Mittwoch, 14. Mai 2008

L´Alchimiste von Paulo Coelho


Wie vielleicht alle Werke von Paulo Coelho ist auch dieses mit vielen Preisen ausgezeichnete Werk ein kleiner Schatz der Literatur. Vom Umfang her schmächtig aber vom Inhalt her sehr groß, ein kleines Buch in dem viele große Gedanken und eine wunderbar leichtfüßig und tiefgründig zu lesende Geschichte.
Eine Geschichte die wie alle Erzählungen Coelhos philosophische Gedanken und wichtige Fragen en passant in den Lesefluss hineintreiben lässt, ohne großen Pathos aber mit viel Gespür für Ruhe und Bewusstmachung.

Der erste Teil des Buches, das insgesamt in der französischen Taschenbuchausgabe nicht mehr als 189 Seiten zählt und in viele kurze Kapitel untergliedert ist, erzählt von dem andalusischen Schafhüter Santiago. Er ist ein optimistischer, nachdenklicher Mann, durch viele Jahre im Priesterseminar des Lesens kundig und sehr zufrieden mit seinem Leben als umher ziehender Hüter seiner Horde von freundlichen, genügsamen Schafen. Tiere für die er verantwortlich ist und aufmerksam Sorge trägt.

Er geniesst sein Leben, schätzt die Stille und aber auch das Kennen lernen vieler Menschen auf seinen Reisen, denn Freunde die man nicht immer sieht, sind die besten weil man sie und ihr Leben, so verschieden es auch sein mag, respektiert.

Ein Wunsch nur nagt etwas an ihm: die schöne Tochter des Tuchhändlers. Ein paar Tage vor der Ankunft in ihrem Dorf denkt er an ihr Treffen zurück, vor einem Jahr und fragt sich ob er überhaupt Chancen hätte bei ihrem Vater um ihre Hand anzuhalten.
Erst aber einmal quält ihn eine andere Ungewissheit: ein immer wiederkehrender Traum..

Santiago lässt ihn sich von einer alten Frau deuten, erzählt von dem Kind, dass ihn zu den Pyramiden führt und ihm von einem dort versteckten Schatz erzählt. Gegen das Versprechen, ihr ein Zehntel des Schatzes zu geben deutet ihm die Seherin seinen Traum: er muss zu den Pyramiden gehen weil dort ein Schatz versteckt ist. Santiago fühlt sich zunächst betrogen, entschliesst sich aber nach der Begegnung mit einem alten Mann, der von sich sagt der König von Salem zu sein und tatsächlich unter seinem Mantel versteckt eine kostbare Kette voller edler Steine trägt, seinem Traum zu folgen und die Zeichen, die ihm von nun an erscheinen, Beachtung zu schenken.
Denn dieser Mann weiß bereits alles über Santiago, seine Geschichte und auch, dass er bestimmt ist, seiner persönlichen Legende, seiner Geschichte zu folgen und sie nicht aus den Augen zu verlieren.

Zur Hilfe gibt er ihm zwei seiner Steine die ihm helfen sollen, Entscheidungen zu treffen, ein schwarzer Stein der für "Ja" und ein weißer Stein der für "Nein" steht.
Nach sehr vielen klugen Gedanken und Worten voller Weisheit trennen sich die beiden und Santiago, der dem Alten sechs Schafe als Preis für die Steine gegeben hat, ein Zehntel seiner Herde, verkauft seine geliebten, ihm zum Schutz befohlenen Schafe an einen Freund und setzt mit dem Schiff nach Afrika über.

Dort wird der gutgläubige, aufgeschlossene Santiago natürlich zugleich seines ganzen Geldes beraubt und erste Zweifel angesichts seiner desolaten Lage quälen ihn. Hätte er besser seine Schafe behalten und sich mit seinem alten Leben zufrieden gegeben? Wird er je zurück nach Andalusien können ohne sein Gesicht verloren zu haben?

Aber Santiago ist zu jung und stets zu guten Mutes um zu verzagen. Schon am nächsten Morgen betritt er das Kristall- und Glasgeschäft eines älteren Händlers, eines etwas antriebslosen Mannes der nicht ganz glücklich darüber ist, dass sich so wenige in sein Geschäft verirren, das abgelegen ganz oben auf einem Hügel liegt.
Santiago bietet ihm an, gegen ein gutes Essen alle angestaubten Gefässe im Schaufenster zu säubern und macht sich sogleich an die Arbeit.

Beim Essen erzählt er dem Mann von seinem Wunsch die Pyramiden zu sehen und fragt ihn, ob er nicht so lange bei ihm arbeiten kann bis er das Geld zusammen hat.
Der Mann lacht, denn die Reise zu den Pyramiden führt durch die Wüste, ist eine lange, beschwerliche und somit sehr kostspielige.
Aber Santiago möchte gerne bei dem Mann arbeiten, egal wie viele Jahre es dauern mag.

Santiago stellt sich schon sehr bald als gewitzter und tüchtiger Geschäftsmann und Unternehmer heraus und der Mann verkauft mehr Ware als je zuvor.
Er, dessen Wunsch es immer war, einmal seiner Pflicht als Muslim nachzukommen und eine Pilgerfahrt nach Mekka zu unternehmen, ein Traum der ihm immer schöne Stunden bereitet hat, bekommt nun Angst angesichts der Möglichkeit, diesen zu realisieren. Und vielleicht enttäuscht zu werden.

Er und Santiago erkennen wie unterschiedlich sie, wie unterschiedlich Menschen und ihre persönlichen Geschichten und Bestimmungen und Ansichten vom Glück und vom erfüllten Leben sind.
Aber Santiago, der sich von seinem Geld bereits eine doppelt so große Schafherde mit 120 Tieren kaufen konnte, glaubt an die Worte des alten, weisen Königs von Salem, glaubt an seine persönliche Geschichte und glaubt an sich.
Er weiß dass er immer ein guter Schafhirte und ein guter Verkäufer sein wird, was hat er also zu verlieren?
Frohen Mutes macht er sich auf die Suche nach seinem Schatz.

Im zweiten Teil des Buches lernt Santiago einen Engländer kennen. Auch dieser ist auf der Suche nach etwas, er, der die universelle Sprache kennen möchte, die dem Sinn des Lebens und des Daseins eine Stimme gibt und dem Esperanto und sein Wissen über die Religionen der Welt nicht genug sind, sucht nach einem Alchimisten. Diesem soll es gelungen sein, den Stein der Weisen und das Elixier des Lebens gefunden zu haben und der Engländer möchte von ihm lernen.

Die beiden erkennen schnell, dass ihre Suche und ihre Haltung eine sehr ähnliche ist und so schliessen sie sich gemeinsam einer großen Karawane an die von einem Ende Afrikas nach Ägypten am anderen Ende führt.
Denn beide glauben an Etwas, dass alles Leben und Treiben auf Erden oder gar im Universum zusammen hält, an Etwas das den Lauf aller Dinge kennt und bestimmt, Etwas das zu erkennen einem das Glück beschert.

Und so beginnt für beide eine gemeinsame Reise durch die Wüste, beschwerlich aber voller tiefgründiger Gespräche und Erkenntnisse, die nicht nur sie, sondern auch den Leser klüger machen, reicher an Wissen um ein zufriedenes Leben.

Der Engländer sucht den Alchimisten, aber nicht in erster Linie um Blei in Gold zu verwandeln oder den Elexir des Lebens herzustellen, sondern um die universelle Sprache der Welt und des Lebens zu kernen, denn diese kennen die Alchimisten, die den Plan hinter Gottes Schöpfung kennen und die Sprache in der er verfasst sind.
So ist auch der Alchimist der dem Buch seinen Titel gibt kein gieriger Magier sondern ein sehr, sehr weiser Mann, der weiß war war und was ist und auch was kommen wird.
Und Ausgewählten dabei hilft, ebenfalls Gottes Schöpfung besser zu begreifen und so leichter ihren persönlichen Weg zu gehen.

Die beiden erreichen gemeinsam mit der Karawane die große Oase, ein Ort inmitten der Wüste, riesengroß und mit festen, den Frieden sichernden Regeln. Denn während um die Oase herum Stämme gegeneinander Krieg führen, gilt in der Oase das Prinzip der Neutralität, sind die Bewohner doch in erser Linie Frauen und Kinder. Und so wartet die Karrawane hier ab, wartet bis sich die kriegerische Lage ändert.
Beide lernen viel, denn nicht nur Bücher, sondern auch die Gesetzte der Wüste sind ein guter Lehrmeister.
Dem Engländer ist es egal, wie lange die Belagerung dauert, ist er doch erst einmal angekommen, denn in dieser Oase weiß er den Alchimisten.

Dieser hat ebenfalls auf die Karawane gewartet, weiß er doch, dass diese einen würdigen Schüler mit sich bringt.

Doch dieser Schüler ist nicht der Engländer, sondern Santiago, der Hirte.

Dieser tritt nicht nur in engen Kontakt mit dem weisen Achimisten, der den Leser schon bald an den weisen König erinnert und Santiago schnell deutlich macht, dass er ihm bei der Suche nach seinem Schatz und der Verwirklichung seiner persönlichen Geschichte helfen kann.

Teil dieser Geschichte ist nun nämlich auich ein anderer Mensch, Santiago lernt Fatima kennen, eine junge Frau der Wüste, die, genau wie der Alchmist, von den persönlichen Geschichten und ihrer Wichtigkeit weiß. Auch wenn die beiden unmittelbar ihre Liebe zueinander entdecken, so weiß sie doh ganz genau, dass Santiago zuerst seiner Geschichte folgen und seinemn Schatz bei den Pyramiden finden muss bevor die beiden ein Leben zusammen führen können.

Hier wird in wunderbaren Worten das einende Wesen, die grundlegenden Bedingungen der Liebe wiedergegeben und genau wie an vielen, vielen anderen Stellen muss man einfach inne halten um dem Gelesenen sein Gewicht zuzugestehen. Hier kommt das unfassbare Talent Coelhos zu tragen, mit einfachen und leichten Worten große Wahrheiten einfach auf den Punkt zu bringen.

Doch bevor Santiago weiter ziehen kann um seinen Schatz bei den Pyramiden zu finden, muss er sich in Geduld üben, denn der Krieg dauert an. Nicht nur dass, eines Tages beobachtet er zwei Vögel und ihm bemächtigt sich der Gedanke, dass dies ein Zeichen ist dass der Krieg schon bald durch einen Angriff in die friedliche Oase hinein getragen werden wird.

Zuerst glaubt ih keiner der Clanchefs, doch hier in der Wüste werden Zeichen ernst genommen und so kann der Angriff abgewehrt werden und Santiago ist ein geachteter und reicher Mann.

Er könnte nun in der Oase bleiben und ein ruhiges Leben mit Fatima führen, doch er und sie und auch der Alchimist wissen um die Wichtigkeit seiner Mission. Wissen dass sein Herz nur bei ihr ruhen kann und in sich ruhen kann, wenn er zuvor dem Rufen und dem vorbestimmten Weg seines Herzen folgt.

Und so brechen der Alchimist und Santiago auf und begeben sich in die gefährliche Wüste.

Nach einigen in klugen Einsichten resultierenden und vielen weisen Gesprächen und Erkenntnissen werden sie von kriegerischen Normaden gefangen genommen und der Alchimist kann ihre Leben nur retten, indem er erzählt, dass es sich bei Santiago um einen mächtigen Alchimisten handelt, der die Fähigkeit besitzt, sich in Wind zu verwandeln.

Und Santiago, der zuerst skeptisch und von Angst erfüll ist, versteht im entscheidenden Moment Gottes Plan, verseht die Sprache in der alles geschrieben ist und die verrät wie alles zusammenhängt, versteht die Liebe und ihre kausalen Kräfte.

Santiago wird zum Wind und gelangt so nach ein paar Umwegen zu den Pyramiden.
Und was passiert, als er an der erwählten Stelle gräbt? Er wird überfallen und fast zu Tode geprügelt. Doch nur fast. Denn einer der Schurken denen er von seinem Traum mit dem Kind und dem Schatz erzählt, muss lachen. Denn er selbst hatte so einen Traum, ein Kind verriet ihm dass weit entfernt in Andalusien nahe einer Ruine ein Schatz vergraben sei. Aber er sei im Gegensatz zu Santiago nicht so blöd, einem derartigen Traum zu folgen.

Santiago ist glücklich, denn der besagte Ort in Andalusien ist genau der Platz an dem er damals seinen Traum gehabt hat und nun weiß er wo der Schatz verborgen ist. An dem Ausgangspunkt seiner langen Reise, von der aber kein Schritt und Wegstück umsonst war. Hat er doch auf dem Weg bis zu den Pyramiden unschätzbare Schätze an Weisheiten und Einsichten gewonnen und so ist der Schatz mehr als nur das materielle Glück das er vergraben vorfinden wird, es ist der Schatz eines wahrhaft erfüllten Lebens, eines Lebens das vor Gottes Augen mustergültig ist.

Santiago kehrt zurück, findet den Schatz und ist nun frei um in Liebe zu seiner Fatima zu leben.


Der Alchimist ist ein schöner Roman, oder eine Parabel vielmehr. Coelho bringt Weisheiten und einige Grundsätze der Religionen, hier Christentum und Islam, auf wunderschöne unprätentiöse Weise zum Ausdruck. Er vermittelt die elementaren Bedingungen der Liebe und der Lebensführung, zeigt einen Weg zum eigenen Glück.
Darum glaube ich, dass Bücher diese Art, seien sie von Paul Coelho, Francois Lelord oder auch Eric Emanuell-Schmitt, sehr viel mehr für das eigene Glück, für ein ausgefüllteres und bewussteres Leben tun können las Ratgeber die die Sachbuch-Tische aller Buchhandlungen überschwemmen.

Das Buch ist mit seinen weniger als 200 Seiten vergleichsweise dünn, bietet aber sehr viel Inhalt und grandios viele Einsichten die man sich in Ruhe und ruhig mehrmals zu Herzen nehmen sollte. Denn man begreift sie zwar sofort, aber sie auch im Alltag zu beherzigen ist die wahre Kunst eines zufriedenen, gar glücklichen Lebens. Und darum sind auch z.B. meine Paul Coelho Bücher mit diversen Post-Its bestückt...

Produktinformation

* Verlag: Import F; Editions J'Ai Lu
* 2007
* Ausstattung/Bilder: 2007. 190 S.
* Seitenzahl: 190
* J'ai lu Nr.4120
* Französisch

* Abmessung: 17, 5 cm
* Gewicht: 120g
* ISBN-13: 9782290004449
* ISBN-10: 2290004448
* Best.Nr.: 22578088