
Ich bin mehr als betrübt bei der Feststellung, dass dieses glaub ich das letzte mir noch unbekannte Buch des grandiosen Arto Paasilinna war. Von nun an heisst es warten und in der Zeit die alten aber meisterhaften Werke noch einmal zu lesen und ich bezweifle nicht, dass sie mich auch dieses mal verzaubern und nach Finnland katapultieren werden!
Dieses Buch ist ein wundervoller Abschluss und ich bin froh es am Ende gelesen zu haben. Denn irgendwie schliesst sich der Kreis, war doch mein erstes Buh von Arto Paasilinna das des Hasen und Vaartanen und in dieser Geschichte spielt ein Bär eine der Hauptrollen.
Ein Bär der als Waisenjunge dem ruppigen und mit der Kirche etwas auf Kriegsfuß stehenden Pastor Oskari Huuskonen zum fünfzigsten Geburtstag geschenkt wird, was dessen Frau noch mehr gegen diesen aufbringt. Aber was solls, Oskari hat sich noch nie sonderlich an der Meinung anderer gestört und was seine Frau so treibt ist eh nicht von großem Interesse.
Da schon ehr der Bär.
Dieser gewöhnt sich schnell an den Pastor und eine Paasilinna typische Freundschaft entsteht und gemeinsam erleben die beiden die schönsten und kuriosesten Abenteuer, nie albern, immer mit viel Herz und Wäre, Witz und Esprit und garantiert nie vorhersehbar.
Es werden Sportarten erfunden und mit Verve betrieben wie der steil aufsteigen Speerwurf (bei dem der Pastor fast seinen Bischof ins Jenseits befördert) und natürlich jede Menge Alkohol und Cervelat-Würste konsumiert.
Der Pastor verbringt den ersten gemeinsamen Winter mit dem Bär in einer komfortablen Höhlenhütte, erregt aber auch dadurch den Zorn der Kirchenoberen weil eben nicht nur der Bär, sondern auch eine aufgeschlossene und hübsche Zoologin mit dem Pastor dort zu überwintern scheint. Die Pastorenfrau ist ausser sich vor Wut, verlangt die Scheidung und der Pastor fühlt sich so nach einigen Ereignissen die den Leser mehr als Amüsieren werden, frei mit dem Bären auf eine kleine Reise aufzubrechen.
So kommt es dass die beiden auf einem schiff anheuern, hat der Bär doch in der Zwischenzeit gelernt, häusliche Aufgaben wie Bügeln, Wäsche falten und sortieren, Frühstück zubereiten und Ordnung halten aufs Vortrefflichste zu erledigen und sogar dem Pastor bei seinen improvisierten und anderen Religionen aufgeschlossenen Messen zu assistieren.
Ein guter Missionar ist dieser aber vielleicht nicht, zweifelt er doch schon seit einiger Zeit an dem Gottbild wie es seine Kirche geformt hat. Lieber beschäftigt er sich mit dem Gedanken an die Existenz ausserirdischen Lebens oder der Erklärung wie da große Ganze zusammen passt.
Die beiden machen Die Bekanntschaft von allerhand kuriosen und freundlichen Zeitgenossen, darunter der Kapitän des Schiffes, den leider später ein paar Piraten ins Jenseits verfrachten. Der Bär und der Pastor stranden auf der kleinen russischen Insel Solovekche, wo der Pastor eine weitere bezaubernde Frau für sich einnehmen kann.
Diese verhilft ihm nicht nur zu einem gebrauchten Computer mit dem er nun in seiner freien Zeit das All Dank des SETI Programms nach fremden Signalen Absichten kann, sie verhilft ihm auch zur Flucht von der Insel als der etwas eigentümliche Pastor und sein Bär den Bewohnern doch allzu merkwürdig vorkommen.
Zu dritt landet man letztendlich nach ein paar Ereignisreichen Zugfahrten auf einem weiteren Schiff und mit diesem geht es nach Malta, wo sich ein finnischer Reisegefährte das Leben nehmen möchte, weil er es nicht schafft, im Mittelmeerraum finnische Saunen an den Mann zu bringen.
Der Pastor und sein Bär lösen auf einer ökomenischen Versammlung erst ein Blutbad aus, einen dadurch aber die sonst so streitlustigen Religionsführer und ernten so deren Dankbarkeit, nachdem die beiden zuvor einige unangenehme Stunden erdulden mussten...
Die äusserst knappe und vermutlich die besten und amüsantesten Episoden der Bären-Pastorenreise auslassende Zusammenfassung wird diesem Feuerwerk an kuriosen Einfällen natürlich nicht gerecht.
Arto Paasilinnas Bücher können nicht erzählt, sie müssen gelesen werden.
Denn e sind ja nicht nur die Geschichten und die liebenswert-verschrobenen Charaktere die den Leser garantiert für ihn einnehmen, es ist auch seine Sprache.
Wundervoll zu lesen und nie trivial, platt, aber auch nicht hochgestochen blasiert, eine wundervolle Sprache voller deftiger und ruppiger Schimpfworte und weichen Naturbeschreibungen.
Ein Buch voller Liebe unter einer dicken, stacheligen Schale von bärbeissigem Charme!
Und dazu wird unterschwellig und in keinster Weise aufdringlich auch hier wieder auf unprätentiöse Weise eine Moral vermittelt, die Aussage gemacht dass das Gute im Menschen vielleicht von aussen nicht immer sichtbar ist, aber gerade dann, wenn auf unnötige Geschwafel verzichtet wird, der weiche gute Kern viel aufrichtiger ist als gedacht.
Hier wird wie in allen Büchern von Arto Passilinna deutlich, wie eine echte Freundschaft aussehen kann und dass es nicht vieler Worte auch nicht lange Zeit braucht, um dieser gerecht zu werden.
Mit noch viel weniger Worten und Erklärungen kommen die amourösen Beziehungen zwischen Mann und Frau aus und auch hier ist der verschrobene Protagonist der Hahn im Korb, scheinen sich finnische, und hier russische, Frauen doch von wortkargen Griesgramen angezogen zu fühlen und so kommt der Pastor, was Zuneigung betrifft, nicht zu kurz.
Ein ruppiges, liebenswertes Buch über Freundschaft, den Glauben und natürlich Finnland.
Ein wirklich ganz tolles Buch!
Détails sur le produit
* Broché: 309 pages
* Editeur : Editions Denoël (7 juin 2007)
* Collection : Denoël & d'ailleurs
* Langue : Français
* ISBN-10: 220725819X
* ISBN-13: 978-2207258194