Dienstag, 14. August 2007

L´ignorance von Milan Kundera



Über Milan Kundera Bücher schreiben ist immer schwer, auch das Zusammenfassung der Handlung für interessierte Freunde ist mir meist unmöglich. Das liegt hier nicht primär daran dass ich einfach absolut nie den roten Faden finde wie mein chouchou sagt, nicht auf den Punkt komme, sondern dass man aus der Lektüre eine Kundera Romans wie aus einem Traum auftaucht.

Die Geschichte schlittert meist haarscharf surreal an der Realität vorbei, die Charaktere leben, wirken aber wie losgelöste, ätherische Abziehbilder von guten Bekannten.
Die Dialoge lassen manchmal mit wenigen Worten eine kafkaeske Traurigkeit und Einsamkeit erkennen und doch ist die Sprache schön, gewählt und wunderbar eingänglich.

Auch in diesem Roman geht es um Einsamkeit, Liebe die gesucht wird oder gefunden wurde, um die Suche nach sich selbst und seinen Platz in der Welt, im Leben.

Protagonisten sind Irena und Josef, die beide vor zwanzig Jahren Tschechien und ihr altes Leben verliessen um in ein neues zu emigrieren.
Diese Emigration betrieben sie aus unterschiedlichen Entscheidungen, die teilweise aus ihrer damaligen Unwissenheit getroffen wurden.
Beide setzten 20 Jahre lang keinen Fuß in ihr Mutterland und setzten sich so einer Unwissenheit da ihre Vergangenheit, all die Menschen die sie dort kannten, ihre Familien von nun an kein Interesse mehr zeigt und auch das ihre nicht mehr befriedigt, auf beiden Seiten der Grenze herrscht Unwissenheit über das Leben der anderen.

Irena ist damals mit ihrem Ehemann nach Paris gezogen, der aber starb.
Josef heiratete eine Dänin, auch sie starb und er lebt in einer Welt der Andenken an sie.
Irenas neuer Partner Gustav liebt Prag, das neue Prag, das Prag der Touristen und Kosmopoliten und er versteht nicht, warum Irena ihm, der dort extra für sie, eine Filliale aufgemacht hat, nicht öfter dorthin folgt.
Auch Josefs verstorbene Frau verstand nie seine Unlust, seine Heimat zu besuchen.

Nun, durch die Unwissenheit anderer über ihre inneren Beweggründe zur Unmut doch dazu getrieben, reisen beide nach Tschechien und treffen sich auf dem Pariser Flughafen.
Irena erinnert sich an Josef, erkennt ihn wieder und er vermag ihr seine Unwissenheit über ihre Identität nicht einzugestehen, er hat komplett vergessen sie jemals getroffen zu haben.

Dennoch verabreden sie sich für ein Rendevous ein paar Tage später und werden in der Zwischenzeit mit der Ignoranz ihrer alten Bekannten und ihrer Familien ihrem Leben in der Emigration gegenüber konfrontiert.

Hier sind sie nun Fremde die nur dann wieder in den Kreis der Vertrautheit aufgenommen würden, wenn sie ihrem Leben ausserhalb entsagen.
Doch das können beide nicht, keiner von ihnen kann in der Vergangenheit leben und die permanente Erinnerung daran ertragen.

Sie verbringen eine gemeinsame Nacht die durch die Unwissenheit Josefs über Irenas Namen aber unschön endet.
Und auch die anderen Figuren des Romanes wurden in ihrem Leben Opfer falscher Entscheidungen die sie mehr oder weniger prägten und der Leser merkt, wie subjektiv Erinnerungen sind und welchen Einfluss subjektive Einschätzungen auf das weitere Leben haben können.

Das große Thema dieses Buches ist aber wohl Heimat und der Verlust dieser, die verschiedenen Formen der Sehnsucht nach ihr und die traurige Feststellung, dass eigentlich nur man selbst weiß was in einem vorgeht, was man vermisst und fühlt da bei anderen, auch bei großem Interesse, immer Unwissenheit über den anderen und sein Innerstes vorherrschen wird.

Ein kurzes und kurzweiliges Buch das aber Kundera typisch große Themen mit Leichtigkeit berührt.

Détails sur le produit

* Broché: 236 pages
* Editeur : Editions Gallimard (10 février 2005)
* Collection : Folio
* Langue : Français
* ISBN-10: 2070306100
* ISBN-13: 978-2070306107