Mittwoch, 22. August 2007

Schmetterling und Taucherglocke von Jean-Dominique Bauby


Dieses Buch ist glaub ich eines, das man liest und als Schatz empfindet. Als etwas unglaublich kostbares das einem das Gefühl vermittelt, mit seiner Entdeckung unglaubliches Glück gehabt zu haben. Ich habe dieses kleine, dünne Büchlein (meins ist ein Hardcover von der Büchergilde) ehr durch Zufall gekauft und mit großer großer Begeisterung gelesen. Und diese Woche habe ich es im Regal entdeckt, es war durch seine Größe etwas nach hinten gerutscht und so aus meinem Blickfeld geraten.
Aber jetzt habe ich es wieder und passe von nun an gut darauf auf, denn es ist eines der Bücher, die man nicht aus den Augen verlieren sollte und auch eines der Bücher, die man lieben Menschen denen man Gutes tun will schenken kann.

Das Buch ist ein Zeichen von absoluter Liebe zum Leben, geschrieben von dem 43 Jahre alten Jean-Dominique Bauby, einem der Chefredakteure der Zeitschrift Elle.
Oder besser gesagt: diktiert, denn Jean-Dominique Bauby erlitt eines Tages einen Hirnschlag der ihn von jetzt auf gleich körperlich lähmte und ihn so physisch in eine Taucherglocke zwang.

In einem französischen Krankenhaus ist er nun auf die absolute Hilfe anderer bei allem angewiesen. Er kann nicht alleine essen, gehen oder sprechen, nur sein Augenzwinkern erlaubt ihm mithilfe eines optimierten Alphabetes Kommunikation mit der Aussenwelt.
Doch er verzweifelt nicht angesichts seines Gefängnisses, Jean-Dominique Bauby beschreibt seine Erlebnisse mit viel Humor und Optimismus, nur ab und zu blitzt ein klein wenig Sarkasmus auf, doch der wird schnell von seinem zauberhaften Erleben des Alltages übertüncht.
Mit viel Witz beschreibt er die Begegnung mit seinen Mitmenschen, deren Umgang mit ihm der den Leser oft zum Lachen bringt. Er beschreibt seine Reisen die er unternimmt, seine Reisen im Kopf die ihn an entfernte Orte der Vergangenheit führen oder mit viel Phantasie an noch gänzlich unbekannte.
Das ganze Buch ist ein Plädoyer fürs Leben, dafür, dass der Geist wohl das ist was uns und unser Leben ausmacht und dass ein gutes Gemüt, Hoffnung und Phantasie einem ermöglichen, auch die härtesten Schicksalsschläge zu überstehen.

Jean-Dominique Bauby starb kurz nach der Veröffentlichung des Buches und mein Freund las es deshalb erst mit Widerwillen. Es würde ihn deprimieren, sagte er.
Aber schon nach ein paar Kapiteln musste er zugeben, das ein oder andere Mal gelacht zu haben. Und ich glaube, dass wenn man unvoreingenommen an dieses Buch heran geht, man ganz ganz viel davon mitnimmt. Viel für sich gewinnt, unter anderem die Einsicht, dass wir alle nur oberflächlich von Umständen eingezwängt werden. Dass wir wie Schmetterlinge frei sein können wenn wir nur die Augen offen halten und den Geist wandern lassen. Dann kann uns keine Taucherglocke zurück halten.
Und weil Jean-Dominique Bauby das alles so schön mit Liebe und Witz und Charme mit seinem Beispiel deutlich macht, ist dieses kleine Buch ein großer Schatz der Literatur. Denn seine Sprache ist über den Inhalt hinaus wunderschön und eloquent.

* Verlag: Zsolnay
* 2002
* Ausstattung/Bilder: Nachdr. 2002. 133 S.
* Deutsch
* Abmessung: 21 cm

* Gewicht: 255g
* ISBN-13: 9783552048690
* ISBN-10: 3552048693
* Best.Nr.: 06992548