
Dieses Buch hat mir meine Mama geschenkt, sie meinte, ein paar Sachen darin erinnerten sie an mich.
Mh.
Auf der Rückseite lobt Frederic Beigbeder das Buch als ähnlich nur besser als die fabelhafte Amelie.
Mh.
Nichts davon stimmt richtig ist aber auch nicht falsch.
Es ist ein schön zu lesendes, originelles Buch voller Leichtigkeit und tiefschlagenden Dialogen und ein paar plötzlich aus dem Nichts heraus aufgeworfenen ernsten Gedanken die ein paar Worte weiter aber wieder durch lustige Wortgefechte besänftigt werden.
Die Geschichte ist die vierer Menschen, die, jeder ein ganz spezieller Kauz, auf den ersten Blick so gar nicht zueinander passen zu scheinen, sich dann aber auf das wunderbarste ergänzen und gemeinsam eine zauberhafte, der Realität etwas entrückte WG mitten in Paris bilden.
Da ist zum einen Camille, die am Leben und an der Einsamkeit und dem Mangel an Verständnis leidet und dies mit dem Verzicht auf Nahrung zu bewältigen versucht. Mehr vegetierend als lebend, sich durch den Alltag quälend wird sie, fast erfroren und verhungert von dem kauzigen Sonderling Philibert gerettet.
Er, aus einem anderen Jahrhundert stammend, ängstlich gegenüber der heutigen Welt und mit einem großen Herzen und einer großen Wohnung gesegnet, nimmt Camille mit zu sich, wo sie dann auch bald auf den anderen Mitbewohner, Franck, trifft.
Dieser ist hart in seinen Worten, verschlossen und eigentlich nur seiner geliebten Großmutter Paulette gegenüber geöffnet und liebevoll, leidet an zu viel Arbeit, die ihn als Koch auszerrt und ihm wenig Zeit für seine einzige Leidenschaft, Motorräder lässt. Seine sporadischen Freundinnen dringen nie tief in sein Herz, das aber an dem Leid seiner immer schwächlicher und hilfsbedürftiger werden Oma fast zerbricht.
Diese erträgt ihren Umzug in ein Altenheim nicht, und sehnt sich nach ihrem Leben im eigenen Haus mit großartigen Garten zurück.
Das Leben aller ändert und bessert sich erst durch das Zusammenkommen der Vier: Camille beschliesst bei einem gemeinsamen Besuch mit Franck bei Paulette, diese ebenfalls in die große Stadtwohnung zu holen.
Camille ist die tragende Figur des Buches, ihr Wille, der sich immer mehr stärkt und sie wieder dazu bringt, ihre Umgebung wahrzunehmen und in ihren wunderbaren Zeichnungen festzuhalten, zu essen, zu leben und zu vertrauen, stärkt auch die anderen.
Franck öffnet sich mehr und mehr und genau wie Philibert entdeckt er das Leben.
Er und Camille kommen sich näher, doch diese Beziehung ist schwer für beide, da es beide nie gelernt haben, zu vertrauen.
Er, der Koch, möchte Camille aufpäppeln und diese möchte ihn aus seiner harten Schale befreien. Doch beide tun sich schwer damit, Liebe zuzulassen.
Das ganze Buch besteht in erster Linie aus Dialogen, die im französischen wunderbar frisch und umgangssprachlich sind, aufgewertet durch Philiberts antiquierte Eloquenz.
Das Buch liest sich sehr flüssig und bringt oft zum Lächeln, natürlich wird am Ende alles gut und doch denke ich, dass Kitsch allzu hart und übertrieben als Beschreibung wäre.
Es ist die Geschichte von vier Menschen die alleine unsäglich gelitten haben und gemeinsam nun das Glück finden. Was ist daran kitschig? Möchte man nicht so etwas zur Abwechslung auch einmal lesen?
Ein sehr schönes Buch. Auf den ersten Blick schlicht und auf den zweiten einfach sehr bezaubernd.
# 2005. 573 S.
# Import; Editions J'Ai Lu
# J'ai lu, Roman Nr.7834
# Erscheinungstermin: Oktober 2005
# Artikeltyp: Buch
# Einband: Kartoniert/Broschiert
# Gewicht: 280g
# Abmessung: 18 cm
# Best.Nr.: 13610717
# ISBN-10: 2290343714
# ISBN-13: 9782290343715