Mittwoch, 4. März 2009

la ferme africain von Karen Blixen


Ein Buch das wohl als Klassiker bezeichnet werden kann und wohl kaum einer, der zumindest den Titel nicht kennt, ist der gleichnamige Film doch schon zigmal im Fernsehen gelaufen.
Den Film hab ich früher auch einmal gesehen und erinnere mit wage, das Buch habe ich aber erst jetzt im Pariser Secondhand-Buchladen entdeckt.
Und war erstaunt.
Denn an Stelle einer blumigen und pittoresken Liebesgeschichte und mit filmischen Spannungsbögen ausgestatteter Hollywood Lebensgeschichte wehte mir direkt der Wind Afrikas entgegen.
Eines Afrikas das mit viel Liebe zu Land, Leuten und Detailrt´treue von der Autorin und Farmbesitzerin Karen Blixen beschrieben wird und in der diskret auf jegliche amourösen oder intimen Einblicke ins Seelenleben verzichtet wird.

Kein Buch für Frauen mit Sehnsucht nach Afrika also, sondern ein Bericht über ein Land dass an Hemingway erinnert, der die Autorin wie ich erfahren habe, verehrt haben soll.
Es ist auch kein Buch wie ein Film, es fehlen jegliche Einblicke in das Intimleben der Autorin, ihre Freundschaften zu Männern werden wie Freundschaften die bis ins Blut gehen beschrieben, aber niemals folgt eine Andeutung auf.. mehr.
Es ist ein Bericht. Voller Farben über das Leben in Afrika.

Vieles klingt nüchtern, manches zeitlich fern wenn die weisse Blixen von den Negern erzählt, aber der Respekt und die Achtung die sie diesen entgegen bringt, verhindert jegliche Distanz und bringt sie einem sympathisch näher, auch wenn sie immer mehr ein berichtender Reporter bleibt.

Das zumindest im ersten Teil des Romanes, der die Farm, das Land und das Leben auf der Farm beschreibt. Dies wie gesagt ehr in berichtender Form und nicht als Roman.
Der zweite Teil besteht dann aus einer Art Aufsätzen, Reflexionen über Land und Leute, ausgelöst durch Ereignisse und Episoden.
Und auch fast philosophische Gedankengänge werden aufgeworfen, angeregt durch Begebenheiten oder gehörte Geschichten.

Der dritte Teil ist der Teil des Abschiedes. Für eine Kaffeeplantage liegt die Farm etwas ungünstig und Heuschreckenplagen tun ihr übriges. Gemeinsam mit dem Leser nimmt Karen Blixen schon einmal Abschied von ihrer geliebten Farm und kann es dennoch bis zum Ende nicht realisieren, fort zu müssen.
Doch als am Ende alle Möbel verkauft ( nur von ihren Gläsern kann sie sich nicht trennen, haben sie und ihre Freunde doch daraus mitten im Busch Wein und Champagner getrunken und die schönsten Momente erlebt) sind und die Farm schon längst einen Käufer gefunden hat muss Abschied genommen werden.

Auch dies wird relativ unsentimental beschrieben, auch wenn man Blixens Schmerz herauslesen kann, sich von einem Teil ihres Herzens verabschieden zu müssen.

Es ist ein Buch dass Aufmerksamkeit erfordert und den Leser im Gegenzug mit einem Bild von Afrika belohnt dass fast schon lebendig ist.
Es ist eben kein Roman sondern eine Autobiographie, dazu eine die offensichtlich auf Detail- und Wahrheitstreue abzielt.
Ich kann verstehen dass dieses Buch damals einzigartig erschienen sein muss, unglaublich wichtig, gab es doch das Fernsehen mit seinen farbigen und mitreissenden Reportagen noch nicht.

Ich war überrascht dass es so anders ist als der Film, man erfährt so gut wie Nichts über die Geschichte vor der Zeit in Afrika, nichts über die Zeit danach, man erfährt nichts über ihr Leben als Ehefrau, Liebhaberin, nichts über ihre Familie, nichts über die Frau Karen Blixen.
Es ist die Farmbesitzerin und Betreiberin, die Verantwortliche für ein Stück Land und die Menschen und Tiere darauf die man kennen lernt, die die Autorin den Leser kennen lernen lässt.
Zwischen den Zeilen kann man vermuten welcher Freund ihr vielleicht am nächsten war, näher als sie auch nur andeutet, aber es ist alles so subtil, diskret und förmlich, dass es nur Spekulationen sind.

Wer also in schriftlicher Form das sucht was er auf der Leinwand gesehen und gespürt hat, wird vielleicht enttäuscht, das Buch war wohl lediglich Inspiration und Lieferant für Informationen.
Wer aber in das Leben einer Farmbesitzerin in Afrika, in eine andere Epoche eintauchen und dabei das Gefühl von Authentizität und fast objektiver Beschreibung haben möchte, der wird sehr viel Freude an diesem Buch haben.

Détails sur le produit

* Poche: 508 pages
* Editeur : Editions Gallimard (9 novembre 2006)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070425126
* ISBN-13: 978-2070425129