Donnerstag, 5. Juni 2008

Die Feuerzangbowle von Heinrich Spoerl


Da habe ich im Regal meiner Eltern einen alten Schatz entdeckt:
Heinrich Spoerls Feuerzangbowle.
Und weil Heinrich Spoerl aus Düsseldorf kommt und es bei den Cafés von Herrn Spoerl in ebendieser unserer wunderschönen Stadt grandiosen Milchkaffee gibt und ich darüber hinaus diesen Film mit Heiz Rühmann als Kind immer ungemein lustig fand, hab ich das kleines Büchlein eingesteckt und umgehend mit viel Freude gelesen.

Und muss sagen: wieder einmal ein buch dass trotz guter Filmumsetzung als original ungeschlagen bleibt!
Heinrich Spoerl benutzt so eine wundervolle Sprache, die immer zwischen schalkhaft-oroginell und gehoben pendelt, dass der Film daneben blass erscheinen muss.
Die Sprache des immerhin bereits in den 30er Jahren verfassten Romans ist so erfrischend frech und gleichzeitig ausgewählt, dass man die Lausbubengeschichten des Hans Pfeiffers verschlingt und diesen schalkhaften Protagonisten umgehend lieb gewinnt.

Denn Hans Pfeiffer (mit drei f, eins vor dem ei und zwei hinter dem ei), ein junger erfolgreicher Schriftsteller der aufgrund von Privatlehrern nie in den Genuss der von Streichen und anderen Oberstufenerlebnissen gekommen ist von dem ihm seine gebildeten Bekannten vorschwärmen, lässt sich überreden, auch einmal die Schulbank zu drücken um eben dieses Versäumnis nachzuholen.

Und so verkleidet sich der begüterte und sonst nicht anspruchslose 24 jährige als Jungspund, zieht in die Pension der mütterlichen Frau Windscheid und wird Schüler einer von Rabauken dominierten Gymnasialklasse.
Und natürlich wird Hans Pfeiffer schnell zum Oberrabauken, aber zu einem mit Herz und Gewissen und so schleicht er sich mit seiner eloquenten Rat und seinem originellen Schabernack schnell in die Herzen seiner Mitschüler und auch des Lesers.

Doch leider kann man nicht gänzlich von seinem alten Leben Urlaub nehmen, so wie Pfeiffer es gern hätte: seine Verlobte kommt aus der großen Stadt Berlin in sein Jungspund-Junggesellenleben in Babenberg hineingeplatzt und droht dem munteren Treiben mit den Pflichten des würdevollen Berufslebens ein Ende zu setzen.
Doch Pfeiffer mit drei f hat sich nicht nur in das ungestüme Pennälerleben verliebt...

Es ist ein wundervolles Bild von der harten aber gutmütigen streng-lustigen Schule aus vergangenen Zeiten, das Heinrich Spoerl hier zeichnet. Streiche voller Biss aber ungefährlich, Lehrer mit Autorität und Herz, die einen zum Lachen, die anderen zum gern haben.
Ein wundervoller, kurzweiliger kurzer Roman in einer grandiosen Sprache aus einer etwas fernen Zeit.

Vielleicht zu geniessen an einem langen Nachmittag mit zwei, drei großen Milchkaffee-Schälchen im wunderschönen Café Herr Spoerl in der Tußmannstraße in Düsseldorf...

:O)

Produktinformation

* Taschenbuch: 170 Seiten
* Verlag: Heyne (1990)
* Sprache: Deutsch
* ISBN-10: 3453042476
* ISBN-13: 978-3453042476