Montag, 7. Januar 2008

Le Medecin d' Ispahan von Noah Gordon


Manchmal gibt es nichts schöneres, als einen Historien Roman zu lesen und sich von diesem, wie von einem guten Film, in eine andere Zeit transportieren zu lassen. Und wenn es sich dann dabei wie bei dem Le Medecin d' Ispahan um eine Geschichte zur Zeit des Mittelalters handelt, hat man während des Lesens und im Anschluss wieder einmal das wunderbar wohlige Glücksgefühl, im Hier und Jetzt geboren zu sein. Weil Früher eben doch nicht alles besser war.

Die Geschichte ist die des im 11.Jahrhundert schnell zum Waisen werdendenen Rob J. Cole, der, von seinen Geschwistern getrennt von einem herum fahrenden Barbier-Chirugien aufgenommen und in die Kunst des Heilens und gleichzeitigen Unterhaltens eingewiesen wird.
Doch Rob ist mit einer Gabe gesegnet die ihn zu Beginn sehr belastet, er kann mit seinen Händen spüren wenn sich ein Patient kurz vor dem Tod befindet. Und er leidet an seinem Unvermögen, diesen aufzuhalten und an seinem mangelnden Wissen über die adäquaten Heilmethoden. Und so macht er sich nach dem Tod seines Mentors nach Persien auf um dort an der berühmten medizinischen Fakultät zu studieren. Doch da in der islamisch regierten Stadt neben Moslems höchsten Juden studieren dürfen, schliesst sich Rob auf der anstrengenden und gefährlichen Odyssee nach Ispahan einer Gruppe jüdischer Händler an von denen er und somit der Leser, einiges über die jüdischen Gebräuche und Traditionen erfährt. Und da es später zu seiner studentischen Pflicht gehört, auch den Koran und den Großteil der Gesetze der Sunna zu kennen, wird auch der Islam in den Grundzügen vorgestellt.

Was aber meiner Ansicht nach Interessanter an dem Buch ist, sind die Interaktionen zwischen den Angehörigen der drei Weltreligionen, nicht zur heutigen Zeit sondern zu der damaligen, man erkennt wie unnütz und politisch Motiviert viele der Unterschiede sind und man merkt, wie gerade die christliche Kirche die Aufklärung und die medizinische Erkenntnis so lange wie möglich unterdrückt und als Ketzerei abgetan hat während gerade der Islam schon ungemein weit und erfahren war und es im Orient auch die ersten medizinischen Schulen gab.

Darüber hinaus wird aber auch deutlich, das überall das strikte Festhalten an überlieferte Gebote medizinischen Fortschritt unterdrückte, war es doch bei Todesstrafe verboten, einen Körper aufzuschneiden und somit das Innere zu erforschen oder zu operieren. Auch das Verbot der menschlichen Darstellung im Islam war lange mehr als hinderlich.

Neben diesen en passant und interessant eingestreuten Informationen mit historischem Tatsachencharakter ist die Gratwanderung Rob J. Coles ungemein spannend, gibt er doch als nicht sonderlich religiöser Christ vor, ein Jude zu um die Moslems nicht gegen sich aufzuhetzen. Zudem gehören seine besten Freunde beiden Religionen an und seine Nähe zum persischen Schah, der immer stärker mit seinem ausschweifenden Lebensstil von den Gesetzen der Scharia abweicht und so den Zorn der Mullahs auf sich zieht bringt ihn in Gefahr.

Und natürlich darf in einem guten Unterhaltungsroman auch die Liebe nicht zu kurz finden und so verliebt sich Rob schon auf dem Treck nach Persien in die junge Schottin Mary die mit ihrem Vater auf der Suche nach guten Zuchttieren für ihre Farm ist. Nachdem sich ihre Wege zu erst dem Anschein nach für immer getrennt haben, da Mary natürlich nicht ihren Vater verlassen und Rob folgen kann, trifft Rob sie später wieder, ihr Vater liegt im Sterben und Mary steht vor einer schweren Entscheidung da es für sie, als stark gläubige Christin eine unverzeihliche Sünde ist, dass Rob sich als Jude ausgibt und somit seinen Glauben verleugnet. Aber ihre Liebe ist stärker und so gibt auch sie sich in Ispahan als Jüdin aus und gewöhnt sich langsam an den so anderen Alltag dort und leidet zuweilen an ihrem Unvermögen, so wie Rob persisch zu lernen.

Nach allerlei spannenden und schicksalsträchtigen Ereignissen bricht in Ispahan der Krieg zwischen dem Schah und von den Mullas unterstützen Rivalen aus und Mary und Rob müssen mit den beiden Kindern fliehen.

Zurück in London muss Rob dann entsetzt feststellen wie gefährlich sein medizinischer Wissensdrang hier ist und durch seine von Nächstenliebe und Wertschätzung motivierte Hilfsbereitschaft eines Juden gegenüber bringt er sich in Todesgefahr.

Und so resigniert er schon bald an all den kirchlichen Widerständen und gibt seine Idee, in England an der Schaffung einer medizinischen Fakultät mitzuwirken schnell auf und folgt Mary nach Schottland.
Und dort, umgeben von den großen, hilfsbereiten Mitgliedern ihres Familienclans kommt Rob endlich zur Ruhe, behandelt seine Patienten und gibt sein Wissen an seinen ältesten Sohn weiter und ist vor allem glücklich, seine wunderschöne Frau und seine Kinder in relativer Sicherheit aufwachsen zu sehen.

Ja, ein schönes Buch, dass zeitweise sehr spannend, dann wieder dramatisch ist um dann nebenbei viele wertvolle Hintergründe zu erläutern um am Ende mit einem erleichterten Seufzer aus der Hand gelegt zu werden.
Kein schnulziges Historiendrama sondern wie Die Säulen der Erde von Ken Follet ein vergnügliches Eintauchen in eine andere Zeit und in ein Leben das sich diametral von dem unsrigen unterscheidet.


Produktinformation

* Verlag: Import F; Librairie Generale Francaise, P.
* 2002
* Ausstattung/Bilder: 2002. 605 S.
* Le livre de poche Bd.6728
* Französisch

* Abmessung: 18 cm
* Gewicht: 292g
* ISBN-13: 9782253052357
* ISBN-10: 2253052353
* Best.Nr.: 05632322