
Das Lesen dieses Buches glich einer fiebrigen Reise: völlig ausser Atem von der erzeugten Spannung, begierig auf das was als nächstes geschieht, ungläubig ob das, was soeben geschehen ist, tatsächlich stattgefunden hat. Denn der Roman ist teilweise so phantastisch und voll Unglaublichem, dass man in einem Moment schreien möchte: Das gibt es doch nicht! um dann im nächsten Moment wieder fiebrig an den Worten zu hängen weil man nicht aufhören kann und am Ende doch alles so logisch ist.
Dabei fängt das Buch vollkommen harmlos, aber doch äusserst interessant an: Piscine Patel (der den französischen Namen für Schwimmbad einem von diesen begeisterten Onkel verdankt), genannt Pi, wächst als Sohn eines Zoodirektors in Indien auf. Zwischen allerlei Interessantem und Kuriosem über die Tierwelt erfährt man nebenbei und mit einer wunderbaren Leichtigkeit einiges über die drei Weltreligionen, da Pi sich nicht so Recht entscheiden kann und darum sowohl praktizierender Christ, Muslim und Hindu ist.
Im ersten Teil wird also das interessante Leben der Familie in Patel in Indien erzählt, ihr enges Zusammenleben mit den Zootieren und die Eigenarten all dieser Lebewesen. Das ganze ist wunderschön zu lesen, man schliesst die Charaktere ins Herz und freut sich ein bisschen mit ihnen, als sie sich entschliessen nach Verkauf der Zootiere an die verschiedenen Zoos, mitsamt dem Rest der Tiere die für Kanada bestimmt sind, dorthin auszuwandern.
Man freut sich auf die Reise und ihr Leben in einer neuen Kultur.
Doch es kommt anders.
Das Schiff erleidet Schiffbruch und der arme Pi findet sich nach der aufwühlend und detailreich beschriebenen Katastrophe auf einem Rettungsboot wieder, gemeinsam mit einem verletzten Zebra, einem Orang-Utan, einer Hyäne und, zuerst unentdeckt, dem großen bengalischem Königstiger Robert Parker.
Keine Möglichkeiten habend, dem engen Boot zu entfliehen, muss Pi mit ansehen wie die Hyäne zuerst grausamst das Zebra erlegt um dann den Kampf gegen den Orang-Utan zu gewinnen.
Nur Robert Parker, der Tiger, ist stärker und so bleiben am Ende nur die beiden übrig, Pi und der Tiger, gemeinsam auf offenem Meer.
Wer nun denkt dass das ja nicht spannend sein kann und wohl bereits das Ende der Geschichte bedeutet, wird eines besseren belehrt:
Pi und der Tiger verbringen 227 Tage zusammen und kein Tag davon ist langweilig, zumindest nicht für den Leser, den jeder Tag, ja fast jede Minute ist ein Kampf für Pi der seine ganze Aufmerksamkeit und Kraft beansprucht.
Denn es ist ergreifend, wie Pi sein Überleben und auch das des Tigers sichert, immer die Distanz zu dem Raubtier warend und doch seine niederen Bedürfnisse stillend um sich selbst vor ihm zu retten. Denn Robert Parker ist weit zu gewaltig um ihn töten zu können und Angesichts der Einsamkeit auf dem offenen Meer will Pi dies vermutlich auch nicht. Und so fühlt sich der Leser etwas an Dafoes Robinson Crusoe erinnert, wie Pi für die beiden Nahrung beschafft, vom Tau den Durst stillt, mit mentalen Übungen und Gedanken den Wahnsinn bekämpft und vor allem das Zusammenleben mit einem ungezähmten, hungrigen Raubtier gestaltet.
Immer wieder geschehen Dinge, die die Spannung in die Höhe treiben und teilweise wahrhaft unglaublich sind. Erscheint eine Situation zum Schreien ausweglos, kommt der nächste Strohhalm vorbei geschwommen, an den Pi und der Leser sich klammern können und hat Pi es geschafft durch seinen Einfallsreichtum die Odyssee über das Meer erträglich zu gestalten, passiert sogleich etwas die Hoffnung zerstörendes.
Und so ist der Leser ständig in Angst um Pi, hofft mit ihm, freut sich oder leidet mit ihm.
Dass Pi gerettet werden muss, dass das ganze IRGENDWIE gut ausgeht, das weiß der Leser bereits, denn Yann Martel lässt schon zu Beginn verstehen, dass er selbst diese Geschichte nur nacherzählt, und zwar nach den Worten Pi Patels.
Denn dieser wird am Ende gar gerettet, bzw. von einem japanischen Boot aufgenommen und nun beginnt der dritte Teil des Buches indem Pi Ungläubigen darlegen muss, wie um Himmels willen er 227 Tage mit einem wilden Tiger überleben konnte.
Auch hier möchte man bisweilen schreien, denn der Kampf gegen Ignoranz und Sturheit kann genauso anstrengend sein wie der um das nackte Überleben auf offener See.
Aber Pi hat zu kämpfen gelernt, aus dem 16 jährigen, unschuldigen Jugendlichen ist angesichts all dem Schrecklichen das er erlebt und gesehen hat, eine starke Persönlichkeit geworden.
Und am Ende, nachdem der Leser nun glaubt, nicht mehr überrascht zu werden, bekommt die ganze Geschichte Pis eine andere, schreckliche und grausame Wahrheit, die diesem phantastischem Buch plötzlich eine weh tuende Realität gibt.
All das was Pi während seinem Märtyrium auf dem Meer erlebt hat, wird noch grausamer durch das was der Leser am Ende erfährt.
Warum das Buch allerdings an Gott glauben machen soll, verstehe ich nicht ganz, trotz der religiösen Diskussionen und Überlegungen die immer wieder eingeworfen werden. Mich liess das Buch vielmehr an den Überlebensinstinkt in uns allen glauben, aber vielleicht läuft es auf das selbe hinaus.
Ich kann das Buch nur empfehlen. Sobald man sich darauf einlässt ist man auf einer Reise, die plötzlich katastrophal ungemütlich wird und allen viel Kraft abverlangt, so atemlos lassen sich teilweise manche Passagen lesen. Man leidet was körperlich mit Pi und wird gestärkt durch seine Stärke.
Das Meer wird einem bedrohlich und vertraut zugleich und ich werde nie wieder mit einem Schiff ein Meer überqueren können ohne an Pi und den Tiger zu denken.
Description du produit
Présentation de l'éditeur
Piscine Molitor Patel, dit Pi, est le fils du directeur du zoo de Pondichéry. Lorsque son père décide de quitter l'Inde, la famille liquide ses affaires et embarque, accompagnée d'une étonnante ménagerie, sur un cargo japonais : direction le Canada. Le navire fait naufrage, et Pi se retrouve seul survivant à bord d'un canot de sauvetage. Seul, ou presque... Richard Parker, splendide tigre du Bengale, est aussi du voyage. Comment survit-on pendant deux cent vingt-sept jours en tête à tête avec un fauve de trois cents kilos ? C'est l'incroyable histoire de Pi Patel. Fable métaphysique, roman d'aventures, L'Histoire de Pi - vendu à plus de quatre millions d'exemplaires dans le monde - est un miracle tant littéraire que commercial.
Détails sur le produit
* Parfait: 435 pages
* Editeur : Editions Gallimard (24 novembre 2005)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070319423
* ISBN-13: 978-2070319428