine idealisierte Vorstellung vom Land des Andern hat. Und dass sie beide ihre Träume anhand der Realität etwas abschleifen oder auf realistischere Füße stellen.
So genau war es dann aber doch nicht, auch wenn David, der junge Amerikaner, doch zu Anfang etwas Holden Caulfield mäßig daher kommt, wie er sich in anders als andere in seinem Alter nicht für das Ausgehen, Musik oder ähnliches interessiert, sondern ehr für die Impressionisten des alten Paris, allen voran Claude Monet, dessen Bild "le Jardin à Sainte-Adresse" als Reproduktion in seinem Zimmer hängt. Großartigen Kontakt zu seinem sozialen Umfeld pflegt David, der bei seiner Mutter in New York lebt, nicht, seine einzige Bezugsperson ausserhalb ist eine Internet Bekanntschaft:
Orpheline, die als Künstlerin in Paris lebt und David von ihrem erfolgreichen Boheme-Leben dort vorschwärmt.
Und so nutzt David das Geld, dass er in der Lotterie gewinnt (eine gute Fee hat ihm zum Mitspiele geraten...) und fährt mit einem Dampfer über den Ozean, ganz old-school, genau so wie er sich auch kleidet und versucht, sich zu artikulieren.
In Paris trifft er sich dann sogleich mit Orpheline, die sich im Verlauf der nächsten Wochen aber als etwas unstetige, extrovertierte Künstlerin entpuppt, die verzweifelt nach Engagements sucht und sich mehr als gerne von David chic zum Essen ausführen lässt und von ihm erwartet, ihre Karriere in den USA zu etablieren und voran zu treiben.
Davids Bild von Paris und dem Leber der wahren Freigeister wird also zunehmend von der Realität zurecht gerückt, je mehr er in die Welt Orphelines eintaucht und von ihr verschreckt oder besser: ernüchtert wird.
Parallel erzählt der Franzose ohne Namen (er wird nie genannt) in der Ich-Form aus seinem Leben und dem Treffen mit David und anderen Personen des Romans.
Als Kind in Le Havre aufgewachsen, der Sommerstadt der Impressionisten wo auch Monet le Jardin à Sainte-Adresse gemalt hat, fühlte er sich schon früh von der großen Freiheit der Welt angezogen und von der Provinz Frankreichs erstickt. Begeistert erlebt er bei einem Besuch in der offenen, kultivierten und interessierten Familie seiner Tante das Leben der Großstädter und sehnt sich fortan nach der Weite, vornehmlich nach Amerika.
Er landet später in Paris, wo er als kleiner Journalist an einem kostenlosen Magazin für Taxigäste werkelt und simultan von der Karriere als Filmemacher träumt, DEM Film über sein Leben.
Unglückllich und hyperchondernd bestreitet er seinen Alltag, bis er beschliesst, sein Leben mit mehr Optimismus sehen, als eine Art Reise die ihn zu unbekannten Orten führen kann. Er lässt sich auf eine Beziehung mit seiner guten Freundin Estelle ein, verliebt sich aber schnell in die junge und oft abweisende Filmstudentin Cerise, um deren Liebe und Aufmerksamkeit er bettelt, blind für die Realität in der er nur eine von Cerise selbst festgelegte Rolle spielt, sich erniedrigend und von der Realitär entfernend.
Im Verlauf des Romans lernt er David kennen und ihre Wege gehen sie stückweise gemeinsam, teilweise alleine.
So erlebt David kurze Zeit die Zweisamkeit mit dem homosexuellen Arnaud, der zwischen seinen Plänen Priester zu werden und seiner Homosexualität hin und her gerissen ist und der Franzose erkennt schmerzhaft die Absichten hinter Cerises temporärer Zuneigung zu ihm.
Beide fahren gemeinsam aufs Land wo sie schon einmal einen Tag verbracht haben und sich in einer traumartigen Sequenz Dinge für den Franzosen ereignet haben.
Diesmal ist es David, der etwas Derartiges erlebt: zwei alte Angler, der eine wie ein gealterter Hitler, der andere als alter Charles de Gaulle raten ihm, zurück nach New York zu gehen.
Und er befolgt deren Rat, begleitet für eine kurze Reise von dem Franzosen. Und in New York entdeckt David, dass Amerika und Frankreich sich mehr gleichen als gedacht und sich in New York genau die Spuren des alten Paris finden lassen, dessen Kultur und Savoir-vivre, die er in Paris selbst vermisst hat.
Und auch der Franzose entdeckt dass sich hier Spuren seiner Provinz-Kindheit finden lassen und auch die alten Impressionisten mit einem Dampfer hier angekommen sind.
Die Geschichte ist flüssig und gut zu lesen, hinterlässt aber keinen großartigen nachhaltigen Eindruck, sagen wir über Tage oder Wochen hinweg.
Ich ziehe daraus für mich die Lektion, dass man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, bzw in der Ferne das sucht, was eigentlich schon vor der Haustür liegt und das wir alle dazu tendieren, uns nach etwas zu sehnen was es so nicht gibt, was wir uns aber nicht eingestehen wollen. Und das es oft genügt, die Augen aufzumachen um das zu entdecken was man sucht oder zu erkennen dass auch die Beziehung die man führt, eine Illusion ist.
So geniesst David, etwas erwachsener geworden, seine Heimatstadt New York wie ein Tourist, verblüfft von dessen Schönheit und der Franzose erkennt dass die Beengtheit Le Havres etwas beruhigendes hatte.
Abraten tue ich niemanden von diesem Roman, ich fand ihn nicht schlecht, war aber deswegen ein klein wenig enttäuscht, weil ich mir von dem Gewinner des Médicis-Preises etwas mehr erwartet hätte.
Aber nichtsdestotrotz waren die paar Stunden mit dem Buch schöne und darum nicht vertan, ich fühlte mich oft an meine Zeit in Paris erinnert und an meinen kurzen Aufenthalt in New York.
Détails sur le produit
* Parfait
* Editeur : Gallimard; Édition : Nouvelle (15 septembre 2003)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 207030261X
* ISBN-13: 978-2070302611
Description du produit
Un jeune Américain épris de culture française part à la découverte du "pays des peintres et des poètes". Débarquant dans la France d'aujourd'hui, il visite les quartiers touristiques et s'égare dans la ZUP Claude Monet avant de trouver refuge chez des moines adeptes de nouvelles technologies. L'intinéraire de David croise celui d'un Français quadragénaire qui a longtemps rêvé d'Amérique. Tandis que le New-Yorkais s'éprend d'une prétendue "reine de la bohème", le Parisien tombe amoureux d'une vidéaste branchée...