Montag, 23. Februar 2009

De l'eau pour les éléphants von Sara Gruen


Eines der letzten Fundbücher aus dem Secondhand-Buchladen. also eines der Schätze, deren Wert man erst beim Lesen entdeckt, weil keinerlei Vorwissen oder fremde Wertungen vorhanden waren.
Bei diesem Buch war es das schöne Format und das reizende Cover und anschliessend der kurze Klappentext dass es sich um einen Zirkus im Amerika der 30er Jahre handelt, der Zeit der großen Wirtschaftskrise.

Und ich bin so froh um dieses Buch, denn es so gut, dass ich die 400 Seiten in zwei Abenden mit ganz viel Vergnügen gelesen hab, hinein gezogen in die bunte und harte Arbeitswelt eines Zirkuses zu Zeiten der großen finanziellen Not, wo Tiere und Artisten oft hungern müssen und unbrauchbar gewordene Arbeiter oft heimlich Nachts aus fahrenden Zügen geworfen werden.

Erzählt wird die Geschichte des Zirkus und seiner bunten Belegschaft von Jacob, der mit über neunzig Jahren in einem Altenheim sitzt, frustriert über die Entmündigung die man an ihm vollzogen an und der demütigen Art, wie man ihn, einem Kind gleich in dem Heim behandelt.
Er ist verärgert über das oft dumme Geschwätz seiner Mitpatienten und wartet eigentlich nur sehnsüchtig darauf dass endlich einer seiner für ihn schon gar nicht mehr überschaubaren Nachkommen kommt um ihn zum Zirkus zu bringen, der vor dem Heim seine Zelte aufgeschlagen hat.

Rückblickend erzählt Jacob seine Geschichte.
Wie er kurz vor der Prüfung zum Veterinär einen Black Out hatte, wie er nach dem tragischen Tod seiner Eltern ziellos umherirrt und sich dem Zirkus anschliesst, der ihn als Hilfskraft und Tierarzt anstellt.
ER erzählt aus dem harten Alltag hinten den Kulissen der glitzernden Zirkuswelt und von der Liebe die er schon bald für die schöne und herzensgute Dressurartistin Marlene empfindet.

Er erzählt auch von dem skrupellosen Zirkusdirektor und dem cholerischen August, Marlenes Mann, von dem alten alkoholkranken Camel, dem einsamen Zwerg Walter und all den anderen Existenzen die mit dem Zirkus zu überleben versuchen, denn in Zeiten der großen Wirtschaftskrise zählt jeder Tag mit vollem Magen als guter Tag.

Jacob verliebt sich nicht nur in Marlene, auch die Elefantendame Rosie, die als Konkursmasse eines anderen Zirkuses in seine Obhut übergeht erweicht sein Herz.
Und als es zwischen Marlene und ihrem Mann immer schlimmer wird, die Gesamtsituation des Zirkus sich immer mehr ins Unerträgliche steigert, muss Jacob sich was einfallen lassen und einen drastischen Schritt wagen...

Erzählt wird alles immer in Rückblenden aus der Sicht des alten Jacob und die Passagen in denen er ernüchtert und von Altersdemenz geplagt im Heim sitzt, sind genauso ergreifend wie die Erlebnisse im Zirkus. Und sie sind noch bewegender denn jeder der je mit offenen Augen in einem Altenheim war, kann nachfühlen wie die Leute sich dort fühlen.
Oft entmündigt, oft einfach missverstanden. Hilflos ihrer eigenen Gebrechlichkeit gegenüber, dem Entfallen wichtiger Erinnerungen, dem Unvermögen das Gegenwärtige umfassend aufzunehmen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Jacob hat sein Leben im Zirkus verbracht und nun sitzt er am Fenster eines Altenheimes einem weiteren gegenüber, spürt eine fast unerträgliche Sehnsucht und keiner seinen unzähligen Enkel oder Kinder kommt um ihn dorthin zu bringen.
Und so nimmt Jacob am Ende des Buches all seine verbliebene Kraft zusammen und sein zeit seines Lebens starker und zielstrebiger Charakter verschafft ihm und dem Leser ein wunderschönes Happy End, einen Vorhang der nur nach einer verzauberten Zirkusvorstellung schöner fallen kann.

Ein wundervolles Buch, warmherzig und flüssig zu lesen geschrieben, wundervolle Dialoge und bildhafte Beschreibungen einer vergangenen und harten Welt voller Arbeit und Schweiß hinter dem Glanz.

Détails sur le produit
Broché: 402 pages
Editeur : Albin Michel (9 mai 2007)
Collection : LITT.GENERALE
Langue : Français
ISBN-10: 2226177175
ISBN-13: 978-2226177179